Ishi

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Alfred Kroeber (links) mit Ishi, 1911
Ishi 1914
Porträt von Ishi, wahrscheinlich vor 1916

Ishi (* etwa 1860; † 25. März 1916 in San Francisco) war der letzte Überlebende der Yahi, eines Seitenzweigs der Yana-Indianer in Nordkalifornien.

Leben[Bearbeiten]

Ishi, der letzte bekannte Yahi-Indianer, wurde um 1860–1865 in einem der letzten intakten Dörfer des Yahi-Stammes geboren. Bei einem Überfall wurde der größte Teil des Stammes – u. a. auch Ishis Vater – getötet. Wenige Jahre später waren von den 300–400 Yahi lediglich sieben Personen übrig, außer einer Person alle nahe miteinander verwandt. Diese Kleinstgruppe zog sich aus Angst in das fast unzugängliche Deer-Creek-Tal zurück, um überleben zu können. Die Gruppe verringerte sich mit den Jahren, so dass um 1908 lediglich Ishi, sein Onkel, seine Mutter und seine – dies ist unklar – Kusine oder Schwester übrig blieben. In den vierzig Jahren, in denen sie sich versteckt gehalten hatten, hatten sie sich mehrere Male neue Zufluchtsstätten gesucht, weil die weiße Zivilisation (Trapper, Landvermesser, Siedler etc.) immer näher kam. Zuletzt lebten sie in einer winzigen Siedlung, die sie im Verborgenen angelegt hatten.

Diese Siedlung wurde durch Landvermesser 1908 entdeckt, die Gruppe floh, musste aber die nicht mehr gehfähige, schwer kranke Mutter zurücklassen. Die Landvermesser erzählten von ihrer Entdeckung und am nächsten Tag machte man sich auf den Weg zu dieser Siedlung. Sie entdeckten die Frau, nahmen sie aber nicht mit, sondern raubten das meiste an Vorräten und Fellen, das die Gruppe für den Winter brauchte. Dadurch war ihr Überleben stark gefährdet. Nach diesem Ereignis blieben zwei Personen der Gruppe, der Onkel und die „Schwester“ verschwunden, wahrscheinlich wurden sie bei der Flucht vom reißenden, nahen Bach weggerissen. Ishi pflegte seine Mutter während der nächsten zwei bis drei Jahre. Dann starb sie, und er lebte allein.

Ishi begab sich aus nicht mehr zu rekonstruierenden Gründen zu den Weißen und wurde am 29. August 1911 in Oroville vom Sheriff in der Nähe des Schlachthofes entdeckt, wo ihn seine Kräfte verließen. Verschreckt mangels gemeinsamer Sprache blieb er einige Tage in Gefangenschaft, bis es dem Anthropologen Thomas T. Waterman gelang, sich auf Basis der Yahi-Sprache mit ihm zu verständigen. Beim Suchen nach Möglichkeiten ihn in verschiedenen Indianersprachen anzusprechen, nannte er das Wort „siwini“ („Gelbholz“), woraufhin Ishi hellhörig wurde. Für den Anthropologen unfassbar, erkannte er, dass hier ein Indianer vor ihm war, dessen Stamm schon seit 40-50 Jahren als ausgestorben galt. Diesem Indianer wurde der Name Ishi, was in Yahi Mensch bedeutet, gegeben, da es in seiner Kultur nicht üblich war, jemanden mit seinem richtigen Namen anzusprechen.

Ishi wurde an das Anthropologische Museum der Kalifornischen Universität in Berkeley, San Francisco gebracht, wo er fortan lebte und Berühmtheit erlangte. Er half den dortigen Anthropologen, insbesondere Alfred Kroeber, beim Studium der Yahi-Sprache und -Gebräuche. Im Gegenzug wurde er in die moderne Zivilisation eingeführt, in der er sich dann auch recht gut zurechtfand.

Weiterhin vermittelte er seine Kenntnisse der klassischen indianischen Jagdtechniken sowie des Baues von Jagdbögen an Saxton Pope, der einer der Pioniere der modernen Jagd mit Pfeil und Bogen war.

Waterman, Kroeber und Pope wurden zu Ishis Freunden.

1916 starb Ishi im Krankenhaus des Parnassus Campus der University of California, Berkeley, an Tuberkulose.

In den späten 90er Jahren kam heraus, dass das Gehirn Ishis nach seinem Tod entnommen worden war[1], was die Berkeley University jedoch bestritt. Es entstand ein Gerangel um die Herausgabe seines Gehirns an einen indianischen Verband, der ihn würdevoll bestatten wollte. Dies geschah im Jahre 2000 an einem unbekannten Ort.

In den letzten Jahren ist auch eine verstärkte kritische Betrachtung des Anthropologen Alfred Kroeber und dessen Behandlung des Indianers festzustellen, so z. B. hinsichtlich des Druckes, Daten von ihm zu erfassen, seinen Körper nach dem Tode zu untersuchen usw. Daher ist die am weitesten in der Öffentlichkeit bekannte Darstellung durch die Frau Alfred Kroebers, Theodora, teilweise zu hinterfragen.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Ishis Schicksal, als „letzter wild-unverdorbener Indianer“, wurde als Filmthema in Dokumentationen und Spielfilmen verarbeitet:

  • Ishi, the Last of his Tribe (dt.: Ishi, der Letzte seines Stammes), Spielfilm USA 1978. In drei Teilen, ca. 150 min lang.

Dieses Dokudrama, vom ZDF am 30. April 1983, danach noch einmal zwischen dem 1. und 14. Juni 1986 ausgestrahlt, schildert in eindrucksvollen Szenen das Leben der Kleinstgruppe in den vierzig Jahren ihres Versteckens. Es geht um die Angst vor der Entdeckung, um ihre emotionellen Probleme, z.B. die Unmöglichkeit zu heiraten wegen der zu nahen Verwandtschaftsgrade der zuletzt zwei fast Gleichaltrigen, dann um das langsame Schrumpfen der Gruppe, um ihre Verbindung zur Geisterwelt und eben um Ishis Leben in der weißen Welt.

  • Ishi, the last Yahi (ca. 1994) Dokumentarfilm, als DVD erhältlich. Dieser Film zeigt die Lebensumwelt Ishis wie sie heute aussieht, berichtet über Grabungen und das heute Bekannte über die Yahi-Gruppe.

Es werden keine szenischen Darstellungen gezeigt, allerdings die Orte, an denen Ishi lebte. Es wird beschrieben, wie sein Museumsleben verlief, und vieles mit Standbildern und alten Fotos veranschaulicht.

  • Last of his Tribe (ca. 1992). Dieser Spielfilm beschreibt Ishis Leben nach seinem Auffinden 1911. Es wird gezeigt, wie er durch die aufkommende Anthropologie benutzt wird. Hierbei wird der Anthropologe Alfred Kroeber kritisch dargestellt. Es wird Ishis Verlassenheit und Einsamkeit gezeigt, aber auch durch Rückreisen in das Gebiet sein vorheriges Leben, wie es dort aussah. Inhaltlich gibt es keine szenischen Nachstellungen seines früheren Lebens. Letztlich endet dieser Film mit seinem Tod. Besonders deutlich wird, inwiefern das Interesse der Wissenschaftler mit der Achtung der Menschenwürde kollidierte.

Die Anfangsszenen sind allerdings frei gesponnen, so z.B., dass seine Kusine/Schwester erschossen wurde etc.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodora Kroeber: Ishi in Two Worlds. ISBN 0520229401 (dt. als Der Mann, der aus der Steinzeit kam). Das Buch der zweiten Ehefrau des Anthropologen Alfred Kroeber über Ishi war die Vorlage der Verfilmungen.
  •  C. W. Ceram: Der erste Amerikaner. die Entdeckung der indianischen Kulturen in Nordamerika. Hannelore Marek und Artemis & Winkler Verlag, München und Zürich 1991, ISBN 3-7608-1928-1.
  • Othmar Franz Lang: Meine Spur löscht der Fluß. Benziger Verlag, Köln und Zürich 1978, ISBN 3545330729. Roman, Jugendbuch.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Orin Starn, Ishi's Brain: In Search of America's Last "Wild" Indian

Weblinks[Bearbeiten]