Islam in Bosnien und Herzegowina

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Die Ferhad-Begova-Moschee in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo

Der Islam ist in Bosnien und Herzegowina (bosnisch Islam u Bosni i Hercegovini, türkisch Bosna Hersek'deki İslâm, arabisch ‏الإسلام في البوسنة والهرسك‎) neben dem Christentum eine der beiden dominierenden Religionen.

Die Muslime in Bosnien und Herzegowina zählen etwa zwei Millionen Anhänger und bilden über 40 Prozent der Bevölkerung des Landes (Schätzung 2002).[1][2]

Die Bosniaken sind bosnische Muslime, deren Vorfahren im 14. und 15. Jahrhundert zum Islam konvertierten (siehe auch Slawische Muslime). Bosniaken sind entweder sunnitische Muslime oder Atheisten. Die allgemeine Religiosität steigt.[3][1]

Religiöse Identität[Bearbeiten]

In Bosnien beobachtet man besonders bei der Jugend eine nationale und religiöse Erweckung im Zuge einer gesteigerten Identifizierung mit dem ethnischen Erbe, zum großen Teil infolge des Bosnienkrieges.[4] Begünstigt wird diese Entwicklung durch millionenschwere Investitionen einiger Golfstaaten wie Saudi Arabien, die vor allem eine streng konservative Islamauslegung fördern, die den traditioniell eher toleranten bosnischen Islam zunehmend verdrängt.[5]

Zahlreiche muslimische Frauen befolgen inzwischen – besonders in den Städten – die islamische Kleiderordnung, die vor dem Krieg zumeist keine Beachtung fand. Andererseits genießt die Religion die größte Unterstützung aus den ländlichen Gebieten Bosnien und Herzegowinas, und geringeren Zuspruch in urbanen Zentren wie der Hauptstadt Sarajevo oder Banja Luka.[4]

Islamische Glaubensgemeinschaft Bosnien Herzegowina[Bearbeiten]

Seit dem Bosnienkrieg stand 19 Jahre lang Mustafa Cerić an der Spitze der Islamischen Glaubensgemeinschaft Bosnien Herzegowina (Islamska zajednica, IZ BiH). Cerić wurde in dieser Funktion als Reisu-l-ulema (Großmufti) von Bosnien und Herzegowina im November 2012 von Husein Kavazović, vormals Mufti von Tuzla, abgelöst.[6] Sejad Mekić, der eine Ausbildung zunächst an der Elči-Ibrahim-Pascha-Medresa[7] in Travnik absolviert hat, war 2008 einer der muslimischen Delegationsteilnehmer des 2. Seminars des Katholisch-Muslimischen Forums in Rom.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b USA Department of State: International Religious Freedom Report 2007 - Bosnien und Herzegowina
  2. CIA - The World Factbook -- Bosnien und Herzegowina
  3. Die Regierung Census Bureau sammelt keine Daten über die Religionszugehörigkeit. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Schätzungen in den UN Development Program's Human Development Report 2002 zitiert vom US Department of State
  4. a b "Bosnien und Herzegowina: International Religious Freedom Report 2006". US Department of State-Büros für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit. 15. September 2006. Abgerufen am 4. Januar 2011.
  5. Islamisierung in Sarajevo: Metropole der Minarette von Walter Mayr, Spiegel, 24. Dezember 2009
  6. Neuer religiöser Führer für Muslime in Bosnien Zoran Arbutina, Deutsche Welle, 19. Oktober 2012
  7. siehe auch rijaset.ba (Islamske zajednice u Bosni i Hercegovini)
  8. acommonword.com: Delegations to the 'Second Catholic-Muslim Forum' (Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch)