Islam in Mazedonien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Bunte Moschee in Tetovo im Nordwesten Mazedoniens aus dem Jahr 1495 gehört zu den ältesten Moscheen des Landes und zu den beliebtesten Ausflugsorten von Touristen. Die geometrischen und floralen Muster im Äußeren sowie im Inneren sind einzigartig in der osmanischen Architektur.

Der Islam ist in Mazedonien nach dem Christentum die Religion mit den zweitmeisten Anhängern. Laut der zuletzt durchgeführten Volkszählung vom Jahr 2002 zählten sich 674.015 von 2.022.547 Einwohnern zum Islam, was rund 33,33 Prozent der Gesamtbevölkerung macht.[1] Mazedonien ist somit nach der Türkei, dem Kosovo, Albanien und Bosnien und Herzegowina das europäische Land mit dem fünftgrößten Anteil an Muslimen in seiner Bevölkerung.

Da der Balkanstaat seit Jahrhunderten multiethnisch geprägt ist, zählen sich verschiedene Volksgruppen bzw. Teile von ihnen zum muslimischen Glauben. So sind Albaner, Türken und Bosniaken fast ausschließlich Muslime. Des Weiteren zählt sich eine Minderheit der ethnischen Mazedonier (Torbeschen und Goranen) und der Roma zum Islam.

Der Islam in Mazedonien ist vor allem sunnitisch geprägt, die Rechtsschule der Hanafiten ist vorherrschend. Auch der Sufismus hat eine lange Tradition im Land. So gibt es eine Menge Derwischklöster, die von verschiedenen Sufi-Orden unterhalten werden. Diese Auslegung des Islams ist auf die osmanische Vergangenheit des Landes zurückzuführen. Zwischen dem 15. und dem frühen 20. Jahrhundert war die Region Teil des Osmanischen Reiches.
Seit der Unabhängigkeit Mazedoniens 1991 verbreiten sich jedoch unter Muslimen vermehrt Wahhabiten, Salafisten, Schiiten und Anhänger anderer Richtungen des Islams, die sich im Vergleich zur Tradition in Mazedonien deutlich unterscheiden.

Demografie[Bearbeiten]

Verbreitung des Islams im mehrheitlich christlichen Mazedonien. In den grün markierten Gemeinden ist der Anteil an Muslimen höher als 50 Prozent.

Die höchsten Anteile an Muslimen in den Gemeindebevölkerungen befinden sich vornehmlich im Westen Teil des Landes, hauptsächlich im Siedlungsgebiet der albanischen und türkischen Minderheit. Muslime stellen in den Städten Debar, Gostivar und Tetovo die große Mehrheit in der Bevölkerung. Bedeutende Minderheiten gibt es in den Städten Struga, Kičevo, Skopje, Kumanovo und Veles.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Kontakte zwischen den christlichen Bewohnern Makedoniens mit dem Islam gab es schon vor dem militärischen Einfall der Osmanen auf dem Balkan. Wandernde Derwische und Händler auf Durchreise prägten das frühe Bild der neuen Religion. Vereinzelt gründeten Erstere auch kleine Klöster.

1371 begann die schrittweise Eroberung Makedoniens durch das Osmanische Reich. 1387 fiel erstmals Thessaloniki und 1392 kam Skopje zu Fall. Schon vorher wurden jedoch Bitola und Prilep 1385 erobert. Die Region verblieb für die nachfolgenden über 500 Jahre unter der Herrschaft Konstantinopels. Die neuen Gebiete wurden in der Provinz Rumelien verwaltet.

Beschädigte Moschee in Matejče, Kumanovo, während des Konflikts 2001

Unter der osmanischen Herrschaft genossen Christen und Juden jedoch vergleichsweise viele Rechte und wurden in ihren religiösen Tätigkeiten nicht gezielt diskriminiert. Vielmehr versuchten die Osmanen im sogenannten Millet-System die verschiedenen Religionen und Ethnien im Reich auszubalancieren, was meist auch gelang. Trotzdem verlor das Osmanische Reich im frühen 19. Jahrhundert kontinuierlich an Macht und musste immer wieder Gebietsabtretungen an seine Nachbarn machen. Der „kranke Mann am Bosporus“ büßte schließlich mit dem starken Aufkommen des Nationalismus in seinem Land viel an Macht ein. Mit der Unabhängigkeit Griechenlands (1830), Bulgariens (1870), Serbiens (1817), Montenegros (1878) und Albaniens (1912) zerbrach schließlich der islamische Staat und mit ihm die Organisation der Muslime, welche sich nun neuordnen mussten.

In der Zeit der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien waren die Muslime als religiöse Gemeinschaft anerkannt und der Bau von Moscheen und Koranschulen wurde gefördert. Immerhin waren in den 1970er Jahren 12,3 Prozent der jugoslawischen Bevölkerung muslimischen Glaubens.

Nach den Jugoslawienkriegen erlebte der Islam in Mazedonien regelrecht eine Blüte. Es entstanden und entstehen noch heute neue große Moscheen, gleichzeitig jedoch werden vor allem in ihrer Nähe mazedonisch-orthodoxe Kirchen oder illuminierte Kreuze erstellt. Dieser ethnisch-religiöse Konflikt stellte sich schon früh in der Geschichte der jungen Republik Mazedonien. Beim albanischen Aufstand 2001 eskalierte der Konflikt schließlich zwischen den christlichen Mazedoniern und den muslimischen Albanern. Seitdem hat sich die Lage sehr beruhigt, jedoch kommt es fast jährlich zu Übergriffen auf Moscheen und Kirchen, nicht nur auf neuere sondern auch auf ältere, kulturhistorisch und architektonisch bedeutende Bauwerke.

Bedeutende osmanische Moscheen[Bearbeiten]

Name Bild Ort Vollendet
Bunte Moschee
Tetovo Bunte Moschee.jpg
Tetovo 1495
Bunte Moschee
Aladja Moschee01.JPG
Skopje 1438
Isa-Bey-Moschee
Isa bey mosque skopje 10.jpg
Skopje 1475
Mustafa-Pascha-Moschee
Мустафа-пашина џамија во Скопје 3.jpg
Skopje 1492
Sultan-Murad-Moschee
Султан-муратова џамија во Скопје 3.jpg
Skopje 1436
Jeni-Moschee
Bitola Dzamija 1.jpg
Bitola 1558
Murad-Pascha-Moschee
Мурат-пашина џамија во Скопје.jpg
Skopje 1436
Gazi-Haydar-Kadi-Moschee
Haydar kadı mosque Bt.jpg
Bitola 1561
Isak-Çelebi-Moschee
Isak Džamija, Bitola.JPG
Bitola 1506
Hünkar-Moschee keins vorhanden Debar 1468
Husameddin-Pascha-Moschee
Štip 16.JPG
Štip 1570
Čarši-Moschee
Prilep-rušena.jpg
Prilep 1475

Literatur[Bearbeiten]

  • Nexhat Ibrahimi: Islami në trojet iliro-shqiptare gjatë shekujve. Prishtinë 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung in Mazedonien 2002. In: Staatliches Statistisches Büro. Abgerufen am 14. September 2013 (englisch, PDF-Datei, 3,05 MB).