Islamisch Republikanische Partei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Islamisch Republikanische Partei (IRP, persisch ‏حزب جمهوری اسلامی‎ Hezb-e Dschomhuri-e Eslami, DMG Ḥezb-e Ğomhūrī-ye Eslāmī) war eine Partei der islamischen Republik Iran, die vom 19. Februar 1979 bis zur Selbstauflösung am 2. Juni 1987 existierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Die IRP wurde am 19. Februar 1979, nach der Rückkehr Ruhollah Chomeinis aus dem Pariser Exil und der Islamischen Revolution, durch iranische Religionsgelehrte gegründet. Ziel der vor allem von Mohammed Beheschti vorangetriebenen Parteigründung war es, die zersplitterte islamische Oppositionsbewegung zu vereinen. Kern der Partei sollte die Vereinigung der kämpfenden Geistlichkeit sein. Die weiteren Mitglieder sollten sich aus der Gesellschaft der Dozenten der religiösen Seminare (Dschame'eh-ye Modarresin Hozeh-ye Elmiyeh), die die Lehrer der Religionsschulen repräsentierte, der Vereinigung der Islamischen Koalition (Hayat-e Mo'talefeh Eslami), die in der Hauptsache von den Kaufleuten aus dem Basar getragen wurde, und der Islamische Gesellschaft der Ingenieure (Dschame'eh-ye Eslami Mohandesin), die sich aus Technokraten bildete, die die westlich orientierte Politik des Schahs ablehnten, rekrutieren.[1] Ein einheitliches Parteiprogramm sollte den Aufbau eines islamischen Staates unterstützen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderen Mohammed Beheschti, Mousavi Ardebili, Mohammed Reza Mahdavi-Kani, Seyyed Ali Chamene'i, Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī, Mohammad-Dschawad Bahonar, Ayat und Abbaspur.

Die von der Partei vertretenen Positionen stimmten mit Chomeinis Konzeption der Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten nicht immer überein. Der erste Parteivorsitzende war Mohammed Beheschti, der als stärkster Mann hinter Chomeini galt.[2]

Anschlag[Bearbeiten]

Am 28. Juni 1981 wurde das Parteigebäude Ziel eines Bombenanschlages. Beheschti und über 70 andere Personen wurden dabei getötet. Nach offiziellen Angaben starben 71 Menschen.[3] Andere Quellen gehen von bis zu 84 Toten aus.[4] Die bewaffnete islamisch-sozialistisch orientierte Gruppierung Volksmodschahedin, die einen Guerillakrieg gegen den Schah geführt hatte und sich nun durch Chomeini von der Macht ausgeschlossen sah, wurde für den Anschlag verantwortlich gemacht,[5] bestritt aber jede Verantwortung.[3] Die Tatsache, dass Ali Chamene'i durch die Folgen eines Attentats nicht anwesend war und Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī das Gebäude vor der Detonation verließ, gab Anlass zu der Vermutung, die Drahtzieher des Anschlages könnten aus den Reihen der chomeinitreuen Mullahs gekommen sein.[6]

Nach dem Tod Beheschtis übernahm Mohammed Reza Mahdavi-Kani den Parteivorsitz.

Niedergang und Auflösung[Bearbeiten]

Am 15. April 1984 erreichte die IRP zum ersten Mal bei den Iranischen Parlamentswahlen nicht die absolute Mehrheit. Ihre Anziehungskraft ging insbesondere durch den Iran-Irak-Krieg zurück und die Auflösung der IRP am 2. Juni 1987 stand in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Aufstieg Rafsandschanis. Die Annahme der UN-Sicherheitsresolution 598, mit der ein verbindlicher Friedensplan zur Beendigung des Ersten Golfkrieges zwischen dem Iran und dem Irak beschlossen wurde, wäre mit dem starren Parteiprogramm der IRP kaum möglich gewesen. Chamenei und Rafsandschani legten dem Revolutionsführer Ruhollah Chomeini die Auflösung nahe, die dieser am 2. Juni 1987 verfügte.

Kommentare zur IRP[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch, 5 Jahre Revolution. Libertäre Assoziation. 1983
  • Bahman Nirumand: Iran, hinter den Gittern verdorren die Blumen. Rowohlt Verlag. 1985

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amin Saikal: The rise and fall of the Shah. Princeton University Press, Paperback-Ausgabe, 2009, S. xxi.
  2. Amir Taheri: Chomeini und die Islamische Revolution, Hamburg 1985, S. 320 ff.
  3. a b Katajun Amirpur/Reinhard Witzke: Schauplatz Iran, Freiburg 2004, S. 93
  4. Bahman Nirumand: Iran - hinter den Gittern verdorren die Blumen. Hamburg. 1989. Seite 236
  5. Ulrich Enke: Ayatollah Khomeini, München 1989, S. 122
  6. Bahman Nirumand: Mit Gott für die Macht, Hamburg 1989, S. 328 f.
  7. AFP vom 26. Juni 1981
  8. Interview: Der Spiegel. Nr. 8/1981. Seite 139