Islamischer Staat im Irak und der Levante

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Variante der ISIS-Flagge mit dem ersten Teil der Schahāda (oben) und dem Siegel Mohammeds (unten)[1]
Der Irak und die Länder der Levante (in heutigen Grenzen)

Der Islamische Staat im Irak und der Levante (arabisch ‏الدولة الإسلامية في العراق والشام‎ ad-dawlat al-islāmīya fī 'l-ʿirāq wa 'sch-schām), abgekürzt ISIS bzw. ISIL, oft nur Daaisch (arabisch ‏داعش‎ dāʿisch) genannt und in den Medien auch als Islamischer Staat im Irak und in Syrien bezeichnet, ist eine dschihadistisch-salafistische Organisation. Sie hat ihren Ursprung im irakischen Widerstand und bekannte sich früh zu al-Qaida, weswegen sie auch als al-Qaida im Irak (AQI) bekannt ist. Im Irak tötete sie durch Anschläge über 6000 Menschen. Sie kämpft im Syrischen Bürgerkrieg gegen das Regime von Baschar al-Assad sowie diverse andere syrische Aufständische. Ihr Anführer ist Abu Bakr al-Baghdadi.

Mitglieder[Bearbeiten]

Schätzungen des US-Außenministerium vom Mai 2013 beziffern die Truppenstärke der ISIS im Irak mit 1000 bis 2000.[2] In Syrien werden die Kämpfer der ISIS je nach Quelle auf 3.000 bis 8.000 geschätzt.[3][4][5]

Im Verfassungsschutzbericht 2012 des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz wird AQI als die „aktivste terroristische Gruppierung im Zentral- und Südirak“ beschrieben. Strukturen von AQI in Deutschland seien derzeit nicht bekannt.[6] Ende November 2013 veröffentlichte ISIS ein Video, in dem erstmals ein deutsches ISIL-Mitglied für den Dschihad in Syrien wirbt.[7] Das Bundesamt für Verfassungsschutz identifizierte den Mann als einen 26-jährigen Konvertiten aus Dinslaken; er soll mit vier Salafisten aus der Region Dinslaken über die Türkei nach Syrien gereist sein und sich dort ISIS angeschlossen haben.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

at-Tauhīd wa-l-Dschihād bis 2004[Bearbeiten]

Das zerstörte Bagdader Canal Hotel nach dem Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq

Die Organisation wurde 2003 bzw. Anfang 2004 von Abu Musab az-Zarqawi gegründet (az-Zarqawi war bereits am 23. September 2003 auf die konsolidierte Liste des Al-Qaida Sanctions Committee des UN-Sicherheitsrates gesetzt worden).[9] Az-Zarqawis Organisation wurde für den Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq im Bagdader Canal Hotel am 19. August 2003 verantwortlich gemacht, bei dem 22 Menschen (darunter Sérgio Vieira de Mello) getötet und über 100 verletzt wurden.[10] Die Organisation trat im April 2004 als Dschamāʿat al-Tauhīd wa al-Dschihād (JTJ, Gemeinschaft für Tauhīd und Dschihad) in Erscheinung, wurde aber auch Zarqawi-Gruppe bzw. Az-Zarqawi-Netzwerk genannt.

Qāʿidat al-Dschihād fī Bilād ar-Rāfidain[Bearbeiten]

Im Oktober 2004 änderte sie ihren Namen in Tanzim Qāʿidat al-Dschihād fī Bilād ar-Rāfidain (TQJBR; Organisation der Basis des Dschihad im Zweistromland); da Zarqawi am 17. Oktober 2004[11] offiziell al-Qaida und Osama bin Laden die Treue schwor (baiʿa) und bin Laden am 27. Dezember 2005[11] die Gruppe anerkannte sowie Zarqawi zu seinem Stellvertreter im Irak erklärte, war die Organisation seitdem eher als al-Qaida im Irak (AQI) bekannt. Die vor allem in Bagdad und westlich von Falludscha aktive Organisation bekannte sich von Anfang an dazu, Angriffe (Bombenanschläge, Hinrichtung von Geiseln) auf Zivilisten (Beamte, ausländische Hilfsarbeiter – im Jahr 2004 Dutzende von Toten) durchzuführen; später zählte sie auch Parteien und alle am demokratischen Prozess Beteiligten als legitime Ziele für Anschläge.[12] Sie bekannte sich zum Attentat auf Ezzedine Salim.[13] Über auf dschihadistischen Websites verbreiteten Videos bekannte sich die Organisation 2004 als verantwortlich für die Entführungen und auf Video festgehaltetenen Hinrichtungen folgender ausländischer Zivilisten: Nicholas Berg, Eugene Armstrong und Jack Hensley (Amerikaner); Kenneth Bigley (Brite); Kim Sun-Il (Südkoreaner); Georgi Lazov (Bulgare); Murat Yuce (Türke).[14]

Am 15. Oktober 2004 gab das Außenministerium der Vereinigten Staaten bekannt, dass JTJ auf die Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt wurde.[14] Am 18. Oktober 2004 wurde AQI aufgrund von Resolution 1526 des UN-Sicherheitsrates als mit al-Qaida, bin Laden bzw. den Taliban assoziiert gelistet.[10] Am 17. Dezember 2004 wurde AQI auf die Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt.[15] Am 2. März 2005 listete die australische Regierung AQI als terroristische Organisation.[11]

In einem auf den 9. Juli 2005 datierten Brief Aiman az-Zawahiris an Abu Musab az-Zarqawi[16] erklärte Zawahiri u. a. die Wichtigkeit des Irak-Kriegs für den weltweiten Dschihad; dass der Krieg nicht mit dem Abzug amerikanischer Truppen enden werde; die zumindest zeitweilige Notwendigkeit der Unterstützung durch die Volksmassen; die Forderung nach politischen Aktionen; die Einsicht, dass mehr als die Hälfte des Konflikts in den Medien ausgetragen werde.

Die Organisation änderte ihre Strategie weg von Entführungen und einzelnen Hinrichtungen Anfang 2005 hin zu spektakulären Anschlägen (vor allem Bombenattentate in Bagdad sowie West- und Nordirak mit über 700 Toten im Jahr 2005). Im September 2005 erklärte Abu Musab az-Zarqawi den „Rāfiḍa“ wegen Anschlägen von Schiiten auf Sunniten den Krieg; im selben Jahr war TQJBR auch in Jordanien aktiv (insbesondere mit den Bombenattentaten in Amman am 9. November auf die Hotels Grand Hyatt, Radisson SAS und Days Inn).[12]

Diverse dschihadistische Gruppen schlossen sich TQJBR an, und im Januar 2006 wurde unter ihrer Führung die Dachorganisation Madschlis asch-Schura al-Mujahideen fi al-Iraq (MSC, Schura-Rat der Mudschaheddin im Irak) ausgerufen; zum Anführer wurde Abu Abdullah al-Rashid al-Baghdadi (auch Abu Omar al-Baghdadi) erklärt, bis zu Zarqawis Tod im Juni 2006 kontrollierte jedoch dieser die Organisation. Mit Zarqawis Tod übernahm Abu Ayyub al-Masri die Leitung von TQJBR.

Islamischer Staat im Irak ab 2006[Bearbeiten]

Im Oktober 2006 benannte sie sich in dawlat al-islāmīya fī 'l-ʿirāq (ISI, Islamischer Staat im Irak) um; seitdem wird ISI von einem Kabinett geleitet, in dem Masri Kriegsminister wurde.[12] Vordergründig wurde für die Ausrufung des Islamischen Staates, der als sunnitisches Territorium Bagdad sowie die Gouvernate al-Anbar, Diyala, Salah ad-Din, Kirkuk, Ninawa und Teile von al-Wasit und Babil umfassen sollte, auf die Autonome Region Kurdistan für Iraks Kurden und die Verabschiedung von Iraks Föderalismusgesetz für Iraks Schiiten Bezug genommen.[17] Die Aktivitäten von TQJBR/ISI konzentrierten sich 2006 auf Bagdad, Kerbala, Tuz Khurmatu und Kufa mit ca. 440 Toten.[12]

In der zweiten Jahreshälfte 2006 wurde mit Finanzierung, Ausbildung und Bewaffnung durch die Vereinigten Staaten im Irak (zunächst in al-Anbar) die sogenannte Sahwa- oder Erweckungs-Bewegung ausgehoben: aus sunnitisch-arabischen Stämmen rekrutierte und in örtlichen Räten organisierte Milizen, die gegen Aufständische – und vor allem AQI – eingesetzt wurden. Zu ihren Hochzeiten hatte sie über 100.000 Mitglieder (seit dem Abzug der amerikanischen Truppen 2010 nicht mehr als 38.000); zu ihren Anführern gehörte Abdul Sattar Abu Rischa.[18][19]

2007 beging ISI im ganzen Irak Anschläge, oft mit Autobomben in Selbstmordattentaten, wodurch ca. 1900 Menschen getötet wurden.[12] Anfang Oktober 2013 gaben die aufständischen Organisationen im Irak Asaeb al-Iraq al-Jihadiya und Hamas im Irak Verlautbarungen heraus, in denen sie sich von ISI distanzierten und deren Taktiken verurteilten.[20]

2008 beging ISI vor allem in Mosul Anschläge, aber auch in Baquba, Bagad und Tal Afar mit insgesamt ca. 520 Toten. Mit derselben Strategie war Mosul 2008 oft Ziel von ISI, allerdings wurde auch in Kirkuk ein Anschlag bei einer Schia-Moschee mit über 70 Toten verübt; insgesamt wurden 2009 ca. 630 Menschen von ISI getötet. 2010 wurden die meisten Anschläge von ISI in Mosul, Bagdad sowie den Gouvernements Diyala und Karbala (unter anderem auf schiitische Pilger und auf stark besuchte Märkte) durchgeführt, dadurch wurden ca. 700 Menschen getötet.[12] Im April 2010 kamen al-Baghdadi und al-Masri bei Tikrit in einer durch irakische und amerikanische Truppen durchgeführten Operation ums Leben.[21]

Mitte Mai 2010 erklärte ISI Abu Bakr al-Baghdadi zu ihrem neuen Anführer.[22][23][24] Am 31. Oktober 2010 verübte ISI Anschläge auf die Iraker Börse sowie die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad 2010.[11] 2011 verübte ISI vor allem in Bagad sowie in den Gouvernements Karbala und Salah ad-Din (so auf schiitische Pilger bei Samarra) Anschläge, dabei wurden ca. 320 Menschen getötet. 2012 verübte ISI vor allem in Bagdad sowie den Gouvernements Basra, Salah ad-Din und Babil Anschläge (so auf schiitische Pilger in Basra), dadurch wurden ca. 770 Menschen getötet;[12] hierzu gehörte die Anschlagserie am 23. Juli 2012 in 19 irakischen Städten, in der 113 Menschen getötet und 250 verletzt wurden und die zur am 21. Juli von Abu Bakr al-Baghdadi angekündigten Offensive „Zerstörung der Mauern“ gehörte, die u. a. die Befreiung von Gefangenen zum Ziel hatte.[25] Am 26. Januar 2012 wurde ISI durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten auf Anweisung von Außenministerin Hillary Clintons vom 11. Januar[26] als Alias von AQI erfasst. Am 11. Dezember 2012 erfasste das Außenministerium auf Anweisung vom 20. November[27] auch die Nusra-Front als Alias von AQI.[28][29]

Am 11. Februar 2012 rief al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri die Muslime in Zawahiri im Irak, in Jordanien, im Libanon und in der Türkei zum Kampf gegen das Assad-Regime auf.[30] Seit ungefähr dieser Zeit beteiligt sich ISI(S) offen am syrischen Bürgerkrieg.[31][32][33] Dort gehört sie neben der Nusra-Front, mit der sie teils kollaboriert und die sie teils bekämpft, zu den al-Qaida zugehörigen Akteuren.

Am 4. März 2013 verübte ISI einen Anschlag auf syrische Truppen, die in das irakische Gouvernement al-Anbar geflohen waren; dabei wurden mindestens 42 syrische Soldaten und Beamte sowie bis zu 14 Irakis getötet.[34]

ISIS ab 2013 im syrischen Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Im April 2013 erklärte Abu Bakr al-Baghdadi die Nusra-Front zu einem bloßen Teil von ISI und gab die Vereinigung von Nusra-Front und ISI unter dem neuen Namen Islamischer Staat im Irak und der Levante bekannt. Der Anführer der Nusra-Front, Abu Mohammed al-Jawlani (arabisch ‏أبو محمد الجولاني‎), widersprach daraufhin einen Tag später der Vereinigung mit ISI, schwor aber dem al-Qaida-Anführer Aiman az-Zawahiri die Treue.[35][36] Am 30. Mai 2013 wurden sowohl ISIS als auch al-Nusra durch die UN als Aliase von AQI festgestellt.[37] Am 9. Juni 2013 veröffentlichte Al-Jazeera einen Brief von Aiman az-Zawahiri an die Anführer von ISIS und al-Nusra, in dem er die Vereinigung annullierte und zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen den beiden al-Qaida-Gruppen aufrief (wofür er Abu Musab al-Suri als Vermittler nannte) sowie beiden verschiedene Einflussgebiete zuwies (ISIS Irak, Nusra Syrien).[38] Abu Bakr al-Baghdadi und ISIS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani verweigerten die Vermittlung in eigenen Botschaften; diese würde die illegitime koloniale Grenze des Sykes-Picot-Abkommen heiligsprechen; die Nusra-Front werde weiterhin als Teil von ISIS betrachtet und Abu Mohammed al-Jawlani als Abtrünniger betrachtet.[39][40]

ISIS bekannte sich am 23. Juli 2013 zu den in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli ausgeführten Anschlägen auf die irakischen Gefängnisse in Abu-Ghuraib und Tadschi. ISIS tötete dabei Dutzende von Menschen mit Handfeuerwaffen, Granaten und durch Selbstmordattentäter gesteuerte Autobomben und verhalf so Hunderten von Gefangenen, darunter hochrangigen al-Qaida-Mitgliedern, zur Flucht aus Abu-Ghuraib.[41][42][43] Mindestens einer der al-Qaida angehörigen Insassen konnte im Nachhinein über die Türkei nach Syrien entkommen, wo er für ISIS kämpft.[44]

Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki beschloss in der zweiten Jahreshälfte 2013 in Reaktion auf das Erstarken von ISIS im Irak die Wiedereinsetzung und Stärkung der Sahwa-Bewegung.[45][19]

Am 29. September 2013 töteten Selbstmordattentäter mit Autobomben in Arbil (Regierungssitz von Iraks Autonomer Region Kurdistan) in der Nähe des Asayesh-Hauptquartiers sechs Menschen und verwundeten 36.[46][47] Am 6. Oktober bekannte sich ISIS zu dem Anschlag, der eine Reaktion auf Masud Barzanis angeblichen Willen gewesen sei, die Regierung in Bagdad und kurdische Kräfte, die in Syrien gegen Dschihadisten kämpfen, zu unterstützen.[48]

Neben dem Assad-Regime gehören im Syrischen Bürgerkrieg vor allem die Freie Syrische Armee[49] und kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG)[50] zu den Gegnern von ISIS. Zu von ISIS eingenommenen syrischen Städten gehören al-Bab, Dscharabulus, A'zāz und ar-Raqqa. Am stärksten ist ISIS im Gouvernement ar-Raqqa.[4] Zu Protesten gegen ISIS kam es u. a. in ar-Raqqa und Manbidsch.[51]

In der zweiten Jahreshälfte 2013 baute ISIS seine Präsenz in der irakischen Stadt Mosul aus, wo die Organisation Berichten zufolge 8 Millionen US-Dollar Schutzgeld pro Monat eintreibt.[52][53] Seit Ende September 2013 ist ISIS mit Selbstmord- und Mörser-Anschlägen in Damaskus aktiv und tötete damit bis Ende Oktober ca. 100 Menschen.[54]

Am 11. Oktober 2013 veröffentlichte Human Rights Watch einen Bericht, nachdem ISIS zusammen mit mindestens 19 anderen bewaffneten Oppositionsgruppen vom 4. bis 18. August in ländlichen Gegenden des Gouvernement Latakia an organisierten Massakern beteiligt war, bei denen mindestens 190 Zivilisten getötet und über 200 als Geiseln genommen wurden; mindestens 67 seien in der Operation bei regierungstreuen Alawiten-Dörfern hingerichtet oder rechtswidrig getötet worden. Die fünf Gruppen, die diese Operation hauptsächlich finanziert, organisiert und ausgeführt hätten seien Ahrar al-Scham, ISIS, Dschabhat al-Nusra, Jaish al-Muhajireen wal-Ansar und Suquor al-Izz. ISIS und Jaish al-Muhajireen wal-Ansar hätten noch Gewalt über die Geiseln, zu denen größtenteils Frauen und Kinder gehören.[55] The Wall Street Journal berichtete am 17. Dezember 2013, dass sich die Geiseln immer noch in den Händen von ISIS befinden würden und dass ISIS Angriffe auf Alawiten und Christen verstärkt habe.[56]

Am 15. Oktober 2013 gaben die türkischen Streitkräfte (TSK) bekannt, mit zwei T-155 Fırtına vier Granaten auf ISIS-Stellungen abgefeuert zu haben, nachdem am 14. Oktober ein Mörser-Geschoss aus der Azaz-Region auf türkischem Territorium beim Armee-Grenzposten Demirisik nahe Kilis eingeschlagen war. Dies war der erste Angriff der TSK auf al-Qaeda zugehörige Gruppierungen.[57]

Im November 2013 gab ISIS bekannt, in Syrien ein Ausbildungslager für minderjährige Kämpfer zu unterhalten, die jüngsten davon 10 Jahre alt.[58] Im selben Monat begannen die Vereinigten Staaten auf eine entsprechende Anfrage Malikis während eines Staatsbesuchs im Vormonat, Hellfire-Raketen und Überwachungs-Dronen zur Bekämpfung von ISIS in den Irak zu schicken.[59] Ebenfalls im November kam es zur Konfrontation zwischen ISIS und Ahrar al-Scham, da ISIS einen Kommandanten von Ahrar al-Scham enthauptete, den sie irrtümlich für einen irakischen Schiiten gehalten hatten.[60] Anfang Januar 2014 kam es wieder zu einem Vorfall, bei dem ISIS einen Kommandanten von Ahrar al-Scham tötete und verstümmelte.[61]

Am 19. Dezember 2013 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, demzufolge ISIS in Syrien Geheimgefängnisse unterhält, in denen systematisch Folterungen, Auspeitschungen und standrechtliche Hinrichtungen angewendet werden.[62]

ISIS ab 2014 im syrischen Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Durch die Massenverhaftungen und Hinrichtungen der ISIS unter den syrischen Aktivisten und Rebellen, der extremen Islamauslegung, sowie der mangelnden Beteiligung an Kämpfen gegen das Regime, wurden der ISIS von zahlreichen Rebellengruppen unterstellt, von Kräften des Regimes unterwandert zu sein und gegen die Revolution zu arbeiten.

Nach dem die ISIS Anfang Januar einige bedeutende syrische Aktivisten in ihren Gefängnissen ermordet hat, brachen verstärkt offene Kämpfe zwischen der ISIS und den Rebellen aus, der sich immer mehr Rebellengruppen anschlossen. Mehrere Vermittlungsversuche zwischen der ISIS und den Rebellen sind zuvor gescheitert.

Ein weiterer Teil der ISIS Führung stammt aus dem Irak, dienten früher als Offiziere unter Saddam Hussein und wurden jedoch aus irakischen Gefängnissen kurzfristig wieder freigelassen.[63]

Bereits Anfang Februar 2014 hatte die ISIS keinen Verbündeten mehr unter den syrischen Rebellengruppen, insbesondere auch der al-Nusra Front und der islamischen Armee.

Auch die kurdische YPG und YPJ (Frauenbataillone) verteidigten schon seit längerem die kurdischen Gebiete gegen Einfälle der ISIS. Ende März startete die ISIS einen erneuten Angriff auf die kurdische Region um Ain al-Arab/Kobane. Zu gleichen Zeit verlangte die ISIS von der Türkei ihre Truppen aus der einzigen türkischen Exklave der Grabstätte Sulaiman Schahs beim Dorf Qara Qusaq abzuziehen. Die Türkei drohte selber mit einem militärischen Antwort.[64]

Al-Qaida-Chef Zawahiri distanzierte sich in der Folge ebenfalls von der Terrormiliz ISIS.[65]

Aktivitäten und Konflikte im Irak, in Syrien und im Libanon 2014[Bearbeiten]

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Militärisches Einflussgebiet von ISIS

Anfang Januar 2014 gelang es ISIS-Kämpfern, die Städte Ramadi sowie Falludscha, die Hauptstadt der westirakischen Provinz Al-Anbar, zu erstürmen und unter ihre Kontrolle zu bringen; aus Ramadi wurden sie allerdings von Stammeskämpfern und lokalen Polizeikräften bald wieder vertrieben (siehe Islamistischer Aufstand in Anbar Januar 2014).[66][67][68] Nach einigen Tagen hatten auch in Falludscha die regulären Behörden wieder normal geöffnet. Zuvor hatten sunnitische Stammesführer gemeinsam mit der Lokalpolizei die Sicherheitsverantwortung für das Gebiet übernommen.[69]

Ebenfalls Anfang Januar 2014 übernahm ISIS die Verantwortung für einen am 2. Januar ausgeführten Autobomben-Anschlag in Beirut, der der Hisbollah galt und bei dem vier Menschen getötet und 77 verletzt wurden.[70]

Seit dem 3. Januar 2014 finden massive Angriffe durch Rebellen, darunter die Freie Syrische Armee (FSA) und die Islamische Front, gegen ISIS in Nordsyrien statt.[71][72][73]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Anführer
Andere

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William McCants: Black Flag. Foreign Policy, 7. November 2011, abgerufen am 27. September 2013.
  2. Office of the Coordinator for Counterterrorism: Country Reports on Terrorism 2012. Chapter 6 Foreign Terrorist Organizations. United States Department of State, 30. Mai 2013, abgerufen am 28. September 2013.
  3. James Traub: 'Everyone Is Scared of ISIS.' Foreign Policy, 4. Oktober 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  4. a b Barak Barfi, Aaron Y. Zelin: Al Qaeda's Syrian Strategy. Foreign Policy, 10. Oktober 2013, abgerufen am 11. Oktober 2013.
  5. Syria crisis: Guide to armed and political opposition. BBC News, 17. Oktober 2013, abgerufen am 20. Oktober 2013.
  6. Verfassungsschutzbericht 2012. Bundesamt für Verfassungsschutz, September 2013, S. 246ff, abgerufen am 4. Oktober 2013 (PDF; 5,7 MB).
  7. Florian Flade: Al-Qaida-Fanatiker: "Mein Name ist Abu Osama, ich bin aus Deutschland". Die Welt, 1. Dezember 2013, abgerufen am 3. Dezember 2013.
  8. Florian Flade: Salafist: Philip B. – Aus Dinslaken in den Dschihad. Die Welt, 3. Dezember 2013, abgerufen am 3. Dezember 2013.
  9. SC/10263. Security Council Al-Qaida and Taliban Sanctions Committee Approves Deletion of Two Entries from Consolidated List. United Nations Security Council • Department of Public Information • News and Media Division • New York, 27. Mai 2011, abgerufen am 28. September 2013.
  10. a b Security Council Committee pursuant to resolutions 1267 (1999) and 1989 (2011) concerning Al-Qaida and associated individuals and entities: QE.J.115.04. AL-QAIDA IN IRAQ. NARRATIVE SUMMARIES OF REASONS FOR LISTING. United Nations, abgerufen am 26. September 2013.
  11. a b c d Al-Qa'ida in Iraq (AQI). In: National Security website. Australian Attorney-General's Department, 12. Juli 2013, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  12. a b c d e f g Database - Uppsala Conflict Data Program (UCDP): Middle East > Iraq > One-sided violence > ISI - civilians.
  13. Profile: Tawhid and Jihad group. BBC News, 8. Oktober 2004, abgerufen am 28. September 2013.
  14. a b Richard Boucher, Spokesman: Foreign Terrorist Organization: Designation of Jama'at al-Tawhid wa'al-Jihad and Aliases. United States Department of State, 15. Oktober 2004, abgerufen am 28. September 2013.
  15. Bureau of Counterterrorism: Foreign Terrorist Organizations. United States Department of State, 28. September 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  16. Letter from al-Zawahiri to al-Zarqawi. ODNI News Release No. 2-05. Office of the Director of National Intelligence, 11. Oktober 2005, archiviert vom Original am 5. Februar 2012, abgerufen am 2. Oktober 2013 (Siehe auch Kopie bei der Federation of American Scientists).
  17. Reuters: Iraq al-Qaeda wants own Islamic state for Sunnis – Web. SignOnSanDiego.com, 15. Oktober 2006, abgerufen am 28. September 2013.
  18. Q&A: Iraq's Awakening Councils. BBC News, 18. Juli 2010, abgerufen am 21. Oktober 2013.
  19. a b Suadad al-Salhy: Al Qaeda strikes fear into Iraq's government-backed Sunni militia. Reuters, 18. Oktober 2013, abgerufen am 21. Oktober 2013.
  20. Rich Gardella and the NBC News Investigative Unit: Insurgent groups condemn al-Qaida tactics. NBC News, abgerufen am 3. Dezember 2013.
  21. Waleed Ibrahim: Al Qaeda's two top Iraq leaders killed in raid. Reuters, 19. April 2010, abgerufen am 26. September 2013.
  22. Security Council Committee pursuant to resolutions 1267 (1999) and 1989 (2011) concerning Al-Qaida and associated individuals and entities: Al-Qaida Sanctions List. The List established and maintained by the 1267 Committee with respect to individuals, groups, undertakings and other entities associated with Al-Qaida. United Nations, 20. September 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  23. Sunni Militants In Iraq Name New Leader. Radio Free Europe/Radio Liberty, 16. Mai 2010, abgerufen am 26. September 2013.
  24. UPI: Al-Qaida replaces slain chiefs, fights on. UPI.com, 17. Mai 2010, abgerufen am 26. September 2013.
  25. Verfassungsschutzbericht 2012. Bundesamt für Verfassungsschutz, September 2013, S. 247, abgerufen am 4. Oktober 2013 (PDF; 5,7 MB).
  26. Hillary Rodham Clinton: FR Doc No: 2012-1538. Public Notice 7774. Office of the Federal Register, 26. Januar 2012, abgerufen am 26. September 2013 (Federal Register Volume 77, Number 17 (Thursday, January 26, 2012)/Notices/Page 4082).
  27. Hillary Rodham Clinton: FR Doc No: 2012-29868. Public Notice 8105. Office of the Federal Register, 11. Dezember 2012, abgerufen am 26. September 2013 (Federal Register Volume 77, Number 238 (Tuesday, December 11, 2012)/Notices/Page 73732).
  28. Bureau of Counterterrorism: Individuals and Entities Designated by the State Department Under E.O. 13224. United States Department of State, 17. Dezember 2012, abgerufen am 26. September 2013.
  29. Victoria Nuland, Department Spokesperson, Office of the Spokesperson: Terrorist Designations of the al-Nusrah Front as an Alias for al-Qa'ida in Iraq. United States Department of State, 11. Dezember 2012, abgerufen am 26. September 2013.
  30. Jason Burke: Al-Qaida leader Zawahiri urges Muslim support for Syrian uprising. The Guardian, 12. Februar 2012, abgerufen am 3. Oktober 2013.
  31. AFP: Jihadist forums say fighters in and going to Syria. Ahram Online, 12. Februar 2012, abgerufen am 26. September 2013.
  32. Kim Sengupta: Syria's sectarian war goes international as foreign fighters and arms pour into country. The Independent, 20. Februar 2012, abgerufen am 26. September 2013.
  33. AFP: Qaeda moving from Iraq to Syria: PM. Hindustan Times, 2. März 2012, abgerufen am 26. September 2013.
  34. Hania Mourtada und Rick Gladstone: Qaeda Group in Iraq Says It Killed Syrian Soldiers. The New York Times, 11. März 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  35. Agence France-Presse: Qaeda in Iraq confirms Syria's Nusra is part of network. GlobalPost, 9. April 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  36. BBC Monitoring: Profile: Islamic State in Iraq and the Levant. BBC News, 20. September 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  37. SC/11019. Security Council Al-Qaida Sanctions Committee Amends Entry of One Entity on Its Sanctions List. United Nations Security Council • Department of Public Information • News and Media Division • New York, 30. Mai 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  38. Basma Atassi: Qaeda chief annuls Syrian-Iraqi jihad merger. 9. Juni 2013, abgerufen am 1. Oktober 2013.
  39. Hussein Jemmo: Al-Qaeda’s Internal Divide Grows In Syria. Al-Monitor, 19. August 2013, abgerufen am 6. Oktober 2013.
  40. Aron Lund: The Non-State Militant Landscape in Syria. CTC Sentinel, 27. August 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  41. Kareem Raheem und Ziad al-Sinjary: Al Qaeda militants flee Iraq jail in violent mass break-out. Reuters, 22. Juli 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  42. Al-Qaeda claims attacks on Iraqi prisons. Al Jazeera, 23. Juli 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  43. Adam Schreck: Al-Qaida claims deadly prison raids in Iraq. AP, 23. Juli 2013, abgerufen am 26. September 2013.
  44. Harald Doornbos, Jenan Moussa: The Fugitive. Foreign Policy, 3. Oktober 2013, abgerufen am 4. Oktober 2013.
  45. Mushreq Abbas: Iraq to Reinstate Sahwa Forces. Al-Monitor, 27. August 2013, abgerufen am 21. Oktober 2013.
  46. Explosions rock Iraqi Kurdish capital. Al Jazeera English, 29. September 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  47. Iraq: Rare violence targets Kurdish city of Irbil. BBC News, 29. September 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  48. AFP: Al-Qaeda claims attack in Iraqi Kurdish capital. Google, 6. Oktober 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
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  50. Piotr Zalewski: Syria’s Many Battlefields: Islamist Rebels Wage War Against the Kurds. Time.com, 26. September 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
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http://www.hurriyetdailynews.com/al-qaeda-in-iraq-campaign-of-100-attacks.aspx?pageID=438&n=al-qaeda-in-iraq-campaign-of-100-attacks-2011-09-05