Isle of Portland

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Isle of Portland
Chesil Beach vom Hügel über Fortuneswell fotografiert, Portland Harbour auf der rechten Seite
Chesil Beach vom Hügel über Fortuneswell fotografiert, Portland Harbour auf der rechten Seite
Gewässer Ärmelkanal

Geographische Lage

50° 32′ 38,6″ N, 2° 26′ 12,4″ W50.544041666667-2.4367722222222Koordinaten: 50° 32′ 38,6″ N, 2° 26′ 12,4″ W
Isle of Portland (England)
Isle of Portland
Länge 6,4 km
Breite 2,4 km
Fläche 11,5 km²
Portland von Abbotsbury Castle aus
Portland von Abbotsbury Castle aus

Die Isle of Portland ist ein 6,4 km langer und 2,4 km breiter Kalkstein-Felsen im Ärmelkanal. Sie liegt nahe Weymouth in Dorset und gehört zum Verwaltungsbezirk Weymouth and Portland. Dieser Verwaltungsbezirk hat eine Bevölkerung von 65.076 Einwohnern (Stand: 2011), davon entfallen auf Weymouth 52.232 Einwohner (Stand 2011)[1] und auf Portland 12.844 Einwohner (Stand 2011)[2]. Die ehemalige Insel ist heute mit dem Festland über Chesil Beach, eine schmale, natürliche Landbrücke verbunden und daher nun de facto eine Halbinsel. Außerdem wird sie durch eine Straßenbrücke der A354 mit Weymouth verbunden. Als ein Teil der Jurassic Coast ist die Isle of Portland wie dieser gesamte Abschnitt der englischen Südküste als Weltnaturerbe ausgewiesen.

Auf der Isle of Portland befinden sich mehrere Orte. Die größten sind Fortuneswell und Easton. Weitere Ortschaften sind Weston, Southwell, Castletown und Grove.

Geschichte[Bearbeiten]

Portland ist mindestens seit der Mittelsteinzeit bewohnt. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass sich damals Menschen in Portland Bill, dem südlichsten Punkt der Insel, niedergelassen haben. Die Römer sollen die Insel Vindilis genannt haben; allerdings sind dafür keine schriftlichen Belege vorhanden. Der Schriftsteller Thomas Hardy nannte Portland in einem seiner Bücher „Insel der Steinschleuderer“ (The Isle of Slingers). In früheren Zeiten waren die Inselbewohner als Meister im Steinschleudern bekannt. In der Angelsächsischen Chronik wird Portland im Jahr 789 als jener Ort vermerkt, an dem die Wikinger ihren Raubzug unternahmen.

König Henry VIII ließ 1539 das Portland Castle errichten, um Angriffe der Franzosen abzuwehren. Die Baukosten dafür beliefen sich auf 4964 Pfund Sterling. Portland Castle gilt als eine der am besten erhaltenen Festungen jener Zeitperiode und ist heute für Touristen zugänglich.

Im Domesday Book wird die Insel als „Besitz des Königs“ vermerkt. Die meisten der Steinbrüche, durch die Portland bekannt wurde, befanden sich ebenfalls im Besitz der Krone. Nach dem großen Brand von London verwendete Christopher Wren sechs Millionen Tonnen Kalkstein aus Portland, um die Stadt wieder aufzubauen. Bekannte Gebäude, die mit diesem Gestein errichtet wurden, sind unter anderem die Saint Paul's Cathedral in London und das UNO-Hauptquartier in New York. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Steinbruch eröffnet, der Gestein für den Londoner Kenotaph und eine halbe Million Grabsteine lieferte. Der Portland-Kalkstein wird heute noch verwendet, um bekannte Gebäude zu renovieren; ein aktuelles Beispiel ist das British Museum. Der Portland-Zement erhielt seinen Namen nach seiner farblichen Ähnlichkeit mit dem Portland-Kalkstein.

Einer der zahlreichen ehemaligen Steinbrüche, heute ein vielbesuchter Skulpturenpark

Der Portland Harbour ist mit einer Fläche von 9 km² der größte künstlich errichtete Hafen der Welt. 1849 legte Prinz Albert den Grundstein. 1872 setzte Eduard, Prince of Wales (der spätere König Eduard VII.) den letzten Stein der ersten Bauphase. Die Wellenbrecher wurden zwar von privaten Baufirmen errichtet, doch sämtliche Steine wurden von Strafgefangenen herausgebrochen. Beim Bau verloren 22 Männer ihr Leben. Die Wellenbrecher bestehen aus 5.731.376 Tonnen Stein.

Vor der Insel kam es immer wieder zu Schiffsunglücken. Am 11. September 1877 kam es zur Kollision der Bark Avalanche mit der Forest. Beide Schiffe sanken; 106 Menschen starben. Am 15. April 1918 wurde der Dampfer Pomeranian von einem deutschen U-Boot versenkt, 55 Menschen kamen ums Leben.

Am 16. Juli 1914 wurde die britische Home Fleet mit 460 Schiffen hier versammelt und hielt vor der Insel Manöver ab. Die am 26. Juli vorgesehen Aufhebung der Probemobilmachung wurde verschoben. Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914.

Während des Zweiten Weltkriegs war auf der Insel und im Hafen ein großer Teil der Royal Navy stationiert. Aus diesem Grund war Portland häufig Ziel von Luftangriffen.

Am 16. Juni 1950 kam es im Hafen zu einem Unfall. Das U-Boot Sidon der Royal Navy wurde durch eine Torpedoexplosion schwer beschädigt. 13 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Marinebasis geschlossen, die Basis der Royal Air Force im Jahr 1998. Auf der Insel existieren noch immer ein Gefängnis und eine Jugendstrafvollzugsanstalt. Von 1997 bis 2006 gab es hier außerdem das einzige britische Gefängnisschiff, die HMP Weare[3]. Heute wird der Hafen von der privaten Gesellschaft Portland Port betrieben.

Am südlichen Ende des Hafens entstand zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Weymouth and Portland National Sailing Academy, das nationale Segelzentrum. Hier werden die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2012 stattfinden. Portland und Weymouth gelten als bestes Segelgewässer in ganz Europa.

Am südlichen Ende der Insel, Portland Bill, befindet sich der Portland Bill Leuchtturm, der seit 1996 vollständig computergesteuert ist. Die früheren Leuchttürme befinden sich etwas landeinwärts. Einer davon ist heute ein wichtiges Vogelbeobachtungszentrum.

In der britischen Kletterszene ist die Insel bekannt für ihre zahlreichen und bestabgesicherten Sportkletterrouten.

Sprachtabu rabbit[Bearbeiten]

Auf Portland gelten seit mehr als hundert Jahren Kaninchen als Unglücksboten. Es etablierte sich insofern ein Sprachtabu, als diese Tiere nicht mit dem Wort rabbit, sondern mit den Ausdrücken underground mutton („unterirdische Hammel“), furry things („Pelzdinger“) oder bunny („Häschen“) benannt werden.[4][5] Die Furcht vor der Verwendung des Wortes scheint auf die Arbeiter in den dortigen Steinbrüchen zurückzugehen. Da vor einem Steinschlag die Kaninchen ihren Bau verließen, wurden diese als Unglücksboten der teilweise tödlichen Steinschläge betrachtet.[6] Außerdem kam vor 100 Jahren ein Kranfahrer ums Leben, als der Boden wegen der zahlreichen Kaninchenbaue nachgab.[4] Sobald die Tiere in den Steinbrüchen gesehen wurden, legten die Beschäftigten ihre Arbeit so lange nieder, bis die „Sicherheit wieder hergestellt wurde“.[4][5]

Das Sprachtabu wurde im Oktober 2005 in Großbritannien landesweit bekannt. In den Medien wurde berichtet, dass der Film Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen (Originaltitel: Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit) auf Plakaten in Portland aus Respekt vor dem örtlichen „Aberglauben“ mit dem Slogan Something bunny is going on beworben wurde.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Orte entlang der Jurassic Coast

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung Weymouth. Dorset County Council. 2013. Abgerufen am 11. Juli 2013.
  2. Bevölkerung Portland. Dorset County Council. 2013. Abgerufen am 11. Juli 2013.
  3. BBC Dorset: Portland's Prison Ship
  4. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSimon de Bruxelles: Wallace and Gromit film cursed by a furry animal. In: Times online. Times Newspapers Ltd., 7. Oktober 2005, abgerufen am 30. Juni 2009 (englisch).(Seite nicht mehr zugänglich, 4. Mai 2012)
  5. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWallace and Gromit spook island. British Broadcasting Corporation, 7. Oktober 2005, abgerufen am 30. Juni 2009 (englisch).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRabbits, the Portland taboo word. Weymouth and Portland Borough Council, abgerufen am 30. Juni 2009 (englisch).(Seite nicht mehr zugänglich, 4. Mai 2012)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isle of Portland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien