Ismael

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit Abrahams Sohn Ismael. Für weitere Bedeutungen siehe Ismael (Begriffsklärung) und Ismail.
Verstoßung Ismaels und seiner Mutter, Darstellung von Gustave Doré

Ismael (hebräisch: ישמעאל jischmaʿel, „Gott hört“), im Islam Ismail (arabisch ‏إسماعيل‎ Ismāʿīl), ist der Name einer Person des Tanach, des Alten Testaments und des Korans. Im Islam zählt Ismael zu den Propheten.

Ismael in der Bibel[Bearbeiten]

Ismael ist Abrahams Sohn von Hagar, einer Sklavin von Abrahams Frau Sara (Gen 16,15 EU). Er wird mit seiner Mutter aus Abrahams Haushalt verstoßen, nachdem Sara den Sohn Isaak geboren hatte. Ismael lebt dann in der Wüste Pharan, wo er eine Ägypterin heiratet (Gen 21,8-21 EU). Zu Abrahams Begräbnis kehrt er noch einmal nach Kanaan zurück (Gen 25,9 EU). Seine Tochter Mahalat wird später die Frau Esaus (Gen 36,3 EU). Ismael stirbt im Alter von 137 Jahren (Gen 25,17 EU).

Ismael gilt als Stammvater der Araber. Somit repräsentiert er die ursprüngliche Verwandtschaft zwischen den Israeliten und den Arabern. Er selbst wird als ein Typ des Beduinen geschildert.

Ismael im Koran[Bearbeiten]

Fresko Opferung Ismails, Schiraz, 18. Jh.

Im Koran wird die Geschichte Ismaels anders als in der Bibel interpretiert:

Nach einer Offenbarung heiratet Abraham Hagar, die Dienerin seiner ersten Frau Sara, die keine Kinder bekommen kann. Während einer Reise in Südarabien gebiert Hagar ihm den Sohn Ismael. Als sie den Ort des heutigen Mekka erreichen, erhält Abraham von Gott in einer Offenbarung den Auftrag, Hagar und ihr Kind Ismael an diesem Ort zurückzulassen, der einmal für die Muslime der heiligste Ort auf Erden werden soll. Abraham tut dies und zieht weiter, mit der Überzeugung, dass Gott sich um die beiden kümmern würde.

Während in der Bibel (Gen 22 EU) ausdrücklich Isaak geopfert wird, findet sich im Koran kein Name für den Sohn bei diesem Vorgang (Sure 37,102-107). Frühe islamische Traditionen ziehen entweder Isaak oder Ismael in Betracht, heute gilt jedoch den meisten Muslimen als ausgemacht, dass es sich um Ismael gehandelt haben müsse.[1]

Ismael gilt im Koran als Gesandter Gottes und zusammen mit Abraham als Erbauer der Kaaba:

„Und als Abraham mit Ismael die Grundmauern des Hauses errichtete (, sagte er): "Unser Herr, nimm von uns an; denn wahrlich, Du bist der Allhörende, der Allwissende.“

– Koran: Sure 2,127

Obwohl keine spezifischen Prophezeiungen von ihm überliefert sind, genießt Ismael großes Ansehen:

„Und er pflegte seinen Angehörigen Gebet und Zakah ans Herz zu legen und war seinem Herrn wohlgefällig.“

– Koran: Sure 19,55

Der Koran erwähnt Ismail mit anderen Propheten wie Elisa, Jonas und Lot, wo sie als gerecht und Auserwählte Gottes beschrieben werden:

„Und gedenke Ismaels, Elisas und Dhu l-Kifls; alle gehören sie zu den Besten.“

– Koran: Sure 38,48 auch 6,86

Die arabische Überlieferung sieht in der Verschmelzung der Nachkommen von Ismaels Sohn Adnan mit den südarabischen Nachkommen des Patriarchen Qahtan die Entstehung des Volkes der Araber. Ismael selbst sei mit einer Nachkommin Dschorhams, eines Sohnes Qahtans, verheiratet gewesen. Nach islamischer Überlieferung wurde er in Mekka neben der Kaaba beigesetzt.

Ismael in Literatur und Kunst[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bei Herman Melville steht Ismael für den aus der Gesellschaft Ausgestoßenen - zuerst in dem Roman Redburn und schließlich in Moby Dick, wo der Erzähler, dessen wahrer Name nicht mitgeteilt wird, sich Ismael nennt.
  • In Gustavo Martín Garzos Roman Der kleine Erbe trägt die Hauptfigur - ein Findling - den Namen Ismael.
  • Im Roman Ismael von Daniel Quinn philosophiert der Gorilla Ismael über die Menschen und deren Geschichte.

Malerei[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einen Überblick zu frühen Positionen gibt F. Leemhuis: Ibrahim's sacrifice of his son in the early post-koranic tradition, in: E. Noort / E. J. C. Tigchelaar: The sacrifice of Isaac, Brill, Leiden 2002, S. 125-139. Umfassender Reuven Firestone: Abraham's Son as the Intended Sacrifice. Issues in Qur'anic Exegesis, in: Journal of Semitic Studies 34 (1989), 95-131 und bes. Reuven Firestone: Journeys in Holy Lands. The Evolution of the Abraham-Ishmael Legends in Islamic Exegesis, New York 1990.