Israel Aksenfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Israel Aksenfeld, auch: Israel Axenfeld, Yisroel Aksenfeld; jiddisch יסראָל אַקס(ע)נפֿעלד [jisˈroːəl aksnfɛld] (* 1787 in Nemirow; † 1866 in Paris) war neben Salomon Ettinger einer der ersten jiddischen weltlichen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts und einer der bedeutendsten jiddischen Schriftsteller der Epoche vor Mendele Moicher Sforim.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde streng chassidisch-orthodox erzogen. In seiner Jugend war er mit dem Sohn des Rabbi Nachman aus Brazlaw eng befreundet und zunächst glühender Anhänger des Chassidismus. Erst später, auch beeinflusst durch seine Frau, eignete er sich zusätzlich weltliches Wissen an. Er wurde zuerst Kaufmann, dann Rechtsanwalt und Notar in Odessa.

Trotz seiner perfekten Beherrschung anderer Sprachen (hebräisch, russisch, polnisch, deutsch) schrieb er über 30 Jahre hinweg – um die Massen, insbesondere auch die Frauen zu erreichen – ausschließlich im „Jargon“ (der damaligen Bezeichnung für die jiddische Sprache), untypisch für einen Maskil (einen nicht chassisdischen Juden) und deshalb den übrigen Maskilim äußerst verhasst. Er stand mit A. B. Gottlober, Schwabacher, Ossip Rabinowitsch, Leon Pinsker und anderen in freundschaftlichem Verkehr.

Schaffen[Bearbeiten]

Aksenfeld war Aufklärer („Maskil“), schrieb Erzählungen, Romane und, noch bevor es überhaupt ein jiddisches Theater gab, Theaterstücke, die in volkstümlich-lehrhafter Weise unter Gebrauch der tatsächlichen Umgangssprache der südrussischen Juden deren Alltagsleben thematisierten. Man schätzt, dass er mehr als zwanzig Bände verfasst hat, wovon die meisten allerdings unveröffentlicht blieben.

Erst nach seinem 70. Lebensjahr konnte er die Genugtuung erleben, eine einzige Erzählung – Doß schtern-tichl oder Schabeß in Mezibez („Das Stirntuch“, Leipzig 1861; Schilderung chassidischer Rabbis und ihres verderblichen Treibens) – und die bereits 1833 vollendete Tragikomödie Der erschter jidischer rekrut („Der erste jüdische Rekrut in Russland“, Leipzig 1861) gedruckt in seinen Händen zu halten. Nach seinem Tod erschienen drei weitere Stücke, nämlich A man un wajb, schweßter un brider („Mann und Frau, Schwestern und Brüder“, Odessa 1867), Der ojzer oder Di genarte welt („Der Schatz oder die Getäuschte Welt“, publiziert Odessa 1870, vollendet 1842; Gegenüberstellung eines Wunderrabbis und eines dem Alkohol verfallenen christlichen Quacksalbers, die sich darin treffen, dass sie nur dem Geld hinterherhecheln und sich dabei den Umstand zunutze machen, dass die Welt betrogen werden will) und Kabzn-oscher-schpil („Armer-Reicher-Spiel“, Odessa 1870).

Der sowjetische Dichter Aaron Kuschnirow (1891–1948) bearbeitete das Stück Der erschter jidischer rekrut, worauf es in den 1930er Jahren oft in den staatlichen jiddischen Theatern aufgeführt wurde.

1931 erschien, unter der Redaktion von Meir Wiener, der erste von vier Bänden von Aksenfelds Werk. Eine zweite Ausgabe seiner Werke erschien 1938 im Moskauer Verlag Emeß („Wahrheit“). Einen Teil der Werke übersetze überdies sein Sohn, Auguste Axenfeld, ins Französische.

Israel Aksenfels Werke sind literarisch nicht hochstehend, zeigen aber eine gute Beobachtungsgabe, spannenden Duktus und eine kräftige, volkstümliche, oft humorvolle Sprache.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten]