Israel Alter

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Dieser Artikel behandelt den Chasan; zum Gerrer Rebben siehe Jisrael Alter.

Israel Alter (auch: Yisraʾel Alter)[1] (* 23. September 1901[2] in Lemberg(Galizien)/Lwów/Lwiw, Österreich-Ungarn; heute: Ukraine; † 16. November 1979 in New York (NY))[3] war ein jüdischer Kantor[1] und letzter Oberkantor in Hannover.[4] Der vielgereiste Komponist galt als „der Erste der Chasanim, der Kantor der Kantoren“.[5]

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

An der Verlegung der Stolpersteine 2013 vor dem Mahnmal zur Erinnerung an jüdisches Leben in der Ohestraße nahmen auch zahlreiche Schüler des dortigen Berufsschulzentrums teil
Benjamin Z. Maissner, Kantor und Musik-Direktor im Holy Blossom Temple in Toronto sowie des dortigen Jewish Chamber Choir
Fünf Stolpersteine für die Familie Maissner vor dem Gebäude Lange Laube 1; Bernhard Maissner war im besetzten Polen ermordet worden, vier Angehörige konnten 1939 nach Palästina oder Südafrika fliehen.

Israel Alter war der Sohn des Kaufmanns Abraham Juda Alter und seiner Frau Frajda Alter, geborene Klein. Er hatte einen Bruder, der ebenfalls Kantor wurde.[3] Israel heiratete Anna Brenner (* 1901), mit der er die Kinder Eleasar (* 1923) und Klara (* 1926) hatte. Annas Geschwister Hermann Hersch Sobel-Brenner (* 1903), David Sobel-Brenner (* 1907) und Regina Brenner (* 1912) wohnten in Hannover zuletzt mit der Familie Alter unter einem Dach in der Ohestraße 6, anstelle dessen später das Mahnmal zur Erinnerung an jüdisches Leben in der Ohestraße errichtet wurde und vor dem am 12. November 2013 sieben Stolpersteine für die Familie verlegt wurden.[6] im Beisein von hierzu angereisten „Familienmitgliedern aus Südafrika, Kanada und Israel“.[7][8]

Israel Alter war der Onkel des Kantors Benjamin Z. Maissner.[9] Dieser ist verwandt mit Bernhard Maissner (auch: Bejrisch Bernard Majzner,[6] * 15. Dezember 1877 in Przyrow / Piotrkow / Russland;[10] im Rahmen der sogenannten „Polenaktion[6] am 28. Oktober 1938 nach Bentschen (Zbaszyn) abgeschoben, am 10. August 1939 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und später für tot erklärt)[10] und dessen Ehefrau Regina Rivka Richter (* 1877) und deren Kindern Isaac (* 1905), Rosa (* 1912) und Isidor (* 1913). Für diese sieben letztgenannten Familienmitglieder wurden ebenfalls am 12. November 2013 sieben Stolpersteine in Hannover verlegt, vor dem Gebäude Lange Laube 1.[6][8]

Werdegang[Bearbeiten]

Über die Kindheit Israel Alters ist kaum etwas bekannt.[3] Nach Talmud-Studien schon in Lemberg[5] und Beendigung seiner Regelschule besuchte Israel Alter in Wien eine Handelsschule und legte dort 1919 eine Prüfung in verschiedenen Fächern ab. An der Wiener Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst nahm er von 1921 bis 1923 Unterricht in den Fächern „Gesang, Chorgesang, Sprech- und Vortragsübung, Mimik und Tanz, Fechten, Klavier, allgemeine Musiklehre und Italienisch“. Zusätzlich wurde Alter bei Jizchak Zwi Halprin, dem Kantor der Hauptsynagoge von Lemberg, in Kantorengesang unterrichtet, so dass Alter sowohl eine klassische sowie kantorale Gesangsausbildung erhielt. Noch während seiner Studien an der Wiener Staatsakademie erhielt Alter mit nur 20 Jahren in Wien seine erste Stelle als Kantor in der Vereinssynagoge Brigittenauer Tempel als Nachfolger von Josef Basser. Im selben Jahr 1921 heiratete Israel seine Frau Anna Brenner.[3]

In Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik bewarb sich Israel Alter 1925 auf die Stelle als Oberkantor an der Neuen Synagoge in Hannover, für die er zum 1. Juni 1925 eingestellt wurde.[3] Nebenher hatte er „zahlreiche Auftritte in Synagogen und Konzerthäusern in Europa“,[5], darunter immer wieder auch in Polen,[3] bevor er 1929 und 1930 durch die Vereinigten Staaten tourte und dort,[5] gemeinsam mit dem aus Hannover stammenden Pianisten John Mandelbrod,[3] unter anderem seine ersten beiden Konzerte in der Carnegie Hall gab.[5] Aus dieser Zeit haben sich zahlreiche Presse-Resonanzen erhalten.[3]

Nach der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten und die nach dem Antisemitismus dann auch in Hannover staatlich organisierte Entrechtung und Gewaltherrschaft insbesondere auch gegen Juden[11] emigrierte Israel Alter 1935 anfangs nach Südafrika. Dort wurde er an der größten Synagoge Johannesburgs tätig, der Synagoge der United Hebrew Congregation. 1961 schließlich wanderte Alter in die USA aus,[5] um in New York als Kantor zu arbeiten.[9]

Nachlass[Bearbeiten]

Zwei Freunde in der Villa Seligmann: Andor Izsák (links) und Benjamin Z. Maissner mit dem Faksimile von Israel Alter Srapbook

Im Nachlass von Israel Alter fanden sich unter anderem ein Album mit selbst gesammelten Konzert-Kritiken in verschiedenen Sprachen (siehe im Abschnitt Literatur) sowie historische Aufnahmen von Gesängen Alters auf rund 40 Schellackplatten ab etwa 1930, darunter eine für liturgische Handlungen „eigentlich nicht statthafte“ Aufnahme eines „Seelengebets für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs“. Nachdem 1979 zunächst die Tochter Israel Alters in Tel Aviv die Platten geerbt hatte, gelangten sie in den Besitz des in Toronto tätigen Kantors Benjamin Z. Maissner, einem Neffen Alters. Nach anfänglichen Überlegungen, die originalen Schellackplatten der Hebrew University in Jerusalem zu überlassen, entschied sich Maissner für eine Übergabe an Professor Andor Izsák, den Direktor des Europäischen Zentrums für jüdische Musik, in Hannover. Die Platten sollen nun „ihren Platz dort haben, wo sie entstanden sind.“[9]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Oberbürgermeister Stefan Schostok zur Ausstellungseröffnung 2013 in der Villa Seligmann
  • 2013 präsentierte die Villa Seligmann in Hannover im Rahmen der Herbsttage der jüdischen Musik 2013 die Ausstellung Israel Alter. Der letzte Oberkantor in Hannover.[7]

Werke[Bearbeiten]

Das Europäische Zentrum für jüdische Musik hat die auf Schellackplatten gesammelten Werke Israel Alters in einer dreiteiligen Edition Cantor Israel Alter neu auf CD veröffentlicht:[5]

  • Vol. 1 Liturgische Gesänge,
  • Vol. 2 Jiddische Lieder und
  • Vol. 3 Opernarien und Lieder.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Israel Alter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vergleiche die GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek
  2. handschriftliche Notiz von Benjamin Z. Maissner vom 10. November 2013 mit Hinweis auf den Geburtstag Alters am Feiertag Yom Kippur im Jahr 1901; vergleiche den Hebrew calendar für 1901 hier
  3. a b c d e f g h Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen (Hrsg.), Sophie Fetthauer (Mitarb.): Israel Alter (siehe im Abschnit Weblinks)
  4. Faltblatt zur Ausstellungseröffnung Israel Alter. Der letzte Oberkantor in Hannover in der Villa Seligmann am 10. November 2013.
  5. a b c d e f g h Andor Izsák: Edition Cantor Israel Alter (siehe im Abschnitt Weblinks)
  6. a b c d N.N.: Familie Alter-Brenner / Ohestraße 6 (beim Mahnmal). Kurzinformation (doppelseitig, DIN A4) anläßlich der Verlegung der 7 Stolpersteine vor Ort am 12. November 2013, hrsg. von der Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Bildung und Qualifizierung, Projekt Erinnerungskultur, Sallstraß6 16, 30171 Hannover
  7. a b Faltblatt der Villa Seligmann (mit Text von Andor Izsák): Herbsttage der jüdischen Musik 2013. Hannover 2013.
  8. a b Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter Abschnitt Weblinks)
  9. a b c Simon Benne: Zentrum für jüdische Musik / Schallplatten ... (siehe Literatur)
  10. a b Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 zum Namen Majzner, Bejrisch Bernard, zuletzt abgerufen am 12. November 2013
  11. Peter Schulze: Juden. In: Stadtlexikon Hannover. S. 326ff.