Ita Wegman

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Ita Wegman 1899 in Berlin

Maria Ita Wegman (* 22. Februar 1876 in Karawang, heute zu Jawa Barat, Indonesien, gehörig; † 4. März 1943 in Arlesheim, Schweiz), zeitlebens Ita Wegman genannt, war als Ärztin gemeinsam mit Rudolf Steiner Begründerin der Anthroposophischen Medizin.

Bereits 1921 gründete die sozial engagierte Frauenärztin die erste anthroposophische Klinik in Arlesheim, die heute nach ihr benannt ist: die Ita Wegman-Klinik. Auch die in der anthroposophischen Medizin zur eigenständigen Therapieform ausgearbeitete klassische Rhythmische Massage nach Ita Wegman trägt bis heute ihren Namen. Ita Wegman entwickelte weitere spezielle Pflegeformen wie besondere Wickel und Einreibungen.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Ita Wegman wurde 1876 als erstes Kind einer niederländischen Kolonialfamilie auf Java geboren. Nach ihrer Schulausbildung dort und teilweise in Arnhem kam sie mit der Familie 1899 endgültig nach Holland und ließ sich in Amsterdam und Berlin in Heilgymnastik und Klassischer Massage ausbilden. Bereits 1896 hatte sie in Indonesien erste Kontakte zur Theosophie der Theosophischen Gesellschaft Adyar geknüpft. Im Alter von 26 Jahren begegnete Ita Wegman 1902 in Berlin erstmals Rudolf Steiner und trat der damals von diesem geleiteten Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft bei. Nach der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft trat Wegman dieser bei. 1906 begann sie das Studium der Medizin an der Universität Zürich, das sie 1911 als Fachärztin für Frauenheilkunde beendete.

1917 stellte sie in ihrer ersten eigenen Praxis auf Anregung Rudolf Steiners ein Arzneimittel gegen Krebs aus der Mistel her. Aus dem so genannten Iscar entwickelte sich später das älteste Mistelpräparat Iscador. Ab 1919 betrieb sie mit zwei weiteren Ärztinnen in Zürich eine gemeinsame Praxis. 1920 erwarb sie die Liegenschaft Hirsland 198 in Arlesheim und eröffnete dort 1921 ihre Privatklinik Klinisch-Therapeutisches Institut. Hier wurde erstmals die noch junge Anthroposophische Medizin in enger Zusammenarbeit mit Steiner entwickelt und praktisch angewendet. 1922 gründete Wegman das heilpädagogische Heim Haus Sonnenhof für „seelenpflege-bedürftige“ Kinder, ebenfalls in Arlesheim. Im selben Jahr erfolgte unter ihrer maßgeblichen Beteiligung ferner die Gründung der heutigen Weleda AG.

Nach dem Brand des ersten Goetheanums in der Silvesternacht 1922/23 wurde Ita Wegman zur wichtigsten Mitarbeiterin Rudolf Steiners, der in der Zusammenarbeit mit der Ärztin wohl auch schicksalhafte („karmische“) Zusammenhänge sah. Ihre Frage nach einer „Mysterien-Heilkunst“ für die gegenwärtige Zeit ermöglichte Steiners Wirken auch auf medizinischem Gebiet. Fast täglich kam er aus Dornach herüber in die Klinik, um Patienten in Augenschein zu nehmen und Vorschläge für deren Therapie zu machen. Da sich Steiner nicht als „Heiler“ verstand, blieb die medizinische Behandlung in jedem Fall Aufgabe der Ärzte. 1923 berief er Ita Wegman als Schriftführerin zusammen mit Marie Steiner, Elisabeth Vreede, Albert Steffen und Guenther Wachsmuth in den Gründungsvorstand der neuen Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG). Mit ihm gemeinsam leitete sie nach der Gründungstagung (der sogenannten „Weihnachtstagung“) am Goetheanum in Dornach die Erste Klasse der ebenfalls neugegründeten Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Sie wurde zudem Mitbegründerin und erste Leiterin der Medizinischen Sektion. In dieser Funktion initiierte und begleitete sie die Gründung zahlreicher medizinischer und heilpädagogischer Einrichtungen weltweit. Ab September 1924 pflegte sie Rudolf Steiner auf seinem Krankenlager bis zu seinem Tod. Ende 1925 gab sie postum das mit Steiner gemeinsam verfasste Buch Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen heraus. Schon bald nach Steiners Tod brachen zwischen den Mitgliedern des Vorstands zahlreiche Konflikte aus über die Weiterführung der anthroposophischen Arbeit in der AAG, die 1935 dazu führten, dass Ita Wegman und Elisabeth Vreede sowie deren Anhänger aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden.

1934 hatte Ita Wegman eine schwere Erkrankung nur knapp überlebt und entschloss sich während ihrer Rekonvaleszenz zu einer Reise in das „Heilige Land“. In ihren letzten Jahren hielt sie sich meist in der 1936 gegründeten Dépendance ihrer Klinik, der Casa Andrea Cristoforo in Ascona, auf. 1943 starb sie im Alter von 67 Jahren in Arlesheim. Ihre Urne wurde in einer von der Künstlerin und Kunsttherapeutin Liane Collot d’Herbois – einer engen Freundin Wegmans – gestalteten Kapelle in Brissago beigesetzt. Den umfangreichen Nachlass Wegmans beherbergt heute das „Ita Wegman Archiv“ des Ita Wegman Instituts in ihrem ehemaligen Wohnhaus auf dem Gelände der Ita Wegman-Klinik in Arlesheim.

Werke[Bearbeiten]

  • Zur Kenntnis der Heimkehrfälle bei Scharlach. Dissertation, Zürich 1912 (Digitalisat Gallica)
  • Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen (mit Rudolf Steiner). Philosophisch-Anthroposophischer Verlag, Dornach 1925; Taschenbuch ebd. 1991, ISBN 3-7274-7010-0
  • Im Anbruch des Wirkens für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlicher Menschenkunde. Die gesammelten Aufsätze aus der „Natura“. Natura, Arlesheim 1956; 2. A. 1974, ISBN 3-85817-120-4
  • An die Freunde. Aufsätze und Berichte aus den Jahren 1925–27. Natura, Arlesheim 1960; 3. A. 1986, ISBN 3-85817-062-3

Literatur[Bearbeiten]

  • Klinisch-Therapeutisches Institut (Hrsg.): Erinnerungen an Ita Wegman. Arlesheim 1945; 3. A. ebd. 1987, ISBN 3-85817-063-1
  • Ita-Wegman-Fonds (Hrsg.): Ita Wegmans Lebenswirken aus heutiger Sicht. Natura, Arlesheim 1976; 2. A. ebd. 1980, ISBN 3-85817-064-X
  • Willem F. Daems: Ita Wegman: Zürcher Zeit 1906–1920. Erste ärztliche Krebsbehandlung mit der Mistel. Verlag am Goetheanum, Dornach 1986, ISBN 3-7235-0440-X
  • J. Emanuel Zeylmans van Emmichoven: Wer war Ita Wegman. Eine Dokumentation. 3 Bände Reutlingen 1990–92 und Dornach 1992–2004; Band 4: Arlesheim 2009
  • Wolfgang Weirauch (Hrsg.): Ita Wegman und die Anthroposophie. Ein Gespräch mit Emanuel Zeylmans. Flensburger Hefte, Sonderheft Nr. 17, Flensburg 1996, ISBN 3-926841-77-X
  • Peter Selg: „Ich bin für Fortschreiten“. Ita Wegman und die Medizinische Sektion. Verlag am Goetheanum, Dornach 2002, ISBN 3-7235-1140-6
  • Peter Selg: Die letzten drei Jahre. Ita Wegman in Ascona 1940–1943. Verlag am Goetheanum. Dornach 2004, ISBN 3-7235-1205-4
  • Peter Selg: Der Engel über dem Lauenstein. Siegfried Pickert, Ita Wegman und die Heilpädagogik. Verlag am Goetheanum, Dornach 2004, ISBN 3-7235-1209-7
  • Peter Selg: Sterben, Tod und geistiges Leben. Die Kondolenzbriefe Ita Wegmans und das Todesverständnis der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Verlag am Goetheanum, Dornach 2005, ISBN 3-7235-1228-3
  • Peter Selg: Geistiger Widerstand und Überwindung. Ita Wegman 1933–1935. Verlag am Goetheanum, Dornach 2005, ISBN 3-7235-1229-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ita Wegman – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien