Italienisch-Äthiopischer Krieg (1895–1896)

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Italienisch-Äthiopischer Krieg (1895–1896)
Menelik II. während der Schlacht von Adua. Zeitgenössische Darstellung im Le Petit Journal
Menelik II. während der Schlacht von Adua. Zeitgenössische Darstellung im Le Petit Journal
Datum 1895 bis 1896
Ort Äthiopien
Ausgang Äthiopischer Sieg
Konfliktparteien
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien Athiopien 1897Äthiopien Äthiopien
Befehlshaber
Flag of Italy (1861-1946).svg Oreste Baratieri Flag of Ethiopia (1897-1936; 1941-1974).svg Menelik II.
Truppenstärke
18.000 100.000+
Verluste
15.000 Tote 17.000 Tote
Menelik II.
Francesco Crispi
Gedenktafel in Pieve di Teco für im Ersten Weltkrieg und für einen in der Schlacht von Adua gefallene(n) italienische(n) Soldaten

Der Italienisch-Äthiopische Krieg war ein Kolonialkrieg zwischen Italien und Äthiopien von 1895 bis 1896.

Hintergrund[Bearbeiten]

Italienische Versuche, sich 1878 beim Berliner Kongress osmanische Gebiete anzueignen, waren fehlgeschlagen, wenn es Italien auch erstmals gelang, an einem Kongress der Großmächte teilzunehmen.[1] Weitere Unternehmungen, über wirtschaftliche Aktivitäten Einfluss in Nordafrika zu erlangen, waren ebenfalls nicht erfolgreich. Die französische Besetzung von Tunis im Jahr 1881 enttäuschte Italiens Hoffnungen auf dessen Erwerb und führte zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Benedetto Cairoli. Die Mehrzahl der europäischen Einwanderer waren Italiener und das Gebiet hätte mit Sizilien und Pantelleria eine Kontrolle über die dortigen Seewege erlaubt.[2] Dieser Rückschlag veranlasste Rom, am 20. Mai 1882 dem Dreibund beizutreten. Deutschland und Österreich-Ungarn sicherten Italien zwar freie Hand in den unbesetzten Gebieten Nord- und Ostafrikas zu, verweigerten aber die Unterstützung für militärische Konflikte, die aus Roms Streben nach Kolonien erwachsen könnten. Dafür führte die Mitgliedschaft im Dreibund aus Rücksicht auf den Verbündeten zu einem Zügeln der Irredenta, die sich auf österreich-ungarische Gebiete in Trient, Triest und Dalmatien richtete. Das aufgewertete Italien wandte nun seine Aufmerksamkeit vollends Afrika zu. 1882 erwarb es Assab, 1884/85 mit Massaua einen zweiten Hafen am Roten Meer. Handelsstützpunkte in Somalia folgten.

1887 schlug ein Versuch, vom eritreischen Gebiet aus nach Äthiopien vorzustoßen, mit der Vernichtung einer italienischen Einheit in der Schlacht bei Dogali fehl. Außenminister Carlo Felice Nicolis Robilant und Kriegsminister Cesare Ricotti-Magnani mussten bald darauf zurücktreten, Robilant konnte aber noch Deutschlands Unterstützung für Kompensationen im Fall französischer Gebietserweiterungen sichern.[3] 1889/90 gelang die Inbesitznahme des Küstengebiets zwischen Assab und Massaua. Aus ihnen bildete Italien seine erste Kolonie, Eritrea. Es folgte die Annexion des Südteils der somalischen Halbinsel. Nach dem Tod von Negus Yohannes IV. 1889 in der Schlacht von Gallabat unterstützten die Italiener den späteren Negus Menelik II. mit Waffen und Geld.

Eröffnungsphase des Krieges[Bearbeiten]

Am 2. Mai 1889 schloss König Umberto I. mit Kaiser Menelik II. einen Freundschaftsvertrag, der die Vorstufe zur italienischen Expansion nach Äthiopien bilden sollte. Äthiopien erkannte in ihm den italienischen Kolonialbesitz am Roten Meer an. Der italienische Text las sich als Anerkennung Äthiopiens, nunmehr ein italienisches Protektorat zu sein. Im Amharischen war davon keine Rede. Ministerpräsident Francesco Crispi verkündete den anderen Großmächten den neuen Protektoratsstatus, Menelik II. forderte eine Rücknahme dieser Deutung. Als Italien sich weigerte, kündigte Äthiopien den Vertrag. Hierauf blockierte Italien die Küste mit seiner Flotte, förderte Stammesgegensätze und versorgte Gegner Meneliks II. mit Waffen. Frankreich unterstütze Menelik II. und dieser griff im Sommer 1895 die Italiener an. Im Dezember siegten die Italiener in der Schlacht um den Amba Alagi, worauf weitere Verstärkungen nach Ostafrika gesandt wurden.

Schlacht von Adua[Bearbeiten]

Crispi wies Friedensangebote Meneliks II. zurück und so kam es am 1. März 1896 zur Schlacht von Adua. 18.000 italienische Kolonialsoldaten mit 56 Kanonen unter Oreste Baratieri trafen auf 60.000 Äthiopier mit 42 Kanonen. Das Ergebnis war eine vernichtende Niederlage Italiens. Nur 2500 Kolonialsoldaten entkamen, 3000 gerieten in Gefangenschaft. Die Äthiopier verloren 10.000 Mann.

Ende des Krieges, Folgen[Bearbeiten]

In Rom, Turin, Neapel und weiteren italienischen Städten kam es zu sozialistischen Kundgebungen gegen eine Fortsetzung des Krieges. Am 5. März 1896 trat Crispi von seinem Amt zurück. Im Oktober 1896 unterzeichneten beide Staaten einen Friedensvertrag, in dem Italien die Unabhängigkeit Äthiopiens anerkannte, während Äthiopien den italienischen Besitz in Eritrea akzeptierte. Oreste Baratieri wurde wegen des Desasters bei Adua vor ein Kriegsgericht gestellt, jedoch freigesprochen.

1906 schloss Italien entgegen den Vertragsvereinbarungen mit Frankreich und Großbritannien einen Vertrag, der Äthiopien zur gemeinsamen Einflusszone erklärte. Er diente Benito Mussolini als Vorwand für den Italienisch-Äthiopischen Krieg von 1935.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ermuntert durch den abessinischen Erfolg erhoben sich im November 1896 auch die Somalier in Mogadischu und Merka gegen die Italiener (Lafoole-Massaker).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Darmstadt 1980. S. 213-214.
  2. Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Darmstadt 1980. S. 214.
  3. Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Darmstadt 1980. S. 216.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Feldbauer: Geschichte Italiens. Vom Risorgimento bis heute. PapyRossa-Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-89438-386-2 (Neue kleine Bibliothek 132).
  • Rudolf Lill: Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-06746-0.
  • Bruce Vandervort: Wars of Imperial Conquest in Africa. 1830–1914. UCL Press, London 1998, ISBN 1-85728-487-9 (Warfare and History).