Italienisches Expeditionskorps in Russland

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Italienische Soldaten mit Mauleseln an der Ostfront, Juli 1942

Das Italienische Expeditionskorps in Russland (Corpo di spedizione italiano in Russia; C.S.I.R.) war ein italienisches Armeekorps im Zweiten Weltkrieg. Aufgestellt wurde es am 9. Juli 1941. Ab 1942 wurde es in die neu aufgestellte Armata italiana in Russia (Italienische Armee in Russland; A.R.M.I.R.) eingegliedert, die auch die Bezeichnung 8. Armee trug.

CSIR[Bearbeiten]

Das CSIR sollte aus drei motorisierten bestmöglich ausgerüsteten Divisionen gebildet werden. Es entstand aus einer sogenannten Schnellen Division mit gepanzerten Anteilen und zwei motorisierten Infanteriedivisionen. Die 52. Infanteriedivision Torino und die 9. Infanteriedivision Pasubio waren mit rund 10.000 Mann im Vergleich zur Wehrmacht relativ schwache Einheiten. Die Zahl ihrer Fahrzeuge reichte aber nicht aus, um beide Divisionen gleichzeitig zu verlegen. Die 3. Kavalleriedivision (divisione celere, dt.: "Schnelle Division") Principe Amedeo Duca d'Aosta war die gepanzerte Komponente des CSIR. Sie besaß 60 Panzer vom Typ L3-33, drei Tonnen leicht und mit Maschinengewehren bewaffnet. Zu ihr gehörte auch das Mailänder Regiment Savoia Cavalleria sowie das motorisierte 3. Bersaglieri-Regiment. Die Miliz war mit drei Bataillonen der 63. motorisierten Legion Tagliamenti beteiligt. Insgesamt wurden 62.000 Mann mit 220 Geschützen, 92 Panzerabwehrkanonen und 5.500 Kraftfahrzeugen aufgestellt, die von 83 Flugzeugen unterstützt wurden. Kommandierender General dieses „Corpo d'Armata autotrasportabile“ war Francesco Zingales. Zingales erkrankte bei der Verlegung des Korps nach Russland in Wien und wurde von General Giovanni Messe abgelöst.

Vier Wochen nach Beginn des Russlandfeldzugs wurde das C.S.I.R. an die Ostfront verlegt und bildete zunächst die Reserve der deutschen 11. Armee, nachdem es die Karpaten aus eigener Kraft überquert hatte. Nach ersten erfolgreichen Gefechten wurde es der Panzergruppe 1 unterstellt, deckte deren linke Flanke und machte damit deutsche Divisionen für die Angriffsspitze frei. Als die Panzergruppe 1 auf Rostow und das Donezbecken vorstieß, übernahm das CSIR wiederum die Sicherung der linken Flanke (Kämpfe bei Dnister und Petrikowka, wo es größere Verbände der Roten Armee einkesselte und mehr als 10.000 Soldaten gefangennahm, bei Dnjepropetrowsk). Zusammen mit dem XXXXIX. deutschen Gebirgskorps eroberte das CSIR am 20. Oktober 1941 das Industrierevier von Stalino.

8. Armee[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1942 baute man das italienische Expeditionskorps auf Mussolinis Wunsch zur "Italienischen Armee in Russland" (Armata Italiana in Russia; ARMIR) aus, die auch die Bezeichnung "8. Armee" trug. Zwei neue Korps wurden in Norditalien aufgestellt: das II. Armeekorps mit den Divisionen Ravenna, Cosseria, Sforzesca sowie ein Alpini-Korps mit den Divisionen Tridentina, Julia und Cuneense. Dazu kamen zwei Brigaden faschistischer Miliz. Zur Sicherung rückwärtiger Gebiete war die Infanteriedivision Vicenza bestimmt. Als drittes Korps wurde das an der Front stehende CSIR (jetzt XXXV. Korps) der 8. Armee eingegliedert. Insgesamt zählten die vom AOK 8 geführten italienischen Truppen rund 230.000 Mann. Sie waren mit etwa 250 leichten und 600 schweren Geschützen bewaffnet, mit 52 Flak und 54 deutschen PAK 7,5 cm. Sie waren mit 23.000 Kraftfahrzeugen motorisiert, verfügten aber nur über 19 leichte Panzerwagen.

Das Alpini-Korps sollte eigentlich im Kaukasus operieren, dann verlegte man es in die russische Steppe. Ende 1942 / Anfang 1943 wurde die 8. italienische Armee am Don durch eine russische Großoffensive ("Operation Saturn") vernichtet. Bei diesen Kämpfen geriet das Alpinikorps hinter die feindlichen Linien. Nach zweiwöchigen schweren Gefechten bei starkem Frost erreichten sie, stark dezimiert, wieder die eigenen Linien. Von den über 200.000 Soldaten der 8. Armee kehrte im Frühjahr 1943 nur ein Bruchteil nach Italien zurück.

Folgen[Bearbeiten]

Mit der Entscheidung, ein motorisiertes Korps nach Russland zu schicken, wollte Mussolini seinen Teil an der "Beute" sichern. Diese Entscheidung zersplitterte die für den Krieg in ihrer Gesamtheit schlecht vorbereiteten italienischen Streitkräfte noch weiter (Frankreich, Balkan, Nord- und Ostafrika), statt sie auf wesentlichere und erreichbarere Ziele anzusetzen. Insbesondere in Nordafrika fehlte es den italienischen Truppen an Fahrzeugen und guter Artillerie, doch angesichts der Verluste auf den Nachschublinien durch das Mittelmeer wird zurecht die Frage aufgeworfen, ob Material und Waffen der 8. Armee in Nordafrika auf wirksame Weise zum Einsatz gekommen wären. Das CSIR konnte zunächst Erfolge verbuchen, weil es motorisiert, klein und somit gerade noch gut zu versorgen war. Mit der Vervierfachung der italienischen Kräfte in Russland verschlechterte sich deren allgemeiner Qualitätsstandard und vor allem ihre Nachschubsituation drastisch. Die Idee, Gebirgsjäger in der Steppe einzusetzen, war völlig abwegig. Gegen massive russische Panzerangriffe vermochte die 8. Armee kaum etwas auszurichten und wurde unter anderem deswegen während der sowjetischen Operation Uranus vollständig vernichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas von Schlemmer (Hrsg): Die Italiener an der Ostfront 1942/43. Dokumente zu Mussolinis Krieg gegen die Sowjetunion, Oldenbourg, 2005, ISBN 978-3-486-70284-2
  • Giovanni Messe (Oberbefehlshaber des C.S.I.R.): Der Krieg im Osten., Übers. a. d. Ital., mit 12 Lageskizzen, Zürich, Thomas-Verlag, 1948

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]