Italo-Disco

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Als Italo Disco bezeichnet man eine Stilrichtung innerhalb der Elektronischen Tanzmusik, deren Produzenten, Komponisten und teilweise Interpreten aus Italien stammen. Der Begriff entstand bereits in den 1970er Jahren, seine Blütezeit hatte Italo Disco in den 1980er Jahren. Als Prototyp des Genres gilt das Lied Self Control des italienischen Sängers Raf. Italo Disco hat eine Vielzahl an Einmal-Hits hervorgebracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Italo Disco wird dem Deutschen Bernhard Mikulski, Gründer von ZYX Music zugeschrieben, der ihn in den späten 1970er Jahren verwendete, um italienische Disco-Interpreten regional von anderen Ländern abzugrenzen.[1] Disco als Musikgenre begann sich in Italien bereits in den frühen 1970er Jahren zu entwickeln, Martinelli nennt als vermutlich ersten italienischen Disco-Song Nessuno mai von Marcella Bella (1974). Begünstigt durch den Film Saturday Night Fever (1977) erfuhr Discomusik auch in Italien einen Boom, zu dessen frühen Vertretern Alan Sorrenti mit Figli delle stelle (1977) oder Francesca Aliotta gehören.[1] Ende der 1970er Jahre veröffentlichten Bands wie La Bionda mit One for You, One for Me, Barbados Climax mit California U.S.A. oder Gepy & Gepy mit Body to Body englischsprachige Disco-Songs, aber auch etablierte Künstler wie Giorgio Moroder und Umberto Tozzi veröffentlichten Disco-Versionen älterer Stücke.[1]

Doch erst Anfang der 1980er Jahre mit Interpreten wie Baltimora, Righeira oder Gazebo begann sich Italo Disco über die reine Bedeutung als regionales Abgrenzungskriterium hinaus zu einem musikalisch eigenständigen Genre zu entwickeln; als Prototyp dieser Stilrichtung gilt das 1983 vom italienischen Sänger Raf veröffentlichte Lied Self Control.[1] Diese Entwicklung fand 1983 seinen Niederschlag in der von ZYX Music veröffentlichten Kompilation The Best of Italo Disco Vol. 1. Das Genre beschränkte sich seitdem nicht mehr auf Italien, auch in anderen europäischen Ländern veröffentlichten Interpreten wie Mike Mareen (Deutschland) oder Den Harrow (Großbritannien) Lieder im Italo-Disco-Stil. Weiterhin gilt Italo Disco als ein wichtiger Impulsgeber für den Chicago House.[2] Ab Mitte/Ende der 1980er Jahre entwickelte sich aus Italo Disco Genres wie Italo House oder Techno.[3] Mitte 2003 belebte die Gruppe Master Blaster mit ihrem Album We Love Italo Disco den Italo-Disco wieder. Viele alte Titel wie Happy Children, Another Life oder Hypnotic Tango wurden gecovert, und das Album We Love Italo Disco erzielte Erfolge. How Old R U wurde ein Sommerhit und hielt sich wochenlang in den Charts.

Charakteristik[Bearbeiten]

Laut Martinelli[3] ist Italo Disco durch einen stringent beibehaltenen 4/4-Takt mit einer Bassdrum beim Downbeat sowie Snare und Handclap beim Upbeat geprägt, darüber liegt eine sich ständig wiederholende Basslinie. Die Melodien sind einfach und eingängig, der Gesang wird in den Vordergrund gemischt. Die Interpreten selber erhielten stets Zugang zu den modernsten Instrumenten und Technologien, Synthesizer und Drumcomputer dominieren die Stücke, selten gepaart mit akustischen Musikinstrumenten. Das Textkonzept von Italo Disco ist zumeist selbstreferenziell.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dario Martinelli: Lasciatemi Cantare and Other Diseases: Italian Popular Music, As Represented Abroad. In: Franco Fabbri, Goffredo Plastino (Hrsg.): Made in Italy: Studies in Popular Music. Routledge, New York 2014, ISBN 9780415899765, S. 209-219.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c d Dario Martinelli: Lasciatemi Cantare and Other Diseases. a.a.O., S. 211.
  2.  Nick Collins et al.: Electronic Music. Cambridge University Press, 2013, ISBN 9781107244542, S. 111.
  3. a b c Dario Martinelli: Lasciatemi Cantare and Other Diseases. a.a.O., S. 212.