Ittlingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ittlingen
Ittlingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ittlingen hervorgehoben
49.1934861111118.9345416666667188Koordinaten: 49° 12′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heilbronn
Höhe: 188 m ü. NHN
Fläche: 14,11 km²
Einwohner: 2401 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74930
Vorwahl: 07266
Kfz-Kennzeichen: HN
Gemeindeschlüssel: 08 1 25 047
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 101
74930 Ittlingen
Webpräsenz: www.ittlingen.de
Bürgermeister: Achim Heck
Lage der Gemeinde Ittlingen im Landkreis Heilbronn
Abstatt Abstatt Bad Friedrichshall Bad Rappenau Bad Wimpfen Beilstein Beilstein Beilstein Brackenheim Cleebronn Eberstadt Ellhofen Ellhofen Eppingen Erlenbach Flein Gemmingen Güglingen Gundelsheim Hardthausen am Kocher Heilbronn Ilsfeld Ittlingen Jagsthausen Jagsthausen Kirchardt Langenbrettach Lauffen am Neckar Lauffen am Neckar Lehrensteinsfeld Leingarten Löwenstein Löwenstein Löwenstein Massenbachhausen Möckmühl Neckarsulm Neckarwestheim Neudenau Neuenstadt am Kocher Nordheim Obersulm Oedheim Offenau Pfaffenhofen Roigheim Schwaigern Siegelsbach Talheim Untereisesheim Untergruppenbach Weinsberg Widdern Wüstenrot ZaberfeldKarte
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Ittlingen ist eine ländliche Gemeinde im Westen des Landkreises Heilbronn in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ittlingen liegt im oberen Tal der Elsenz. Das Ittlinger Tal führt von der Mündung des Bockschafter Grabens in die Elsenz nach Osten bis Bockschaft. Nähere Großstädte sind die Ballungszentren Heilbronn, Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe (50-km-Zone).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbarstädte und -gemeinden sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis), Kirchardt und Eppingen. Kirchardt und Eppingen gehören zum Landkreis Heilbronn. Mit Eppingen und der Gemeinde Gemmingen ist Ittlingen die Verwaltungsgemeinschaft Eppingen-Gemmingen-Ittlingen eingegangen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Ittlingen gehören keine weiteren Ortsteile oder Orte im geographischen Sinne.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Ittlingen wurde in einer auf das Jahr 773 datierten Urkunde im Lorscher Kodex erstmals als Uchlinheim erwähnt. Im 12. Jahrhundert trat ein Ortsadel (Herren von Ucklingen) auf, über den heute jedoch fast nichts mehr bekannt ist. Im 13. und 14. Jahrhundert hatten die Grafen von Öttingen Rechte in Ittlingen. 1414 erhielt Dietrich von Gemmingen die Hälfte von Ittlingen als Lehen, die andere Hälfte kaufte er. Die Herren von Gemmingen (Linien zu Gemmingen und zu Michelfeld) besaßen Ittlingen also zur Hälfte als Allodbesitz, zur Hälfte als Lehen der Grafen von Öttingen. Nach dem Aussterben der Gemmingen-Michelfeld traten ab 1616 die Grecken von Kochendorf als Mitortsherren auf, nach deren Aussterben 1749 die Gemmingen-Hornberg. 1806 kam Ittlingen an Baden. 1939 wurden 1152 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 1409.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich der einst landwirtschaftlich geprägte Ort zu einer Arbeiterwohngemeinde, wofür mehrere Neubaugebiete erschlossen wurden. Auch einzelne Gewerbebetriebe siedelten sich an. Vor der Kreisreform in Baden-Württemberg im Jahre 1973 gehörte Ittlingen dem Landkreis Sinsheim an, kam dann aber zum Landkreis Heilbronn. Im Jahr 1987 begann ein umfangreiches Sanierungsprogramm für die Ortsmitte, mit dem insbesondere der Bereich um die Kirche und das Bürgerhaus aufgewertet wurde. Das Sanierungsprogramm wurde im Juli 2006 offiziell abgeschlossen.

Religionen[Bearbeiten]

In Ittlingen gibt es eine evangelische, eine katholische, eine freikirchliche und eine neuapostolische Kirchengemeinde. Der Großteil der Ittlinger Bevölkerung ist evangelisch.

Synagogengedenkstein

Die Jüdische Gemeinde Ittlingen ist bereits seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen, da die Herren von Gemmingen und die Grecken nach dem Dreißigjährigen Krieg verstärkt Juden im Ort aufnahmen, wo zuvor nur einzelne Juden gewohnt hatten. 1722 werden fünf jüdische Familien genannt, deren Zahl sich bis 1795 auf 15 erhöhte. Eine Synagoge bestand spätestens seit 1686 und wurde 1805 durch einen Synagogenneubau in der Mühlgasse ersetzt. Um 1850 hatte die jüdische Gemeinde mit knapp 180 Personen ihren höchsten Mitgliederstand, der jedoch in den Folgejahren durch Ab- und Auswanderung stark rückläufig sein würde. Seit 1887 bestand der Jüdische Friedhof Ittlingen. 1933 zählte die jüdische Gemeinde noch 37 Personen, von denen mehr als die Hälfte bis 1938 in die USA auswanderten. Die Synagoge in der Mühlgasse wurde während der Novemberpogrome 1938 verwüstet, anschließend abgebrochen und das Gelände seitdem als Garten genutzt. Von den letzten acht Ittlinger Juden, die im Oktober 1940 in das Camp de Gurs deportiert wurden, ist nur ein Überlebender bekannt. Seit 1988 erinnert eine Gedenktafel an die einstige Synagoge.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat Ittlingens hat nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 12 Sitze. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  • Liste Freier Wähler 67,6 % (+ 6,1) – 8 Sitze (+ 1)
  • Frauen im Gemeinderat 32,4 % (− 6,1) – 4 Sitze (− 1)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen Ittlingens

Die Blasonierung des Ittlinger Wappens lautet: In Blau zwei goldene Balken, belegt mit einem roten Herzschild, darin eine gestürzte goldene Pflugschar. Die Flagge der Gemeinde ist Gelb-Blau.

Das 1910 vom Generallandesarchiv in Karlsruhe vorgeschlagene Ittlinger Wappen zeigt die blau-goldenen Farben der Herren von Gemmingen, der Ortsbesitzer von 1355 bis 1806. Zur Unterscheidung vom Gemmingenschen Wappen dient der Herzschild mit der auf die Landwirtschaft verweisenden Pflugschar. Die aus den Wappenfarben abgeleitete Flagge wurde Ittlingen am 1. Oktober 1980 vom Landratsamt des Landkreises Heilbronn verliehen.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Kirche
  • Die Evangelische Kirche im Nordosten des Ortskerns wurde 1732 errichtet und 1828 zu ihrer heutigen Gestalt erweitert. Sie geht auf eine als Wehrkirche erbaute Chorturmkirche aus dem 13. Jahrhundert zurück. Ein Inschriftenstein über dem westlichen Seitenportal erinnert an den Neubau von 1732. Die Kirche wurde 1988 renoviert. Bei ihr befindet sich das Bürgerhaus.
  • Die katholische Kirche St. Michael und die Neuapostolische Kirche des Ortes sind schlichte Bauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Herrenhaus
  • Das Schloss Ittlingen am Bauberg südwestlich der Ortsmitte geht im Kern auf das Herrenhaus des unter den Herren von Gemmingen 1577 erbauten Bauhofs zurück. Das Gewölbe der Kellertür an der Nordseite des Gebäudes ist mit dem Baujahr datiert, darüber befindet sich ein schmuckvoller Wappenstein. Das Portal an der Westfassade des Gebäudes weist weiteren Bauschmuck auf. Das zu Wohnzwecken genutzte Schloss ist von historischen Wirtschaftsgebäuden umgeben.
Altes Rathaus
  • Neben dem heutigen Rathaus am nordöstlichen Ende des Ortskerns, das als Schulhaus im Stil eines Jagdschlosses mit zwei Rundtürmen zu den Seiten der Hauptfassade erbaut und 1976 zum Rathaus umgebaut wurde, ist in der Ortsmitte noch das Alte Rathaus aus dem frühen 19. Jahrhundert nach Plänen des Architekten Weis aus Karlsruhe erhalten.
  • Beim Rathaus, auf dem Friedhof sowie am Südende der Hauptstraße befinden sich verschiedene Kriegerdenkmale.
  • Der Jüdische Friedhof Ittlingen in der Bergstraße wurde 1887 angelegt.
  • In der Ortsmitte hat sich eine große Zahl historischer Gebäude erhalten, darunter zahlreiche Fachwerkhäuser und historische Wirtschaftsgebäude mit teils denkmalgeschützten Galerien.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Haltepunkt von Ittlingen (Apr. 2007)

Ittlingen ist eine ländlich geprägte Wohngemeinde mit einigen mittelständischen und handwerklichen Gewerbebetrieben. Im Osten der Gemeinde wird in einem großen Steinbruch Muschelkalk abgebaut, der hauptsächlich für Baustoffgemische verwendet wird.[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Etwa 4 km von Ittlingen entfernt befindet sich die Autobahnanschlussstelle Sinsheim-Steinsfurt der Bundesautobahn 6.

Der Haltepunkt Ittlingen liegt an der 1900 eröffneten, seit 2009 elektrifizierten Bahnstrecke Steinsfurt–Eppingen. Die Strecke wird stündlich von der Linie S 5 der S-Bahn RheinNeckar bedient. Das Ittlinger Bahnhofsgebäude befindet sich in Privatbesitz.

Medien[Bearbeiten]

Über das Geschehen in Ittlingen berichtet die Tageszeitung Kraichgau Stimme, eine Nebenausgabe der Heilbronner Stimme.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 78–79
  3. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  4. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 82
  5. Heike Kinkopf: Ittlingen – intakte Strukturen inmitten satten Grüns. In: Heilbronner Stimme vom 10. August 2006

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Engelhardt: Ein badisches Bauerndorf vor 50 Jahren und jetzt. Bevölkerung und Wirtschaftsleben. Buchdruckerei Carl Pfeffer, Heidelberg 1910. (Inaugural-Dissertation der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin; 70 Seiten; behandelt wird das Dorf Ittlingen um 1860 sowie um 1910)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ittlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien