Ivan Lendl

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Ivan Lendl Tennisspieler
Ivan Lendl
Lendl 2012 in Miami
Nationalität: TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei (1960–1992)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten (1992—heute)
Geburtstag: 7. März 1960
Größe: 188 cm
1. Profisaison: 1978
Rücktritt: 1994
Spielhand: Rechts, einhändige Rückhand
Preisgeld: 21.262.417 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 1071:239
Karrieretitel: 94
Höchste Platzierung: 1 (28. Februar 1983)
Wochen als Nr. 1: 270
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 187:140
Karrieretitel: 6
Höchste Platzierung: 20 (12. Mai 1986)
Grand-Slam-Bilanz
Mixed
Grand-Slam-Bilanz
Quellen: offizielle Spielerprofile bei der ATP/WTA und ITF (siehe Weblinks)
Lendl 1984 im Finale von Rotterdam

Ivan Lendl (* 7. März 1960 in Ostrava, damals ČSSR, heute Tschechien) ist ein ehemaliger tschechoslowakischer, später US-amerikanischer Tennisspieler.

Lendl, der am 7. Juli 1992[1] die US-amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, gewann in seiner Karriere acht Grand-Slam-Einzeltitel und erreichte die frühere Rekordanzahl von 19 Finalteilnahmen bei Turnieren dieser Kategorie. Mit insgesamt 270 Wochen an der Spitze der Tennis-Weltrangliste, dabei viermal auch am Jahresende (1985-87, 1989), war Lendl einer der erfolgreichsten Tennisspieler der 1980er Jahre.

In seiner 17 Jahre dauernden Karriere gewann er 94 Einzeltitel, darunter je dreimal French Open und US Open sowie zweimal die Australian Open, dazu kamen sechs Titel im Doppel. Nur ein Erfolg in Wimbledon, wo er zweimal das Finale erreichte, blieb ihm verwehrt. Zusätzlich gewann er fünfmal das Masters sowie 1980 den Davis Cup mit der Mannschaft der Tschechoslowakei. In seiner Bilanz stehen 1071 gewonnenen Partien 239 Niederlagen gegenüber (bei Grand-Slam-Turnieren 222:49).

Von Januar 2012 bis März 2014 war Lendl Trainer von Andy Murray, der in dieser Zeit seine bislang größten Erfolge erzielte: 2012 die Siege bei den Olympischen Spielen und den US Open sowie 2013 der Titelgewinn in Wimbledon.

Tenniskarriere[Bearbeiten]

Bereits in der Jugend war Lendl ein herausragender Spieler, so gewann er 1978 die Junioren-Einzeltitel bei den French Open und in Wimbledon und wurde als Nummer 1 der Juniorenweltrangliste geführt. Im gleichen Jahr wurde er Profi, bereits 1979 erreichte er sein erstes Einzelfinale bei den Herren. 1980 gewann Lendl sieben Turniere, wobei er in drei Wochen drei Turniere auf unterschiedlichen Belägen gewinnen konnte. 1981 gewann er zehn Turniere und erreichte bei den French Open das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere, das er in fünf Sätzen gegen Björn Borg verlor. Lendl stand auch im tschechoslowakischen Team, das 1981 den World Team Cup gewann und das 1984 und 1985 Vizemeister wurde. Im Jahr 1982 beendete er 15 von 23 Turnieren, zu denen er antrat, als Sieger, allerdings verlor er erneut ein Grand-Slam-Finale, diesmal gegen Jimmy Connors bei den US Open. Er hatte eine Siegserie von 44 Spielen und gewann auch erstmals das Saisonabschlussturnier, die WCT Finals. Dort besiegte er John McEnroe ohne Satzverlust. Er begegnete McEnroe erneut im Finale des Masters Grand Prix und gewann wiederum ohne Satzverlust. In dieser Zeit erhöhten sich die Preisgelder wegen der Konkurrenz zwischen zwei Tennisturnieren (Grand Prix und WCT), Lendl wurde zum bestverdienenden Spieler aller Zeiten.

Auch in der folgenden Saison hielt sich Lendl konstant unter den besten Spielern der Welt. Er musste sich aber in zwei weiteren Endspielen bei Grand-Slam-Turnieren geschlagen geben. 1983 gewann er sieben Turniere. Schließlich folgte in der Saison 1984 der erste Sieg bei einem der wichtigsten Turniere der Welt. Bei den French Open in Paris drehte Lendl einen 0:2-Satzrückstand im Finale gegen John McEnroe und errang seinen ersten Major-Turniersieg.

Die Saison 1985 war eine der besten in Lendls Karriere. Unter seinen 11 Einzeltiteln war auch der erste Sieg bei den US Open, wo er zuvor dreimal in Folge im Endspiel gescheitert war. Er erreichte die WCT Finals zum zweiten und letzten mal, wo er Tim Mayotte in drei Sätzen schlug. Auch in den nächsten beiden Jahren sollte Lendl die US Open gewinnen, dazu kamen zwei weitere Siege bei den French Open und zwei Finalteilnahmen in Wimbledon. Damit beendete Lendl die Jahre 1985-87 jeweils als bester Spieler der Tennis-Weltrangliste. Von 1985 bis 1987 gewann er erneut den Masters Grand Prix. Nach zwei Jahren mit jeweils drei Grand-Slam-Finalteilnahmen erreichte Lendl in der Saison 1988 einzig bei den US Open das Finale, wo seine Serie von 27 Siegen in Folge in einem knappen Spiel über fünf Sätze gegen Mats Wilander endete. 1989 folgte der erste Triumph bei den Australian Open. In Paris verlor er im Achtelfinale in einem legendären Match gegen den von Krämpfen geplagten und am Rande einer Aufgabe stehenden Michael Chang mit 6:4, 6:4, 3:6, 3:6, 3:6. Beim Turnier in Wimbledon kam Lendl in dieser Saison wie auch in den folgenden Jahren seiner Karriere nicht mehr über das Halbfinale hinaus.

1990 endete die Serie von acht Finalteilnahmen in Folge bei den US Open, bei den Australian Open gewann Lendl den achten und letzten Grand-Slam-Titel seiner Karriere und am Jahresende konnte er zum zehnten Mal in Folge eine Saison unter den drei besten Spielern der Welt beenden. Bei den Australian Open 1991 erreichte er das letzte Grand-Slam-Finale seiner Karriere, er verlor das Match gegen Boris Becker in vier Sätzen. Die letzten drei Jahre seiner Karriere waren geprägt von anhaltenden Rückenproblemen und frühen Niederlagen bei den wichtigen Turnieren. Schließlich beendete Lendl seine Karriere 1994 im Alter von 34 Jahren und widmete sich danach zunehmend dem Golfsport. Am 28. Februar 2011 spielte er mit John McEnroe ein Freundschaftsspiel im Madison Square Garden. Das erste Mal seit den 1970er Jahren spielte Lendl im Mai 2012 beim Sparta Prague Open Tennisturnier wieder in Prag.

2001 wurde Ivan Lendl in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.

Erfolge als Trainer[Bearbeiten]

Andy Murray wurde von 2012 bis März 2014 von Lendl trainiert.[2] In dieser Zeit gewann Murray die Olympischen Spiele 2012 in London, im selben Jahr die US Open und 2013 das Turnier von Wimbledon.

Privatleben[Bearbeiten]

Lendl stammt aus einer tennisbegeisterten Familie. Seine Mutter, Olga Lendlová, war eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Tschechoslowakei und war zu ihrer Zeit die zweitbeste Spielerin des Landes. Auch sein Vater, Jiří Lendl, war ein guter Spieler, der später Vorsitzender der tschechoslowakischen Tennis-Föderation wurde. 1978 wurde Ivan Lendl Tennisprofi.

Seit 1981 lebt Lendl in den Vereinigten Staaten, 1984 zog er endgültig dorthin. 1987 beantragte er eine Greencard und bekam sie, im Jahr 1992 nahm er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1989 heiratete er Samantha Frankel. Er lebt heute mit seiner Frau und fünf Töchtern im US-Bundesstaat Connecticut. Lendl spielt Golf und steuert die sportliche Entwicklung seiner Töchter, insbesondere deren Golf-Fähigkeiten. Zwei seiner Töchter, Marika und Isabelle, sind Mitglieder des Women's Golf Team der University of Florida.[3] Caroline ist Mitglied der Rudermannschaft der University of Alabama. Tochter Nikola findet Gefallen am Vielseitigkeitsreiten.

Lendl spielte in den 1980er Jahren bei drei Testspielen in Sun City, Südafrika, in der Apartheid-Ära Bantustan von Bophuthatswana.[4] Er sammelt Werke des Künstlers Alfons Mucha.[5]

Statistiken und Rekorde[Bearbeiten]

Rekord-Weltranglistenerste im Herreneinzel
Rang Tennisspieler Wochen
1. SchweizSchweiz Roger Federer 302
2. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Pete Sampras 286
3. TschechoslowakeiTschechoslowakei Ivan Lendl 270
4. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jimmy Connors 268
5. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten John McEnroe 170
6. SpanienSpanien Rafael Nadal 141
7. SerbienSerbien Novak Đoković 135
8. SchwedenSchweden Björn Borg 109
9. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Andre Agassi 101
Stand: 23. Februar 2015
  • Lendl war ab 1989 der Spieler mit den meisten Finalteilnahmen bei Grand-Slam-Turnieren (17, zuletzt 19), eher er 2009 von Roger Federer überboten wurde; derzeit liegt er in dieser Wertung auf Platz drei hinter Federer (25) und Rafael Nadal (20) - Stand: Juli 2014.
  • Mit insgesamt 94 Turniersiegen im Einzel belegt er Platz 2 in der Bestenliste der Open Era hinter Jimmy Connors (109).
  • Lendl ist der einzige Spieler in der Open Era, der drei Turniere auf unterschiedlichen Belägen in drei aufeinander folgenden Wochen gewinnen konnte.
  • Ivan Lendl und Bill Tilden sind die einzigen Spieler der Tennisgeschichte, die acht US-Open-Finalteilnahmen in Folge erreicht haben.
  • Lendl hält den Rekord von 66 Siegen in Folge bei Indoor-Turnieren (1981-1983).
  • Zusammen mit Pete Sampras liegt er auf Platz 2, was Siege (5) beim saisonabschließenden Masters (heute Tennis Masters Cup) betrifft; nur Roger Federer verbuchte dort mehr Siege (6). Dabei ist er neben Ilie Năstase und Novak Djokovic einer von nur drei Spielern, denen der Turniersieg dort dreimal in Folge gelang.
  • Er hält den Rekord für die meisten Finalteilnahmen (9) beim Tennis Masters Cup, diese bestritt er zwischen 1980 und 1988 ohne Unterbrechung.
  • Mit 21.262.417 erspielten US-Dollar liegt Lendl auf Platz 6 der Preisgeld-Rangliste.
  • Insgesamt 270 Wochen wurde Lendl auf der Spitzenposition der Tennis-Weltrangliste geführt. Dies war Rekord von 1990, als er Jimmy Connors' Marke von 268 Wochen überbot, bis zum Jahr 1999, als Pete Sampras diese Marke übertreffen konnte. Derzeit belegt Lendl Platz 3 in der ewigen Bestenliste hinter Roger Federer (302) und Pete Sampras (286). Platz 3 belegt er auch mit 157 ununterbrochenen Nummer-1-Wochen hinter Roger Federer (237) und Jimmy Connors (160).
  • Lendl ist (neben Sampras, Connors, McEnroe und Federer) einer von nur fünf Spielern, die mindestens viermal eine Saison als Nummer eins der Weltrangliste beendet haben.
  • Mit 15 Saisontiteln im Jahr 1982 liegt Lendl auf Platz 2 der ewigen Bestenliste; einzig Guillermo Vilas hat mehr Turniere (16) in einer Saison gewonnen.
  • Mit 1071 Profisiegen ist Lendl auch in dieser Statistik auf Platz 2 der All-Time-Wertung geführt; mehr Siege erzielte nur Jimmy Connors (1222).
  • Hinter Guillermo Vilas (46) liegt Lendl mit 44 gewonnenen Partien in Serie (in den Jahren 1981 und 1982) auf Platz 2.

Grand-Slam-Erfolge[Bearbeiten]

Siege (8)[Bearbeiten]

Jahr Turnier Finalgegner Ergebnis
1984 French Open Vereinigte StaatenVereinigte Staaten John McEnroe 3:6, 2:6, 6:4, 7:5, 7:5
1985 US Open Vereinigte StaatenVereinigte Staaten John McEnroe 7:6, 6:3, 6:4
1986 French Open SchwedenSchweden Mikael Pernfors 6:3, 6:2, 6:4
1986 US Open TschechoslowakeiTschechoslowakei Miloslav Mečíř 6:4, 6:2, 6:0
1987 French Open SchwedenSchweden Mats Wilander 7:5, 6:2, 3:6, 7:6
1987 US Open SchwedenSchweden Mats Wilander 6:7, 6:0, 7:6, 6:4
1989 Australian Open TschechoslowakeiTschechoslowakei Miloslav Mečíř 6:2, 6:2, 6:2
1990 Australian Open SchwedenSchweden Stefan Edberg 4:6, 7:6, 5:2 Aufgabe

Finalniederlagen (11)[Bearbeiten]

Jahr Turnier Finalgegner Ergebnis
1981 French Open SchwedenSchweden Björn Borg 1:6, 6:4, 2:6, 6:3, 1:6
1982 US Open Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jimmy Connors 3:6, 2:6, 6:4, 4:6
1983 Australian Open SchwedenSchweden Mats Wilander 1:6, 4:6, 4:6
1983 US Open Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jimmy Connors 3:6, 7:6, 5:7, 0:6
1984 US Open Vereinigte StaatenVereinigte Staaten John McEnroe 3:6, 4:6, 1:6
1985 French Open SchwedenSchweden Mats Wilander 6:3, 4:6, 2:6, 2:6
1986 Wimbledon DeutschlandDeutschland Boris Becker 4:6, 3:6, 5:7
1987 Wimbledon AustralienAustralien Pat Cash 6:7, 2:6, 5:7
1988 US Open SchwedenSchweden Mats Wilander 4:6, 6:4, 3:6, 7:5, 4:6
1989 US Open DeutschlandDeutschland Boris Becker 6:7, 6:1, 3:6, 6:7
1991 Australian Open DeutschlandDeutschland Boris Becker 6:1, 4:6, 4:6, 4:6

Karrierebilanz[Bearbeiten]

Turnier/Statistik 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994
Australian Open - - 2R - - F AF HF - HF HF S S F VF 1R AF
French Open 1R AF 3R F AF VF S F S S VF AF - - 2R 1R 1R
Wimbledon - 1R 3R 1R - HF HF AF F F HF HF HF 3R AF 2R -
US Open - 2R VF AF F F F S S S F F VF HF VF 1R 2R
Turniersiege 0 0 7 10 15 7 3 11 9 8 3 10 5 3 1 2 0
Weltranglistenplatz
am Jahresende
74 20 6 2 3 2 3 1 1 1 2 1 3 5 8 19 54

AF = Achtelfinale; VF = Viertelfinale; HF = Halbfinale; F = Finale; S = Turniersieg; Ziffer = 1.-3. Turnierrunde;

Turniersiege (94)[Bearbeiten]

  • 1980 (7)
    • Houston, Toronto, Barcelona, Basel, Tokio, Hongkong, Taipei
  • 1981 (10)
    • Stuttgart (Indoor), Las Vegas, Montreal, Madrid, Barcelona, Basel, Wien, Köln, Buenos Aires und beim Masters
  • 1982 (15)
    • Delray Beach, Genua, München, Straßburg, Frankfurt, Houston, Dallas, Forest Hills, Washington, North Conway, Cincinnati, Los Angeles, Neapel, Hartford und beim Masters
  • 1983 (7)
    • Detroit, Mailand, Houston, Hilton Head, Montreal, San Francisco, Tokio (Indoor)
  • 1984 (3)
    • Luxemburg, French Open, Wembley
  • 1985 (11)
    • Fort Myers, Monte Carlo, Dallas, Forest Hills, Indianapolis, US Open, Stuttgart, Sydney (Indoor), Tokio (Indoor), Wembley, Masters
  • 1986 (9)
    • Philadelphia, Boca West, Mailand, Fort Myers, Rom, French Open, Stratton Mountain, US Open und beim Masters
  • 1987 (8)
    • Hamburg, French Open, Washington, Montreal, US Open, Sydney (Indoor), Wembley und beim Masters
  • 1988 (3)
    • Monte Carlo, Rom, Toronto
  • 1989 (10)
    • Australian Open, Scottsdale, Miami, Forest Hills, Hamburg, Queens, Montreal, Bordeaux, Sydney (Indoor), Stockholm
  • 1990 (5)
    • Australian Open, Mailand, Toronto (Indoor), Queens, Tokio (Indoor)
  • 1991 (3)
    • Philadelphia, Memphis, Long Island
  • 1992 (1)
    • Tokio (Indoor)
  • 1993 (2)
    • München, Tokio (Indoor)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ivan Lendl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Geburtstage", Sport-Bild vom 3. März 1993, S. 40
  2. http://www.sport1.de/de/tennis/tennis_atp/newspage_861165.html Sport1
  3. 2009 Frauengolf: Spielerinnen
  4. Connors beats Lendl in the final of the Sun City round robin exhibition tournament. In: The New York Times, 11. Juli 1983. 
  5. Posters: Populist Art For the Collector, The New York Times, 10. September, 1993