Ivar Ragnarsson

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Ivar(r) Ragnarsson († 873[1] in Dublin), genannt Ivar, der Knochenlose (Altnordisch: Ívarr inn beinlausi), war ein Anführer der Wikinger, der an der Eroberung des Danelag beteiligt und auch in Irland aktiv war. Er ist eine Heldenfigur der Sagaliteratur.

Leben[Bearbeiten]

Ivar Ragnarsson war angeblich ein Sohn des legendären Wikingeranführers Ragnar Lodbrok (dessen Historizität umstritten ist), seine Mutter soll Aslaug gewesen sein. Sowohl Ragnar als auch sein Sohn Ivar erscheinen in der Sagaliteratur als Heldengestalten, doch diese Quellengattung ist mit einem deutlichen zeitlichen Abstand zu den berichteten Ereignissen entstanden. In den frühmittelalterlichen Quellen (Angelsächsische Chronik und irische Annalen wie den Annalen von Ulster) werden hingegen die kriegerischen Handlungen recht zeitnah beschrieben.

Wenngleich unklar bleibt, ob Ivars Vater tatsächlich ein Wikingerführer namens Ragnar war, wird Ivar das erste Mal in irischen Annalen im Zusammenhang mit einem Sieg im Jahr 857 über andere skandinavische Angreifer erwähnt, wo er Imhar genannt wird.[2] Die folgenden Jahre stand er im Bündnis mit anderen Wikingeranführern (so mit Olaf dem Weißen) in Irland.

Gemeinsam mit seinen Brüdern Halfdan und Ubba fungierte Ivar 865 als Anführer des „großen heidnischen Heeres“ der Dänen; Ivar wird in der Angelsächsischen Chronik nur ein Mal namentlich erwähnt,[3] doch ist seine prominente Rolle beim Wikingereinfall unbestritten.[4] In anderen Quellen wird er auch Hingwar oder Igwar genannt. Die Wikinger eroberten 866 die bedeutende Stadt York in Northumbria und wehrten einen Rückeroberungsversuch Anfang 867 ab. Von York aus griffen sie 867 Mercia und 869 East Anglia (Ostanglien) an; im Verlauf der folgenden Feldzüge wurde 869 Edmund von Ostanglien brutal ermordet.[5]

Die Wikinger versuchten in den 870er Jahren, ganz England zu unterwerfen, scheiterten allerdings an den Abwehrbemühungen Alfreds von Wessex. An diesen Unternehmungen scheint Ivar aber nicht mehr teilgenommen zu haben. Schilderungen in den irischen Annalen deuten vielmehr darauf hin, dass er zusammen mit dem oben erwähnten Olaf wieder in Irland aktiv wurde. Die Annalen von Ulster berichten vom Tod Ivars, dem „König der Nordmänner in ganz Irland und Britannien“[6] (was offenbar auf seine Machtstellung hindeutet), im Jahr 873.

Ist die oft angenommene Identifikation in den irischen und britischen Quellen zutreffend, dann war dieser Ivar auch der Gründer der skandinavischen Herrscherdynastie von Dublin (Uí Imair).[7]

Legende[Bearbeiten]

In der Saga Ragnars saga lodbrokar wird als Grund der „Knochenlosigkeit“ ein Fluch angegeben, der über seinen Vater kam, da dieser drei Tage Enthaltsamkeit nach der Hochzeit mit Aslaug nicht einhalten wollte. Aslaug wurden Gaben der Zauberei und Hellsicht nachgesagt, und sie hatte Ragnar vor dem Verkehr in dieser Zeit gewarnt.[8] Ebendort wird berichtet, dass Ivar anordnete, seinen Leichnam an der englischen Küste zu begraben. Solange seine Knochen diese Küste schützten, würde es keinem Feind mehr gelingen, das Land von See aus zu erobern. Die Sage berichtet ebenfalls, dass Ivar dem northumbrischen König Ælle als Vergeltung für die Tötung seines Vaters einen Blutaar schnitzen ließ.

Der Beiname[Bearbeiten]

Unter Historikern ist der Hintergrund für den Beinamen der Knochenlose umstritten. Dazu existieren folgende Theorien:

  • 1949 veröffentlichte der Däne Knud Stakemann Seedorff eine Dissertation über die Osteogenesis imperfecta (umgangssprachlich als Glasknochenkrankheit bekannt), in der er Ivar als einzig historische Persönlichkeit nennt, die an dieser Krankheit gelitten habe. Seedorff weist darauf hin, dass über Ivar berichtet wird, seine Beine seien so schwach gewesen, dass er auf einem Schild getragen werden musste. In einer 2003 entstandenen Dokumentation von Channel 4 griff Nabil Shaban diese These erneut auf.[9]
  • Rory McTurk weist im Zusammenhang mit dem Beinamen darauf hin, dass Ivars Beiname falsch assoziiert werde. „Knochenlos“ sei demnach in einigen norwegischen Erzählungen eine Bezeichnung für den Wind, sodass damit Ivars Fähigkeiten als Navigator gemeint sein können.[10]

Rezeption[Bearbeiten]

Bernard Cornwell hat die Geschichte um die Ragnarsöhne Halfdan, Ubba und Ivar und den dänischen Versuch, England zu unterwerfen, in seiner Buchserie „The Saxon Stories“ (deutsch: Die Uthred-Serie) verarbeitet. Weiter verwendet Harry Harrison die Geschichte um die Ragnarsson-Brüder in seiner Trilogie „Hammer und Kreuz“ (englischer Originaltitel: „The Hammer and the Cross“). Nancy Farmers Kinderroman Drachenmeer (englisch: The Sea of Trolls) beschreibt einen König Ivar, der nur hinter seinem Rücken als „Ivar, der Knochenlose“ bezeichnet wird.

Im Jahre 1958 entstandenen Film Die Wikinger verkörpert Kirk Douglas die Rolle des Einar, die Ivar nachempfunden ist, in der 1989 entstandenen Komödie Erik, der Wikinger verkörpert John Gordon Sinclair die Rolle eines Ivar der Knochenlose.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marios Costambeys: Ívarr [Ívarr inn Beinlausi]. In: Oxford Dictionary of National Biography. Bd. 29 (2004), S. 443–445.
  • Clare Downham: Viking Kings of Britain and Ireland: The Dynasty of Ívarr to A.D. 1014. Dunedin Academic Press, Edinburgh 2007.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Marios Costambeys: Ívarr [Ívarr inn Beinlausi]. In: Oxford Dictionary of National Biography. Bd. 29 (2004), S. 443–445, hier S. 443.
  2. Annalen von Ulster 856 (recte 857).
  3. Angelsächsische Chronik zum Jahr 878.
  4. Vgl. dazu auch Simon Keynes, Michael Lapidge: Asser's Life of King Alfred and other contemporary sources. London u.a. 1983, S. 238f., Anmerkung 44.
  5. Überblick zu den Ereignissen und den Quellen bei Marios Costambeys: Ívarr [Ívarr inn Beinlausi]. In: Oxford Dictionary of National Biography. Bd. 29 (2004), S. 443–445.
  6. Annalen von Ulster 872 (recte 873)
  7. Vgl. zu dieser Problematik Clare Downham: Viking Kings of Britain and Ireland: The Dynasty of Ívarr to A.D. 1014. Edinburgh 2007, S. 2–9.
  8. Historyfiles
  9. Channel 4
  10. Rory McTurk: Studies in „Ragnars saga loðbrókar“ and Its Major Scandinavian Analogues. Oxford 1991, S. 40f.