Ivars Smilga

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Linke Oppositionelle 1927 in Moskau (Smilga sitzend, 2. v. r.)

Ivars Smilga (russisch Ивар Тенисович Смилга, Iwar Tenissowitsch Smilga, auch Ivar Smilga; * 20. Novemberjul./ 2. Dezember 1892greg. bei Aloja, Gouvernement Livland; † 10. Januar 1937 in Moskau) war ein lettischer Revolutionär, Ökonom und Mitglied der Linken Opposition in der Sowjetunion.

Leben[Bearbeiten]

Ivars Smilga wurde als Sohn eines lettischen Großbauern und Waldbesitzers geboren.[1] Sein Vater, Tenis Smilga, wurde bei der Niederschlagung der Revolution von 1905 als einer der Anführer in den Ostseeprovinzen von russischen Truppen standrechtlich erschossen. Ein Jahr darauf schloss sich Ivars Smilga, erst 15-jährig, den Bolschewiki an.[2] Zum Studium der Wirtschaftswissenschaften ging er nach Moskau.[3] Dort wurde er von der Ochrana, der zaristischen Geheimpolizei, überwacht und verhaftet. Er wurde zur Verbannung nach Sibirien, in den Jenissei-Rajon (russisch: Енисе́йский райо́н), verurteilt.[4] Erst nach der Februarrevolution 1917 kam er frei und konnte sich wieder politisch betätigen.

Im April 1917 wurde Ivars Smilga in das Zentralkomitee der Partei gewählt.[5] In dieser Zeit russifizierte er seinen Namen zu Iwar Tenissowitsch Smilga. Er war an der Vorbereitung der Oktoberrevolution 1917 beteiligt und agierte insbesondere unter den Matrosen der Baltischen Flotte, die ihn zum Vorsitzenden des Zentralkomitees der Baltischen Flotte (Tsentrobalt, russisch: Центральный комитет Балтийского флота) wählten. So gewann er die Mannschaften der Baltischen Flotte dafür, sich auf die Seite der Bolschewiki zu stellen. 1918 nahm er am finnischen Aufstand teil, danach wurde er zu einem der führenden Organisatoren der Roten Armee im Bürgerkrieg,[6] zeitweilig war er Leiter ihrer politischen Abteilung (russisch: Политическое управление Революционного военного совета Республики).[7] Von 1921 bis 1927 war er einer der leitenden Mitarbeiter des Staatlichen Komitees für Wirtschaftsplanung (Gosplan), zeitweise dessen stellvertretender Vorsitzender, und ab 1925 zugleich Rektor des Plechanow-Instituts für Volkswirtschaft.[8]

Smilga war einer der Vordenker der Vereinigten Opposition.[9] 1927 ließ Stalin ihn – wie alle Gefolgsleute Trotzkis – aus der Partei ausschließen;[10] er wurde in das westsibirische Narym verbannt.[11] 1929 „kapitulierte“ Smilga, d.h. er unterschrieb eine Loyalitätserklärung an Stalin, und wurde daraufhin wieder in die KPdSU aufgenommen.[12] Doch 1932 nahm er seine oppositionelle Tätigkeit zusammen mit Iwan Smirnow wieder auf und widerstand selbst Stalin ins Angesicht.[12] Er wurde 1935 erneut verhaftet und zu fünf Jahren Haft verurteilt, 1937 jedoch ohne öffentlichen Prozess im Gefängnis hingerichtet. (Anderen Angaben zufolge war der 10. Januar 1937 das Datum seines Todesurteils; im folgenden Jahr wurde er erschossen.[13]) Seine Frau, Nadjeschda Wasiljewna Polujan, wurde im November 1937 erschossen. Auch sein Bruder Pāvils und weitere Familienmitglieder fielen dem Großen Terror zum Opfer.

Literatur[Bearbeiten]

  • Vitālijs Salda: Maskavas latviešu elite 20. gs. 20.-30. gados. In: Juris Goldmanis (Hg.): Latvieši PSRS varas virsotnēs: Ilūzijas un traģēdija. 20. gadsimta 20.-30. gadi. Zvaigzne ABC, Riga 2013. ISBN 978-9934-0-3467-1. S. 17–134 (lettisch).

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Liliana Riga: The Bolsheviks and the Russian Empire. Cambridge University Press, Cambridge 2012. ISBN 978-1-107-01422-0. S. 155.
  2. Erinnerungen seiner Tochter: Tatjana Iwarowna Smilga-Polujan: 22. Mai 1919 – 27. September 2014
  3. Tatjana Iwarowna Smilga-Polujan: The Gulag and the Roslovian smell. In: Paola Messana: Soviet communal living. An oral history of the Kommunalka. Palgrave Macmillan, New York 2011. ISBN 978-0-230-11016-8. S. 79–85, hier S. 79.
  4. Israel Getzler: Kronstadt 1917-1921. The Fate of a Soviet Democracy. Cambridge University Press, Cambridge 2002. ISBN 0-521-24479-X. S. 43.
  5. Alexander Rabinowitch: Prelude to Revolution. The Petrograd Bolsheviks and the July 1917 Uprising. Indiana University Press, Bloomington, 1991. ISBN 0-253-34768-8. S. 46.
  6. Uldis Ģērmanis: Oberst Vacietis und die lettischen Schützen im Weltkrieg und in der Oktoberrevolution. Almqvist och Wiksell, Stockholm 1974. S. 275.
  7. Simon Pirani: The Russian Revolution in Retreat, 1920–24: Soviet Workers and the New Communist Elite. Routledge, London 2008. ISBN 978-0-415-43703-5. S. 89.
  8. Robert Campbell: A biobibliographical dictionary of Russian and Soviet economics. Routledge, New York 2012. ISBN 978-0-415-51946-5. S. 384.
  9. Tatjana Iwarowna Smilga-Polujan: The Gulag and the Roslovian smell. S. 80.
  10. Alan Bullock: Hitler und Stalin. Parallele Leben. Siedler, Berlin 1991. ISBN 3-88680-370-8. S. 278.
  11. Leo Trotzki: The challenge of the left opposition. Pathfinder Press, New York 1981. ISBN 0-87348-615-3, S. 54.
  12. a b Latvians in the Soviet Political Elite 1920-1937, abgerufen am 17. November 2014.
  13. Robert Conquest: The Great Terror. A Reassessment. Oxford University Press, Oxford 1990. ISBN 0-19-505580-2. S. 74.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ivars Smilga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien