Izabela Czartoryska

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Dieser Artikel handelt von der Fürstin Izabela Czartoryska, geb. Gräfin von Flemming. Zur Fürstin Izabela Lubomirska, geb. Czartoryska siehe Izabela Lubomirska.
1774, nach Alexander Roslin
Izabela Czartoryska verlässt Puławy im Novemberaufstand 1831

Izabela Dorota Fortunata Czartoryska (auch: Isabella Czartoryska, * 3. März 1746[1] in Warschau; † 17. Juni 1835 in Wysock, Galizien), geb. Gräfin von Flemming, war eine Aristokratin aus der ivenschen Linie des pommerschen Hauses von Flemming, durch Heirat Fürstin Czartoryska, und wirkte als Schriftstellerin, Philanthropin, Mäzenin, Salonière und Kunstsammlerin. Sie gründete das Czartoryski-Museum als erstes polnisches Nationalmuseum.

Leben[Bearbeiten]

Sie war eine Tochter des Schatzmeisters von Litauen, Graf Georg Detlev von Flemming aus dem pommerschen Uradelsgeschlecht Flemming und der Prinzessin Antonina Czartoryska. Am 18. November 1761 heiratete sie in Wołczyn ihren Cousin, den Fürsten Adam Kazimierz Czartoryski. Der Ehe entstammten die Kinder Teresa, Maria Anna, Adam Jerzy, Konstanty Adam, Gabriela und Zofia.

1772 traf sie in Paris Benjamin Franklin, einen der Führer der Amerikanischen Revolution, und die französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau und Voltaire.

Auch wenn die Familie vorwiegend in Warschau im Blauen Palast lebte, machte die Fürstin zusammen mit ihrem Mann den Sommersitz in Puławy ab 1775 zu einem Treffpunkt für Intellektuelle und Politiker. Sie entdeckte das Talent des jungen Malers Aleksander Orłowski und finanzierte ihn[2]. Sie verehrte William Shakespeare[3].

1784 vereinte sie die polnischen Patrioten, nachdem ihre Söhne Adam Jerzy und Konstanty Adam von Zarin Katharina von Russland nach dem Kościuszko-Aufstand als politische Geiseln genommen worden waren.

Sie ließ 1796 den zerstörten Palast von Puławy wieder aufbauen und begann, ein Museum zu errichten. Unter den ersten Objekten waren die türkischen Trophäen aus der Schlacht bei Wien. Des Weiteren wurden historisch wertvolle Objekte aus polnischen Familien aufgenommen, darunter herausragend die Königliche Schatulle mit 73 Preziosen verschiedener polnischer Könige. 1801 eröffnete sie das erste Museum, den sogenannten Tempel der Sibylle, der eine berühmte Sammlung polnischer Altertümer enthielt. Außerdem ließ sie auf dem Anwesen in Puławy prächtige Gärten und daneben auch Volksschulen und Fabriken bauen. Beeinflusst vom Gedankengut der Romantik, erwarb sie auch Gegenstände von sentimentaler Bedeutung, die Glanz und Elend des menschlichen Lebens symbolisierten, wie etwa Shakespeares Stuhl, Fragmente des angeblichen Grabes von Romeo und Julia in Verona, Überreste der Gebeine des El Cid und der Jimena aus der Kathedrale von Burgos, Überreste der Gebeine von Abelard und Heloisa und von Petrarca und seiner Laura.

Während des Novemberaufstandes von 1830, als das Museum geschlossen und alle Objekte evakuiert wurden, war ihr Schloss ein Hospital für Verwundete und ein Zufluchtsort für die flüchtenden Patrioten. Nach dem unglücklichen Ausgang der Revolution zog sie sich nach Wysock in Galizien zurück, wo sie am 17. Juni 1835 starb.

Ihr Sohn Adam Jerzy nahm die geretteten Bestandteile ihrer Sammlung aus Puławy mit ins Exil nach Paris, wo sie im Hôtel Lambert aufbewahrt wurden, bis sie im Jahre 1878 durch ihren Enkel Władysław Czartoryski der Öffentlichkeit als Czartoryski-Museum in Krakau erneut zugänglich gemacht wurden. Dort sind sie heute noch zu sehen.

Schloss Puławy

Werke[Bearbeiten]

  • Eine Schlesische Reise im Jahr 1816, Das Reisetagebuch der polnischen Fürstin Czartoryska, hg. v. Katrin Schulze, Bergstadtverlag
  • Myśli różne o sposobie zakładania ogrodów (1805)
  • Pielgrzym w Dobromilu, czyli nauki wiejskie (abt. 1818)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laut GND und VIAF.
  2. gem. Roy Bolton, Views of Russia & Russian Works on Paper, ISBN 978-1-907200-05-2, Sphinx, London 2010, S. 246 (in Englisch, abgerufen am 23. Januar 2013)
  3. gem. Marta Gibińska, Enter Shakespeare. The contexts of early Polish appropriations, in: Angel Luís Pujante und A. J. Hoenselaars (Hrsg.), Four Hundred Years of Shakespeare in Europe, ISBN 0-87413-812-4, Rosemont Publishing, Danvers 2003, S. 57 (in Englisch, abgerufen am 23. Januar 2013)

Literatur[Bearbeiten]

  • Katrin Schulze: »Verschiedene Gedanken über die Art und Weise, Gärten anzulegen«. Die polnische Fürstin Izabela Czartoryska und ihr Gartenbuch aus dem Jahr 1805. In: Die Gartenkunst, Jahrgang 17/2005 Heft 2, S. 338ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Izabela Czartoryska – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien