Izis

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Izis (bürgerlich Israëlis Bidermanas; * 17. Januar 1911 in Marijampolė, Litauen; † 16. Mai 1980 in Paris) war ein litauisch-französischer Fotograf.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Bereits als Junge begeisterte sich Israëlis Bidermanas, genannt „Izis“, für Malerei und Fotografie. Mit 13 Jahren verließ er die hebräische Schule und begann, nur mit einem Fotoapparat und wenigen Habseligkeiten ausgestattet, verschiedene Länder zu bereisen. Auf der Flucht vor dem Antisemitismus kam er schließlich 1930 ohne Ausweispapiere, Geld oder Kenntnisse der französischen Sprache in Paris an. Dort arbeitete er zunächst in einem traditionellen Fotostudio. 1933 eröffnete er ein eigenes, recht erfolgreiches Atelier im Arbeiterviertel des 13. Arrondissements, welches er bis zur Besetzung von Paris durch die Wehrmacht betrieb. Während des Zweiten Weltkrieges flüchtete er nach Ambazac, einem kleinen Ort in der Nähe von Limoges, wo er in deutsche Gefangenschaft geriet. Mit der Befreiung von Limoges 1944 durch die Résistance schloss er sich als Fotograf und Widerstandskämpfer den Maquis um Colonel Georges Guingouin an. Nach dem Krieg kehrte Izis nach Paris zurück, wo er als freier Journalist für Regards, einer Wochenzeitung der Kommunistischen Partei, arbeitete und sich mit Künstlern, Malern und Literaten seiner Zeit anfreundete. Besonders mit Marc Chagall und Jacques Prévert verband ihn eine enge Freundschaft. Prévert steuerte viele Texte zu Izis’ Fotobüchern bei. 1946 hatte Izis seine erste Einzelausstellung. Von 1949 an arbeitete er als Pressefotograf für die im selben Jahr gegründete Paris Match, für die er 20 Jahre lang zahlreiche Bildreportagen machte, so beispielsweise von der jungen Grace Kelly, die gerade in Frankreich angekommen war, oder von Arman, Jean Cocteau, Colette, Gina Lollobrigida, Roland Petit, Édith Piaf, Orson Welles und vielen anderen Personen des damaligen Zeitgeschehens. 1951 veröffentlichte er sein erstes Buch: Paris des Rêves (Paris der Träume). 1952–54 fand sein fotografischer Reisebericht aus Israel, der den Optimismus des neu gegründeten Landes widerspiegelt, große Beachtung. Bekannt ist ebenfalls seine Fotostrecke von der Kasbah in Algier 1953 und Stadtszenen aus dem wiedererwachten London der Nachkriegszeit.

Als Fotograf war Izis ein Einzelgänger, der dem Poetischen Realismus verbunden war und der sich abseits der damals populären Pariser Fotografenvereinigung Groupe des XV aufhielt, weshalb er wahrscheinlich weniger Bekanntheit erlangte als seine Zeitgenossen Boubat, Brassaï, Robert Doisneau oder Willy Ronis. Am bekanntesten sind Izis’ Schwarzweißfotografien von Jahrmärkten, Zirkussen und öffentlichen Plätzen des Paris der 1950er Jahre, die eine surreale poetische Melancholie ausstrahlen. Jacques Prévert bezeichnete Izis als „staunenden Passanten.“ Der Fotograf selbst bemerkte dazu: „Die Menschen, die ich fotografiere, nehmen mich gar nicht wahr, weil sie in der Regel vollkommen in ihre innere Welt, ihre Träume versunken sind.“ Für seine Sujets suchte er bevorzugt Menschen in ärmeren Stadtvierteln, die, wie er sagte, „unverkennbar vom Leben gezeichnet sind.“[1]

Fotografien[Bearbeiten]

(Auswahl externer Weblinks)

  • 1949: Jacques Prévert, Paris, [1]
  • 1950: Impasse Traînée, Paris, IzisImpasseTrainee1950.jpg (Version vom 11. Juli 2007 im Internet Archive)
  • 1959: Cracheur de feu (Feuerspucker), Paris, [2]
  • 1959: Parade pour la femme-crocodile., Paris, [3]
  • 1978: Les Amoureux du quai d'Orléans, Paris, [4]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Izis à travers les archives photographiques de Paris Match. 1949-1969 – Musée de la Photographie, Charleroi (bis 2008)
  • Hôtel de Ville: Paris des Rêves, 20. Januar bis 29. Mai 2010

Bibliografie[Bearbeiten]

  • Paris des Rêves (Paris der Träume) zusammen mit Jacques Prévert, Desch, München 1958
  • Le Grand Bal du Printemps (Wenn es Frühling wird in Paris) zusammen mit Jacques Prévert, Paris 1958
  • Marc Chagalls Welt. Belser, Stuttgart 1968
  • Izis: Captive Dreams – Photographs, 1944–80. Vorwort von Marie de Thézy, Thames & Hudson Ltd, ISBN 0-500-54185-X (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Annie-Laure Wanaverbecq: Izis à travers les archives photographiques de Paris Match, 1949–1969. Filipacchi, 2007, ISBN 978-2-85018-930-2 (französisch)
  • Dominique Versavel: La Photographie humaniste, 1945-1968 : Autour d'Izis, Boubat, Brassaï, Doisneau, Ronis… Bibliothèque nationale, Paris 2006, ISBN 2-7177-2367-6 (französisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Michel Frizot: Neue Geschichte der Fotografie. Könemann, 1998, S. 624f., ISBN 3-8290-1327-2