Jörg Kachelmann
Jörg Andreas Kachelmann (* 15. Juli 1958 in Lörrach; heimatberechtigt in Schaffhausen[1]) ist ein Schweizer Moderator, Sachbuchautor, Journalist und Unternehmer mit Schwerpunkt Meteorologie.
Inhaltsverzeichnis |
Leben [Bearbeiten]
Jörg Kachelmann wurde in Lörrach als Sohn eines Franken und einer Ostpreußin geboren. Er verbrachte seine Jugend in Schaffhausen, wo sein Vater als Oberinspektor der Deutschen Bundesbahn arbeitete. Das Schweizer Bürgerrecht erhielt er im Alter zwischen 18 und 20.[2] Als Kind wollte er nach eigenen Angaben Meteorologe werden und betrieb Wetterbeobachtungen und -aufzeichnungen als Hobby. Bereits während der Schul- und Semesterferien arbeitete er für verschiedene Wetterdienste. Er studierte an der Universität Zürich Geographie, Mathematik und Physik sowie im ersten Nebenfach Meteorologie, brach das Studium jedoch 1983 ab und absolvierte ein Volontariat bei der Boulevardzeitung Sonntagsblick.[3] Anschließend arbeitete er unter anderem beim Schaffhauser Lokalradio Radio Munot. Von dort wechselte er in die Wissenschaftsredaktion des Schweizer Fernsehens. 1988 wurde er stellvertretender Chefredakteur der Schweizer Illustrierten.
Dem Südwestfunk faxte er nach eigenen Angaben monatelang unaufgefordert Wettervorhersagen, bis diese angenommen wurden.[4] 1989 kaufte Jörg Kachelmann ein altes Bauernhaus in Bächli im Kanton St. Gallen und baute dieses in eine Wetterstation um. Er gründete 1991 die Meteomedia AG mit Sitz in Gais im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Zusammen mit der auf die Visualisierung von Wetterdaten spezialisierten Katja Hösli Media Design AG,[5] der Firma seiner ersten Frau Katja Hösli, von der er Mitte der neunziger Jahre geschieden wurde,[6] wurde auch der Zeitungsmarkt erschlossen.[7] Zwischenzeitlich, 1996, wurde Kachelmann Programmdirektor des Senders Wetter- und Reise-TV, der aber nach knapp zwei Jahren den Betrieb einstellte.
Kachelmann präsentierte Wettervorhersagen für die ARD, zunächst in Südwest 3 und seit 1994 auch in der Sendung Das Wetter im Ersten für Das Erste sowie in verschiedenen Radiostationen. Lässige Kleidung und ein etwas flapsiger Stil wurden dabei seine Markenzeichen.[8] Weiter moderierte er 1996 die Sendung Vorsicht Blöff, war von 1999 bis 2004 und von 2007 bis 2009 Moderator der Talkshow Riverboat[9] und versuchte sich 1998 an der Quiz-Show Einer wird gewinnen. Von 2002 bis 2008 war er Gastgeber seiner eigenen Talkshow im MDR mit dem Titel Kachelmanns Spätausgabe.[10]
2001 wurde Kachelmann sogenannter „Bootschafter“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.[11] 2008 erhielt er den „Preis der Deutschen Zipfel“. Außerdem warb Kachelmann für Danone[12] und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.[13]
Im November 2010, während des Gerichtsverfahrens gegen ihn, kündigte Kachelmann an, nicht mehr im Fernsehen zu moderieren; er wolle sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen.[14] Seit Januar 2011 moderiert er wieder teilweise Wettervorhersagen für den lokalen Schweizer Hörfunksender Radio Basel.[15] Seit dem 4. März 2011 präsentiert Kachelmann in dem Aschaffenburger Privatradio Primavera an jedem Freitag und Samstag das Wochenendwetter.[16][17]
Seit Januar 2012 präsentiert Kachelmann freitags die Wettervorhersage beim Regionalfernsehsender main.tv, der wie das Privatradio Primavera im Funkhaus Aschaffenburg produziert wird.[18]
Kachelmann betreibt einen Kanal auf der Videoplattform YouTube.[19] Dort stellt er seit dem 16. Juli 2011 regelmäßig das kommende Wetter für Deutschland, die Schweiz und die Umgebung vor und erklärt verschiedene Klimasituationen.[20]
Kachelmann heiratete am 9. März 2011 in dritter Ehe die Psychologiestudentin Miriam Kachelmann (* 1986). Das Paar lebt in der Schweiz.[21][22][23] Jörg Kachelmann hat zwei Söhne aus einer früheren Ehe.[24]
Im Februar 2013 wurde bekannt, dass Jörg Kachelmann das von ihm gegründete Unternehmen Meteomedia verlässt. Er ist ab sofort kein Verwaltungsratspräsident des Unternehmens mehr. [25]
Gerichtsverfahren [Bearbeiten]
Am 20. März 2010 wurde Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Frau, zu der er eine intime Beziehung unterhalten hatte, festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhob am 19. Mai 2010 beim Landgericht Mannheim Anklage gegen Kachelmann wegen des Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.[26] Im Juni wurde ein Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls[27][28] vom Landgericht Mannheim zurückgewiesen.[29] Einer nachfolgenden Haftbeschwerde gab das Oberlandesgericht Karlsruhe am 29. Juli 2010 jedoch statt, da kein dringender Tatverdacht mehr bestehe.[30]
Im Verlauf des Prozesses tauschte Kachelmann seinen bisherigen Kölner Anwalt Reinhard Birkenstock gegen den Hamburger Verteidiger Johann Schwenn aus.[31][32] Am 31. Mai 2011 endete das erstinstanzliche Verfahren vor dem Landgericht Mannheim mit einem Freispruch Kachelmanns.[33][34] Gegen diese Entscheidung legten die Staatsanwaltschaft[35] und die Nebenklägerin[36] zunächst Revision ein,[37] die sie am 7. Oktober 2011 jedoch zurücknahmen. Der Freispruch vom 31. Mai 2011 ist damit rechtskräftig.[38][39] Am 28. Oktober 2011 wurde ein Urteil gegen die Ex-Freundin von Kachelmann bestätigt, welches ihr untersagt, die Vorwürfe öffentlich zu wiederholen.[40] Claudia D. ging dagegen vor dem Oberlandesgericht Köln in Berufung; damit scheiterte sie am 6. November 2012.[41]
Im Juni 2012 reichte Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte eine Schadensersatzklage ein. Sie soll ihm Kosten in Höhe von 13.352,69 Euro für Gutachter erstatten, die im Prozess angefallen waren.[42] Ende Oktober 2012 begann der Zivilprozess. Eine gütliche Einigung scheiterte vorerst [43].
Im Oktober 2012 trat Kachelmann gemeinsam mit seiner Frau Miriam in der ARD-Sendung Günther Jauch[22] auf. Beide bezogen Stellung zum Verhalten der Justiz und der Medien im Verlauf des Prozesses gegen ihn. Der Begriff „Opfer-Abo“, den Kachelmann im Laufe des Jahres 2012 unter anderem im Spiegel verwendete,[44] wurde 2013 in Deutschland zum Unwort des Jahres gewählt. Des Ehepaar Kachelmann verteidigte die Formulierung später.[45]
Am 8. Oktober 2012 erschien das Buch Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz, das Kachelmann mit seiner Frau geschrieben hat. Das Buch arbeitet die Untersuchungshaft und den Prozess aus deren Sicht auf. Am 10. Oktober 2012 erwirkte Claudia D. per einstweiliger Verfügung, dass der Verlag das Buch vorläufig nicht weiter verbreiten dürfe, solange darin ihr voller Name genannt werde.[46][47][48] Am 26. Oktober 2012 hob das Landgericht Mannheim die einstweilige Verfügung wieder auf.[49]
Chemtrails [Bearbeiten]
Kachelmann positioniert sich als ausdrücklicher Gegner der Chemtrail-Verschwörungstheorie.[50] 2011 bezeichnete er die Anhänger der Verschwörungstheorie in E-Mails, Youtube-Videos und Twitter-Beiträgen als „Nazis“, „Verrückte“ und „Chemtraildeppen“. Im März 2012 wies das Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung[51] zurück; das Gericht sah die Aussage, dass Anhänger der Verschwörungstheorie „Neonazis und Verrückte“ seien, durch die Meinungsfreiheit gedeckt.[52]
Schriften [Bearbeiten]
- mit Siegfried Schöpfer: Wie wird das Wetter? Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 978-3-499-62089-8.
- mit Christoph Drösser: Das Lexikon der Wetterirrtümer. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 978-3-499-62157-4.
- (als Hrsg.): Die große Flut. Unser Klima, unsere Umwelt, unsere Zukunft. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-498-03517-7.
- mit Miriam Kachelmann: Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz. Heyne, München 2012, ISBN 978-3-453-20025-8. (Leseprobe E-Book)
Hörbuch [Bearbeiten]
- mit Miriam Kachelmann: Recht und Gerechtigkeit. Ein Märchen aus der Provinz. (gekürzte Lesung). München: Random House 2012. ISBN 9783837117950
Literatur [Bearbeiten]
- Thomas Knellwolf: Die Akte Kachelmann – Anatomie eines Skandals. Orell Füssli, Zürich 2011, ISBN 978-3-280-05443-7. (Leseprobe E-Book)
Weblinks [Bearbeiten]
- Jörg Kachelmann in der Internet Movie Database (englisch)
- Kachelmannwetter (meteomedia)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ moneyhouse.ch: Handelsregister- und Firmendaten. Abgerufen am 10. Oktober 2012
- ↑ Berliner Zeitung Textarchiv 30. März 2002
- ↑ Jörg Kachelmann im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ Interview mit drehscheibe, (Archiv-Version)
- ↑ moneyhouse.ch: Handelsregister- und Firmendaten Abgerufen am 26. März 2011
- ↑ Der Spiegel, Martin U. Müller und Barbara Schmid: Unappetitliche Details, 23. August 2010
- ↑ Verheerender Karriereschaden für Kachelmann. In: Tages-Anzeiger. 24. März 2010, abgerufen am 20. Oktober 2010.
- ↑ Jörg Kachelmann: Volldepp oder Nett? - jetzt.de vom 1. März 2006.
- ↑ t-online.de: Jörg Kachelmann hört bei „Riverboat“ auf. 31. Januar 2009
- ↑ Jörg Kachelmann sprach mit MDR über neue Talkshow. In: Welt Online. 23. August 2010, abgerufen am 8. September 2010.
- ↑ DGzRS: Jörg Kachelmann: «Bootschafter» seit 2001
- ↑ Y&R Germany setzt Jörg Kachelmann für Danone Actimel ein in: medienhandbuch.de vom 12. Dezember 2007, Archiv-Version
- ↑ Werbung für INSM-Kampagne. Archiv-Version
- ↑ Nie mehr Blumenkohlwolken-Onkel in: Stern.de vom 3. November 2010
- ↑ Kachelmann moderiert im Schweizer Radio Spiegel Online vom 22. Januar 2011
- ↑ Kachelmann moderiert bei deutschem Radiosender. Spiegel Online vom 24. Februar 2011
- ↑ www.primavera24.de: Wochenendwetter mit Kachelmann
- ↑ Schwegler, Petra: Comeback bei main.tv: Kachelmann macht nun Regional-Fernsehen. 25. Januar 2011, abgerufen am 24. Februar 2011.
- ↑ Jörg Kachelmann (Meteomedia) auf Youtube
- ↑ Kachelmann goes Youtube in: taz.de vom 22. Juli 2011
- ↑ Nach 41 Verhandlungstagen – Beweisaufnahme im Kachelmann-Prozess beendet. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2011, abgerufen am 31. Mai 2011.
- ↑ a b Unsere Gäste. Jörg und Miriam Kachelmann auf der Website der Sendung Günther Jauch vom 14. Oktober 2012, abgerufen am 14. Oktober 2012
- ↑ Kurzbiografie bei der Verlagsgruppe Random House. Abgerufen am 15. Oktober 2012
- ↑ Sabine Rückert, Stefan Willeke: „Mich erpresst niemand mehr“. Interview in: Die Zeit 24/2011 vom 9. Juni 2011, abgerufen am 14. Oktober 2012
- ↑ [1]
- ↑ Staatsanwaltschaft Mannheim: Anklage gegen Moderator Jörg Kachelmann erhoben. 19. Mai 2010. Abgerufen am 19. Mai 2010.
- ↑ Landgericht Mannheim (7. Juni 2010): Verteidiger von Herrn Kachelmann stellt Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls.
- ↑ Spiegel Online (7. Juni 2010): Gericht prüft Freilassung von Kachelmann
- ↑ Landgericht Mannheim: Pressemitteilung im Verfahren gegen J. Kachelmann. 1. Juli 2010. Abgerufen am 1. Juli 2010.
- ↑ Oberlandesgericht Karlsruhe: Jörg Kachelmann: Haftbeschwerde hat Erfolg. Pressemitteilung vom 29. Juli 2010
- ↑ Überraschender Abgang eines Anwalts in: Spiegel Online vom 30. November 2010
- ↑ Kachelmann unterliegt vor Gericht seinem Ex-Verteidiger in: Spiegel Online vom 28. November 2012
- ↑ Landgericht Mannheim: Freispruch für Jörg Kachelmann. Pressemitteilung vom 31. Mai 2011
- ↑ Freispruch für Kachelmann in: Spiegel Online vom 31. Mai 2011
- ↑ landgericht-mannheim.de: Pressemitteilung vom 6. Juni 2011
- ↑ Landgericht Mannheim: Pressemitteilung im Verfahren gegen J. Kachelmann. Pressemitteilung vom 8. Juni 2011
- ↑ Staatsanwaltschaft legt Revision ein, abgerufen am 6. Juni 2011
- ↑ Pressemitteilung im Verfahren gegen J. Kachelmann. In: Landgericht Mannheim vom 7. Oktober 2011.
- ↑ Staatsanwaltschaft nimmt Revision im Kachelmann-Verfahren zurück. In: Staatsanwaltschaft Mannheim vom 7. Oktober 2011.
- ↑ APA: Kachelmann gewinnt: Vorwürfe dürfen nicht wiederholt werden. dieStandard.at, 10. November 2011, abgerufen am 12. November 2011.
- ↑ handelsblatt.com: Kachelmann erringt Erfolg gegen Ex-Geliebte
- ↑ spiegel.de 20. Juni 2012: Kachelmann verklagt Ex-Geliebte
- ↑ Hannelore Crolly: Jörg Kachelmanns Angriff. In: Die Welt vom 1. November 2012
- ↑ Thomas Tuma: Kollektiver Blutrausch. In: Der Spiegel. Nr. 41, 2012 (Gespräch mit Jörg und Miriam Kachelmann, online).
- ↑ Jörg Kachelmann steht zu seinem «Unwort des Jahres». In: Tagesanzeiger. 15. Januar 2013, abgerufen am 12. Februar 2013.
- ↑ Welt online am 12. Oktober 2012: Kachelmann: "In mir und uns wohnen weder Wut noch Hass". Abgerufen am 12. Oktober 2012.
- ↑ Frankfurter Rundschau online am 11. Oktober 2012: Heyne-Verlag verteidigt Kachelmann-Buch. Abgerufen am 12. Oktober 2012.
- ↑ Landgericht Mannheim am 11. Oktober 2012: Pressemitteilung im Verfahren Claudia D. ./. Verlagsgruppe Random House GmbH Abrufdatum: 21. Oktober 2012
- ↑ Spiegel Online am 26. Oktober 2012: Kachelmann darf Namen seiner Ex-Geliebten wieder nennen. Abgerufen am 26. Oktober 2012.
- ↑ Marcel Keiffenheim: Ein Himmel voller Verschwörer. In: greenpeace magazin. Nr. 5, 2004 ISSN 1611-3462 (online).
- ↑ LG Berlin: Meteorologe Kachelmann darf Vertreter der «Chemtrail-Theorie» nicht als «Neonazis oder Verrückte» bezeichnen
- ↑ Welt online: Kachelmann darf mit "Neonazi" Meinung sagen, 28. März 2012
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kachelmann, Jörg |
| ALTERNATIVNAMEN | Kachelmann, Jörg Andreas (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Journalist, Sachbuchautor und Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 15. Juli 1958 |
| GEBURTSORT | Lörrach, Deutschland |