Jüdische Gemeinde Hagen

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Die Jüdische Gemeinde Hagen wurde 1819 gegründet. Sie ist Mitglied im Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entwicklung im 18. und 19.Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Geschichte der Juden in Hagen geht in die Zeit um 1722 zurück, in der unter den 675 Einwohnern Hagens vier Judenfamilien bezeugt sind, zwei Glasmacher und zwei Schochet. 1800 kam die Familie des Gabriel Levy dazu, 1805 zog die sechste jüdische Familie nach Hagen. Im Rahmen der jüdischen Emanzipation nach den napoleonischen und preußischen Reformen blühte auch die jüdische Gemeinde in Hagen auf: 1819 wurde eine Synagoge in der Wasserstraße eingerichtet. 1830 rief Levy Hammel die eine jüdische Schule ins Leben, die im Durchschnitt 30 Kinder u.a. in Bibelübersetzung, Naturgeschichte, Kopfrechnen, Hebräisch, Gesang, deutscher Grammatik und biblischer Geschichte unterrichtete. 1854 konstituierte sich die Synagogengemeinde neu und 1859 wurde die Synagoge in der Potthofstraße eingeweiht. Von 1865 auf 1875 wuchs die Zahl der jüdischen Personen von 140 auf 309. 1902 übernahm die Stadt die jüdische Schule als öffentliche Schule. In Eilpe wurde ein jüdischer Friedhof angelegt. Anfang der 1920er Jahre begannen jedoch bereits Störungen des relativ harmonischen Zusammenlebens von Juden und Christen, als deutsch-völkisches Gedankengut mehr und mehr um sich griff.

Vernichtung der Gemeinde während der NS-Zeit[Bearbeiten]

Mit der Machtübernahme Hitlers läuteten die Nationalsozialisten auch in Hagen das Ende der jüdischen Gemeinde ein. Einige jüdische Geschäftsleute mussten ihren Betrieb aufgeben. Das Ehepaar Löwenstein zum Beispiel ging nach der Geschäftsenteignung zu Verwandten nach Düsseldorf und wurde dort während der Novemberpogrome 1938 erschlagen. Auch in Hagen fielen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagoge und viele Geschäfte dem Nazi-Terror zum Opfer. 292 Hagener Juden gelang es, in der Zeit von 1933 bis 1945 auszuwandern. 156 Menschen wurden im KZ Theresienstadt, im KZ Auschwitz und anderen Lagern ermordet, in den Suizid getrieben oder kamen in Haft in der Heimat um. Von etwa 150 Juden ist das Schicksal unbekannt.

Neubeginn nach 1945[Bearbeiten]

Am 20. März 1946 wagten wenige Juden in Hagen einen neuen Anfang und gründeten ihre Kultusgemeinde neu unter dem Vorsitz von Richard Hirschfeld, Überlebender des Konzentrationslagers Dachau. In der Potthofstraße wurde am 18. September 1960 feierlich eine neue Synagoge eingeweiht. 1962 betrug die Mitgliederzahl 84 Personen. Aufgrund der Einwanderung insbesondere aus Osteuropa und Russland ist die Mitgliederzahl im Jahr 2010 auf 311 angestiegen[1]. Von 1995 bis 2004 wurde die Gemeinde vom Rabbiner des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe Henry G. Brandt aus Dortmund betreut. Die Gemeinde hat eine Chewra Kadischa.


Literatur[Bearbeiten]

  • Anke Lepsing-Reich: Jüdische Gemeinden in Westfalen, hg. vom Verein für jüdische Geschichte und Religion e.V., Dorsten 2007
  • Stadt Hagen: Gedenkbuch an die jüdische Gemeinde, Hagen 1962

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.juedische-allgemeine.de/gemeinden/hagen

51.357537.47772Koordinaten: 51° 21′ 27″ N, 7° 28′ 40″ O