Jüdischer Kalender

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Jüdischer Gemeindekalender von 1831

Der jüdische Kalender (hebr. הלוח העברי ha-lu'ach ha-iwri) ist ein Lunisolarkalender. Die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen ausgerichtet. Neben einem Normaljahr mit 12 Mondmonaten (ordentlich 354 Tage lang) gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (ordentlich 384 Tage lang) zur Angleichung an das Sonnenjahr. Die kalendarischen Ausnahmeregeln können zu einer Verlängerung oder Verkürzung der ordentlichen Jahreslängen um jeweils einen Tag führen.

Das jüdische Jahr beginnt heute im Herbst mit dem Tischri, der nach jüdischer Auffassung der Monat ist, in dem die Menschheit erschaffen wurde. In biblischer Zeit begann das Jahr mit dem Nisan im Frühjahr. Der Nisan ist der Monat der Erlösung, in dem die jüdischen Vorfahren aus Ägypten auszogen. Die Tatsache der Erlösung wird auch heute noch höher bewertet als die der Schöpfung, indem beim religiösen Gebrauch des jüdischen Kalenders der Nisan weiter als erster, der Tischri aber erst als siebter Monat des Jahres betrachtet wird.

Die Monatsnamen sind chaldäisch und stammen aus dem babylonischen Exil.

Entstehung und Hintergründe[Bearbeiten]

Der jüdische Kalender wurde in seiner Entwicklung sowohl von eigenen, israelitischen Traditionen geprägt als auch von Elementen fremder Kulturen, besonders während des babylonischen Exils. Die Systematik des heutigen jüdischen Kalenders beruht im Wesentlichen auf Festlegungen des Patriarchen Hillel II. aus dem Jahr 359, hat sich aber – insbesondere für die Zählung der Jahre – erst ab dem 11. Jahrhundert durchgesetzt. Aktuell ist er im Kreis angeordnet. Er beginnt immer im September oder Oktober.

Jeder hebräische Monat beginnt heute ungefähr bei Neumond. Im Altertum wurde der Monatsbeginn nach dem sichtbaren Beweis der „Geburt des Mondes“ durch Zeugen bestimmt. Der Patriarch Hillel II. legte den bis heute gültigen Kalender fest, damit nicht die Römer durch Verfolgung und Behinderung der Gerichte das jüdische Leben gefährdeten. Anhand dieses Kalenders weiß jeder im Voraus, welcher Monat 29 und welcher 30 Tage hat.

Tageszählung

Der jüdische Kalender rechnet den Tag vom Abend zum Abend („und es war Abend und es war Morgen, ein Tag“, Gen. 1,5). Der Tag endete im früheren jüdischen Kalender, wenn mindestens drei „mittlere“ Sterne sichtbar wurden, die zu einem Himmelsdreieck verbunden werden konnten, wobei sich die Bezeichnung „mittlere“ auf Sterne erster und zweiter Größe bezieht.

Der zweite Feiertag

Trafen die Boten des Gerichts in Jerusalem nicht rechtzeitig bei den in der Diaspora lebenden Juden ein, um ihnen das genaue Datum des Monatsbeginns mitzuteilen, feierten diese zur Sicherheit jedes in der Tora erwähnte Fest zwei Tage lang anstelle von nur einem, denn sie wussten ja nicht, ob der vorherige Monat 29 oder 30 Tage gehabt hatte. Um einem Irrtum vorzubeugen und um das Fest nicht zu entweihen, führten sie diesen Feiertag ein. Dieses ist der „zweite Feiertag in der Diaspora“ geworden, ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat.

Nur der Versöhnungstag wird an einem einzigen Tag begangen, da man berücksichtigte, dass es dem Menschen schwerfällt, hintereinander 48 Stunden zu fasten. Das Neujahrsfest dauert auch im Land Israel zwei Tage, weil man selbst dort nicht immer wusste, ob der Monat Tischri nach 29 oder 30 Tagen beginnen würde. Zur Sicherheit hörte das Volk am Ende des 29. Elul auf zu arbeiten und „tat heilig“ wie an einem gewöhnlichen Feiertag. Um irgendwelche Irrtümer von vornherein auszuschließen, ordneten die jüdischen Gelehrten schließlich die zweitägige Dauer des Festes an. Trotz des später exakt bestimmten Kalenders feiert man in der Diaspora immer noch den „zweiten Feiertag“, mit der Begründung, es sei „Brauch der Vorfahren“.

Aufbau des Kalenders[Bearbeiten]

Der jüdische Kalender gliedert sich in Jahre, Monate und Tage. Da es ein Lunisolarkalender ist, sich also sowohl am Mondjahr wie auch am Sonnenjahr orientiert, benötigt der jüdische Kalender eine Schaltregulierung zum Ausgleich sowohl für das Mond- als auch das Sonnenjahr. Grundlage für die Schaltregel ist die Unterteilung des Tages in Stunden und Augenblicke. Um einen Ausgleich zu dem um 11 Tage längeren Sonnenjahr zu schaffen (im Unterschied zum Islam, dessen Feste aufgrund des reinen Mondkalenders manchmal in den Sommer und manchmal in den Winter fallen), wird in einem Zyklus von 19 Jahren sieben mal ein dreißigtägiger Schaltmonat vor dem eigentlichen Adar hinzugefügt. Während der Schaltmonat in jenem Jahr den Namen Adar übernimmt, erhält der 29 Tage umfassende eigentliche Adar die Bezeichnung We-Adar („noch ein Adar“). Als Schaltjahre sind das 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr bestimmt.[1] Die jüdischen Feste sind eng mit der Jahreszeit verbunden, sie hängen mit ihren Symbolen zusammen und haben Naturereignisse oder landwirtschaftliche Bräuche zum Inhalt, die jedem Fest seinen besonderen Charakter verleihen.

Das Jahr[Bearbeiten]

Der jüdische Kalender zählt die Jahre ab dem Zeitpunkt der biblischen Schöpfung der Welt,[2] die Hillel II. nach den biblischen Chroniken auf das Jahr 3761 v. Chr. berechnete. Dadurch befindet sich der jüdische Kalender bereits im sechsten Jahrtausend. Gelegentlich werden jüdische Jahreszahlen aber nur dreistellig angegeben, hier wird das jüdische Jahrtausend als bekannt vorausgesetzt.

Das jüdische neue Jahr (mit der jeweils nächsthöheren Jahreszahl) beginnt im Herbst mit dem ersten Tag des siebten Monats Tischri, der Rosch ha-Schana („Haupt des Jahres“) genannt wird. Dieser Tag kann nur auf einen Montag, Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend fallen. Als erster Monat des Jahres wird hingegen der Frühlingsmonat Nisan nach biblischer Tradition mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten nummeriert (Ex 12,2). Nach Meinung von Historikern geht diese ungewöhnliche Anordnung auf die Übernahme der babylonischen Monatsnamen durch die Israeliten zurück. Im babylonischen Kalender war der Nisannu der erste Monat. Die Diskrepanz zwischen der Monatszählung und dem Jahresbeginn folgt aus der Verbindung zwischen diesen fremden und den eigenen Traditionen Israels. Dies würde auch erklären, warum die Samaritaner bis auf den heutigen Tag Neujahr mit Beginn des ersten Monats feiern.

Mondjahr[Bearbeiten]

Die Länge eines Mondzyklus – die durchschnittliche Zeit von einem Neumond zum nächsten – dauert genau 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten (nach der jüdischen Zeitzählung 29 Tage, 12 Scha'a und 793 Halakim – siehe Abschnitt Der Tag). Mit dieser Monatsdauer zwischen 29 und 30 Tagen hat ein Mondjahr 354 Tage, wenn die Monate abwechselnd 30 und 29 Tage dauern. Ein solches Jahr wird „reguläres Jahr“ genannt. Es ist jedoch gegenüber dem Lunarjahr um acht Stunden, 48 Minuten und 40 Sekunden (acht Sha'a 870 chalakim) zu kurz. Daher wird alle drei Jahre dem Monat Cheschwan ein Tag hinzugefügt, das betreffende Jahr hat dann 355 Tage und wird „übermäßig“ genannt. Ferner wird in anderen Jahren dem Monat Kislew ein Tag abgezogen, so dass er nur 29 Tage zählt. Ein solches Jahr wird „vermindert“ genannt. Durch diese Maßnahmen, die durch Listen von Sonnen- und Mondfinsternissen ermittelt wurden, ergeben sich im Durchschnitt lediglich Abweichungen von 0,42 Sekunden gegenüber der tatsächlichen Monatsdauer.

Sonnenjahr[Bearbeiten]

Da das Sonnenjahr mit einer Dauer von zur Zeit durchschnittlich 365,2422 Tagen nicht mit dem Mondjahr übereinstimmt, das durchschnittlich 354,3671 Tage dauert, muss der Ausgleich durch eine Schaltregelung geschaffen werden. 19 Sonnenjahre als sogenannte Meton-Periode sind fast genau 235 Mondmonate. Daher werden im jüdischen Kalender innerhalb von 19 Jahren die Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 zu Schaltjahren mit jeweils 1 zusätzlichen Monat von 30 Tagen. Dieser Schalt-Monat wird vor dem Monat Adar eingefügt. Der eigentliche Adar wird dann „We-Adar“ („Und-Adar“), „Adar-scheni“ („zweiter Adar“) oder einfach „Adar II“ genannt. So entstehen zwölf Gemeinjahre mit je zwölf Monaten (144 Monate) und sieben Schaltjahre mit je 13 Monaten (91 Monate), die alle nach der Schaltregel des Mondjahres wiederum „regulär“, „übermäßig“ oder „vermindert“ sein können. Dadurch wird der Kalender so angepasst, dass er sich zum Lauf der Sonne und den Jahreszeiten nur geringfügig ändert. Das Kalenderjahr hat eine durchschnittliche Länge von 365,2468 Tagen (365 Tage, 5 Stunden, 55 Minuten und 25 Sekunden). Eine eintägige Abweichung gegenüber dem Sonnenjahr mit 365,2422 Tagen tritt nach 219 Jahren ein.

Die Karaiten lehnen die regelbasierte Einfügung des Schaltmonats ab und entscheiden nach der Reife der Gerste in Israel, in wörtlicher Auslegung allein der schriftlichen Tora und unter Ablehnung der mündlichen Tora.

Der Monat[Bearbeiten]

Monatsbeginn[Bearbeiten]

Der Beginn eines jeden Monats wird, wie bei den meisten mondorientierten Kalendern, durch das erste Sichtbarwerden der Mondsichel nach Neumond bestimmt, das sogenannte Neulicht (Moled). Allerdings orientieren sich die Monate nicht immer ganz exakt an den Mondphasen: Wenn sich durch den so ermittelten Monatsanfang für Rosch Ha-Schanah eine Aneinanderreihung von mehreren Tagen mit Arbeitsverbot (siehe Sabbat) ergeben würde, wird der Jahresbeginn um einen oder zwei Tage hinausgeschoben, um diese Härte zu vermeiden (denn Gott will nach jüdischem Verständnis das Leben der Menschen durch seine Gebote nicht schlechter, sondern besser machen). Es gibt insgesamt fünf Regeln für die Verschiebung des Jahresbeginns, die sich sowohl an den kalendarischen Erfordernissen aus Sonnen- und Mondjahr orientieren als auch die kultischen Bedürfnisse aus der Feiertags- und Sabbatordnung berücksichtigen.

Kalendarische Ausnahmeregeln[Bearbeiten]

Jach

Tritt das Neulicht des Tischri erst nach 18.00 Uhr jüdischer Zeit ein, so ist Rosch ha-Schana auf den folgenden Tag zu verschieben. Dies ist in etwa zwei von fünf Jahren der Fall.

Adu

Fällt das Neulicht des Tischri auf einen Mittwoch, Freitag oder Sonntag, so ist Rosch ha-Schana ebenfalls auf den folgenden Tag zu verlegen. Diese Regel findet in etwa drei von sieben Jahren Anwendung.

Jach-Adu

Würde nach Anwendung der Jach-Regel Rosch ha-Schana auf einen Mittwoch, Freitag oder Sonntag fallen, so muss zusätzlich die Regel Adu zur Anwendung kommen, das Neujahr also um einen weiteren Tag verschoben werden.

Gatrat

Tritt das Neulicht des Tischri in einem Gemeinjahr an einem Dienstag nicht vor 9 Uhr und 204 Halakim jüdischer Zeit (siehe Stundeneinteilung) ein, so muss Rosch ha-Schana um zwei Tage verschoben werden. Diese Regel findet in etwa drei von 100 Jahren Anwendung.

Betutakpat

Fällt das Neulicht des Tischri in einem Jahr, das auf ein Schaltjahr folgt, auf einen Montag nicht vor 15 Uhr und 589 Halakim jüdischer Zeit, so wird Rosch ha-Schana auf den folgenden Tag verschoben. Dieser sehr seltene Fall tritt nur in etwa einem von 200 Jahren ein. Zuletzt wurde die Regel im Jahr 5766 (gregorianisch: 2005/2006) angewandt, das nächste Mal erst wieder im Jahr 6013 (gregorianisch: 2252/2253). Die Regeln Jach und Adu haben religiöse Gründe, die drei anderen sind zur Aufrechterhaltung der Regeln erforderlich. Nur etwa 39 % aller Jahre beginnen tatsächlich am Tage des Neulichtes, somit sind Ausnahmen beim Jahresbeginn häufiger als die Regel.

Praktisch wird die Verschiebung von Rosch Ha-Schanah erreicht durch Hinzufügen eines Tages zum Monat Cheschwan oder Abziehen eines Tages vom Monat Kislew im jeweils vorangehenden Jahr. Dadurch erhält man für Cheschwan und Kislew eine Gesamtdauer von 58, 59 oder 60 Tagen.

Unter Berücksichtigung der fünf Ausnahmeregelungen ergeben sich also sechs verschiedene Jahreslängen: Ein Gemeinjahr kann 353, 354 oder 355 Tage haben, ein Schaltjahr 383, 384 oder 385 Tage. Man unterscheidet deshalb nicht nur Gemein- und Schaltjahre, sondern auch verminderte (353/383 Tage), reguläre (354/384 Tage) und übermäßige (355/385 Tage) Jahre.

Monatsnamen[Bearbeiten]

Die folgende Übersicht bietet die Monatsnamen mit ihrer ungefähren Position im gregorianischen Kalender. Die Zuordnung zu den Tierkreiszeichen beruht auf jüdischer Tradition und ist idealtypisch. Sie berücksichtigt nicht die Ausnahmeregeln und stimmt daher nicht mit astronomisch exakten Berechnungen überein.[3]

Nr. Monat Länge in Tagen Beginn zwischen und Tierkreiszeichen
7 Tischri 30 erstem Septemberdrittel  Anfang Oktober Waage
8 Cheschwan, Marcheschwan  29 (30 in übermäßigen Jahren)  Anfang Oktober Anfang November Skorpion
9 Kislew 30 (29 in verminderten Jahren) Anfang November Anfang Dezember  Schütze
10 Tevet 29 Ende November Mitte Dezember Steinbock
11 Schevat (oder Schwat) 30 letztem Dezemberdrittel Mitte Januar Wassermann
12 Adar 29 Anfang Februar Anfang März Fische
1 Nisan 30 Mitte März Mitte April Widder
2 Ijjar 29 Mitte April Mitte Mai Stier
3 Siwan 30 Mitte Mai erstem Junidrittel Zwillinge
4 Tammus 29 erstem Junidrittel Anfang Juli Krebs
5 Aw 30 Mitte Juli Mitte August Löwe
6 Elul 29 Mitte August Mitte September Jungfrau

Der Tag[Bearbeiten]

Ein Tag des lunisolaren jüdischen Kalenders beginnt mit dem vorausgehenden Abend, anders kann das Bibelwort „Und es ward Abend und Morgen – ein Tag“ (1. Buch Mose) nicht ausgelegt werden.[4][5] Aus der Schöpfungsgeschichte der jüdischen Bibel ergibt sich also, dass jeder Tag auch einen „Vor-Abend“ (hebräisch ‏ערבErev) hat.

Der jüdische Tag hat keine feste Länge. Er läuft vom Beginn des Abends[6] bis zum nächsten Abend. An Orten höherer Breitengrade im Sommer, z. B. wo die Sonne nicht unter den Horizont sinkt, wird ein Tag vom Tageshöchststand der Sonne, örtlicher Mittag, zum nächsten Mittag gezählt. An Orten höherer Breitengrade im Winter, z. B. wo die Sonne nicht über den Horizont steigt, wird ein Tag vom Zeitpunkt des tiefsten Stands der Sonne auf ihrer Himmelsbahn, örtliche Mitternacht, zur nächsten Mitternacht gezählt.[7] Diese lokalen und im Jahreslauf variierenden Tageslängen müssen auch z. B. für die Berechnungen der jüdischen Gebetszeiten berücksichtigt werden.

Anstelle des Gebrauchs der internationalen Datumsgrenze gibt es verschiedene jüdische Standpunkte dazu, wo der Tag wechselt. Ein Standpunkt vertritt den Gebrauch des 180° Anti-Meridians von Jerusalem. Jerusalem liegt auf dem 35. östlichen Meridian (geographische Lage: 35° 13’ östliche Länge) also ist der Anti-Meridian der 144. westliche Meridian (144° 47' westliche Länge, geht durch Alaska).[8][9]

Vereinfachtes Zeitmaß[Bearbeiten]

Der jüdische Tag beginnt als vereinfachtes Zeitmaß, unabhängig vom Sonnenuntergang, um 18.00 Uhr am Abend. Es entsprechen sich daher 24 oder 0 Uhr bürgerlicher Zeit, 6 Uhr jüdischer Zeit.[10] Unterteilt wird der Tag in 24 Stunden (Sha'a, pl. Sha'ot). Die Unterteilung der Stunde erfolgt in 1080 Teile (Chalakim)[11]. Ein Teil (Chelek, mit der Einheit 1 P) dauert somit 3 1/3 Sekunden und entspricht der kürzesten babylonischen Zeiteinheit Digiti. Die internationale Zeitangabe 10:30 Uhr (vormittags) entspricht 16 H 540 P nach dem jüdischen Kalender. Diese Zeitangaben finden sich auch im öffentlichen Leben Israels.

Namen der jüdischen Wochentage[Bearbeiten]

Die Namen der jüdischen Wochentage sind:

  • Jom Rischon (יום ראשון, wörtlich „Erster Tag“)
  • Jom Scheni (יום שני, wörtlich „Zweiter Tag“)
  • Jom Schlischi (יום שלישי, wörtlich „Dritter Tag“)
  • Jom Revi’i (יום רביעי, wörtlich „Vierter Tag“)
  • Jom Chamischi (יום חמישי, wörtlich „Fünfter Tag“)
  • Jom Schischi (יום שישי, wörtlich „Sechster Tag“)
  • Schabbat (שבת, wörtlich „Ruhe“)

Schöpfungstag[Bearbeiten]

In Bezug auf den ersten Tag der erschaffenen Welt, Annus Mundi, setzten jüdische Forscher den 6. Oktober 3761[2] v. d. Z. fest. Rückgerechnet, nach der biblischen Überlieferung, muss unmittelbar mit Jom Rischon, dem 6. Oktober 3761 v. d. Z., 23 Uhr 11 Minuten 20 Sekunden, das biblische Gotteswort zur Schöpfung (Gen 1,3 EU) geworden sein: „Es werde Licht, und es ward Licht.“[12]

Verwendung[Bearbeiten]

Der Jüdische Kalender findet in Israel ganz normale Anwendung. Nicht nur die religiösen jüdischen Festtage, sondern auch die säkularen orientieren sich am jüdischen und nicht am gregorianischen Kalender. Da auf internationaler Ebene sowie im Tourismus der gregorianische Kalender bestimmend ist, nutzen die Israelis beide Kalender parallel im Alltag.

Die Fest-, Feier- und Gedenktage mit festem Termin im jüdischen Kalender sind:

Am 15. Nisan wird das Pessachfest gefeiert, spätestens seit dem 10. Jahrhundert unabhängig vom tatsächlichen Vollmond. Dieser Tag stellt einen der wichtigsten jüdischen Feiertage dar. Auch der Todestag Jesu von Nazareth steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Pessachfest, wobei unklar ist, ob es sich dabei um den 14. Nisan (den sogenannten Rüsttag) oder den 15. Nisan (das Pessachfest selbst) handelte. Das christliche Osterfest findet daher in der Regel ebenfalls in diesem Monat statt, wenn es nicht wegen des jüdischen Schaltjahres in einen Adar II fällt.

Am 10. Tischri ist Jom Kippur, einer der höchsten jüdischen Feiertage.

In Schaltjahren findet das Purimfest im Adar II statt.

Die Daten der jüdischen Festtage für die Jahre 2010–2015[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste jüdischer Feste

Die hier angegebenen Tagesdaten aus dem Bürgerlichen Kalender bezeichnen stets den Tag, der um Mitternacht (0.00 Uhr) des entsprechenden jüdischen Tages beginnt. Nach dem jüdischen Kalender beginnt das Fest tatsächlich jedoch schon bei Sonnenuntergang des Vortages; der Abend dieses Vortages ist der „Vorabend“ des Festes.

Jüdisches Jahr
Gregorianisches Jahr
5771
2010/2011
5772
2011/2012
5773
2012/2013
5774
2013/2014
5775
2014/2015
Rosch ha-Schana – Das jüdische Neujahr 09.09.2010 - 10.09.2010 29.09.2011 - 30.09.2011 17.09.2012 - 18.09.2012 05.09.2013 - 06.09.2013 25.09.2014 - 26.09.2014
Jom Kippur – Versöhnungstag 18.09.2010 08.10.2011 26.09.2012 14.09.2013 04.10.2014
Sukkot – Laubhüttenfest 23.09.2010 - 29.09.2010 13.10.2011 - 19.10.2011 01.10.2012 - 07.10.2012 19.09.2013 - 25.09.2013 09.10.2014 - 15.10.2014
Schmini Azeret 30.09.2010 20.10.2011 08.10.2012 26.09.2013 16.10.2014
Simchat Tora – „Torafreude“. Beginn des neuen Lesezyklus 01.10.2010 21.10.2011 09.10.2012 27.09.2013 17.10.2014
Chanukka – Lichterfest. Wiedereinweihung des Tempels 02.12.2010 - 09.12.2010 21.12.2011 - 28.12.2011 09.12.2012 - 16.12.2012 28.11.2013 - 05.12.2013 17.12.2014 - 24.12.2014
Purim – Rettung der persischen Juden 20.03.2011 08.03.2012 24.02.2013 16.03.2014 05.03.2015
Pessach – Auszug der Juden aus Ägypten 19.04.2011 - 26.04.2011 07.04.2012 - 14.04.2012 26.03.2013 - 02.04.2013 15.04.2014 - 22.04.2014 04.04.2015 - 11.04.2015
Schawuot – Wochenfest. Offenbarung der Tora am Sinai 08.06.2011 - 09.06.2011 27.05.2012 - 28.05.2012 15.05.2013 - 16.05.2013 04.06.2014 - 05.06.2014 24.05.2015 - 25.05.2015

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jüdische Kalender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eli Barnavi (Hg.): Universalgeschichte der Juden. Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart, Verlag Christian Brandstätter, Wien 1993, S. 72.
  2. a b Der Brockhaus multimedial 2007
  3. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3633541546, S. 29-31.
  4. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3633541546, S. 9.
  5. (Gen 1,5 ELB), (Gen 1,8 ELB), (Gen 1,13 ELB), (Gen 1,19 ELB), (Gen 1,23 ELB), (Gen 1,31 ELB) und (Gen 2,2 ELB).
  6. Der Abend beginnt z. B. gemäß jüdischer Tradition mit dem Sichtbarwerden von mindestens 3 mittelgroßen Sternen, oder wird astronomisch errechnet.
  7. CALENDAR - JewishEncyclopedia.com. Abgerufen am 24. April 2012.
  8. Siehe das Essay von Willie Roth The International Date Line and Halacha.
  9. "Appendix II: Baal HaMaor , Interpretation von 20b und dessen Relevanz zur Datumsgrenze, in Talmud Bavli, Schottenstein Edition, Tractate Rosh HaShanah, Mesorah Publications Ltd. ("ArtScroll") 1999, wobei "20b" Seite '20' Folio 'b' des Traktats Rosh HaShanah referenziert.
  10. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3633541546, S. 25.
  11. Die Zahl 1080 der 1080 Chalakim einer Stunde, lässt sich in eine Reihe von Primfaktoren zerlegen und ist deshalb mathematisch sehr geschickt gewählt. 1080 = 2*2*2*3*3*3*5. Ein Chelek wird weiter in 76 Regaim zerlegt. 76 = 2*2*19. 1 Rega = 0,044 Sekunden.
  12. Ludwig Basnizki: Der jüdische Kalender: Entstehung und Aufbau. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 978-3633541546, S. 29-30.