Jütland

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Jütland
Jütland in seinen möglichen Ausdehnungen auf der Kimbrischen (Jütischen) Halbinsel
Jütland in seinen möglichen Ausdehnungen auf der Kimbrischen (Jütischen) Halbinsel
Gewässer 1 Nordsee, Skagerrak
Gewässer 2 Kattegat, Beltsee

Geographische Lage

55° 37′ 46″ N, 9° 12′ 4″ O55.6294444444449.2011111111111Koordinaten: 55° 37′ 46″ N, 9° 12′ 4″ O
Fläche 29.775 km² in Dänemarkdep1 w3

Jütland (dänisch Jylland [ˈjylanʔ]; Adjektiv: „jütisch“ oder „jütländisch“, dänisch jysk) ist der westliche Teil Dänemarks.
Es liegt auf der Kimbrischen Halbinsel und erstreckt sich von der dänischen Grenze zwischen Deutschland und Dänemark bis zur Halbinsel Grenen nördlich von Skagen. Damit bildet Jütland das dänische Festland, alle anderen Teile Dänemarks befinden sich auf Inseln. Bis 1864 war die Südgrenze Dänemarks die südliche Grenze des Herzogtums Schleswig, die sich in etwa von Kiel bis zur Mündung der Eider bei Tönning erstreckte, die sogenannte Eidergrenze.[1] Seit 1920 ist die dänische Südgrenze eine Verbindungslinie von Flensburg bis zum Margretekoog in Dänemark.

Jütland wird an vier Seiten vom Meer begrenzt; im Uhrzeigersinn:

Geschichte[Bearbeiten]

Jütland hat seinen Namen von den Jüten, einem germanischen Volksstamm, der wohl ursprünglich eine westgermanische Sprache gesprochen hat.[2] Ein Teil des Stammes scheint zusammen mit den Sueben nach Süden abgewandert zu sein. Ein erheblicher Teil wanderte im 5. Jahrhundert mit den Angeln und Sachsen nach England (an den Medway) aus. Der zurückgebliebene größere Teil wurde von den nordgermanischen Dänen assimiliert, die ihre Heimat im heutigen Südschweden (Schonen) hatten und Jütland von den Dänischen Inseln aus besiedelten. Aus dieser Periode stammt der Siedlungsplatz Hvolris bei Viborg. Die Jüten/Dänen stießen südwärts bis an die Eider vor, wo sie auf Sachsen und Slawen stießen. Der Fluss sollte ab 811 über ein Jahrtausend die dänische Südgrenze bilden, wobei diese Aussage wiederum von Definitionen abhängig ist, da sich um 1200 aus den drei jütländischen Sysseln nördlich der Eider das Herzogtum Schleswig (Sønderjylland) bildete, das als Lehen des Königreiches Dänemark diesem nur noch mittelbar unterstand. Die meiste Zeit nahm der dänische König in Personalunion jedoch auch die Funktion des Herzogs von Schleswig wahr und war ab 1460 zusätzlich Graf, ab 1474 Herzog des angrenzenden zum Heiligen Römischen Reich gehörenden Herzogtums Holstein.

Die Bezeichnung der Halbinsel als Kimbrische Halbinsel geht auf die Kimbern zurück, einen nordgermanischen Volksstamm, der um das 1. Jahrhundert v. Chr. mit den Teutonen in die heutige Schweiz und dann − aufgespalten − durchs Rhônetal nach Frankreich oder über den Brennerpass nach Italien zog.

Seit im 9. Jahrhundert im Süden der jütischen Halbinsel das dänische Königreich und das Frankenreich aneinanderstießen, war die Südgrenze Jütlands politisch-rechtlich zu definieren und hat sich demzufolge mehrmals zwischen Schlei und Eider (Dänische Mark) verschoben. Im Mittelalter bestanden jeweils in Nørrejylland (Norderjütland) und Sønderjylland (Süderjütland) regionale Landstinge.

1240 wurde Jütland namengebend für das Jütische Low (Jütische Recht). Es galt auf der Halbinsel von Skagen im Norden bis an die Kieler Förde-Levensau-Eider-Linie im Süden einschließlich angrenzender Inseln sowie Fünen, Fehmarn und Helgoland. Damit gehörte das Herzogtum Schleswig zu Jütland, solange es unter dänischer Hoheit stand, also bis zur Übernahme der Hoheit durch den Deutschen Bund im Jahre 1866. Mit der Abtretung Nordschleswigs vom Deutschen Reich 1920 liegt die Grenze im Bereich des sprachlichen Übergangs zwischen Sønderjysk und Standarddänisch (Rigsdansk) im Norden und dem Schleswigschen Plattdeutsch und Neuhochdeutsch im Süden.

Geographie[Bearbeiten]

Im dänischen Jütland setzt sich das schleswig-holsteinische Landschaftsbild nach Norden fort, mit Marschen an der Nordseeküste im Westen, einem Endmoränenrücken (Geest), der die Halbinsel in Nord-Süd-Richtung durchzieht, in der Mitte und lehmigem Hügelland, das aus den Grundmoränen der Eiszeit besteht, im Osten, insbesondere auf der Halbinsel Djursland fort, die zum Amt Århus gehört. Die heutige Topographie ist aber noch nicht alt, da sich Jütland entlang einer diagonal verlaufenden Kippachse im nordöstlichen Teil immer noch (10 mm/Jahr, ursprünglich 75 mm/Jahr) hebt und im Südwesten senkt. Die Halbinsel Djursland war z. B. bis in die jüngere Vergangenheit vom Kolindsund (einem Meeresarm) geteilt, der heute gänzlich verlandet, aber immer noch als flache, mitteldjursländische Talebene erkennbar ist. Nördlich von Esbjerg findet sich im Westen eine Ausgleichsküste mit hohen Sanddünen. Vom Limfjord wird Jütland in ost-westlicher Richtung durchschnitten. Mitten durch Jütland läuft, in Viborg beginnend und in Wedel bei Hamburg endend, der Ochsenweg oder dänisch Hærvejen (Heerweg). Historiker vermuten, dass die Anfänge dieses Weges bis in die Steinzeit zurückreichen.

Größte Stadt auf Jütland und zweitgrößte Stadt Dänemarks ist Aarhus, das allerdings in der Definition Jütlands als Kimbrische oder Jütische Halbinsel von Hamburg (nördlich der Elbe) übertroffen wird. Höchste Erhebung Jütlands (und mit 171,86 m über NN auch die höchste Erhebung Dänemarks) ist der Møllehøj in unmittelbarer Nähe zum Ejer Bavnehøj und unweit des Yding Skovhøj, die alle im Höhenzug Ejer Bjerge zwischen Skanderborg und Horsens liegen.[3] Längster Fluss und auch längster Fluss Dänemarks ist die Gudenå mit 173 km Länge. Als die Südgrenze Jütlands noch die Eiderlinie war, wurde die Gudenå noch von der 188km langen Eider übertroffen.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Wenn auch Jütland neben Fünen, Seeland und Bornholm einer der traditionellen Landesteile Dänemarks ist, bildet es keine eigene Verwaltungseinheit. Es umfasst seit der Kommunalreform von 2007 die dänischen Regionen Nordjylland, Midtjylland sowie den größten Teil der Region Syddanmark.

Jütland bildet jedoch einen Obergerichtsbezirk, für den das Westliche Landesgericht (Vestre Landsret) mit Sitz in Viborg zuständig ist. Bis zur Anpassung des Wahlgesetzes infolge der Kommunalreform bildete ganz Jütland einen von drei Oberwahlbezirken in Abgrenzung zu Hovedstaden (Kopenhagen und Frederiksberg) und Øerne (die Inseln Fünen, Seeland, Lolland, Falster u. a.). Das Dänische Amt für Statistik erhält eine doppelte Gebietsunterteilung aufrecht, wodurch statistische Informationen sowohl unter den Verwaltungseinheiten (Regionen, Kommunen) als auch unter geographischen Gesichtspunkten abrufbar sind.

Gelegentlich werden in dänischen Medien die Begriffe West- und Ostdänemark verwendet. Westdänemark kann dabei je nach Kontext Jütland und Fünen, nur Jütland oder nur das westliche Jütland bezeichnen.

Zu Jütland werden auch die Wattenmeerinseln Rømø, Mandø und Fanø an der Westküste sowie Alsen (Als), Samsø, Anholt und Læsø an der Ostküste und die Inseln im Limfjord gerechnet. Samsø war bis 1970 verwaltungsmäßig unter Holbæk Amt und Seeland eingeordnet. Anholt gehörte im Mittelalter zu dem damals noch dänischen Halland.

Historisch gliederte sich Jütland in mehrere Syssel und diese wiederum in mehrere Harden. Nördlich und südlich der Kongeå (= „Königsau“) wurde zwischen Nørrejylland (= „Norderjütland“) und Sønderjylland (= „Süderjütland“) unterschieden. Aus letzterem entstand ab etwa 1200 das Herzogtum Schleswig.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die weltbekannte Firma Lego hat ihren Sitz in Billund. Bedeutende Wirtschaftszweige sind unter anderem der Tourismus, vor allem an der Nordseeküste, sowie die Fischerei und Nahrungsmittelproduktion. Wichtige Industrie- und Hafenstädte wie Kolding, Horsens oder Aarhus sind besonders an der Ostsee oder an Fjorden zu finden. In Esbjerg, der fünftgrößten Stadt Dänemarks, befindet sich der bedeutendste Nordseehafen des Landes mit einer mehrmals wöchentlich nach Harwich (Großbritannien) verkehrenden Auto- und Personenfähre.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Neben den unzähligen Zeugnissen der Vorzeit, den Megalithanlagen, die sich in der Osthälfte Jütlands ballen, existieren Klöster, Museen, Schlösser sowie 22 Herrensitze und an die 50 Dorfkirchen.

Die jütländische Nordseeküste bei Henne Strand

etwa:

Unter der Definition des Jütischen Low kommen auf deutscher Seite diverse Schlösser und Herrenhäuser wie Schloss Gottorf und Schloss Glücksburg hinzu, außerdem unter anderem:

Städte[Bearbeiten]

In Jütland befindet sich mit der Stadtregion Ostjütland nach der Hovedstadsområdet die zweitgrößte zusammenhängende Metropol- bzw. Städteregion des Landes, die neben Dänemarks zweitgrößter Stadt Aarhus auch das Städtedreieck Trekantområdet umfasst.

Die wichtigsten Städte in Jütland[Bearbeiten]

Städte in Deutschland gemäß der Definition des Jütischen Rechts[Bearbeiten]

(Jütisches Low, Herzogtum Schleswig)

Städte in Deutschland nach der Maximaldefinition[Bearbeiten]

Nach der Maximaldefintion als Jütische oder Kimbrische Halbinsel gehören Hamburg (nördlich der Elbe) sowie sämtliche Städte Schleswig-Holsteins mit Ausnahme der Inselstädte Fehmarn und Wyk auf Föhr (bis 2008 auch mit Ausnahme von Westerland) zu Jütland; siehe Liste der aktuellen und ehemaligen Städte von Schleswig-Holstein.

Jütisches Low außerhalb der Jütischen Halbinsel[Bearbeiten]

Hinzu kommen die bereits oben aufgeführten deutschen Städte Fehmarn und Wyk auf Föhr (bis 2008 auch Westerland).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jutland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Jütland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Jütland – Reiseführer

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Troels Fink: Geschichte des schleswigschen Grenzlandes. Munksgaard, København 1958. S. 23.
  2. Günter Neumann, Martin Eggeler: Jüten. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 16. de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-016782-4, S. 91ff.
  3. Kort & Matrikelstyrelsen: Nyt højeste punkt i Danmark vom 28. Februar 2005, abgerufen am 28. Oktober 2011 (dänisch)
  4. Der Kern Rendsburgs gehörte in seiner Historie abwechselnd zu Schleswig und Holstein; siehe auch: Fredslet