J-, K- und N-Klasse (Royal Navy)

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J-, K- und N- Klasse Royal Navy
HMS Kashmir
Technische Daten
Schiffstyp: Zerstörer
Verdrängung: 1717 ts Standard
2367 ts (maximal)
Länge: 108.7 m über Alles
Breite: 10,9 m
Tiefgang: 3,8 m (maximal)
Antrieb: 2 Admirality-3-Trommel-Dampfkessel
2 Parsons-Dampfturbinen mit Einfachgetriebe
40.000 PS (29.420 kW)
Geschwindigkeit: 36 kn (66,7 km/h)
Reichweite: 5500 sm bei 15 kn
Besatzung: 183 (218 Flottillenführer)
Bewaffnung: 6 x 4,7-in-(120-mm)-Schiffsgeschütze in Zwillingsanordnung

4 x Ordnance QF 2-Pfünder-Marinegeschütz (40 mm) L/39 in Vierlingsanordnung
4 x 20-mm-Oerlikon-Kanone
4 x QF 0.5 in Mk.III (12,7 mm) Vickers Flugabwehr-MGs
10 Torpedorohre mit 21 Torpedos

Die J-, K- und N-Klasse war eine Klasse von 24 Zerstörern der Royal Navy aus dem Jahr 1938. Sie waren nach der Tribal-Klasse, die als Bewaffnung eher auf Kanonen als auf Torpedos setzte, eine Rückkehr zu kleineren Schiffen mit schwererer Torpedobewaffnung. Die Schiffe wurden in drei Gruppen zu je acht Stück gebaut, deren Namen mit J, K und N begannen. Die Schiffskennung wurde 1940 von „F“ zu „G“ geändert.

Geschichte des Entwurfs[Bearbeiten]

Der Entwurf war als kleinerer Nachfolger der Tribal-Klasse gedacht. Erstmals bei Zerstörern der Royal Navy wurden die Dampfkessel in zwei Räumen angeordnet. Damit reduzierte sich die Länge des Rumpfes und man kam mit einem Schornstein aus, was die Silhouette verringerte und die Richtbereiche der leichten Luftabwehrkanonen vergrößerte. Der Nachteil dieser Konstruktion lag darin, dass es zwei relativ große Abteilungen gab, die durch einen einzigen gut platzierten Treffer geflutet werden konnten. Ein solcher Treffer hätte den Verlust der gesamten Antriebsleistung aus den Dampfkesseln zur Folge gehabt.

Eine weitere Neuerung war die Anwendung des Isherwood Systems, also von längs statt quer verlaufenden Spanten. Die Verstärkungen der Hülle verliefen damit längs und nicht quer. Der Bug wurde im Vergleich zur vorhergehenden Tribal-Klasse ebenfalls verändert. Der Klipperbug wurde durch einen geraden Steven ersetzt, der das Gieren verstärkte. Diese Änderung war keine Verbesserung, da bereits bei mäßigem Seegang das Vorschiff in die Wellenberge einschnitt und dadurch viel Wasser auf dem Vorderdeck stand, das bis zu seinem Ablaufen das Austauchen aus der See verzögerte. Ferner wurde dadurch das Betreten des Decks und die Bedienung der vorderen Geschütze erheblich erschwert. Deshalb wurde bei der S- und bei der T-Klasse wieder die alte Bugform verwendet.

Mit Ausnahme der Verwundbarkeit der Kessel stellte sich der Entwurf als kompakt, fest und als sehr erfolgreich heraus. Er wurde zur Basis aller Zerstörer der Royal Navy von der O- bis zur Cr-Klasse von 1944.

Die Bewaffnung basierte auf der Tribal-Klasse, ein 120-mm-Zwillingsturm wurde aber durch zusätzliche Torpedorohre ersetzt. Die Türme hatten einen Höhenrichtbereich von 40° und einen Seitenrichtbereich von 340°. Der X-Turm war erstaunlicherweise so angeordnet, dass sein toter Winkel von 20° in Richtung des Hecks lag und nicht in Richtung des Bugs, wo Brücke und Masten den Feuerbereich sowieso einschränkten. Das bedeutete, dass die Geschütze nicht direkt nach achtern feuern konnten. Die Flak blieb unverändert zur Tribal-Klasse, was sich später als unzureichend herausstellte. Die Torpedobewaffnung wurde auf zwei Fünffach-Sätze, insgesamt somit zehn Rohre gesteigert.

Die Anordnung der Feuerleitung unterschied sich von der Tribal-Klasse. Es gab nur einen Entfernungsmesser mit einer 9 Fuß breiten Basis, der sich hinter dem Kontrollturm befand. Später wurde der Entfernungsmesser stark verändert, um die Hauptbewaffnung bei der Luftabwehr zu steuern.

Die N-Klasse wurde im Jahr 1940 als Kopie der J-Klasse bestellt, nachdem bei den größeren und komplizierteren L- und M-Klasse Zerstörern das Budget überschritten wurde. Die einzige Änderung des Entwurfs betraf den X-Turm, der jetzt seinen toten Winkel in Richtung des Bugs hatte. Bereits während der Bauphase wurden die bisherigen kriegsbedingten Veränderungen der J- und K-Klasse berücksichtigt, indem zwei Zwillings-MGs des Kalibers 0,5“ auf dem Quarterdeck installiert wurden, die später durch 20-mm-Kanonen ersetzt wurden.

Änderungen[Bearbeiten]

In den Jahren 1940 and 1941 wurden auf allen Schiffen der hintere Torpedorohrsatz ausgebaut und durch eine 4“ QF Mark V Kanone ersetzt. Die unzureichenden Maschinengewehre wurden durch 20-mm-Oerlikon-Maschinenkanonen ersetzt, ein weiteres Paar wurde auf der Plattform der Suchscheinwerfer mittschiffs eingebaut. Die Vorrichtungen zum Räumen von Minen wurden durch eine Abrollbühne und zwei Wasserbombenwerfer für 45 Wasserbomben ersetzt. Zudem wurde ein zusätzliches Radargerät vom Typ 286 zur Warnung vor Luftangriffen neben dem Feuerleit-Radargerät Typ 285 installiert.

1942 wurde die 4"-Kanone auf den verbliebenen Schiffen wieder durch Torpedorohre ersetzt. Die 20-mm-Oerlikon-Kanonen wurden mit Ausnahme der Kanonen auf dem Quarterdeck durch Zwillingslafetten ersetzt. Ein Radar Typ 291 ersetzte das Radar Typ 286.

Bei den Einheiten HMS Jervis, HMS Kelvin, HMS Nerissa und HMS Norman wurde der Suchscheinwerfer durch ein Radar Typ 271, bei HMS Javelin und HMS Kimberley ein solches des Typs 272 ersetzt. Die HMS Napier, HMS Nizam und HMS Norseman (später auch die HMS Norman) erhielten das amerikanische Radar SG-1, bei der Norman wurde statt des Radars Typ 271 eine 40 mm Bofors Kanone eingebaut. Bei Ende des Krieges trugen die noch vorhandenen Schiffe der J- und K-Klassen ein Radar Typ 293 zur Zielerfassung und ein Radar Typ 291 zur Luftüberwachung.

Einsatz[Bearbeiten]

Da es sich um bei Ausbruch des Kriegs um die modernsten und stärksten Zerstörer der Royal Navy handelte, waren sie häufig im Einsatz. Als Folge gingen von den 24 gebauten Schiffen sechs Einheiten der J-, sechs Einheiten der K- und eine Einheit der N-Klasse verloren.

Einheiten[Bearbeiten]

J-Klasse[Bearbeiten]

Schiffskennung Name Hersteller Kiellegung Stapellauf Fertigstellung Verbleib
F00 HMS Jervis[1] Hawthorn, Leslie & Company, Hebburn 26. August 1937 9. September 1938 12. Mai 1939 1949 zur Verschrottung verkauft
F22 HMS Jackal John Brown & Company, Clydebank 24. September 1937 25. Oktober 1938 31. März 1939 11. Mai 1942 vor Marsa Matruh bombardiert und am folgenden Tag von HMS Jervis durch Torpedos versenkt
F34 HMS Jaguar William Denny & Brothers, Dumbarton 25. November 1937 22. November 1938 12. September 1939 26. März 1942 von U 652 vor Sollum versenkt
F46 HMS Juno
(ex-HMS Jamaica)
Fairfield Shipbuilding & Engineering Company, Govan 10. Mai 1937 8. Dezember 1938 25. August 1939 21. Mai 1941 vor Kreta bombardiert und versenkt
F53 HMS Janus Swan Hunter & Wigham Richardson, Wallsend 29. September 1937 10. November 1938 5. August 1939 23. Januar 1944 vor Anzio von deutschen Flugzeugen torpediert und versenkt
F61 HMS Javelin
(ex-HMS Kashmir)
John Brown 11. Oktober 1937 21. Dezember 1938 6. Oktober 1939 1949 zur Verschrottung verkauft
F72 HMS Jersey J. Samuel White, Cowes 20. September 1937 26. September 1938 28. April 1939 Vor am 2. Mai 1941 vor Valetta auf eine Mine gelaufen, in zwei Teile zerbrochen und zwei Tage später gesunken
F85 HMS Jupiter Yarrow & Company, Scotstoun 28. September 1937 27. Oktober 1938 25. Juni 1939 Am 27. Februar 1942 in der Schlacht in der Javasee von Zerstörern der Kaiserlich Japanischen Marine torpediert und am folgenden Tag gesunken
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HMS Jubilant
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Geordert am 25. März 1937, Storniert Dezember 1937

K-Klasse[Bearbeiten]

Schiffskennung Name Hersteller Kiellegung Stapellauf Fertigstellung Verbleib
F01 HMS Kelly[1] Hawthorn Leslie 26. August 1937 25. Oktober 1938 23. August 1939 Am 23. Mai 1941 von deutschen Flugzeugen bombardiert und südlich von Kreta gesunken
F28 HMS Kandahar Denny 18. Januar 1938 21. März 1939 10. Oktober 1939 Vor Tripolis am 19. Dezember 1941 auf eine Mine gelaufen und am folgenden Tag durch Beschuss von HMS Jaguar versenkt
F12 HMS Kashmir
(ex-Javelin)
John I. Thornycroft & Co., Woolston, Hampshire 18. November 1937 4. März 1939 26. Oktober 1939 Am 23. Mai 1941 von deutschen Flugzeugen bombardiert und südlich von Kreta gesunken
F37 HMS Kelvin Fairfield 5. Oktober 1937 19. Januar 1939 27. November 1939 1949 zur Verschrottung verkauft
F45 HMS Khartoum Swan Hunter 27. Oktober 1937 6. Februar 1939 6. November 1939 Am 23. Juni 1940 beim Versenken des italienischen U-Boots Torricelli vor Perim beschädigt, auf den Strand gesetzt und als Totalverlust abgeschrieben
F50 HMS Kimberley Thornycroft 17. Januar 1938 1. Juni 1939 21. Februar 1940 1949 zur Verschrottung verkauft
F64 HMS Kingston White 6. Oktober 1937 9. Januar 1939 14. September 1939 Am 22. März 1942 während des Zweiten Seegefechts im Golf von Syrte schwer von dem italienischen Schlachtschiff RN Littorio beschädigt. Später am 11. April 1942 von deutschen Flugzeugen im Trockendock in Valetta bombardiert und als Totalverlust abgeschrieben. Als Blockschiff vor Malta verwendet.
F91 HMS Kipling Yarrow 26. Oktober 1937 19. Januar 1939 22. Dezember 1939 Am 11. Mai 1942 von deutschen Flugzeugen bombardiert und südlich von Mersa Matruh gesunken.

N-Klasse[Bearbeiten]

Die Schiffe der N-Klasse der Royal Australian Navy wurden von Australien bemannt und unterhalten, blieben aber im Eigentum des Vereinigten Königreichs.

Schiffskennung Name Hersteller Kiellegung Stapellauf Fertigstellung Verbleib
Koninklijke Marine Naval Jack of the Netherlands.svg
G84 HMS Noble Denny 10. Juli 1939 17. April 1941 20. Februar 1942 1942 als Hr. Ms. Van Galen an die Niederlande, 1957 zur Verschrottung verkauft
G16 HMS Nonpareil Denny 22. Mai 1940 25. Juni 1941 30. Oktober 1942 1942 als Hr. Ms. Tjerk Hiddes an die Niederlande, 1951 als Gadjah Mada an die indonesische Marine, 1961 zur Verschrottung verkauft
Royal Australian Navy Flag of Australia.svg
G97 HMAS Napier[1] Fairfield 26. Juli 1939 22. Mai 1940 11. Dezember 1940 1945 zur Verschrottung verkauft
G02 HAMS Nestor Fairfield 26. Juli 1939 9. Juli 1940 12. Februar 1941 Am 15. Juni 1942 von italienischem Flugzeug bombardiert und durch Wasserbomben von HMS Javelin versenkt
G38 HMAS Nizam John Brown 27. Juli 1939 4. Juli 1940 19. Dezember 1940 1955 zur Verschrottung verkauft
G49 HMAS Norman Thornycroft 27. Juli 1939 30. Oktober 1940 29. September 1941 1958 zur Verschrottung verkauft
G25 HMAS Nepal
(ex-Norseman)
Thornycroft 9. September 1939 4. Dezember 1941 29. Mai 1942 1955 zur Verschrottung verkauft
Polnische Marine Naval Ensign of Poland.svg
G65 HMS Nerissa John Brown 26. Juli 1939 7. Mai 1940 12. Februar 1941 1940 an Polen als ORP Piorun 1940, 1946 als HMS Noble zurückgegeben, 1955 zur Verschrottung verkauft

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c Flottillenführer

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: J-, K- und N-Klasse (Royal Navy) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien