J. J. Sietas

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53.5322222222229.7869444444444Koordinaten: 53° 31′ 56″ N, 9° 47′ 13″ O

J. J. Sietas KG Schiffswerft GmbH u. Co.
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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1635
Sitz Hamburg-Neuenfelde
DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Rüdiger Wolf (CFO)
Mitarbeiter ca. 650
Branche Schiffbau
Produkte Schwergutschiffe
Selbstentlader
Baggerschiffe
RoRo-Schiffe / -Fähren
Offshore-Schiffe
ContainerschiffeVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.sietas-werft.de

Die J. J. Sietas KG Schiffswerft GmbH u. Co. ist ein Schiffbauunternehmen in Hamburg-Neuenfelde. Der Unternehmenssitz befindet sich im „Alten Land“ hinter der Hauptdeichlinie der Unterelbe an der Estemündung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die (bis November 2013) älteste noch bestehende Werft in Hamburg wurde bereits 1635 von Carsten Sietasch gegründet und zählt damit zu den ältesten Betrieben der Hansestadt. Von der Gründung war das Unternehmen ununterbrochen im Familienbesitz und wurde bis Anfang 2009 in der neunten Generation geführt. In den ersten Jahren wurden hauptsächlich Boote und Kutter aus Holz gebaut, später folgten Schoner, Briggs und andere Schiffstypen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Fertigung zunehmend von Holz auf Stahl umgestellt. Seit den 1950er Jahren entstehen auf der Werft Schiffe in Sektionsbauweise.[1]

Nachdem die Werft durch steigende Stahlpreise, den rasanten Ratenverfall bei Containerschiffen und falsche Kostenkalkulation in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde vom größten Gläubiger der Werft, der HSH Nordbank, Anfang März 2009 ein neues Management eingesetzt. Damit wird die Werft erstmals seit 1635 von Familienfremden geführt.

Die Sietas-Werft im Alten Land

Die Werft beschäftigte etwa 150 Mitarbeiter (2013), die auf einer Werksfläche von circa 16 Hektar verschiedene Schiffstypen fertigten. In erster Linie wurden in den vergangenen Jahren kleine bis mittelgroße Containerschiffe gebaut. Nachdem jedoch im Zuge der weltweiten Rezession 2009 besonders die Containerschifffahrt stark zurückging und J.J. Sietas mit zahlreichen Abbestellungen und schwindendem Auftragsbestand zu kämpfen hatte, wendete man sich vom Containerschiffbau ab und will sich künftig auf Nischen im Spezialschiffbau konzentrieren. Hierzu zählen Schwergutschiffe, Fähren, Offshore-Schiffe usw., aber auch Einzelsegmente für große Kreuzfahrtschiffe für die Meyer-Werft in Papenburg werden in Hamburg vorgefertigt. Das vorerst letzte Containerschiff wurde im November 2009 fertiggestellt.[2] Bekannt ist die Werft auch durch die Typenbezeichnung ihrer Schiffe. So hat jede Generation von Feederschiffen und sonstigen mehrmals gebauten Schiffen eine Typnummer (z.B. die Typen 110 und 137).

Am 6. November 2009 wurde der 393. und letzte Containerfrachter abgeliefert. Es handelte sich dabei um ein Schiff des Typs 178.[3] Danach baute die Werft mit dem Typ 183 Schwergutschiffe, die zu den leistungsfähigsten der Welt gehören. Die Schiffe wurden von der Reederei SAL bestellt, die bisher alle ihre Schiffe auf der Sietas-Werft hat bauen lassen. Das erste Schiff dieses Typs heißt Svenja und wurde Dezember 2010 in Dienst gestellt.[4] Im März 2011 wurde das Schwesterschiff Lone abgeliefert.

Im Dezember 2010 erhielt Sietas einen Auftrag für das erste in Deutschland zu bauende Offshore-Windkraft-Transport- und Installationsschiff[5], das als Aeolus bis Februar 2014 für die niederländische Van-Oord-Gruppe gebaut wurde.[6]

Insolvenz der Sietas-Gruppe[Bearbeiten]

Am 17. November 2011 wurde wegen Überschuldung ein Antrag auf Insolvenz gestellt[7] und mit Beschluss vom 1. Februar 2012 das Insolvenzverfahren eröffnet.[8] Am 22. Mai 2012 teilte der Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann mit, dass fünf Kaufangebote von Unternehmen der Schiffbaubranche aus Deutschland, Europa und Asien vorlägen.[9] Ende Juni entschied der Gläubigerausschuss, die drei Sietas-Unternehmen (Sietas-Werft, Neuenfelder Maschinenfabrik und Norderwerft) getrennt zu verkaufen.[10] Die Sietas-Werft sollte an die niederländische VeKa-Gruppe verkauft werden, die Norderwerft wurde an die Bremer Lürssen-Werft verkauft und die Neuenfelder Maschinenfabrik (NMF) wurde von der norwegischen TTS Group ASA übernommen.[11] Der Verkauf der Sietas-Werft an die VeKa-Gruppe kam jedoch nicht zustande, da der erwartete Auftrag zum Bau eines zweiten Errichterschiffs vom Wasserbauunternehmen Van Oord nicht erteilt wurde.

Im Februar 2014 wurde die Sietas-Werft von der Terraline GmbH in Hamburg, die zur in St. Petersburg ansässigen Pella Shipyard gehört, übernommen. Laut Vereinbarung muss die Werft für mindestens acht Jahre weiter betrieben werden[12], die 120 Beschäftigten werden übernommen. Der Name des Werftunternehmens wird nach der Übernahme Pella Sietas GmbH lauten.[13]

Sietas-Gruppe[Bearbeiten]

Neben der Schiffswerft gehörten folgende Unternehmen zur Sietas-Gruppe:[14]

Sietas-Schiffstypen[Bearbeiten]

Küstenmotorschiffe[Bearbeiten]

Sietas-Typ Bauzeit Vermessung Tragfähigkeit Bemerkungen
0 (H 16) Mitte 1950er Jahre 424 BRT 700 tdw Mehrzweckfrachter
20 ab 1960 424 BRT 870 tdw Mehrzweckfrachter
28 ab 1961 499 BRT 1050 tdw Mehrzweckfrachter
33 ab 1964 499 BRT 1150 tdw Mehrzweckfrachter
55 ab 1967 958 BRT 1550 tdw Mehrzweckfrachter
58 ab 1968 499/999 BRT 1300/2000 tdw In der Container-, Schüttgut-, Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
67 ab 1970 999 BRT 2450 tdw Mehrzweckfrachter
81 ab 1970er 999 BRT 2650 tdw In der Container-, Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
94 ab 1977 1599 BRT 4400–5700 tdw in der Container-, Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
95 ab 1977 999 BRT 2060–2360 tdw in der Container-, Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
104 ab Ende 1970er 499 BRT 1650 tdw Mehrzweckfrachter, auch als Fluss-Seeschiff Variante gebaut
110 ab Anfang 1980er 999 BRT 3000 tdw Mehrzweckfrachter, auch als Fluss-Seeschiff Variante gebaut
130 ab Mitte 1980er 999 BRT 3000 tdw Mehrzweckfrachter, auch als Fluss-Seeschiff Variante gebaut

Containerschiffe[Bearbeiten]

Sietas-Typ Bauzeit Vermessung Tragfähigkeit Bemerkungen
111 ab 1984 3100 BRZ 4200 tdw Mehrzweckschiffe mit Kränen für kombinierte Container-, Bulk und Projektfahrt
122 ab 1987 2749 BRZ 3150 tdw auch in der Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
129 ab 1989 3815 BRZ 4650 tdw auch in der Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
137 ab 1990 5990 BRT 7200 tdw erstes Containerschiff mit seitlich öffnenden Faltlukendeckeln
141 ab 1988 für kombinierte Container-, Trailer und Papierfahrt konzipiert
144 ab 1989 5627 BRZ 4017 tdw für kombinierte Container-, Trailer und Papierfahrt konzipiert
145 ab 1989 3826 BRZ 4400 tdw auch in der Zellulose- oder Paketholzfahrt einsetzbar
148 ab 1992 5000 BRZ 6600 tdw Weiterentwicklung des Typs 129, Ladekapazität 510 TEU
151 ab 1992 4000 BRZ 5300 tdw Weiterentwicklung des Typs 129, Ladekapazität 508 TEU
160 ab 1996 6400 BRZ 7200 tdw erster Open-Top-Containerschiffstyp der Sietas-Werft, Ladekapazität 700 TEU
168 ab 2001 10.000 BRZ 11.200 tdw bisher erfolgreichster Typ der Sietas-Werft
170 ab 2006 17.360 BRZ 22.248 tdw mit 1856 TEU bisher größter Typ der Sietas-Werft
171  ? 14.639 BRZ 14.747 tdw Ladekapazität 1200 TEU
174a  ? 8606 BRZ 11.497 tdw Ladekapazität 907 TEU
178 ab 2008 17.600 BRZ 16.920 tdw Weiterentwicklung des Typs 168, Ladekapazität 1420 TEU

Schwergutschiffe[Bearbeiten]

Die Schwergutschiffe der Sietas-Werft entstanden in Zusammenarbeit mit der Reederei SAL.

Sietas-Typ Bauzeit Vermessung Tragfähigkeit Bemerkungen
132 bis 1996 ? ? Zwei Kräne mit jeweils 150 t SWL die letzten vier Schiffe der Serie mit 2 × 250 t SWL
161 1997–1998 ? 9549 tdw Zwei Kräne mit jeweils 275 t SWL und einem dritten mit 150 t SWL, insgesamt 4 Schiffe,
161a 2000 ? 8914 tdw Zwei Kräne mit jeweils 320 t SWL und einem dritten mit 200 t SWL, insgesamt 4 Schiffe
161b 2004 ? 8914 tdw Zwei Kräne mit jeweils 350 t SWL und einem dritten mit 250 t SWL, insgesamt 2 Schiffe
176 2008–2009 12.950 BRZ 12.007 tdw Zwei Kräne mit jeweils 700 t SWL und einem dritten mit 350 t SWL, insgesamt 4 Schiffe
183 2010–2011 15.200 BRZ 12.500 tdw Zwei Kräne mit jeweils 1000 t SWL, insgesamt 2 Schiffe

Massengutfrachter[Bearbeiten]

Sietas-Typ Bauzeit Vermessung Tragfähigkeit Bemerkungen
167 ? 17.357 BRZ 28.115 tdw Massengutfrachter
177 ? 20.000 BRZ 31.300 tdw Massengutfrachter

Tanker[Bearbeiten]

Sietas-Typ Bauzeit Vermessung Tragfähigkeit Bemerkungen
71 1972 - 1240 Tonnen Binnentanker
80 1972 1599 BRT 980 Tonnen Binnentanker
103 1981 BRZ 3561 tdw Chemikalientanker
124 1986 2757 BRZ 4132 tdw Produktentanker
126 1979/1987 6684 BRZ 7005 tdw Umbau zum Gastanker
127 1986 1332 BRZ 1060 tdw Gastanker
138 1986 1599 BRT 2903 tdw Chemikalientanker
149 1992 2634 BRZ 3687 tdw Chemikalientanker
165 2000 3557 BRZ 4711 tdw Chemikalientanker

RoRo-Schiffe / Fähren[Bearbeiten]

Sietas-Typ Bauzeit Vermessung Tragfähigkeit Bemerkungen
163 ? 11.500 BRZ 7250 tdw RoRo- Papier- und Trailerfrachter
166 ? 18.265 BRZ 8800 tdw RoRo-Schiff
175 ? 15.586 BRZ 11.407 tdw RoRo-Schiff, 2155 Spurmeter
182 2009/2010 10.471 BRZ 320 tdw Doppelendfähre für 1200 Passagiere mit Voith-Schneider-Antrieb

Ältere Bauprojekte (Auswahl)[Bearbeiten]

Name Baujahr Baunummer Vermessung Eigner / Reederei Bemerkungen, Status/Verbleib
Präsident Freiherr von Maltzahn 1928 ? ? Museumshafen Oevelgönne in Fahrt (Traditionsschiff)
Hein Godenwind 1959 ? 980 BRT ? 2007 gesunken, 2008 gehoben, vorgesehen für Verschrottung
Meiendorf [17] 1960 ? ? HADAG schwimmende Discothek in Israel
Tonndorf [17] 1960 461 ? HADAG in Fahrt unter dem Namen „Tonne“
Ursula Horn 1961 470 1359 BRT H. C. Horn ?
Kirchdorf [17] 1962 503 ? HADAG in Fahrt (Traditionsschiff)
Bell Vanguard 1966 588 499 BRT J. H. Breuer erstes deutsches Containerschiff, 1988 gesunken
Translandia [18] 1976 792 13.867 BRZ Rederiaktiebolaget Eckerö in Fahrt (Fährschiff)

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • 375 Jahre Sietas Werft. In: Schiff & Hafen, Heft 10/2010, S. 21–90, Seehafen-Verlag, Hamburg 2010, ISSN 0938-1643
  • Eckhard-Herbert Arndt: Neue Hoffnung für Traditionswerft. In: Hansa, Heft 1/2012, S. 24/25, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2012, ISSN 0017-7504

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: J.J. Sietas – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J.J. Sietas – Geschichte, abgerufen am 25. November 2010
  2. Deutsche Verkehrszeitung DVZ Nr. 103 vom 27. August 2009
  3. Sietas Werft übergibt letztes Containerschiff MS Elysee (PDF; 141 kB), Pressemitteilung vom 6. November 2009, abgerufen am 28. November 2010
  4. SAL-Flottenübersicht, abgerufen am 25. November 2010
  5. Werft baut Transportschiff für Offshore-Windkraftanlagen, Hamburger Abendblatt, 8. Dezember 2010
  6. Eckhard-Herbert Arndt: Erstes deutsches Errichter-Schiff übergeben. In: Täglicher Hafenbericht vom 18. Februar 2014, S. 1/3
  7. Olaf Preuß: Deutschlands älteste Werft ist überschuldet, Hamburger Abendblatt, 18. November 2011, abgerufen am 18. November 2011
  8. Olaf Preuß, Rolf Zamponi: Sietas-Werft: Insolvenzverfahren eröffnet, Hamburger Abendblatt, 1. Februar 2012, abgerufen am 27. Mai 2012
  9. Fünf bestätigte Angebote. In: Täglicher Hafenbericht vom 23. Mai 2012, S. 16
  10. Nikos Späth: Traditionswerft wird in Einzelteilen verkauft. In: Hansa, Heft 7/2012, S. 5, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2012, ISSN 0017-7504
  11. Norweger übernehmen Kranspezialisten. In: Hansa, Heft 8/2012, S. 5, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2012, ISSN 0017-7504
  12. Werftenkrise: Russen kaufen Hamburger Traditionswerft Sietas, Spiegel Online, 10. Februar 2014, abgerufen am 11. Februar 2014
  13. Eckhard-Herbert Arndt: Sietas-Werft hat wieder eine Perspektive. In: Täglicher Hafenbericht vom 11. Februar 2014, S. 1
  14. J.J. Sietas - Partner, abgerufen am 28. November 2010
  15. Sietas: Norweger übernehmen NMF. In: Täglicher Hafenbericht vom 9. Juli 2012, S. 1+3
  16. Norweger übernehmen Kranspezialisten. In: Hansa, Heft 8/2012, S. 5, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2012, ISSN 0017-7501
  17. a b c Lebensläufe der HADAG-Typschiffe, abgerufen am 27. November 2010
  18. Eintrag bei Bureau Veritas, abgerufen am 27. November 2010