J. D. Salinger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jerome David Salinger (* 1. Januar 1919 in New York; † 27. Januar 2010 in Cornish, New Hampshire[1]) meist abgekürzt als J. D. Salinger, gesprochen /ˈsælɪndʒər/ war ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Signatur des Autors

Leben[Bearbeiten]

Salinger wurde als Sohn des polnisch-jüdischen Vaters Solomon Salinger und einer Mutter schottisch-irischer Abstammung geboren. Die Familie des Vaters kam aus Litauen, der Großvater, der Rabbiner Simon F. Salinger, wurde 1860 in Tauroggen geboren. Die Mutter Marie Jillich war vor der Heirat als Miriam Jillich zum Judentum übergetreten.

Er besuchte die private McBurney School in Manhattan und wurde anschließend von 1934 bis 1936 an der Valley Forge Military Academy in Wayne, Pennsylvania, ausgebildet. Als Verfasser von Filmkritiken und Herausgeber der Kadettenzeitschrift Crossed Sabres (dt. „Gekreuzte Säbel“) unternahm er dort erste schriftstellerische Versuche. 1937 hielt er sich fünf Monate in Europa auf, wo er auf Bestreben seines Vaters bei dessen Verwandten in Wien eine Ausbildung in einem Schlachtereibetrieb absolvierte, um sich auf das Erbe des väterlichen Importgeschäfts vorzubereiten.

Der (unautorisierten) Biographie von Ian Hamilton zufolge ging er in Polen dem Stammbaum seiner väterlich-jüdischen Ahnen nach. In Wien soll er Schikanen gegen Bewohner des jüdischen Viertels miterlebt haben. 1938 immatrikulierte er sich am Ursinus College, Collegeville, Pennsylvania, daneben arbeitete er als Theaterkritiker und Kolumnist des Ursinus Weekly. 1939 wechselte er an die Columbia University, New York, und veröffentlichte in dem einflussreichen Story-Magazin 1940 seine erste Kurzgeschichte. Das College verließ Salinger ohne Abschluss.

Im Sommer 1941 führte Salinger eine kurze Beziehung mit Oona O’Neill, die ihn jedoch für ihren späteren Ehemann Charlie Chaplin verließ. Diese Beziehung hatte Einfluss auf die Darstellungen der Beziehungen zu Frauen in Salingers Werk.[2] O'Neill galt als Salingers „große Liebe“.[3] Noch Jahrzehnte später äußerte sich Salinger öffentlich und abfällig über O'Neills Ehe mit Chaplin (s. bspw. [4]).

Direkt im darauffolgenden Jahr trat Salinger in die US-Armee (U.S. Army Signal Corps und in das Counter Intelligence Corps) ein und nahm von Invasionsbeginn bis Kriegsende an fünf Feldzügen in Frankreich teil, u. a. erlebte er die deutsche Ardennenoffensive mit. In Paris begegnete er dem damaligen Kriegskorrespondenten Ernest Hemingway, der ihm ein „verteufeltes Talent“ bescheinigte. Nach dem Krieg soll Salinger – wegen eines „front shock“ – eine Zeitlang in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sein. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg war Salinger, der gut Deutsch sprach, im fränkischen Gunzenhausen tätig, wo er nach seinem Ausscheiden aus der Armee als Zivilist für eine Abteilung des Nachrichtendienstes arbeitete. In Deutschland war er kurze Zeit mit einer deutschen Ärztin namens Sylvia Welter (Salinger selbst nannte sie „Saliva“) verheiratet.[5] 1946 veröffentlichte die Zeitschrift New Yorker seine einige Jahre zuvor eingesandte Kurzgeschichte Slight Rebellion Off Madison, in der erstmals der Charakter Holden Caulfield auftaucht, welcher später der Protagonist in Der Fänger im Roggen sein sollte.[6]

Im Juni 1955 heiratete Salinger die 19-jährige Psychologie-Studentin Claire Douglas, mit der er zwei Kinder hatte: Margeret (geb. 1955), die ihre Erinnerungen an ihren Vater unter dem Titel Dream Catcher veröffentlichte, und Matthew (geb. 1960), der mit seiner Familie als Autor in Connecticut lebt. Zwölf Jahre später ließ Salinger sich wieder scheiden und hatte 1972 eine 10 Monate dauernde Affäre mit der jungen Yale-Studentin Joyce Maynard, die über diese Affäre später ihre Memoiren (At Home in the World) veröffentlichte. Ende der 1980er Jahre heiratete Salinger in dritter Ehe die Krankenschwester Colleen O’Neill.[7]

Nach dem Erfolg von Der Fänger im Roggen lebte Salinger seit 1953 zurückgezogen in Cornish, wo er sich hinter hohen Grundstücksmauern verbarg.[8] Seine letzte Veröffentlichung war die Geschichte Hapworth 16, 1924, die am 19. Juni 1965 im New Yorker erschien. Wie all seine Veröffentlichungen nach Der Fänger im Roggen dreht es sich in der Geschichte um die Glass-Familie. Wurde den vorhergehenden Büchern immerhin noch gewisses Interesse seitens der Presse zuteil, so blieb Salingers letzte Geschichte größtenteils unbeachtet. Aufsehen erregte Hapworth 16, 1924 lediglich durch die Querelen um eine Veröffentlichung des Werkes in Buchform, wovon zuweilen immer wieder die Rede war, die letztlich aber von Salinger gestoppt wurde.[9]

Laut Kenneth Slawenski (München 2012) und WDR3 (13. Dezember 2012) soll es noch viele Romanmanuskripte von Salinger geben, die bisher noch nicht veröffentlicht sind.

J. D. Salinger starb im Alter von 91 Jahren eines natürlichen Todes.[10]

Werk[Bearbeiten]

Sein bekanntestes Werk Der Fänger im Roggen (The Catcher in the Rye, 1951) verhalf Salinger zu Weltruhm. In diesem Roman beschreibt der 16-jährige Protagonist Holden Caulfield seine Erlebnisse in New York City, nachdem er aus dem Internat geworfen wurde. Holden sträubt sich einerseits gegen die Erwartungen der Erwachsenenwelt, andererseits fühlt er sich von den Erwachsenen nicht für voll genommen.

Der auffällige Sprachduktus (Idiolekt) des Ich-Erzählers führte neben Begeisterung auch zu Kritik. Das Buch wurde in einigen angelsächsischen Ländern zunächst sogar verboten – es enthält in der Originalausgabe 255-mal den Ausdruck goddamn sowie 44-mal das vulgäre fuck. Die erste Übersetzung von Catcher in the Rye ins Deutsche, erstellt von Irene Muehlon, erschien 1954 im Diana-Verlag Zürich unter dem Titel Der Mann im Roggen. Übersetzungen von Salingers Texten ins Deutsche wurden unter anderem auch durch den späteren Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll und dessen Frau Annemarie Böll erstellt. Im Jahre 2003 erschien eine neue Übersetzung von Eike Schönfeld.

Obwohl Salinger nur einen Roman, mehrere längere Erzählungen und 35 Kurzgeschichten veröffentlicht hat, gilt er bis heute als einer der meistgelesenen und -rezensierten amerikanischen Autoren der Nachkriegszeit. Sein literarischer Mythos geht so weit, dass Kritiker ein ganzes Jahrzehnt der amerikanischen Literaturgeschichte – die Jahre von 1948 bis 1959 – als „Ära Salinger“ bezeichnet haben.

Er hinterließ zahlreiche Arbeiten, die nicht in Buchform (außer auf Japanisch) veröffentlicht wurden, sondern in Zeitschriften. Andere werden in der Bibliothek von Princeton aufbewahrt.

Einflüsse[Bearbeiten]

Der Einfluss Salingers auf Lebensgefühl und literarische und filmische Werke geht weit über die oben angesprochene „Ära Salinger“ hinaus.

Soweit es um den Einfluss auf Salingers Werk geht, werden u. a. Ernest Hemingway[11] oder vor allem auch Mark Twain[12] genannt; für die Zurückgezogenheit, in der Salinger sein Leben verbrachte, wird gelegentlich Salingers Nähe zum Buddhismus[13] verantwortlich gemacht. Ganz sicher aber kannte Salinger die eremitenhaften Traditionen des russischen Mönchstums, wie sie in der Imjaslavie (Verehrung des Namens Gottes) Bewegung und in dem Hesychasmus deutlich werden, der die „Stille“ in der Isolierung und die Ekstase in dem ständig wiederholten Jesusgebet sucht. Genau mit diesen Traditionen beschäftigt sich die Heldin seines zweiten großen Erfolgs „Franny und Zooey“, die sie in dem für die russischen orthodoxen Mönchstraditionen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wichtigen Buch „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“ kennen lernt.

Salingers Leben als Sujet in Film und Literatur[Bearbeiten]

Salingers Lebensgeschichte selbst diente als Sujet in dem Film Forrester – Gefunden!, in dem Sean Connery einen zurückgezogen lebenden Erfolgsautor darstellt. Deutliche Parallelen gibt es auch zu dem Schriftsteller Florious Fenix in Ein Liebhaber ungerader Zahlen von Herbert Rosendorfer. Darüber hinaus diente er als Quasi-Vorlage zur Figur des Terence Mann, dargestellt von James Earl Jones, in Feld der Träume mit Kevin Costner.

Am 6. September 2013 wurde der von Shane Salerno inszenierte Dokumentarfilm Salinger in den Vereinigten Staaten veröffentlicht.

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Alexander: Salinger. A biography. Renaissance Books, Los Angeles 1999, ISBN 1-58063-080-4.
  • Eberhard Alsen: A readers guide to J. D. Salinger. Greenwood Press, Westport, Conn. 2002, ISBN 0-313-31078-5.
  • Peter Freese: Jerome David Salinger. In: ders.: Die amerikanische Kurzgeschichte nach 1945 · Salinger · Malamud · Baldwin · Purdy · Barth. Athenäum Verlag Frankfurt a. M. 1974, ISBN 3-7610-1816-9, S. 97-179.
  • Peter Freese : J. D. Salingers Nine Stories: Eine Deutung der frühen Glassgeschichten. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag Neumünster 1968, S. 242-283.
  • Ian Hamilton: Auf der Suche nach J. D. Salinger („In search of J. D. Salinger“). Limes-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-8090-2275-6.
  • Margaret A. Salinger: Dream Catcher. A memoir. Washington Square Press, New York 2000, ISBN 0-671-04282-3.
  • Joyce Maynard: Tanzstunden. Mein Jahr mit Salinger, Piper, München 2002, ISBN 3-492-04129-9.
  • Kenneth Slawenski: J. D. Salinger : a life raised high, Hebden Bridge : Pomona, 2010, ISBN 978-1-9045902-3-1.
    auch: Das verborgene Leben des J. D. Salinger (übersetzt von Yamin von Rauch), Rogner & Bernhard, 2012, ISBN 978-3954030064.
  • Sarah Graham: J.D. Salinger's The Catcher in the Rye. London; New York: Routledge, 2007.
  • Margaret Dumais Svogun: Salinger's the Catcher in the Rye. Explicator 61.2 (2003): 110-112.
  • J.P. Steed, ed.: The Catcher in the Rye: New Essays. New York: Lang, 2002.
  • Pamela Hunt Steinle: In Cold Fear: The Catcher in the Rye Censorship Controversies and Postwar American Character. Columbus: Ohio State UP, 2000.
  • Kenneth Slawenski: Das verborgene Leben des J. D. Salinger, Verlag Rogner & Bernhard, München 2012, ISBN 978-3-95403-006-4.
  • Shane Salerno, David Shields: Salinger, London [u.a.] : Simon & Schuster, 2013, ISBN 978-1-47113-038-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: J. D. Salinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tagesschau.de: "J. D. Salinger gestorben" (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  2. Weltschmerz im Getreidefeld (Version vom 18. April 2005 im Internet Archive) in: Wiener Zeitung vom 13. Juli 2001
  3. Die Legende lebt, die Etiketten kleben Literaturkritik.de, Nr. 6, Juni 1999
  4. Salinger v. Random House, U.S.Court of Appeals 2nd Circuit, No 86-7957, 29. Januar 1987
  5. Faz.net: "Gunzenhausens heimlicher Held"
  6. RIP J.D. Salinger – Nachruf auf J.D. Salinger auf avclub.com
  7. Vgl. zu diesem Abschnitt TIME, February 15, 2010, p. 48.
  8. Vgl. hierzu TIME, February 15, 2010, p. 48.
  9. Play It in the Closet: the Return Farewell of J.D. Salinger
  10. Faz.net: "Den Kindern und Narren gehört das Himmelreich"
  11. Die Zeichenfolge „Salinger and Hemingway“ liefert 14 000 Treffer im Internet
  12. Die Zeichenfolge „Salinger and Mark Twain“ liefert 85 000 Treffer im Internet, Salinger +„Mark Twain“ liefert 1,4 Millionen Treffer
  13. Die Zeichenfolger „Salinger and Buddhism“ liefert 660 000 Treffer