Jaël

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Dieser Artikel behandelt die biblische Person Jaël, Jaël ist auch das Pseudonym der Sängerin Jaël Malli.

Jaël oder Yael (יָעֵל) ist eine biblische Gestalt.

Biblische Gestalt[Bearbeiten]

Jaël und Sisara (1620) von Artemisia Gentileschi

Die biblische Erzählung im Buch der Richter berichtet von Jaël, der Frau des Keniters Heber (Ri 4,11 EU): Sie tötete laut Ri 4,17-24 EU einen Feind des Volkes Israel, den kanaanitischen Feldherren Sisera aus Hazor. Er hatte sich nach einer verlorenen Schlacht gegen den Israeliten Barak und die Richterin Debora in das Zelt Hebers geflüchtet. Dort deckte Jaël ihn mit einem Teppich zu (vorgeblich um ihn zu verstecken), und trieb ihm dann mit einem Schmiedehammer einen Zeltpflock durch die Schläfe.

Die Prophetin Debora hatte die Tat vorhergesagt,[1] und sie rühmt Jaël im Deborahlied. Es gilt als eine der ältesten erhaltenen Dichtungen im Alten Testament. In dem Lied wird Jaël als Heldin für das Volk Israel gesehen (Ri 5,24-31 EU). Wie Maria, die Mutter Jesu, bekommt sie ein Magnifikat (Lobgesang): „Gepriesen sei Jaël unter den Frauen“ (Vers 24). Durch ihre Tat verschaffte Jaël dem Volk Israel vierzig Jahre Frieden; sie liebte den Herrn Israels und wird mit der aufgehenden Sonne und ihrer Kraft verglichen (Vers 31).

Genau genommen handelte es sich bei der Tat der Jaël jedoch um einen Verrat und einen Bruch des Gastrechts, denn ihr Mann Heber hatte sich mit Jabin, dem kanaanitischen König von Hazor, bereits im Frieden befunden. Hinzu kommt nach Babylonischem Talmud (Horajoth 10b) die Sünde des Ehebruchs. Rabbi Jochanan liest in Ri 5.27 von „sieben Beschlafungen“, was Rabbi Nachman Jaels „gutgemeinte Sünde“ nennt. Bestraft wurde ja nicht der „Frevler“ Sisera, dem nach unverdient glücklicher Sterbestunde seine nicht bewusst erlebte Ermordung ein qualvoll langes Sterben in schmählicher Gefangenschaft ersparte, sondern dem Deborahlied zufolge Israels Feind Jabin, wenn er von „der größten Schande“ erfuhr, von einer Frau besiegt worden zu sein.

Die Gestalt der Jaël erscheint auch in bildlichen Darstellungen der Neun Guten Heldinnen, sie ist in dieser ikonografischen Reihe eine Vertreterin des Judentums. Dies entspricht auch der zitierten Talmudstelle, wo die Lobpreisung „unter (von oder vor) allen Frauen im Zelt sei sie gepriesen“ gedeutet wird, es seien mit „den Frauen im Zelt“ die Erzfrauen Sarah, Rebekka, Rachel und Lea gemeint.

Von 24 Übersetzern merken 18 an, dass Jael eine Keniterin gewesen sei. Dem widerspricht nicht nur die erwähnte Talmudstelle, sondern vor allem Vers Ri5.6, wo die Rede ist von kanaanitischen Wegelageren, die Jael vor ihrer Ehe mit Heber nicht hätte zu fürchten brauchen, wenn sie da schon eine Keniterin gewesen wäre.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jael und Sisera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel Jaël. In: Lexikon zur Bibel. R. Brockhaus, Wuppertal 1998.