Jaan Kaplinski

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Jaan Kaplinski auf dem Tallinner Literaturfestival

Jaan Kaplinski (* 22. Januar 1941 in Tartu) ist ein estnischer Schriftsteller, Lyriker, Übersetzer und Philosoph.

Leben[Bearbeiten]

Jaan Kaplinski wurde als Sohn einer estnischen Mutter und eines polnischen Vaters geboren. Beide Eltern waren Philologen. Der Vater starb in den Deportationslagern der Sowjetunion, in die er während der Besetzung Estlands deportiert worden war. Jaan Kaplinski studierte zunächst Linguistik an der Universität Tartu. 1966 schloss er sein Studium der Romanistik ab. Danach war er als Soziologe, Übersetzer und Schriftsteller tätig. Bereits früh erwarb sich Kaplinski einen Ruf als einer der wichtigsten Dichter der estnischen Moderne.

Von 1974 bis 1980 war er zuständig für Ökologie im Botanischen Garten von Tallinn.

1983 bis 1988 war er Dozent für internationale Literatur und -übersetzung an der Universität Tartu. Seit 1994 ist er Mitglied der Académie Universelle des Cultures. 1996 bis 1997 führte ihn eine Gastprofessur an der Universität Tampere. 1997 war er Writer in Residence in Wales, im selben Jahr erhielt er den Preis der Baltischen Versammlung. Für seine Lyrik hatte er 1968 den Juhan-Liiv-Preis und 1985 den Juhan-Smuul-Preis erhalten.

Jaan Kaplinski ist heute einer der einflussreichsten Lyriker der estnischen Literatur. Seine oft meditativen Gedichte schöpfen unter anderem aus der östlichen Philosophie und Geisteswelt (Daoismus und Buddhismus). Daneben ist er als Essayist, Literaturkritiker und Philosoph publizistisch tätig. Wiederkehrende Themen des Linksintellektuellen sind der Mensch im Kapitalismus und die Verbrechen des kommunistischen Totalitarismus.

Seit 1965 hat er insgesamt 14 Gedichtsammlungen, fünf Essaysammlungen und einige Prosawerke veröffentlicht. Er schreibt ebenfalls Gedichte in Englisch, Französisch und Võro.

Daneben ist Jaan Kaplinski als Übersetzer aus dem Englischen, Französischen, Spanischen, Schwedischen und Chinesischen aktiv.

Politiker[Bearbeiten]

Mit der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit engagierte sich Jaan Kaplinski auch politisch. Von 1992 bis 1995 war er Mitglied des estnischen Parlaments (Riigikogu). Obwohl er ursprünglich Abgeordneter der Zentrumspartei war, trat er aus Protest gegen autoritäre Führung aus der Partei aus und bildete mit anderen unabhängigen Abgeordneten die Liberalzentristische Fraktion (bis 1995). 2004 schloss er sich der Sozialdemokratischen Partei (Eesti Sotsiaaldemokraatlik Erakond) an, für die er Mitglied im Stadtrat von Tartu war.

Privatleben[Bearbeiten]

Jaan Kaplinski ist in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Tiia Toomet verheiratet und hat eine Tochter sowie vier Söhne.

Werke[Bearbeiten]

Insgesamt 40 Bücher, davon 14 Lyrikbände, 6 Essaybände, philosophisch orientierte Reisebücher, 3 Stücke und 4 Kinderbücher.

  • Teekond Ayia Triadasse (1993)
  • Jää ja Titanic (1995)
  • Mitu suve ja kevadet (1995)
  • See ja teine (1996)
  • Öölinnud. Öömõtted (1998)
  • Kevad kahel rannikul ehk tundeline teekond Ameerikasse (2000)
  • Ööd valged ja mustad. Kirjavahetus aastast 2001 (2003)
  • Isale (2003)
  • Silm. Hektor (2005)
  • Kaks päikest. Teistmoodi muinaslood (2005)

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Lyrikauswahlen in estonia Zeitschrift für estnische Literatur (4/1988, 2/94, 1/99, 2/2002)
  • in: Das Leben ist noch neu - Anthologie. Karlsruhe 1992

Weblinks[Bearbeiten]