Jack Austin Warner

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Austin „Jack“ Warner (* 26. Januar 1943) ist ein Geschäftsmann und Politiker aus Trinidad und Tobago. Er war außerdem bis 2011 FIFA-Vize-Präsident, CONCACAF-Präsident und Präsident der Caribbean Football Union. Warner ist seit 2012 Minister für Nationale Sicherheit und Mitglied des Parlamentes.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Warner wurde in Rio Claro geboren, der größten Stadt im Süd-Osten von Trinidad. Er ist zusammen mit drei Brüdern und drei Schwester aufgewachsen. Seine Mutter war alleinerziehend.[1] Nachdem er ein Stipendium von dem Unternehmen Trinidad Clay Products erhalten hatte, besuchte er das College of St Phillip’s and St James in Chaguanas, welches 1958 in Presentation College umbenannt wurde. Anschließend besuchte er das Teachers Training College und machte einen BA-Abschluss an der University of the West Indies, wo er auch ein Diplom in dem Fach „Internationale Beziehungen“ erhielt.[2]

1971 wurde Warner Lehrer an dem North Eastern College und arbeitete bis 1973 zeitweise als Dozent an der University of the West Indies. Von 1972 bis 1993 war er Dozent an dem Polytechnic Institute.[3]

Karriere als Fußball-Funktionär[Bearbeiten]

1966 wurde Warner General Secretary of the Central Football Association und von 1971 bis 1973 General Secretary of the Central St. George Football Association.[3]

Ab 1973 arbeitete er ehrenamtlich als Sekretär bei der Trinidad and Tobago Football Federation. 1990 wurde er zum Präsidenten der Caribbean Football Union ernannt, dadurch gab er seinen Posten bei der TTFF auf, blieb aber weiterhin dem Verband als Berater erhalten.[1]

1983 wurde Warner Vize-Präsident des Fußball-Kontinentalverbandes CONCACAF und damit Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees.[3] 1990 wurde er zum Präsidenten der CONCACAF gewählt. Warner und der neue CONCACAF Generalsekretär Chuck Blazer schafften es innerhalb von ein paar Jahren den Jahresumsatz des Verbandes von 140.000 US-Dollar auf über 40 Millionen US-Dollar zu erhöhen.[4] 1997 wurde Warner zum FIFA-Vizepräsidenten ernannt.[3]

1996 gründete er den Fußballklub Joe Public FC, dessen Vorsitz er bis heute innehat. Außerdem war er an der Entstehung der TT Pro League, der höchsten Spielklasse in Trinidad und Tobago, beteiligt.

1998 kaufte Warner das Scarlet Ibis Hotel in Saint Augustine für 6 Millionen C$.[5] Dieses wurde renoviert und unter dem Namen Emerald Apartments and Plaza wiedereröffnet. Warners Sohn Daryl übernahm die Leitung des Hotels. Auch das Kantac Plaza[5] in Arouca gehört Jake Warner. Die Verwaltungsgebäude der TTFF und CONCACAF in Trinidad und Tobago gehören auch Warner. Des Weiteren ist er an Investitionen in Costa Rica und den USA beteiligt.

Ende Mai 2011 musste sich Warner und Mohamed bin Hammam wegen Bestechungsvorwürfen vor der Ethik-Kommission des Weltverbandes verantworten. Er stand im Verdacht, den Ethik-Code der FIFA verletzt zu haben. Er wurde zusammen mit bin Hammam vorläufig suspendiert. Sie sollen gegen den Ethikcode der FIFA verstoßen haben, indem sie beim Treffen der Karibischen Fußball-Union versucht haben sollen, für die Wahl bin Hammams zum FIFA-Präsidenten Stimmen zu kaufen. Im Juni 2011 ist FIFA-Funktionär Jack Warner von seinem Ämtern im Weltverband zurückgetreten.

Kontroversen[Bearbeiten]

Schwarzmarkt-Ticketverkäufe[Bearbeiten]

Warner wurde von der BBC-Sendung Panorama beschuldigt, wiederholt seine Position beim Fußballverband zu seinem eigenen finanziellen Vorteil genutzt zu haben. Ernst & Young schätzen, dass er und seine Familie wenigstens 1 Million US-Dollar Profit aus dem Wiederverkauf von Tickets für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gemacht haben, welche Warner geordert hat.[6]

Anfrage auf persönliche Zahlungen[Bearbeiten]

Nach dem Freundschaftsspiel am 30. Mai 2004 zwischen Trinidad und Tobago und Schottland in Easter Road, Edinburgh, bat Warner den SFA-Präsidenten John McBeth, den Scheck für die anteiligen Einnahmen aus dem Spiel auf ihn persönlich auszustellen anstatt auf den Fußballverband von Trinidad und Tobago. McBeth verweigerte die Ausstellung des Schecks. Warner versuchte daraufhin, bei mehreren anderen Mitgliedern des SFA Geld für das Spiel zu bekommen.[7]

Boni für die WM 2006[Bearbeiten]

Bevor die FIFA WM 2006 stattgefunden hatte, war Warner als Berater für den Fußballverband von Trinidad und Tobago tätig. Im Zuge seiner Tätigkeit für den Verband handelte er eine Vereinbarung zwischen dem Fußballverband und den Spielern von Trinidad und Tobago aus, um die Einnahmen zu teilen. Nachdem die WM 2006 abgeschlossen war, gab der Verband an, dass er 18,25 Mio. TT$ Einnahmen zu verzeichnen hatte, bei Kosten von 17,9 Mio. TT$, und bot jedem Spieler einen Anteil der Einnahmen von 5.644,08 TT$ an. Die Spieler lehnten das Angebot aufgrund der zweifelhaften Zahlen des Verbandes ab, woraufhin Warner die Spieler als „gierig“ bezeichnete.[8] Shaka Hislop, der Übergangspräsident der Spielervereinigung von Trinidad und Tobago, antwortete Warner in einem Brief, dass dieser „stark beeinflusst“ sei und eine vorgefertigte Meinung zu der Sache hätte.

Die Regierung von Trinidad und Tobago enthüllte später, dass der Verband insgesamt geschätzte Einnahmen von 173 Mio TT$ zu verzeichnen hatte. Der Fußballverband schlug vor, den Disput vor den UK Sports Dispute Resolution Panel vorzutragen, woraufhin die Spieler akzeptierten. Ian Mill QC, welcher den Fall hörte, entschied, dass der Fußballverband von Trinidad und Tobago die Spieler 50 % der Einnahmen der WM- sowie der WM-Vorbereitungsspiele erhalten sollten.[9] Michael Townley, der Anwalt der Spieler, beklagte jedoch, dass die Spieler bis heute keinen einzigen Cent gesehen hätten.[10]

WM-Vergabe an Katar[Bearbeiten]

Im März 2014 wurden Korruptionsvorwürfe gegen Warner in Bezug auf die Vergabe der Fußball WM an Katar veröffentlicht. Der britische Daily Telegraph erklärte, Einsicht in Dokumente zu haben, die belegen, dass Jack Warner und seine Familie wenige Tage nach der Wahl Katars zum WM-Gastgeber 2022 knapp 1,5 Millionen Euro aus Katar von einer Firma des damaligen Fußball-Funktionärs und Vertrauten des Emirs von Katar, Mohamed bin Hammam, erhalten haben. Die Süddeutsche Zeitung vermeldete in diesem Zusammenhang, dass das FBI seit Jahren gegen Warner ermittele und Warners Sohn Daryan bereits seit 2012 an seinem Wohnort in Florida unter Hausarrest stünde. [11]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Im Oktober 2007 wurde Jack Warner von der Partei United National Congress, einer der zwei größten Parteien in Trinidad und Tobago, zum Vorsitzenden ernannt. Er wurde als eine der führenden Persönlichkeiten der Partei für die Landeswahlen 2007 positioniert. Die Partei erhielt nach der Wahl 15 der 41 Sitze im Repräsentantenhaus. Warner wurde darauf Mitglied des Parlaments für Chaguanas West.

2010 wurden erneut Wahlen durchgeführt, da der damalige Premierminister Patrick Manning das Parlament vorzeitig aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen hatte. Der UNC erhielt diesmal, zusammen mit seinem Koalitionspartner COP, 29 der 41 Sitze im Repräsentantenhaus. Warner wurde erneut in Chaguanas West wiedergewählt, zudem mit der höchsten Wahlquote im ganzen Land. Nach der Wahl wurde Warner zum Minister für Arbeit und Verkehr ernannt. Im Jahre 2012 wechselte er in das Amt als Minister für Nationale Sicherheit.

Im April 2013 trat Warner als Minister für Nationale Sicherheit zurück. Es kam zum Bruch mit der UNC. Warner legte seinen Parlamentssitz nieder, verließ die UNC und gründete eine neue Partei, die Independent Liberal Party (ILP). Warner bewarb sich bei den nötig gewordenen Nachwahlen im Wahlkreis Chaguanas West am 29. Juli 20013 erneut erfolgreich um einen Sitz im Parlament - diesmal unter dem Banner der ILP.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Biography. Jack Warner. Abgerufen am 5. Dezember 2010.
  2. Jack Warner
  3. a b c d Profile. Jack Warner. Abgerufen am 5. Dezember 2010.
  4. James Elected 2nd VP Jamaica Gleaner, 2. Mai 1990
  5. a b "The House that Jack Built", Business Guardian, Port of Spain, 13. Januar 2000.
  6. Andrew Jennings: The Beautiful Bung: Corruption and the World Cup; Panorama-Sendung vom 6. Juni 2011.
  7. Fifa and Coe; Panorama-Sendung vom 22. Oktober 2007.
  8. Michael Herborn: Trinidad and Tobago Football Federation said to understate World Cup earnings by USD 25 million; Artikel auf playthegame.org vom 24. September 2007.
  9. Trinidad Express Newspaper: Hislop relieved over SDRP judgment
  10. Trinidad Express Newspaper: “Let’s start with $44m”
  11. http://www.caribean.de/tobago-blog/?p=574
  12. http://www.caribbeanelections.com/blog/?p=2452