Jack Daniel’s

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Dieser Artikel behandelt den Whiskey Jack Daniel’s, zum Universitätsprofessor und Leichtathletiktrainer Jack Daniels siehe Jack Daniels (Trainer)
Jack Daniel’s Old No.7 in der in Kanada verkauften Sondergröße mit 1,14 Liter

Jack Daniel’s ist der Markenname eines Tennessee-Whiskeys aus der Kleinstadt Lynchburg in Tennessee, USA. Die Marke gehört dem Brown-Forman-Konzern. Mit einer Produktion von etwa 90 Millionen Litern im Jahr[1] ist Jack Daniel’s die bestverkaufte amerikanische Whiskeymarke weltweit, und kämpft mit der schottischen Whiskymarke Johnnie Walker um den Titel des bestverkauften Whiskeys aus allen Ländern.

Geschichte[Bearbeiten]

Herstellung von Holzkohle in den 1930ern

Jasper Newton „Jack“ Daniel wurde um 1846 in eine Großfamilie geboren. Im Alter von 14 kaufte er seine erste Brennblase von Dan Call, einem ortsansässigen Priester und Whiskeybrenner. Den ersten selbsthergestellten Whiskey verkaufte Daniel in der Nachbarschaft. 1866 erwarb er Land bei Lynchburg in Tennessee und errichtete dort seine erste Destillerie.[2] 1866 wurde das Unternehmen „Jack Daniel’s“ als erste Destillerie in das Handelsregister eines US-Bundesstaates aufgenommen.

Daniel begann sich selbst zu vermarkten; er kleidete und benahm sich wie ein Gentleman aus den Südstaaten im frühen 19. Jahrhundert. Der ungewöhnlich kleine und schmale Daniel trug einen weiten weißen Strohhut, wie er für Südstaaten-Plantagenbesitzer üblich gewesen war, einen Gehrock, bunte Westen, einen Bolotie und einen sorgfältig gepflegten Ziegenbart. Das Outfit war schon im späten 19. Jahrhundert aus der Zeit gefallen und deshalb um so erfolgreicher in der Werbung. Der so porträtierte Jack Daniel ist bis heute ein wichtiges Marketinginstrument für den Konzern.[3]

1880 stieg Daniels Neffe Lem Motlow in die Brennerei ein, der schon bald das Unternehmen mit führte.[3] 1907 übergab Daniel das Unternehmen wegen seines schlechten Gesundheitszustands an seinen Neffen und seinen Cousin Dick Daniel, da er selbst keine Kinder hatte. Daniel starb 1911 an den Folgen einer Blutvergiftung. Lem Motlow kaufte Dicks Anteil und vererbte das Unternehmen an seine Söhne Reagor, Robert, Daniel und Clifford.[4]

Jack Daniel's filterte seinen Whiskey schon früh durch Holzkohle. Das Verfahren ist seit der Antike bekannt, um Flüssigkeiten von Unreinheiten zu befreien; der erste der dies vermutlich für die Whiskey-Herstellung anwandte, war der Jack-Daniel's-Angestellte Alfred Eaton. Das Verfahren war in den Frühzeiten der Whiskey-Herstellung weit verbreitet, wird heute in großem Maßstab jedoch nur noch von Jack Daniel's und George Dickel angewendet.[5] Ursprünglich wurde Jack Daniel's, wie anderer Bourbon Whiskey auch, in Fässern oder Tonkrügen mit Korkverschlüssen verkauft. 1870 wechselte die Destillerie auf Flaschen, das typische Design mit quadratischen Flaschen entstand 1895.[6]

1904 nahm das Unternehmen an der Weltausstellung 1904 in St. Louis teil und gewann dort eine Goldmedaille; ein Erfolg, den das Unternehmen 1905 in Brüssel wiederholen konnte, was zum Popularitätsschub der Marke beitrug.[6] 1910 führte Tennessee die Prohibition ein. Die Destillerie zog nach St. Louis in Alabama, bevor sie 1920 wegen der US-weit eingeführten Prohibition den Betrieb ganz einstellte. Da der Bundesstaat Tennessee deutlich länger an der Prohibition festhielt als die meisten anderen Staaten, nahm Jack Daniel's erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Produktion wieder auf.[6]

Im Gegensatz zu den meisten Whiskeymarken und Destillerien, die seit dem 19. Jahrhundert oft den Besitzer wechselten, wurde Jack Daniel's nur ein einziges Mal verkauft. Die Großneffen von Jack Daniel, die Motlow-Brüder, verkauften das Unternehmen 1956 an den Konzern Brown-Forman.[4] Im Jahr 2011 verkaufte die Marke 10,6 Millionen Kästen.[7] Die Motlows leiteten das Unternehmen aber weiter, und Reagor Motlow bekam einen Platz im Aufsichtsrat von Brown-Forman.[3]

Herstellung[Bearbeiten]

Destilleriegebäude
Eines von 67 Lagerhäusern
In einem Lagerhaus

Jack Daniel errichtete seine Destillerie an diesem Platz, weil das Wasser der hier entspringenden Kalksteinquelle − wie das Wasser in großen Teilen Kentuckys und Tennessees − gut für die Herstellung von Whiskey beschaffen ist; unter anderem ist es eisenfrei. Grundsätzlich wird Jack Daniel's dabei wie die anderen Bourbon Whiskeys auch hergestellt. Die Maische aus der Jack Daniel's hergestellt wird, hat einen Maisanteil von 80%, was für einen Bourbon ein sehr hoher Anteil ist. Der Rest besteht aus 12% Roggen und 8% Gerste.[1] Brown-Forman nutzt für die Herstellung von Jack Daniel's wie die meisten anderen Bourbon-Destillerien auch "saure Maische", das heißt, jedem neuen Gärvorgäng bei dem die Maische zum sogenannten "Distiller's Beer" vergoren wird, wird Maische aus dem letzten hinzugefügt. Die darin enthaltenen Milchsäurebakterien sorgen für einen niedrigen ph-Wert in der Maische, was das Wachstum von Bakterien verhindert und der Hefe gute Lebensbedingungen bietet.[7]

Eine Besonderheit an Tennessee Whiskeys ist die Benutzung des Lincoln County Processes − einer Filterung durch Holzkohle. Nach Angaben von Jack Daniel's sorgt diese für den typischen Geschmack und die Milde. Bei diesem Filterverfahren sickert der Whiskey ungefähr zwölf Tage lang tropfenweise durch eine etwa drei Meter dicke Schicht aus Holzkohle, die auf dem Gelände der Destillerie aus Zucker-Ahorn hergestellt wird.

Die Effekte die der Lincoln County Process erzeugt, ähneln denen, die auch bei der Lagerung im Holzfass entstehen. Im Fass benötigt es allerdings länger um dies zu erreichen[8]: Durch diese Filterung werden dem Whiskey die unerwünschten Fettanteile entzogen, die bei jeder Herstellung von Branntwein entstehen, grobe Aromabestandteile werden ausgefiltert und der Whiskey nimmt Aromen aus der Holzkohle auf. Anschließend wird das Getränk in ausgebrannte Weißeichenfässer abgefüllt. Diese Fässer lagern mehrere Stockwerke hoch in speziellen Gebäuden, den sogenannten „Barrel Houses“. Nach frühestens vier Jahren wird der Whiskey in Flaschen abgefüllt. Die Filterung durch Holzkohle wenden auch zwei andere Hersteller von Tennessee Whiskey an, George Dickel und Collier and McKeel, seit 2013 ist sie vor allem auf Betreiben des Jack-Daniel's-Mutterkonzerns Brown-Forman auch gesetzlich vorgeschrieben, um einen Tennessee Whiskey herzustellen. Mehrere andere Hersteller von Bourbon filtern ebenso durch Holzkohle. Meist geschieht dies aber nach der Reifung und nicht wie bei Jack Daniel's davor, während Jack Daniel's einmal durch eine drei Meter breite Schicht Holzkohle läuft, nutzen die meisten anderen Hersteller eine dünnere Schicht, durch die der Whiskey mehrfach läuft.[9]

Anlagen[Bearbeiten]

Das im Jahr 2000 fertig gestellte aktuelle Besucherzentrum

Die Destillerie befindet sich an ihrem Ursprungsort in Lynchburg, Tennessee. Dort ist seit den 1970ern auch ein Besucherzentrum mit angeschlossenem Seminar- und Tagungszentrum vorhanden. Der Besuch ist kostenlos, aber da im Moore County der Verkauf von Alkohol untersagt ist, verkauft Jack Daniel's dort keinen Whiskey. Der Konzern sieht das Zentrum vor allem als Werbung für die Marke. Brown-Forman investiert dabei große Summen, um das Besucherzentrum attraktiv zu halten. Im Jahr kommen mehr als 250.000 Menschen dorthin.[6] Der größte Teil der 67 Lagerhäuser, in der etwa 190 Millionen Liter Whiskey reifen,[1] liegt allerdings abseits der Besucherströme mehrere Kilometer entfernt.

Bourbon[Bearbeiten]

Tennessee Whiskey ist eine Variante des Bourbon Whiskeys und könnte als solcher verkauft werden. Das Unternehmen vermarktet das Produkt jedoch als Tennessee-Whiskey und vermeidet die Bezeichnung Bourbon.[10] Die Begriffe Bourbon und Tennessee-Whiskey schließen sich jedoch nicht aus; Jack Daniel’s erfüllt alle lebensmittelrechtlichen Kriterien der Definition von Bourbon (zum Beispiel: hergestellt in den USA aus einer Maismaische) und kann daher als Bourbon bezeichnet werden.[11]

Sorten[Bearbeiten]

  • Am bekanntesten ist der sogenannte Black Label (Jack Daniel’s Old No.7). Der Alkoholgehalt der in Deutschland vertriebenen Flaschen wurde von 43 % seit Ende der 1990er Jahre auf inzwischen 40 % reduziert. In Kanada wurde auch eine Sondergröße mit 1,14 l vertrieben.
  • Beim Single Barrel wählt der Master Distiller spezielle Whiskeyfässer aus. Der Inhalt wird unvermischt in Flaschen abgefüllt. Jede Flasche ist handsigniert und mit der Nummer des Fasses versehen, aus dem sie abgefüllt worden ist. Der Alkoholgehalt beträgt 45 %. Abfüllungen für den US-Markt haben einen Alkoholgehalt von 47 %. Jack Daniel's führte Single Barrel Whiskey 1997 ein und reagierte damit auf den Trend zu hochpreisigen limitierten Whiskeysorten.[1]
  • Gentleman Jack ist ein Whiskey, der zweimal durch die Holzkohle gefiltert wird – einmal vor dem Reifen im Fass und noch einmal danach. Er hat einen Alkoholgehalt von 40 %.
  • Green Label ist ein 4-jähriger Whiskey mit 40 % Alkoholgehalt, dessen Fässer im Freien gelagert worden sind. Durch diese Lagerung atmet das Holz der Fässer anders als bei einer Lagerung im Barrel House. Über Jahrzehnte war Green Label neben dem Black Label das einzige Produkt von Jack Daniel’s.[2]
  • Der Jack Daniels Master Distiller No.1 ist eine limitierte Sonderabfüllung, die zu Ehren der sieben Master Distiller der Firmengeschichte auf den Markt gebracht wurde. Es ist die erste Edition aus einer limitierten Serie, die insgesamt sieben Flaschen umfasst. Die 1,0-l-Flasche wird in einer schwarzen Kartonverpackung verkauft. Der Alkoholgehalt beträgt 43%.
  • Tennessee Honey ist ein Likör, der durch eine Mischung aus Whiskey und einem Honiglikör entsteht. Er wird seit 2011 in den USA und seit Mai 2013 in Deutschland vertrieben.[12] Er hat einen Alkoholgehalt von 35 %.

Marketing[Bearbeiten]

Die grundlegende Marketingstragie von Jack Daniel's besteht seit 1956 und hat dazu beigetragen, die Marke von einer Whiskeymarke unter vielen zum bestverkauften amerikanischen Whiskey zu machen: das Grundmotiv der Strategie liegt in einer Betonung der Herkunft aus einer Kleinstadt der amerikanischen Südstaaten.[13] Die Herausforderung für das Marketing liegt dabei darin, klein, nachbarschaftlich und zugänglich zu wirken, während sie gleichzeitig für die größte Bourbonmarke weltweit werben.[4] Konsumenten sollen an eine Marke denken, in der ehrliche Menschen mit Ruhe, Stolz und Sorgfalt an der Herstellung des Whiskeys arbeiten. Die Werbung versucht nicht direkt zu verkaufen, sondern baut auf Bilder der Tradition und aus der Geschichte von Jack Daniel's und versucht ein Image aufzubauen. Die Grundmotive der Werbestrategie sind dabei seit über 50 Jahren unverändert.[13] Eine besondere Rolle spielen dabei Lynchburg, der Heimatort Jack Daniels, das in der Werbung als archetypische amerikanischen Kleinstadt porträtiert wird, und eine starke Betonung der Gründerpersönlichkeit Jack Daniel.[4]

Rezeption[Bearbeiten]

Jack Daniel's ist weltweit der bestverkaufte amerikanische Whiskey und hat über die Jahrzehnte eine breite öffentliche Rezeption gefunden. Beispielsweise wurde Frank Sinatra mit einer Flasche Jack Daniel's begraben, eine Hauptfigur in der erfolgreichen Zeichentrickserie Family Guy trinkt Jack Daniel's, das Cover der kollektiven Autobiographie der Rockband Mötley Crüe schmückt eine Flasche, die als Abwandlung der Jack-Daniel's-Flasche zu erkennen ist, und die Popsängerin Kesha sagt, dass sie sich mit Jack Daniel's die Zähne putze.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jack Daniel’s – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Whisky Nations, Dorling Kindersley Ltd, 2008 ISBN 1405336242 S. 194
  2. a b C. K. Cowdery: Bourbon, Straight – The Uncut and Unfiltered Story of American Whiskey. Made and Bottled in Kentucky, Chicago, Illinois 2004, ISBN 0-9758703-0-0 S. 119
  3. a b c C. K. Cowdery: Bourbon, Straight – The Uncut and Unfiltered Story of American Whiskey. Made and Bottled in Kentucky, Chicago, Illinois 2004, ISBN 0-9758703-0-0 S. 120
  4. a b c d C. K. Cowdery: Bourbon, Straight – The Uncut and Unfiltered Story of American Whiskey. Made and Bottled in Kentucky, Chicago, Illinois 2004, ISBN 0-9758703-0-0 S. 118
  5. Lew Bryson: Tasting Whiskey: An Insider's Guide to the Unique Pleasures of the World's Finest Spirits Storey Publishing, 2014 ISBN 1612123023 S. 154
  6. a b c d Marcello M. Mariani, Rodolfo Baggio, Dimitrios Buhalis, Christian Longhi: Tourism Management, Marketing, and Development: Volume I: The Importance of Networks and ICTs Palgrave Macmillan, 2014 ISBN 1137354356 S. 242
  7. a b c Jack Daniel's in: Heather Greene: Whiskey Distilled: A Populist Guide to the Water of Life Penguin, 2014 ISBN 0698169859
  8. C. K. Cowdery: Bourbon, Straight – The Uncut and Unfiltered Story of American Whiskey. Made and Bottled in Kentucky, Chicago, Illinois 2004, ISBN 0-9758703-0-0 S. 117
  9. Michael R. Veach: Kentucky Bourbon Whiskey: An American Heritage University Press of Kentucky, 2013, ISBN 978-0-8131-4165-7.
  10. http://www2.jackdaniels.com/faq.aspx
  11. http://chuckcowdery.blogspot.de/2009/02/tennessee-whiskey-versus-bourbon.html
  12. News: Im Mai startet Brown-Forman Deutschland den deutschlandweiten Vetrieb von Jack Daniel’s Tennessee Honey, Spirituosen Journal, 14. Februar 2013
  13. a b Giep Franzen, Sandra Moriarty: The Science and Art of Branding M.E. Sharpe, 2008 ISBN 0765628643

35.284720269167-86.367774000278Koordinaten: 35° 17′ 5″ N, 86° 22′ 4″ W