Jack Russell Terrier

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Jack Russell Terrier
Jack Russell Terrier
FCI-Standard Nr. 345
  • Gruppe 3: Terrier
  • Sektion 2: Niederläufige Terrier
Ursprung:

Großbritannien

Patronat:

Australien

Alternative Namen:

Russell Terrier (AKC)

Widerristhöhe:

25–30 cm

Gewicht:

5–6 kg

Liste der Haushunde

Der Jack Russell Terrier ist eine von der FCI anerkannte, vorwiegend weiße und niederläufige Hunderasse aus Australien, deren Ursprung in Großbritannien liegt (FCI-Gruppe 3, Sektion 2, Standard Nr. 345).

Nicht FCI-assoziierte Zuchtclubs im AKC und KC führen eigene Zuchtregister, in denen auch die hochläufigen Terrier dieses Typs als Jack Russell Terrier bezeichnet werden (siehe dazu Parson Russell Terrier). In diesem Artikel wird der niederläufige Jack Russell Terrier gemäß FCI-Standard beschrieben.

Herkunft und Geschichtliches[Bearbeiten]

Trump

John (Jack) Russell (1795–1883), Pfarrer und passionierter Jäger, begründete diese Rasse, weil er einen speziellen Schlag von Fox Terriern züchtete. Während seiner Zeit in Oxford erwarb er 1819 seinen ersten Terrier, eine weiße rauhaarige Hündin mit Abzeichen am Kopf.[1] Diese Hündin, genannt „Trump“, wird als Stammmutter der Rasse bezeichnet. Ihr Bild hängt in der Sattelkammer des Schlosses Sandringham und ist das Eigentum der Queen. Trump wird von E. W. L. Davies in seiner Biographie „Memoir of the Reverend John Russell and his Out-Door-Life“ aus dem Jahr 1878 wie folgt beschrieben:[2]

„Zuerst einmal ist ihre Grundfarbe weiß, mit nur einem braunen Fleck über jedem Auge und Ohr und einem Fleck, nicht größer als ein Penny, auf der Schwanzwurzel. Das Fell ist dicht anliegend und eine geringfügige Rauheit schützt ihren Körper vor Nässe und Kälte. Dieses Fell hat aber keinerlei Ähnlichkeit mit dem langen rauhaarigen Fell eines Scotchterriers. Die Beine sind pfeilgerade, die Pfoten perfekt. Die Lenden und die Gestalt des ganzen Rahmens weisen auf Unerschrockenheit und Ausdauer hin, während die Größe und Höhe dem einer ausgewachsenen Füchsin entsprechen.“

E.W.L.Davies: Memoir of the Reverend John Russell and his Out-Door-Life

Um 1850 wurde in Australien der Rotfuchs eingeführt und breitete sich im ganzen Land aus. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Foxterrier aus England importiert und für die Fuchsjagd eingesetzt. Zu dieser Zeit hatten diese Hunde eine Widerristhöhe von 30 bis 33 Zentimeter.[3] Um 1880 kamen auch Hunde nach Australien, die direkte Nachkommen von Terriern des John Russell waren.[4] Da die Füchse in Australien Kaninchenbaue besiedeln, die relativ eng sind, wurden Terrier gebraucht, deren Widerristhöhe höchstens 30 Zentimeter beträgt.[5] Die weitgehende Isolation der Zuchtpopulation in Australien führte zu starker Inzucht auf bewährte jagdliche Linien.[5] Der Jack Russell Terrier Club of Australia wurde 1972 gegründet.[6] Dieser Zuchtclub bemühte sich um eine Anerkennung des niederläufigen Jack Russell Terriers als eigenständige Rasse. 1991 wurde die Rasse dann vom Australian National Kennel Council (Australiens nationaler Hundeverband) anerkannt.[7] Im Jahr 2000 erfolgte auch die Anerkennung der Rasse durch die FCI, 2012 die Anerkennung durch den AKC unter dem Namen Russell Terrier.[8]

Beschreibung[Bearbeiten]

Glatthaarig und weiß-braun
Rauhaarig und Tricolor

Als ideale Widerristhöhe wird im Standard 25 bis 30 Zentimeter angegeben. Ein 25 Zentimeter großer Hund soll um die 5 Kilogramm wiegen und ein 30 Zentimeter großer Hund etwa 6 Kilogramm. Er ist insgesamt länger als hoch. Der Umfang des Brustkorbs unmittelbar hinter den Ellenbogen sollte ungefähr 40 bis 43 Zentimeter betragen. Er ist überwiegend weiß mit Abzeichen in schwarz, braun, lohfarben (engl. tan) oder jegliche Kombination dieser Farben. Das Fell ist glatt-, rau- oder stichelhaarig (engl. broken coated). Die V-förmigen Ohren sind nach unten geklappt. Die Rute darf in der Ruhe herabhängen, sollte in der Bewegung aufrecht getragen werden. Bei Verwendung als Jagdgebrauchshund ist das Kupieren der Rute in Deutschland laut Tierschutzgesetz erlaubt.

Wesen[Bearbeiten]

Der Jack Russell Terrier ist in erster Linie ein Arbeitsterrier, ein Jagdhund. Er ist ein lebhafter, wachsamer, aktiver Terrier mit durchdringendem, intelligentem Ausdruck, kühn und furchtlos, freundlich mit ruhigem Selbstvertrauen.[9]

Zucht[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Jack Russell Terrier, wie er seit mehr als 150 Jahren in England gezüchtet wird, ist zwischen 25 und 38 Zentimeter (10–15 Zoll) groß. Dabei sehen die kleinen Terrier unter 30 Zentimeter exakt so aus wie die größeren mit 38 Zentimeter, nur proportional kleiner – es sind also keine niederläufigen Hunde.[10] Diese große Bandbreite entspringt zum einen regionalen Gegebenheiten (wie Fuchsbaue im Fels oder im lockeren Sand), jagdlichen Unterschieden, aber auch unterschiedlichen Vorlieben der Züchter und Besitzer.[11]

Im Ursprungsland Großbritannien wird der Jack Russell Terrier nach dem FCI-Standard Nr. 345 vom Kennel Club nicht anerkannt.

In den USA muss auf Grund des Namenskonflikts mit dem vom Jack Russell Terrier Club of America (JRTCA) vertretenen, ursprünglichen Standard aus Großbritannien, der Name „Russell Terrier“ für die Hunde verwendet werden, die dem Jack Russell Terrier nach dem FCI-Standard Nr. 345 entsprechen.[12] Hintergründe zu den Meinungsverschiedenheiten um den Rassestandard werden im Artikel Parson Russell Terrier dargestellt.

Gesundheit[Bearbeiten]

Jack Russell Terrier haben eine Prädisposition für die Ataxie und Myelopathie der Terrier. Diese seltene Erbkrankheit entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten und geht mit Bewegungsstörungen und zunehmender Taubheit einher. Darüber hinaus besteht eine Neigung zu einer genetisch bedingten Schwäche des Aufhängeapparates der Augenlinse und damit zu einer Linsenverlagerung, eventuell mit sekundärem Grünen Star. Zum Nachweis dieser Augenerkrankung gibt es einen Gentest.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sheila Atter: Jack Russell Terriers Today. Howell Book House, New York NY 1995, ISBN 0-87605-194-8.
  • Eddie Chapman: Der wahre Jack Russell. Kynos Verlag, Mürlenbach 1995, ISBN 3-924008-99-X.
  • By the Author of „Dartmoor Days“, etc. [i. e.: Edward W. L. Davies]: A Memoir of the Rev. J. Russell, and his Out-Door-Life. R. Bentley & Son, London 1878 (Reprint: Read Books, s. l. 2005, ISBN 1-84664-044-X).
  • Jean Jackson, Frank Jackson: The Making of the Parson Jack Russell Terrier. The Boydell Press, Woodbridge u. a. 1986, ISBN 0-85115-437-9.
  • Mary Strom (Hrsg.): Das große Jack-Russell-Terrier-Buch. Kynos-Verlag, Mürlenbach 2000, ISBN 3-933228-18-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sheila Atter: Jack Russell Terriers Today. 1995, S. 7.
  2. Im engl. Originaltext: “In the first place, the colour is white with just a patch of dark tan over each eye and ear, while a similar dot, not larger than a penny piece, marks the root of the tail. The coat, wich is thick, close, and a trifle wiry, is well calculated to protect the body from wet and cold, but has no affinity with the long, rough jacket of a Scotch terrier. The legs are straight as arrows, the feet perfect; the loins and conformation of the whole frame indicative of hardihood and endurance; while the size and height of the animal may be compared to that of a full-grown vixen fox.” siehe John Russel: A memoir of the Rev. John Russell and his out-of-door life (EN, PDF (18,8MB)) 1902. Abgerufen am 22. Januar 2011.
  3. Mary Strom (Hrsg.): Das große Jack-Russell-Terrier-Buch. 2000, S. 116.
  4. Sheila Atter: Jack Russell Terriers Today. 1995, S. 182.
  5. a b Mary Strom (Hrsg.): Das große Jack-Russell-Terrier-Buch. 2000, S. 117.
  6. Jack Russell Terrier Club of NSW (New South Wales): History and Origin of the Breed.
  7. Sheila Atter: Jack Russell Terriers Today. 1995, S. 184.
  8. Russell Terrier auf der Webseite des AK.C
  9. FCI-Rassestandard.
  10. Breed Standard (Rassestandard) vom Jack Russell Terrier Club Great Britain
  11. Eddie Chapman: Der wahre Jack Russell. 1995, S. 22 f.
  12. Frequently Asked Questions; American Russell Terrier Club.
  13. Andrea Steinmetz: Glaukom - wie erkennen und wie richtig therapieren. In: kompaktvet Nr. 9 (2013), S. 2–3.