Jacob de Witt

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Jacob de Witt, gemalt von Gerrit van Honthorst
Jacob de Witt, gemalt von Nicolaes Maes
Die Leichen der Gebrüder Johan und Cornelis de Witt,
Den Haag, August 1672.
Gemälde von Jan de Baen

Jacob de Witt (* 7. Februar 1589 in Dordrecht; † 10. Januar 1674 ebenda) Heer von Manezee, Melissant und Crostryen, war im Goldenen Zeitalter der Niederlande ein bekannter Stadtregent und Bürgermeister Dordrechts. Jacob de Witt schloss sich der republikanischen Partei Oldenbarnevelts an und gehörte zu jenen einflussreichen Regenten, welche Dordrecht und Amsterdam zu der führenden Stelle in der allmählich wieder sich kräftigenden antistatthalterischen Partei verholfen haben.

Biografie[Bearbeiten]

Jacob de Witt entstammte der angesehenen Patrizierfamilie De Witt, welche in Dordrecht schon seit dem frühen 15. Jahrhundert politischen Einfluss ausübte. Sein Vater war Cornelis Fransz. de Witt, welcher den Grundstein zur Regierungsmacht der Familie im 17. Jahrhundert legen konnte. Verheiratet war er mit Anna van den Corput, welche eine Nichte von Johannes Corputius, einem einflussreichen niederländischen Militärführer und Kartographen war. Weiters hatte er den Ratspensionär Andries de Witt zum Bruder, und war der Vater von Cornelis und Johan de Witt.

Nach einem abgeschlossenen Studium der Rechte auf der Universität Leiden wurde er im Jahre 1618 Schatzmeister der Dordrechter Kirche und ein Mitglied des Magistrats (niederländisch: Vroedschap), sowie in späteren Jahren sechsmal regierender Bürgermeister seiner Heimatstadt. Jacob de Witt war ein staatsgesinnter Politiker, weshalb er politisch auf der Seite von Johan van Oldenbarnevelt stand, und nach dessen Sturz kurzfristig seine Ämter verlor. Sein älterer Bruder Andries de Witt stand auf der Seite der Statthalter aus dem Hause Oranien-Nassau, und wurde nach Oldenbarnevelts Hinrichtung zum Ratspensionär der Staaten von Holland und West-Friesland gewählt.

Jacob de Witt betätigte sich auch außerhalb seiner eigenen Stadt politisch; gemeinsam mit Andries Bicker war er holländischer Gesandter in Schweden, um für die Republik ein Handelsabkommen abzuschließen.

Als Mitglied der holländischen Stände und als Deputierter der niederländischen Generalstaaten war er wie erwähnt ein Gegner der oranischen Statthalter und ihrer angestrebten Macht über die Republik. De Witt befürwortete daher ebenso wie die Gebrüder Andries, Jan und Cornelis Bicker sowie Cornelis und Andries de Graeff den Frieden von Münster, da dieser die Republik auf den Höhepunkt ihrer Macht führte, und zugleich den Statthalter schwächte, da gleichzeitig auf Druck von De Witt und Andries Bicker das Heer reduziert wurde. Die Lage in der Republik spitzte sich nach dem Frieden von 1648 immer mehr zu, so dass es im Jahre 1650 zum versuchten Staatsstreich des Statthalters Wilhelm II. von Oranien kam. Dem Oranier gelang es, sich mit Waffengewalt der mächtigen republikanischen Stadtregenten zu entledigen. Jacob de Witt und sechs weitere Republikaner wurden auf der Festung Loevestein inhaftiert. Da Wilhelm II. aber kurze Zeit später an den Pocken starb und kein weiterer Statthalter mehr benannt wurde, gelangten die Inhaftierten wieder in Freiheit. Nach diesen Vorkommnissen bekleidete De Witt keine hohen Ämter mehr.

Er zog später zu seinem Sohn Johan nach Den Haag. Nach dem Mord an seinen beiden Söhnen im Rampjaar 1672 weilte er mitsamt seinen fünf Enkelkindern – darunter Johan II. de Witt – eine kurze Zeit auf Pieter de Graeffs Schloss Ilpenstein in Sicherheit.[1] Danach ging Jacob de Witt nach Dordrecht zurück, dort verstarb er im Jahre 1674 als Patriarch der Familie De Witt.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. P. Fölting: De landsadvocaten en raadpensionarissen der Staten van Holland en West-Friesland 1480-1795. Een genealogische benadering. Deel III. In: Jaarboek Centraal Bureau Voor Genealogie. Deel 29 (1975 Den Haag; Centraal Bureau Voor Genealogie)
  • C. A. van Sypesteyn: De geslachten De Witt te Dordrecht en te Amsterdam. In: De Nederlandsche heraut. Tijdschrift op het gebied van geslacht-, wapen- en zegelkunde jrg. 3 (1886 's-Gravenhage; C. van Doorn & zoon)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert H. Rowen: John de Witt, Statesman of the True Freedom. Cambridge University Press 1986, Neuauflage 2002, S. 220