Jacob van Artevelde

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Jacob van Artevelde anhören?/i (* um 1290 in Gent; † 17. Juli oder 24. Juli 1345 ebenda) war ein flämischer Patriot.

Jacob van Artevelde: Statue in Gent

Leben[Bearbeiten]

Artevelde war der Sohn des angesehenen, reichen Tuchhändlers Johann van Artevelde. In zweiter Ehe war er mit Katharina de Coster verheiratet. Er war Vater Philipp van Arteveldes, dem Anführer des Genter Aufstandes im Jahre 1382.

Van Artevelde ließ sich nach der Sitte der Zeit bei der mächtigen Bierbrauerzunft zu Gent einschreiben und trat als Vorkämpfer der Freiheit seiner Vaterstadt gegen Graf Ludwig I. von Flandern auf. In den Jahren 1326 und 1327 wird für ihn eine Tätigkeit als Steuereinnehmer der den Webern von Gent auferlegten Abgaben verzeichnet. Am 3. Januar 1338 wählte ihn das größte Kirchspiel Gents zu einem von Hauptmännern (Hooftmannen). Um den Krieg gegen den mit Frankreich verbündeten Grafen Ludwig mit Erfolg zu führen, bewog Artevelde die Genter zum Anschluss an Eduard III. von England. Als dieser seinem Sohn Eduard, Prinz von Wales, die Stelle des vertriebenen Grafen Ludwig übertragen wollte, wurde er dabei von Artevelde unterstützt, dem es gelang, Brügge und Ypern für seinen Plan zu gewinnen. Dadurch war er aber als Vaterlandsverräter in Gent so verhasst geworden, dass sich das Volk gegen ihn erhob und er am 17. oder 24. Juli 1345 unter den Händen der wütenden Menge fiel. Dasselbe Schicksal traf ca. 70 seiner Freunde und Anhänger. Seine Familie hatte sich nach England abgesetzt.

Arteveldes Geschichte ist mehrfach in Dramen (z.B. Otto Roquette) und Romanen (z. B. von Hendrik Conscience) bearbeitet worden. 1863 wurde ihm in Gent ein kolossales Erzstandbild (von Devigne-Guyo) errichtet, das den gewaltigen Demagogen im vollen Waffenschmuck, eine Rede an das Volk haltend, darstellt.

Sein Sohn Philipp van Artevelde trat im Dezember 1381 an die Spitze der Bürgerschaft von Gent, nach dem sich Brügge und Ypern dem Grafen Ludwig von Male wieder unterworfen hatten. Er ließ zwölf der Hauptanstifter des an seinem Vater verübten Mordes hinrichten, verwarf die von dem Grafen bei einer Zusammenkunft mit zwölf Abgeordneten der Bürgerschaft zu Harlebecque (Februar 1382) verabredeten Friedensbedingungen, schlug am 3. Mai den Grafen vor Brügge, eroberte die Stadt und bewirkte, dass fast ganz Flandern sich ihm anschloss. Er fiel in der Schlacht bei Roosebeke gegen die Franzosen am 27. November 1382.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thijm Alberdingk: Artevelde, Jakob van. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 610–612.
  • David Nicholas: Artevelde, Jacob van. In: Nationaal Biografisch Woordenboek. Deel 5. Paleis der Academiën, Brüssel 1972, Sp. 22–36.
  • Walter Zöllner in Biographien zur Weltgeschichte, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989, S.48ff
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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