Jacobs University Bremen

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Jacobs University Bremen
Logo
Gründung 2001
Trägerschaft privat
Ort Bremen
Bundesland Freie Hansestadt Bremen
Staat Deutschland
Präsident Katja Windt
Studenten 1.321 WS 2012/13[1]
Mitarbeiter 476 (Oktober 2012)[2]
davon Professoren 130 (WS 2012/13)[2]
Website www.jacobs-university.de
Campus Center der Jacobs University Bremen

Die Jacobs University Bremen (bis 2007 International University Bremen) ist eine internationale, private, staatlich anerkannte Hochschule in Bremen. Sie bietet Fächer der Ingenieur-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften in mehr als 40 verschiedenen Studienprogrammen an, in denen die Studierenden die internationalen Abschlüsse Bachelor, Master und Ph.D. erwerben können.

Geschichte[Bearbeiten]

Historisches Logo

1999 begann mit Unterstützung der Universität Bremen, der Rice University, Houston, Texas, und der Freien Hansestadt Bremen die Gründung der International University Bremen, die im Herbst 2001 den Studienbetrieb aufnahm. Nach finanziellen Problemen der Universität investierte im November 2006 die Jacobs Foundation 200 Mio. € in die Hochschule und übernahm eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Gesellschafteranteile. Daraufhin gab sich die Universität Anfang 2007 den heutigen Namen Jacobs University Bremen.[3]

Organe[Bearbeiten]

„Träger der Jacobs University Bremen ist eine als gemeinnützig anerkannte GmbH. Sie verfügt satzungsrechtlich über vier Organe: die Councilors (Schirmherren), den Board of Trustees (Gesellschafterversammlung), den Board of Governors (Aufsichtsrat) und den Geschäftsführer, der zugleich auch Präsident der Universität ist.[4]

Christian Jacobs, der älteste Sohn des Unternehmers und Mäzens Klaus J. Jacobs (1936–2008), ist Mitglied von zwei Organen: er ist der Präsident des Board of Trustees (Stiftungsrat)[5] [der Jacobs Foundation] und gleichzeitig Mitglied des Board of Governors (Aufsichtsrat) [der Universität].[6]

Die Hochschule[Bearbeiten]

Die Jacobs University ist eine Campus-Universität. Auf dem ca. 34 Hektar großen Gelände befinden sich Studentenunterkünfte in Form von vier Colleges, Gebäude für Verwaltung, Lehre und Forschung, ein Information Ressource Center (IRC) mit Bibliothek und digitalen Ressourcen, Sport-, Freizeit- und Grünanlagen sowie Apartments für Gastwissenschaftler.[2] Der Campus liegt auf dem Gelände der ehemaligen Roland-Kaserne in Bremen-Grohn. Das Gelände wurde 1938 in der Zeit des Nationalsozialismus errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort unter der Führung der amerikanischen Streitkräfte von der International Refugee Organization ein Flüchtlingslager eingerichtet; später kam die Bundeswehr. 1999 verließ die Bundeswehr das Gelände und machte Platz für die Universität. Die Generalplanung und die Planungen einzelner Gebäude erfolgte durch Böge Lindner Architekten aus Hamburg und die Landschafts- und Grünplanung durch das Büro WES (Wehberg und Partner) aus Hamburg. 2006 wurde die Planung des Centralgebäudes mit dem Bremer BDA-Preis ausgezeichnet.

Am 31. August 2010 fand der erste Spatenstich für einen Science Park nördlich des Campus statt. Das vier Hektar große Gewerbegebiet für technologieintensive Betriebe wird von der Jacobs University gemeinsam mit der holländischen Privatfirma Zernike Group entwickelt.[7] Es steht bis heute leer.

An der Hochschule sind 1.370 Studenten aus 108 Nationen immatrikuliert (Stand: Oktober 2012).[2] Die Zahl der Professoren beträgt 130, die der wissenschaftlichen Mitarbeiter beträgt 264 (Stand: Januar 2013)[2] Die Professoren der Jacobs University sind mit durchschnittlich 43 Jahren merklich jünger als an anderen Universitäten, das bundesweite Mittel liegt bei 52 Jahren.[8] Nach der Gründung der Hochschule im Jahre 1999 gab es 2001 die ersten 101 Studenten aus zirka 50 Ländern. Da die Jacobs University multikulturell ist, versucht man durch Projekte die Kulturen zu fördern und eine Einheit der Studenten zu schaffen. Von den Studenten kommen rund 35 % aus Mittel- und Westeuropa, davon 30 % aus Deutschland, rund 22 % aus Osteuropa, 12 % aus Amerika, 8 % aus Afrika und 22 % aus Asien.

Die Alumni Association der Jacobs University wurde 2004 gegründet. Seitdem ist die Anzahl der Absolventen von 130 auf über 1.500 gestiegen; rund 80 % haben sich der Alumni Association angeschlossen. 2008 wurden mit Gründung der „Jacobs University Bremen Alumni & Friends GmbH“ die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, den Alumni ein konkretes Mitspracherecht an der Universitätsentwicklung einzuräumen. Die GmbH, die zu 99 % der Alumni Association und zu 1 % der Universität gehört, ist einer von drei Gesellschaftern der Jacobs University und besitzt ein Sechstel der Universitätsanteile.[9]

Aufgrund der hinzugekommenen Absolventen der neugegründeten Jacobs University ist Bremen das Bundesland mit dem höchsten Absolventenniveau Deutschlands. Der Anteil der Hochschulabsolventen am entsprechenden Altersjahrgang betrug hier im Jahr 2007 39,89 %. Die Anzahl an Hochschulabsolventen auf Landesebene ist ein oft verwendeter Indikator für den Zustrom an potenziellen Hochqualifizierten in das Innovationssystem.[10]

Seit dem 1. Januar 2013 war Heinz-Otto Peitgen der Präsident der Hochschule.[11] Sein Vorgänger Joachim Treusch hatte das Amt am 1. Juli 2006 von Fritz Schaumann übernommen. Vorsitzende des „Board of Governors“, ist seit 1. Januar 2008 Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. Am 6. November 2013 wurde bekanntgegeben, dass Heinz-Otto Peitgen mit Ablauf des Jahres von seinem Amt zurücktritt. Für seinen Rücktritt soll er 800.000 Euro Abfindung bekommen.[12][13] Am 10. Februar 2014 wurde die bisherige Vizepräsidentin Katja Windt zu seiner Nachfolgerin gewählt.[14]

Neuausrichtung[Bearbeiten]

Im Mai 2014 wurde bekannt, dass die Jacobs University in Bremen-Grohn 65 Stellen streicht.[15] Die Betriebsratsvorsitzende Gabriele Graf verteidigte gegenüber Radio Bremen die Position der Uni-Präsidentin:

„Die Geschäftsführung hat ja nicht irgendwas gebastelt. Da steht ja Sinn und Verstand dahinter.[16]

Forschung und Lehre[Bearbeiten]

Die Forschung ist auf zehn multidisziplinäre Zentren verteilt. Kernbereiche sind

  • Energie und Umwelt
  • Nahrung – Wasser – Gesundheit
  • Bildung – Information – Kommunikation
  • Friedens- und Konfliktmanagement

Das Studium kann mit den akademischen Graden Bachelor of Arts, Bachelor of Science, Master of Arts, Master of Science, Executive Master / Master of Business Administration und Doctor of Philosophy (Ph. D.) abgeschlossen werden. Insgesamt werden 20 Bachelorstudiengänge und 21 postgraduale Studiengänge angeboten.[2] Die Unterrichtssprache ist Englisch. Die Studiengebühren für ein Bachelor-Studium oder Master-Studium betragen rund 20.000 Euro pro Jahr.[2] Ein sechssemestriger Bachelorabschluss kostet damit rund 60.000 €.

Jacobs University bietet auch ein International Foundation Year Program. Foundation Year at Jacobs University

Im CHE-Hochschulranking 2013 erreichte die Jacobs University Spitzenplätze in den Fächern „Psychologie, Geschichte, Elektrotechnik und Biotechnologie“,[17] im Jahr zuvor in den Fächern Biologie, Mathematik, Informatik und Geowissenschaften.[18]

Finanzierung[Bearbeiten]

Die jährlichen Betriebskosten der Hochschule belaufen sich auf 40 Mio. Euro und werden durch unterschiedliche Quellen wie Studiengebühren, Spenden und Drittmittel finanziert. Das Land Bremen schob ab 1999 die Gründung der Anstalt mit 109 Mio. Euro an und bekommt dafür im Insolvenzfall das Gelände mit allen Bauten für 1 Euro.[19] Die Hochschule macht teilweise hohe Verluste und musste eigene Vermögenswerte veräußern.[20][21][22][23][24][25]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jacobs University Bremen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66–113 (abgerufen am 3. November 2013)
  2. a b c d e f g Website der Jacobs University Bremen: [1]. Stand: Oktober 2012
  3. manager magazin: Großsponsor: Jacobs-Stiftung rettet mit 200 Mio. Euro Bremer Privatuni. 1. November 2006
  4. jacobs-university.de: Governance. - vgl. jacobsfoundation.org: Board of Trustees – beide abgerufen am 23. Juni 2014
  5. jacobsfoundation.org - abgerufen am 23. Juni 2014
  6. jacobs-university.de - abgerufen am 23. Juni 2014
  7. Jürgen Theiner: Science Park: Investor hat holländische Firmen im Schlepptau. In: Weser-Kurier vom 1. September 2010, S.19
  8. Jonas Viering: Was bewegt Joachim Treusch? Ein Mann der niemals bettelt. In: DIE ZEIT vom 6. Mai 2010, S.36
  9. ”Privilege and Challenge”, In: Jacobs Magazine, Winter 2010/11, S. 37
  10. Deutsche Bank Research: Innovative Köpfe hat das Land! Vorhang auf… (PDF; 1,4 MB). 16. Juni 2010, S. 16f
  11. New leadership in office at Jacobs University
  12. Hohe private Abfindung für Ex-Präsident Peitgen radiobremen.de
  13. Kommentar:Das ist eine Schande! radiobremen.de
  14. Katja Windt elected President of Jacobs University. 10. Februar 2014
  15. weser-kurier.de: Jacobs-Uni streicht 65 Stellen – abgerufen am 23. Juni 2014
  16. radiobremen.de: Spart sich die Jacobs Uni zu Tode? (11. Juli 2014) – abgerufen am 11. Juli 2014
  17. ZEIT Online: CHE-Hochschulranking kompakt. 7. Mai 2013
  18. ZEIT Online: CHE-Hochschulranking kompakt. 2. Mai 2012
  19. die tageszeitung: Ein ganz privater Fehlschlag. 11. September 2006
  20. Website der International University Bremen: Quick Facts. Stand: Oktober 2004 (Internet Archive)
  21. die tageszeitung: Rückzahlung ungewiss. 14. Oktober 2011
  22. Spiegel Online: Großsponsor: Jacobs-Stiftung rettet Bremer Privatuni mit Rekordspende. 1. November 2006
  23. Pressemitteilung der Jacobs University Bremen: Private Exzellenzinitiative: Jacobs Foundation investiert 200 Millionen Euro an der International University Bremen in die Ausbildung junger Menschen. 1. November 2006
  24. Süddeutsche Zeitung: International University Bremen – Der Uni-Retter. 2. November 2006
  25. NWZ ONLINE: Jacobs University mit Finanzsorgen. 22. Oktober 2012

53.1666666666678.65Koordinaten: 53° 10′ 0″ N, 8° 39′ 0″ O