Jacobus de Voragine

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Jacobus de Voragine (* 1228 oder 1229 in Varazze bei Genua oder in Genua[1]; † 13. Juli oder 14. Juli 1298 in Genua; alternative Namensformen: Jacobus a Voragine, Jacobus de Varagine, Jacobus da Voragine, Iacopo da Varazze, Jakob von Vorago) war Erzbischof und kirchenlateinischer Schriftsteller. Er verfasste die im Spätmittelalter weitverbreitete Sammlung von Heiligenleben Legenda aurea.

Leben[Bearbeiten]

Jacobus trat 1244 in den Dominikanerorden ein. Dies berichtet Jacobus selbst in einer kurzen autobiographischen Anmerkung in seiner Chronik der Stadt Genua (1298). Weitere Anmerkungen betreffen eine Sonnenfinsternis im Jahre 1239 (als er noch ein Kind war, wie er schreibt) und eine Kometensichtung 1264.

Nach einigen alten Biographien soll er in Bologna und Paris studiert haben und schließlich Lector im Dominikanerorden und Magister theologiae (Theologieprofessor) geworden sein. Dies ist ebenso wenig bezeugt wie sein Amt als Prior in Genua und in Asti, doch muss er innerhalb des Ordens bereits eine bedeutende Stellung innegehabt haben, als er 1267 zum Provinzial der Lombardei erhoben wurde, einer Provinz, die zu der Zeit ganz Norditalien umfasste. Er führte das Amt des Provinzials von 1267 bis 1277 und von 1281 bis 1286 aus. Dabei übernahm er zusätzlich von 1283 (Tod des Ordensgenerals Giovanni da Vercelli) bis 1285 (Wahl des neuen Generals Munio von Zamora) die Funktion des Ordensleiters.

Seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt zeigte Jacobus, indem er für den Konvent der Dominikanerschwestern dei Santi Giacomo e Filippo in Genua zwei wertvolle Reliquien sicherte: zum einen den Finger des Apostels Philippus, den er selbst in Venedig von einer dort aufbewahrten Hand abtrennte; zum anderen den Kopf einer der Jungfrauen der heiligen Ursula, den er 1283 von Köln nach Genua überführen ließ.

1288 nahm Jacobus an der Wahl zum Erzbischof von Genua teil. Da aber keiner der Kandidaten die Mehrheit der Stimmen erreichen konnte, wurde die Ernennung aufgeschoben. Im selben Jahr wurde er während des Generalkapitels von Lucca als Diffinitor eingesetzt. Auf dem Ordenskapitel von Ferrara 1290 unterstützte er noch Munio von Zamora, dessen Absetzung von Vertretern der römischen Kurie verlangt und schließlich 1291 durchgesetzt wurde. 1292 wurde Jacobus dann von Papst Nikolaus IV. zum Erzbischof ernannt.

Anfang 1295 setzte er sich für die Schlichtung der Streitigkeiten zwischen den Ghibellinen und Guelfen in Genua ein und erreichte einen Friedensschluss. Im April desselben Jahres reiste er in diplomatischer Mission nach Rom zu Papst Bonifatius VIII., der eine Verlängerung des Waffenstillstandes zwischen Genua und Venedig erreichen wollte. Diese Mission zog sich über 100 Tage hin, ohne zu einem Abschluss zu gelangen, was die Geduld Jacobus’ auf eine Probe stellte. In Genua hielt indes der Friedensschluss zwischen den Guelfen und Ghibellinen nur bis zum Ende des Jahres, als wieder Kämpfe losbrachen, während derer die Kathedrale San Lorenzo angezündet wurde.

Nach seinem Tod wurde seine Leiche zuerst in der Kirche San Domenico des Ordenskonvents in Genua bestattet. Im 18. Jahrhundert wurde sie in die Dominikanerkirche Santa Maria di Castello überführt. Reliquien befinden sich auch in einer Urne in der Kirche San Domenico in Varazze.[2]

Werk[Bearbeiten]

  • Legenda aurea.
Ab 1260 arbeitete Jacobus an dem später Legenda aurea (Goldene Legende) genannten lateinischen Werk, einer Legendensammlung über die Heiligen, die nach dem Jahreskreis geordnet war.
Eine Besonderheit des Textes ist das simple Latein, das ihm den typischen Legendencharakter verleiht. Das Werk kann als Vorbild für spätere Legenden mit ihrem einfachen Erzählstil gelten.
Die Legenda aurea erlebte im Spätmittelalter eine immense Verbreitung und wurde in viele Volkssprachen übersetzt. Es sind über 1000 Handschriften erhalten.
Die lateinische Gesamtausgabe, die Johann Georg Theodor Grässe 1846 herausgab, wurde 1998 durch die von Giovanni Paolo Maggioni abgelöst.
  • Die Chronik der Stadt Genua bis zum Jahre 1297 von Jacobus de Voragine ist eine wertvolle Quelle für die Geschichtsschreibung.
  • Der Liber marialis ist ein Verzeichnis der die Eigenschaften der heiligen Maria darstellt.
  • Drei Predigtsammlungen und einige weitere kleinere Arbeiten.

Gedenktag[Bearbeiten]

Er wurde 1816 von Pius VII. als „Friedensstifter“ seliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 13. Juli.

Werke[Bearbeiten]

  • Legende Sanctorum ( Legenda aurea , Historia Lombardica)
    Legenda aurea
  • Sermones de omnibus sanctis
  • Sermones de omnibus Evangeliis dominicalibus
  • Sermones de omnibus Evangeliis que in singulis feriis in Quadragesima leguntur
  • Liber Marialis
  • Chronica civitatis Ianuensis ab origine urbis usque ad annum MCCXCVII (Chronik der Stadt Genua vom Anfang bis zum Jahr 1297)
  • Legenda seu vita sancti Syri episcopi Ianuensis
  • Historia translationis reliquiarum Sancti Iohannis Baptistae Ianuam
  • Historia reliquiarum que sunt in monasterio sororum SS. Philippi et Iacobi de Ianua
  • Tractatus miraculorum reliquiarum Sancti Florentii. und Historia translationis reliquiarum eiusdem
  • Passio Sancti Cassiani
  • Tractatus de libris a Beato Augustino editis (unsichere Urheberschaft)

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Jacobi a Voragine Legenda Aurea, hrsg. von Johann Georg Theodor Grässe, Dresden und Leipzig 1846. (Digitalisate: MDZ, Internet Archive , Internet Archive )
  • Iacopo da Varazze: Legenda aurea, edizione critica a cura di Giovanni Paolo Maggioni, Florenz 1998.
  • Iacopo da Varagine: Cronaca della città di Genova dalle origini al 1297. Testo latino in appendice, trad. e note critiche di Stefania Bertini Guidetti. Genua 1995.
  • Iacopo da Varazze: Sermones qvadragesimales. Ed. critica a cura di Giovanni Paolo Maggioni. Sismel, Firenze 2005.
  • Jacques de Voragine, La légende dorée, bearb. von Teodor de Wyzewa/Jean-Pierre Lapierre, Paris (2014).
Deutsch
  • Legenda aurea. Richard Benz (Übers.). 2 Bände, Diederichs, Jena 1917–1921.
  • Die Legenda aurea. Richard Benz (Übers.). 15. Auflage, Gütersloh 2007, ISBN 3-579-02560-0 (deutsche Gesamtausgabe).
  • Legenda aurea. Hrsg., neu übers. und mit einem ausführlichen Anh. vers. von Matthias Hackemann, Köln 2008, ISBN 978-3-86647-284-6 (Auswahl).
  • Legenda aurea. Lat./Dt. Rainer Nickel (Übers.). Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-008464-9 (Auswahl von 24 Legenden).

Literatur[Bearbeiten]

  • Jenny C. Bledsoe: Practical Hagiography. James of Voragine’s Sermones and Vita on St Margaret of Antioch, in: Medieval sermon studies 57 (2013), S. 29-48.
  • Carla Casagrande: IACOPO da Varazze. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 62 (Iacobiti–Labriola), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2004 (italienisch).
  • Jacques Le Goff: In search of sacred time. Jacobus de Voragine and The Golden Legend. Princeton 2014.
  • Suzanne Judith Hevelone: Preaching the saints. The Legenda aurea and sermones de sanctis of Jacobus de Voragine, Boston 2010.
  • Kristina Lohrmann: JACOBUS a Voragine, Dominikaner. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1414–1416.
  • Giovanni Paolo Maggioni: Between Hagiography and Preaching. The Holy Cross in the works of James de Voragine, in: Hagiographica 20 (2013), S. 183-218.
  • Giovanni Paolo Maggioni: Iacopo da Voragine tra storia, leggenda e predicazione. L'origine del legno della Croce e la vittoria di Eraclio, in: 1492. Rivista della Fondazione Piero della Francesca, Bd. 4/5 (2010/2011), S. 5-30.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Iacobus de Voragine – Quellen und Volltexte (Latein)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carla Casagrande: La vie et les oeuvres de Jacques de Voragine, o.p.
  2. Carla Casagrande: La vie et les oeuvres de Jacques de Voragine, o.p.; parrocchie.it