Jacques Martin (Comiczeichner)

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Jacques Martin (* 25. September 1921 in Straßburg, Frankreich; † 21. Januar 2010 in Pully, Schweiz) war ein französischer Comiczeichner.

Werdegang[Bearbeiten]

Bereits als Kind entdeckte Jacques Martin seine Vorliebe für Bilder und Geschichten. Nach der Schule studierte er zunächst an der Arts et Métiers, wo er eine technische Ausbildung erhielt und Ingenieur wurde. Als Elsässer wurde er gezwungen, für das Dritte Reich zu arbeiten. Aufgrund seiner zeichnerischen Ausbildung wurde er in die Konstruktionsabteilung der Dornier-Werke in Friedrichshafen geschickt, wo er an der Entwicklung von Propellern für Flugzeuge mitarbeitete.

Nach Kriegsende reiste Martin mit seinem Zeichenkarton durch Belgien und Frankreich und suchte bei verschiedenen Redaktionen nach Arbeit. Er arbeitete zunächst in verschiedenen Sparten des graphischen Metiers und erfand in dieser Zeit die Comics Monsieur Barbichou, Graue Eule und Rebhuhnauge. Sein Entwurf für eine baptistische Jugendzeitschrift fand jedoch keine Befürworter, es hätte auch keine Chance gegen die zeitgleich erscheinende erste Ausgabe des Magazins Tintin, in dem die Abenteuer von Tim und Struppi abgedruckt wurden, gehabt.

Später arbeitete Jacques Martin sehr erfolgreich für das Magazin Tintin. 1948 erschien erstmals das in der Antike angesiedelte Epos Alix.

1952 entwickelte Martin dann den Anfang der Serie Lefranc, zu deutsch L. Frank. 1953 erschien La Grande Menace, zu deutsch: Die Große Bedrohung. Die abenteuerliche Geschichte gilt zurecht als Comic-Klassiker. Die meisterhaft inszenierte Handlung ist eine Mixtur zwischen Kriminalroman, politischer Reportage und Science-Fiction.

Martin wurde 1953 freier Mitarbeiter des bekannten Zeichners Georges Remi, besser bekannt als Hergé. 1959 trat er dann fest in die Hergé-Studios ein, wo er ab L’Affaire Tournesol, zu deutsch Der Fall Bienlein, an den Tim und Struppi Abenteuern mitarbeitete. In den nächsten Jahren waren er und die Zeichner Edgar P. Jacobs und Bob de Moor die kreativen Köpfe bei den Tim und Struppi Comics. Dank seiner ständigen Kreativität schaffte es Martin nebenbei noch, seine beiden Erfolgsserien weiterzuführen und so erschienen während dieser Periode sieben Alix- und drei L. Frank Geschichten. In den letzten Lebensjahren Hergés wurde Martin gar zur rechten Hand des Meisters und hatte die Mehrzahl der letzten Tim und Struppi-Editionen geschaffen, währenddessen Hergé sich damit begnügte, die Arbeiten zu überwachen.

1982 kam es zu einem Streit zwischen Jacques Martin und Hergé. Er warf Hergé einen gewissen Egoismus vor und fühlte sich in seiner Arbeit zu sehr in den Hintergrund gedrängt. 1983 schließlich starb Hergé und im Jahr darauf siedelte sich Martin aus steuerlichen Gründen in der Schweiz an. Dort setzte er sein Schaffen fort und etablierte ein alljährlich stattfindendes internationales Comic Arts Festival.

Bis um 1992 erhöhte er daraufhin sein Arbeitstempo und stellt weitere neun Alix- und vier L. Frank-Abenteuer fertig. 1984 erfüllte sich sein langgehegter Traum. Er erschuf die Serie Jhen, eine im mittelalterlichen Frankreich zur Zeit des berüchtigten Gilles de Rais angesiedelte Geschichte, die er gemeinsam mit Jean Pleyers zeichnete. Zusammen mit André Juillard entwickelte Martin auch noch den Comic Arno, eine in der Epoche der napoleonischen Kriege spielende Geschichte.

1991 entwickelte er zwei weitere historische Serien: Orion und Keos. Für Keos war Martin allerdings nur für die Texte verantwortlich. Beide Serien haben wie Alix die Antike zum Hintergrund und wirkten ihrem Vorbild zum Teil sehr ähnlich. Die Beliebtheit der Figur des Alix benutzt er auch, um in den Fahrten des Alix (Les voyages d’Alix) auch jüngere Leser den Alltag der antiken Welt des 1. Jahrhunderts vor Christus näher zu bringen.

Im Jahr 2000, zu Ehren des 80. Geburtstags von Jacques Martin, veranstaltete das Brüsseler Centre belge de la bande dessinée eine viel beachtete Retrospektive.

Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters griff Martin in den letzten Jahren für die Arbeiten an seinen Comics immer häufiger auf die Hilfe jüngerer Kollegen zurück. Bei den letzten Alix-Bänden verfasste er nur noch die Exposés und überließ das Zeichnen dem Spanier Rafael Morales. Dennoch blieb Jacques Martins Schaffenskraft auch mit über 80 Jahren ungebrochen. Seit dem Jahr 2002 befinden sich neue L. Frank-Alben in Planung oder bereits in Arbeit. Der Zeichner Bernard Capo wird für das Zeichnen zur Verfügung stehen. Außerdem sind die Pläne für eine weitere Serie mit dem Titel Loïs, die die Zeit Ludwig XIV. zum Thema haben wird, schon sehr weit fortgeschritten, Olivier Paques wird dieses Werk illustrieren.

Im Gegensatz zu Hergé war Martin sehr daran interessiert, dass seine Serien auch nach seinem Abschied vom Zeichenbrett, fortgeführt werden. Das erklärt auch, warum er bemüht war, neue und talentierte Zeichner an seine Serien heranzuführen.

Die Markenzeichen Jacques Martins waren, insbesondere in seiner mittleren Schaffensperiode, seine sehr detailreichen Zeichnungen und spannenden Handlungsstränge. Eine korrekte historische Darstellung wurde jedoch, mit Ausnahme des kulturellen Rahmens, zumeist zugunsten der Handlung, außer acht gelassen. Trotzdem bieten seine Comics gute Unterhaltung auf hohem Niveau.

Werke[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]