Jacques Vergès

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Jacques Vergès (2008)

Jacques Vergès (* 5. März 1925 in Ubon, Thailand) ist ein französischer Rechtsanwalt.[1][2][3]

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Jacques Vergès wurde als Sohn einer Vietnamesin und eines Franzosen von der Insel Réunion geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Sein Zwillingsbruder ist der französische Politiker Paul Vergès. 1942 schloss Jacques Vergès sich France Libre unter Charles de Gaulle an und kämpfte in Nordafrika, Italien und Frankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich Vergès politisch zu engagieren, zunächst für die Dekolonisation Südostasiens (hier lernte er auch den späteren kambodschanischen Diktator Pol Pot kennen), später für den Befreiungskampf Algeriens.

1970 verließ Vergès seine zwei Kinder sowie seine Frau Djamila Bouhired, (eine algerische Nationalistin der Algerischen Nationalen Befreiungsfront), welche er vor der Heirat in einem Prozess verteidigte. Er tauchte erst 1978 wieder auf. Bis heute weigert er sich, über diese Zeit, die er seinen "großen Urlaub" nennt, Auskunft zu geben. Zu seinem Verbleib gab und gibt es unterschiedliche Theorien verschiedener Biographen und Zeitzeugen. Aufgrund seiner anwaltlichen Tätigkeit hatte er Kontakte zu verschiedenen politischen Untergrundorganisationen in Asien, Nordafrika und dem Nahen Osten, weshalb eine Vermutung darin besteht, dass er sich einer dieser Gruppen angeschlossen habe. Mitarbeiter des französischen Geheimdienstes und seine französischen Freunde tippen auf Kambodscha als Ort seiner langen Auszeit. Sie glauben, dass sich der Anwalt zumindest die meiste Zeit im fernöstlichen Dschungel bei den Roten Khmer aufgehalten hat.[4] Andere vermuten, dass Vergès für verschiedene Geheimdienste, eventuell sogar als Doppelagent tätig war. Barbet Schroeder stellte in seiner preisgekrönten Vergès-Dokumentation L'avocat de la terreur unabhängig vom genauen Ort seiner "Auszeit" die These auf, er sei aufgrund massiver finanzieller Probleme vor seinen Gläubigern geflohen.

Anwaltliche Tätigkeit [Bearbeiten]

Ab Ende der 1970er Jahre trat Vergès vermehrt als Anwalt in Erscheinung. Er spezialisierte sich auf die Verteidigung prominenter und oft sehr umstrittener Personen. Zu seinen Klienten gehörten der Gestapo-Offizier Klaus Barbie, der serbische Präsident Slobodan Milošević, der Holocaust-Leugner Roger Garaudy, der ehemalige Staatspräsident von Mali, Moussa Traoré, der Terrorist Ilich Ramírez Sánchez (genannt Carlos) und der ehemalige Diktator von Togo, Gnassingbé Eyadéma.

Die Boulevardpresse gab ihm aufgrund dieser Mandanten den Beinamen „Der Anwalt des Teufels“. Der französische Filmregisseur Barbet Schroeder drehte 2006 eine Dokumentation über das Leben von Vergès mit dem Titel L'Avocat de la Terreur (dt. DVD-Titel "Im Auftrag des Terrors"), der u. a. bei den Filmfestspielen in Cannes 2007 aufgeführt wurde. Der Film wurde 2008 in Paris mit dem César ausgezeichnet und am 13. Oktober 2010 von arte mit dem Titel Der Anwalt des Terrors ausgestrahlt.

Jacques Vergès als Verteidiger von Khieu Samphan vor dem Rote-Khmer-Tribunal (21. November 2011)

In den Prozessen vor dem Rote-Khmer-Tribunal gegen führende Rote Khmer übernahm er die Verteidigung von Khieu Samphan, mit dem er seit über 55 Jahren gut bekannt ist. Vergès wagte die Prognose, dass speziell dieser Prozess noch im Vorfeld scheitern würde. Er ist der Meinung, dass Khieu Samphan unschuldig ist, weil es in Kambodscha gar keinen Völkermord gab.[5] Für ihn sind die Zahlen übertrieben und er meint, dass die meisten der 1,7-2 Millionen Opfer durch Hunger und Krankheiten ums Leben kamen.

Zitat [Bearbeiten]

  • Bei Barbies Prozess 1987 in Lyon stand ich ganz allein 39 Anwälten der Gegenseite und dem Richter gegenüber. Das war schon Grund genug, Barbies Verteidigung zu übernehmen. (SPIEGEL-Interview, November 2008)

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Jacques Vergès – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Biografie Arte TV
  2. Biographie: Qui est Jacques Vergès? (französisch)
  3. Paul Vergès Website seines Zwillingsbruders Paul in: Europäisches Parlament, abgerufen am 3. Januar 2011
  4. Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlags-Anstalt u. a., Stuttgart u. a. 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  5. Interview, 10.2008, Erich Follath, S. 262 in Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies