Jacques Vergès

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Jacques Vergès (2008)

Jacques Vergès (* 20. April 1924 oder 5. März 1925[1] in Ubon, Thailand; † 15. August 2013 in Paris) war ein französischer Rechtsanwalt.[2][3][4] Bekannt wurde er als Strafverteidiger von Diktatoren, Rebellenführern sowie NS- und Kriegsverbrechern.[5]

Leben[Bearbeiten]

Jacques Vergès wurde als Sohn einer Vietnamesin und eines Franzosen von der Insel Réunion geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Sein Zwillingsbruder ist der frühere französische Abgeordnete und Senator Paul Vergès. 1942 schloss Jacques Vergès sich der Bewegung France Libre unter Charles de Gaulle an und kämpfte in Nordafrika, Italien und Frankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich Vergès politisch zu engagieren, trat der Kommunistischen Partei Frankreichs bei, engagierte sich zunächst für die Dekolonisation Südostasiens (hier lernte er auch den späteren kambodschanischen Diktator Pol Pot kennen), später für den Befreiungskampf Algeriens. Während der 1950er Jahre lebte Vergès in Prag, bevor er 1955 ein Jura- und Geschichtsstudium in Paris aufnahm.[6] 1957 verließ Vergès die KPF.[7]

1970 verließ Vergès seine zwei Kinder und seine Frau Djamila Bouhired, (eine algerische Nationalistin der Algerischen Nationalen Befreiungsfront), welche er in einem Prozess verteidigte, die zum Tode verurteilt wurde, bevor sie freigelassen wurde und er sie 1962 heiratete.[6] Vergès tauchte erst 1978 wieder auf. Bis zu seinem Tod weigerte er sich, über diese Zeit, die er seinen „großen Urlaub“ nannte, Auskunft zu geben. Zu seinem Verbleib gab und gibt es unterschiedliche Theorien verschiedener Biographen und Zeitzeugen. Aufgrund seiner anwaltlichen Tätigkeit hatte er Kontakte zu verschiedenen politischen Untergrundorganisationen in Asien, Nordafrika und dem Nahen Osten, weshalb eine Vermutung darin besteht, dass er sich einer dieser Gruppen angeschlossen habe. Mitarbeiter des französischen Geheimdienstes und seine französischen Freunde tippen auf Kambodscha als Ort seiner langen Auszeit. Sie glauben, dass sich der Anwalt zumindest die meiste Zeit im fernöstlichen Dschungel bei den Roten Khmer aufgehalten hat.[8] Andere vermuten, dass Vergès für verschiedene Geheimdienste, eventuell sogar als Doppelagent tätig war. Barbet Schroeder stellte in seiner preisgekrönten Vergès-Dokumentation L’avocat de la terreur unabhängig von seinem Aufenthaltsort zu dieser Zeit die These auf, er sei aufgrund massiver finanzieller Probleme vor seinen Gläubigern geflohen.

Vergès starb im Alter von 88 Jahren an einem Herzinfarkt.[5]

Anwaltliche Tätigkeit[Bearbeiten]

Ab Ende der 1970er Jahre trat Vergès vermehrt als Anwalt in Erscheinung. Er spezialisierte sich auf die Verteidigung prominenter und oft sehr umstrittener Personen. Zu seinen Klienten gehörten der Gestapo-Offizier Klaus Barbie, der serbische Präsident Slobodan Milošević, der Holocaust-Leugner Roger Garaudy, der ehemalige Staatspräsident von Mali, Moussa Traoré, der Terrorist Ilich Ramírez Sánchez (genannt Carlos) und der ehemalige Diktator von Togo, Gnassingbé Eyadéma.

Die Boulevardpresse verpasste ihm aufgrund dieser Mandanten den Beinamen „Anwalt des Teufels“. Der französische Filmregisseur Barbet Schroeder drehte 2006 eine Dokumentation über das Leben von Vergès mit dem Titel L’Avocat de la Terreur (dt. DVD-Titel „Im Auftrag des Terrors“), der u. a. bei den Filmfestspielen in Cannes 2007 aufgeführt wurde. Der Film wurde 2008 in Paris mit dem César ausgezeichnet und am 13. Oktober 2010 von arte unter dem Titel Der Anwalt des Terrors ausgestrahlt.

Jacques Vergès als Verteidiger von Khieu Samphan vor dem Rote-Khmer-Tribunal (21. November 2011)

In den Prozessen vor dem Rote-Khmer-Tribunal gegen führende Rote Khmer übernahm er die Verteidigung von Khieu Samphan, mit dem er seit über 55 Jahren gut bekannt war. Vergès wagte die Prognose, dass speziell dieser Prozess noch im Vorfeld scheitern würde. Er war der Auffassung, dass Khieu Samphan unschuldig sei, weil es in Kambodscha gar keinen Völkermord gegeben habe.[9] Der Präsident sei für die Außenpolitik und nicht für Justiz und das Innere verantwortlich gewesen und habe von den Morden nichts gewusst.[10]

Zitat[Bearbeiten]

  • Bei Barbies Prozess 1987 in Lyon stand ich ganz allein 39 Anwälten der Gegenseite und dem Richter gegenüber. Das war schon Grund genug, Barbies Verteidigung zu übernehmen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlags-Anstalt u. a., Stuttgart u. a. 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  • Interview. In: Der Spiegel, Jg. 62 (2008), Heft 47 vom 17. November 2008, ISSN 0038-7452.
  • Autobiografie: Le Salaud lumineux (verschiedene Ausgaben, u.a. als Taschenbuch 1990, Lafon Edition N°1, ISBN 978-2863914083) Der Titel lautet übersetzt sinngemäß: Der brillante Schuft

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jacques Vergès – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. T-online Nachrichten (16. August 2013): Jacques Vergés, der „Anwalt des Teufels“ ist tot; eingesehen am 17. August 2013
  2. Biografie Arte TV
  3. Biographie: Qui est Jacques Vergès? (französisch)
  4. Paul Vergès Website seines Zwillingsbruders Paul in: Europäisches Parlament, abgerufen am 3. Januar 2011
  5. a b Jacques Vergès - Mit der Leidenschaft für die Hoffnungslosen, Nachruf der Süddeutschen Zeitung vom 16. August 2013, abgerufen 17. August 2013
  6. a b „Ich hätte auch Hitler verteidigt“ – Der „Advokat des Teufels“ ist tot. n-tv.de, abgerufen am 16. August 2013.
  7. Verteidiger von Saddam Hussein: Staranwalt Jacques Vergès gestorben bei spiegel.de, abgerufen am 16. August 2013
  8. Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlags-Anstalt u. a., Stuttgart u. a. 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  9. Interview, 10.2008, Erich Follath, S. 262 in Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies
  10. Interview in der Welt am Sonntag.
  11. spiegel.de: Interview, November 2008