Jadebusen

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Jadebusen
Jadebusen (mit Innenjade)

Jadebusen (mit Innenjade)

Gewässer Nordsee
Landmasse Norddeutsche Tiefebene, Niedersachsen, Deutschland
Geographische Lage 53° 29′ N, 8° 12′ O53.4780358.207376Koordinaten: 53° 29′ N, 8° 12′ O
Jadebusen (Niedersachsen)
Jadebusen
Breite ca. 16 km
Tiefe ca. 18,5 m
Fläche 190 km²dep1
Inseln keine
Zuflüsse Maade, Jade

Der Jadebusen ist eine etwa 190 km² große Meeresbucht zwischen der Unterweser und der Ostfriesischen Halbinsel. Er endet am südlichen Ende des Engpasses zwischen Wilhelmshaven und Butjadingen. Nördlich dieser Linie liegen die Innenjade und die Außenjade, zusammenfassend auch als Jade bezeichnet. Die wichtigsten Städte am Ufer des Jadebusens sind Wilhelmshaven im Nordwesten und Varel im Südwesten. Im Jadebusen steht der Leuchtturm Arngast als Leuchtfeuer für das Wilhelmshavener Jadefahrwasser.

Jadebusen, Jade, Jadegebiet und Jadefahrwasser[Bearbeiten]

Blick von Minsener Oog in Richtung Süden über die Außenjade und die Innenjade bis zum Südufer des Jadebusens

Der Jadebusen stellt nicht eine Fortsetzung des Flusses Jade dar (obwohl dieser in den Jadebusen mündet), sondern ist, wie auch die Innen- und die Außenjade, ein Teil der Deutschen Bucht und damit der Nordsee. Definiert ist das anhand seiner Salinität (Salzgehalt), die in der Nähe der Mündung des Flusses Jade 3,0 Prozent beträgt, also nur 0,5 Prozentpunkte weniger als der Salzgehalt der offenen Nordsee.[1] Eine Brackwasserzone fehlt also, anders als etwa im Fall der benachbarten Wesermündung. Das liegt vor allem am sehr kleinen Einzugsgebiet der Jade und dem entsprechend geringen Eintrag von Oberwasser. Da sich auch in den zwei Jahrhunderten, als es ein Weserdelta gab, der Hauptstrom des Weserwassers in die Außenweser ergoss, bleibt offen, wie sich die Salinität des Jadebusens in jener Zeit verhielt.

Dem Charakter als Meeresbucht entsprechend weicht die Benennung der Gewässerabschnitte von denen der benachbarten Flussästuare ab: Innen- wie Außenjade liegen neben Außenweser und Außenelbe. Zusammenfassend werden Außen-, Innenjade und Jadebusen als „Jadegebiet“ bezeichnet. Dieser Begriff kann leicht mit der gleich lautenden Bezeichnung für die angrenzende ehemalige preußische Enklave im Land Oldenburg verwechselt werden.

Anders als bei der Innen- und der Außenjade, in deren Zentrum sich das Jadefahrwasser befindet, nimmt das Jadefahrwasser, offiziell Bundeswasserstraße Jade genannt, nur einen kleinen Teil des Jadebusens ein. Die Bundeswasserstraße beginnt in Höhe der ehemaligen I. Einfahrt zu den Wilhelmshavener Häfen und geht bereits bei km 2 in die Innenjade über.[2] Die kleineren Priele im Jadebusen sind nicht Teil der Bundeswasserstraße Jade. Als Nebenfahrwasser im Jadebusen gelten das Vareler Fahrwasser, die Ahne und die Kaisebalje. Auch sie werden, wenn auch weniger intensiv als die Bundeswasserstraße Jade, vom Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven betreut.[3]

Der Tidenhub der Jade beträgt 3,15 m - 4,33 m,[4] das ist etwa so viel wie an der Wesermündung,[5] ein halber Meter weniger als in Antwerpen[6] und gut doppelt so viel wie in Rotterdam.[7] Mit jedem Tidenzyklus strömt fast der gesamte Wasserinhalt des Jadebusens durch die Enge des Jadefahrwassers bei Flut ein und bei Ebbe wieder aus. Diese natürliche Pendelströmung spült das Fahrwasser ständig von etwaigen störenden Sandablagerungen frei. Sie ist hier wesentlich stärker als in den Flussmündungen von Elbe und Weser. Und der Eintrag von Sedimenten ist geringer. Lediglich die West-Ost-Strömung zwischen den Ostfriesischen Inseln und der ostfriesischen Festlandsküste trägt Sand in die äußere Mündung des Jadefahrwassers. Dem wird aber durch Dämme und andere Strombauwerke beim Minsener Oog entgegengewirkt, s. a. bei Außenjade. Zusammen sind damit wesentlich geringere Erhaltungsarbeiten für die Fahrwassertiefe als bei anderen Häfen notwendig.

Geschichte der Meeresbucht[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Entwicklung von Jadebusen und Weserdelta; Verlandung seit 1300 entstandener Wasserflächen ab 1500 nur indirekt über die Abdeichung dargestellt.
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Einen „Ur-Jadebusen“ gab es bereits vor 5.000 Jahren.[8] Die von einigen als Mündungsarme eines Weserdeltas gedeuteten Rinnen sind Ausläufer eines Prielsystems, das sich vom Ur-Jadebusen ein Stück weit in die Wesermarsch erstreckt hat und dort im Gebiet von Seefeld, Schwei bzw. Rönnelmoor ausgelaufen ist. Das Buchtenwatt des Ur-Jadebusens ist ab 3100 v. Chr. weitgehend verlandet, wobei sich zunächst Niedermoore ausgebreitet haben und um 1900 v. Chr. ein rascher und weitflächiger Umschlag von Niedermoor- zu Hochmoorvegetation erfolgt ist.

Die Bucht ist, ähnlich wie der Dollart, das Ergebnis von Meereseinbrüchen bei Sturmfluten im Mittelalter, begünstigt außer durch den Anstieg des Meeresspiegels auch durch das Abtragen der ursprünglichen Moore von Menschenhand zur Nutzung des Torfs als Brennstoff, als Lieferant von Salz und zur Kultivierung.[9] Die ursprüngliche Moorlandschaft hatte bis zu vier Meter über dem Marschniveau gelegen und war daher auch ohne Eindeichung einigermaßen hochwassersicher gewesen. Vom offenen Meer und der Weser war diese Moorlandschaft durch deren breiten Uferwälle getrennt, die aus angeschlemmten Sedimenten bestanden. Sie waren relativ resistent gegen Erosion, hielten normale Tidenhochwasser ab und wurden bei Überschwemmung durch Sturmfluten und Flusshochwasser durch eine neue Sedimentschicht ein klein wenig höher. Lediglich im Norden gab es eine Öffnung, durch die das Binnenwasser abfloss. An dieser Stelle drangen ab dem 13. Jahrhundert bei großen Sturmfluten immer größere Wassermassen ein, wuschen eine tiefe Rinne aus und hinterspülten die schützenden Uferwälle. Die Entwicklung des Jadebusens setzte vermutlich mit der Ersten Marcellusflut vom 16. Januar 1219 ein.

Friesische Balje[Bearbeiten]

Nach Meinung eines Teils der Erforscher des Jadebusens dürfte das Meer schon früh weit nach Süden vorgedrungen sein und die Friesische Balje gebildet haben, denn schon im frühen 14. Jahrhundert wurde bei Diekmannshausen nahe dem heutigen Südende Salztorf gewonnen.[10] Andere sehen als Quelle der frühen Versalzung einzelne Sturmfluten, nach denen das Wasser zunächst wieder ablief, da sie anscheinend noch längst nicht so stark war, das Moos absterben zu lassen. Weitere tiefe Einbrüche erfolgten während der Luciaflut (13. und 14. Dezember 1287) sowie in der Clemensflut (23. November 1334). Dabei räumten die Fluten die weichen Torfböden aus, so dass sich der Jadebusen nach allen Seiten ausdehnte. Der Prozess der Ausräumung der Moorböden dauert bis heute im Bereich des Sehesteder Außendeichsmoores an, von dem nur noch kleine Reste erhalten sind.[10] Im Westen entstand der tiefe Einbruch des Schwarzen Bracks, der die nördlich gelegene, ältere Maadebucht von ihren Wasserzuflüssen aus dem Binnenland abschnitt, so dass diese langsam verlandete.[10]

Das Kirchspiel Arngast im Jadebusen ging in der Clemensflut vom 23. November 1334 unter. Die verbliebene gleichnamige Insel wurde immer kleiner, trug allerdings noch bis ins 17. Jahrhundert ein kleines Dorf.

Zeitweiliges Weserdelta[Bearbeiten]

Durch ein Zusammenspiel von Ausweitungen des Jadebusens und Ausbrüchen der Weser gab es im 14. bis in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts ein Weserdelta. Es war kein klassisches Sedimentationsdelta, sondern ein Ästuardelta,[11] bei dem Erosionskräfte im Vordergrund standen. Wegen nahezu fehlender Gefälle und der Lage im Tidenbereich ist anzunehmen, dass es in den meisten Gewässerarmen wechselnde Strömungsrichtungen gab. Der größte Teil des Oberwassers der Weser gelangte allzeit durch die Wesermündung bei Blexen ins Meer.

Erste dauerhafte Verbindungen zwischen Jadebusen und Unterweser entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Mit der Ahne, vor 1319 und möglicherweise von der Weser her gebildet, wurde die Insel Butjadingen („Außen-Jade“) vom Festland abgetrennt. Der Marktort Aldessen (Haroldsheim) am Südufer der Ahne gegenüber von Eckwarden wurde um 1428 zuletzt erwähnt. Die Heete bildete sich bei der Clemensflut eher vom Jadebusen her. Sie zweigte vom Westteil der Ahne ab und verlief nördlich derselben, wurde alsbald zum Schifffahrtsweg und zur neuen Südgrenze Butjadingens. An ihrer Mündung in die Weser bei Atens errichtete die Reichsstadt Bremen 1407 die Vredeborg.

Oberahnesche Felder und der gerade abgedeichte Hoben (Lockfleth) 1645, Tidenhub 12 Fuß; Arngast im Vergleich zu anderen Karten desselben Autors verkleinert an den Rand geklemmt
Der Leuchtturm Arngast bei Niedrigwasser

Äußerst verheerende Folgen hatte die Zweite Marcellusflut (erste „Grote Mandränke“) vom 16. Januar 1362: Durch sie dehnte sich das Lockfleth bis in den Osten der Moore aus. Da dort große Moorflächen aufschwammen, zerstückelt und fortgetrieben wurden, nannte man den Nordabschnitt des Lockfleths auch den „Hoben“, normalerweise das friesische Wort für aufschwimmendes Moor.[12] Während mit der Ausdehnung des Jadebusens auch die Gezeitenströmungen in der Jade zunahmen, versandete die Unterweser immer mehr und trat bei Hochwasser um so leichter über ihre Ufer. 1384 entstand nördlich des Dorfes Harrien ein großer Deichbruch, die Harrier Brake (namengebend für die heute dort stehende Stadt Brake) und damit ein Weserarm, der 130 Jahre lang die Weser über das Lockfleth mit dem Jadebusen verband. Dadurch wurde das Stadland zu einer langgestreckten und zunächst nur etwa drei Kilometer breiten Insel. Aus zwei Brüchen des Weserdeichs nördlich von Elsfleth 1367 entstand im Linebrok ein verästeltes Gewässer, das sich mit den Jahren Liene-aufwärts bis ins Moorriem vorschob. Nach 1420 bildete sich dort eine Hochwasserrinne, durch die wechselseitig Wasser von der Weser zur Jade und umgekehrt übertrat. Erst nach dem Bau des Salzendeichs an der oberen Binnenjade Anfang des 16. Jahrhunderts konnten die Jademarsch im Norden und das Linebrok im Osten erfolgreich trockengelegt werden. Östlich nahe dem Salzendeich bestand aber noch Jahrzehntelang ein See, das Große Meer genannt. Inzwischen entstand 1613 weiter nördlich ein neuer Moordurchbruch, durch den ab und an Wasser aus der Friesischen Balge ostwärts in die eigentlich schon trockengelegten Marschen des Lockfleths gelangte, bis man Ende des Jahrhunderts auch im Moor Deiche baute, einen genau durch den in der Rinne entstandenen See namens Achtermeer.

Die Heete, an Jade und Weser in etwa gleicher Entfernung vom offenen Meer anschließend und daher wenig von Gezeitenströmungen durchgespült, war 1450 schon wieder so weit verlandet, dass sie durch Deiche abgetrennt werden konnte, diente allerdings noch lange der örtlichen Binnenschifffahrt.

Schwarzes Brack[Bearbeiten]

Die größte Ausdehnung erreichte der Jadebusen durch drei kurz aufeinander folgende Sturmfluten, die Zweite Cosmas- und Damianflut am 26. September 1509, eine unbenannte Sturmflut am 9. September 1510 und die Antoniflut am 16./17. Januar 1511. Danach erstreckte sich sein westlicher Ausläufer, das Schwarze Brack, weit ins Landesinnere. Die Benennung erfolgte wegen der dunklen Wasserfärbung, die auf dem moorigen Untergrund beruhte.

Die zur Grafschaft Ostfriesland gehörenden Herrlichkeiten Friedeburg und Gödens bekamen Zugang zum Meer, die Landverbindung zwischen der Herrschaft Jever und der Grafschaft Oldenburg wurde unterbrochen. Priele reichten in dieser Zeit bis zum Flüsschen Maade, das heute bei Rüstersiel in die Innenjade mündet. Das spätere Gründungsgebiet der Stadt Wilhelmshaven lag damals auf einer Insel. Die alten Wurten des Banter Kirchspiels lagen wie kleine Halligen im Watt.

Eindeichung und Gestaltung durch den Menschen[Bearbeiten]

An der Westseite ging man ab 1525 allmählich daran, zunächst den Meereseinbruch des von Prielen durchzogenen Wattengebiets des „Schwarzen Bracks“ in Land umzuwandeln. 1575 kam die nördlich des „Schwarzen Bracks“ gelegene Herrschaft Jever zur Grafschaft Oldenburg. Eine Verkehrsverbindung bestand nur westlich über ostfriesisches Gebiet. Daher bemühte sich der oldenburgische Herrscher Graf Anton Günther, eine sichere Landverbindung zu seinem nördlichen Landesteil herzustellen. Nach langen Streitigkeiten mit der Grafschaft Ostfriesland entstand zwischen 1596 und 1615 der noch heute vorhandene Ellenser Damm. Das tief gelegene Gebiet des „Schwarzen Bracks“ konnte erst dadurch mit dem Bau von Entwässerungssystemen und Sielen trockengelegt und urbar gemacht werden. Weitere Eindeichungen des Jadebusens folgten bis ins 19. Jahrhundert.

An der Ostseite des Jadebusens gestaltete sich die Eindeichung noch langwieriger als im Westen. Der Durchbruch erstreckte sich von der Jade nach Südosten bis zur Weser und verlief quer durch das Marschland bei Schweiburg Richtung Rodenkirchen und Ovelgönne bei Brake. Es erwies sich als schwierig, Deiche auf Moorboden zu gründen. Obwohl man bereits im 15. Jahrhundert begonnen hatte, einzelne Durchbrüche zu verschließen, gab es bis ins 18. Jahrhundert immer wieder schwere Deichbrüche, zuletzt bei der Weihnachtsflut 1717. Erst zwischen 1721 und 1725 gelang unter der Leitung des oldenburgischen Landdrosten Sehestedt die endgültige Eindeichung des Landes zwischen Jadebusen und Weser.

Im Reichskriegshafengesetz von 1883 wurde festgelegt, dass Maßnahmen, die die Strömung im Jadefahrwasser beeinträchtigten, der Genehmigung der Marine bedurften. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die mit den Gezeiten in den Jadebusen ein- und ausströmende Wassermenge ausreichte, um das Jadefahrwasser nicht versanden zu lassen. In der Praxis führte das zum Ende aller Landgewinnungsmaßnahmen im Jadebusen und zum weitgehenden Erhalt seiner Form. Aus dem gleichen Grunde gab es auch keine Maßnahmen zum Schutz der letzten Inseln in der Bucht. So verschwanden die letzten Reste der Insel Arngast 1904 und die der Oberahneschen Felder vor der Küste Butjadingens 1940.

Nutzung des Jadebusens[Bearbeiten]

Schifffahrt[Bearbeiten]

Das Fahrwasser vor der Schleuse Varel bei Niedrigwasser

Der Jadebusen ist scheinbar als großer Naturhafen gut geeignet, da sieben Achtel seiner Fläche von Land umgeben sind. Trotzdem wurde er über Jahrhunderte nicht als solcher angenommen.

Der Bau dauerhafter Häfen wurde im Wesentlichen dadurch erschwert, dass sich nach Sturmfluten häufig die Grenze zwischen Land und Meer veränderte. Der Einbruch des Meeres ins Schwarze Brack ermöglichte beispielsweise die Errichtung des Sielorts Neustadtgödens. Der Bau des Ellenserdamms schnitt den vormaligen Sielort wieder vom direkten Zugang zum Meer ab.

Es gab bereits früh Versuche, das Jadegebiet als Kriegshafen zu nutzen. Als Vorläufer kann hier die Sibetsburg gelten, die an einem Nebenarm auf dem Gebiet lag, auf dem sich heute Wilhelmshaven befindet, und den Seeräubern der Vitalienbrüder zeitweise einen sicheren Hafen bot.

König Christian V. von Dänemark befahl 1681 als Herrscher über Oldenburg die Aufnahme von Bauarbeiten des Hafens Christiansburg bei Varel, aber das Fahrwasser dorthin konnte mit den damaligen Mitteln nicht offen gehalten werden und verlandete immer wieder. Deshalb wurde das Vorhaben 1693 aufgegeben.[14]

Außer den Schwierigkeiten zur Fahrwasserunterhaltung waren es vor allem die Lebensumstände in den Küstenregionen, die den Bau eines Hafens verhinderten. Letztlich konnte erst Preußen diese Idee in die Tat umsetzen, nachdem es 1853 dem Großherzogtum Oldenburg das sogenannte Jadegebiet abgekauft und dort Wilhelmshaven gegründet hatte. In den Anfangsjahren der Hafengründung litten die Bewohner und Hafenbauarbeiter an Trinkwassermangel und fiebrigen Erkrankungen, die sie sich in den Sümpfen entlang der Jade zuzogen. Zeitweise waren 40 Prozent der Arbeiter erkrankt, einige infizierten sich sogar mit Malaria.[15]

Die Hafenplätze südlich von Wilhelmshaven hatten, auch vor dessen Gründung, immer nur regionale Bedeutung und konnten mit den großen Häfen an Elbe, Weser und Ems nicht konkurrieren.

Fischerei[Bearbeiten]

1973 war Varel noch Heimathafen von elf vollgewerblichen Fischkuttern. 2010 ist davon noch ein Kutter übrig geblieben.[16] Seit 2011 werden allerdings in Dangast von einem weiteren Kutter aus Krabben angelandet.[17]

Übergang der Salzwiesen bei Augustgroden ins Watt

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Schon 1795 wurde begonnen, in Dangast ein Seebad zu etablieren, eines der frühesten in Deutschland.

Naturschutzgebiet[Bearbeiten]

Salzwiese vor dem Seedeich von Cäciliengroden
Salzwiese bei Flut

Der Jadebusen gehört fast vollständig zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Eine Besonderheit des Jadebusens besteht darin, dass es hier (außer dem künstlich angelegten „Dünenspielgarten“ am Banter See in Wilhelmshaven) keine Dünen gibt.[18]

Bis 1986 gehörte der größte Teil des Jadebusens zum „Vogelschutzgebiet Jadebusen“, einem 1962 unter Schutz gestellten Naturschutzgebiet.[19] Der Jadebusen ist als Nahrungs-, Rast-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für Wat- und Wasservögel von überragender Bedeutung. Für Vögel ist der Jadebusen deshalb attraktiv, weil sie dort weitgehend ungestört sind. Es gibt dort keine Bodenraubtiere, und seit 1973 gilt im Jadebusen ein ganzjähriges Jagdverbot. Durch die Ausweisung als Naturschutzgebiet sollen Brutvögel in den Außengroden sowie Watvögel, Schwäne, Enten, Gänse, Möwen und Seeschwalben geschützt werden, welche das außergewöhnlich große Nahrungspotenzial der Wattgebiete nutzen, das aus Muscheln, Schnecken, Würmern und Krebsen besteht.

Der Jadebusen ist Teil einer Landschaft mit dem Namen „Watten im Elbe-Weser-Dreieck Jadebusen“, die das Bundesamt für Naturschutz ausweist.[20]

Schwimmendes Moor[Bearbeiten]

Das Gebiet des Jadebusens war bis zum Einbruch des Meeres im Mittelalter eine Moorlandschaft, die vom Meer überspült wurde. Der letzte Rest dieses Moores ist das „Schwimmende Moor“ in Sehestedt an der Ostseite des Jadebusens. Es befindet sich zwischen Außendeich und Meer und ist Europas einziges Salzwasserhochmoor. Bei Sturmflut schwimmt das Moor auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Ernst Behre: Das Moor von Sehestedt − Landschaftsgeschichte am östlichen Jadebusen. (Oldenburger Forschungen, Band 21).
  • Karl-Ernst Behre: Die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen. Brune-Mettcker, Wilhelmshaven 2012, ISBN 978-3-941929-02-9.
  • David Blackbourn: Die Eroberung der Natur - Eine Geschichte der deutschen Landschaft. Aus dem Englischen von Udo Rennert. 1. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006, ISBN 3-421-05958-6.
  • Hans Egidius: Das Schwarze Brack: Eine Region behauptet sich gegen Naturgewalten. CCV Concept Center Verlag, Varel 2000, ISBN 3-934606-00-8.
  • Hans Egidius: Der Jadebusen: Entstehung + Geschichte. Komregis Verlag, Oldenburg 2011, ISBN 978-3-938501-33-7.
  • A. Hops: Die Entwicklung des Jadefahrwassers zum Großschiffahrtsweg. In: Hansa. Jahrgang 1966 Nr. 11, S. 926–928.
  • Eilert Schimmelpenning: Der Jadebusen und das Schwarze Brack. Schortens 2004, ISBN 3-936691-21-5.
  • Oskar Tenge: Der Jeversche Deichband. 1898. Nachdruck: 1999, ISBN 3-9806956-0-3, Wangerland bis Ellenserdammer Tief
  • Oskar Tenge Tenge: 18 Karten zum Jeverschen Deichband.
    • Copien alter Karte der Jade und Theilen derselben 1599–1625. 1884.
    • Bedeichungen im Raum Sande-Cäciliengroden. (1898 auf Kartengrundlage vor 1888), auch bei Behre (s.o.) Abb.124, S. 127.
  • Oskar Tenge: Der Butjadinger Deichband. 1912. (von einschl. Dangast bis zur Huntemündung), u. a. im Fundus (Vorbestellung) des Staatsarchivs Bremen
  • Oskar Tenge: 25 Karten zum Butjadinger Deichband. 1912 (PDF)
  • G. Sello: Der Jadebusen. Varel 1903, OCLC 46305128.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jadebusen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Jadebusen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fachbereich Biowissenschaften der J. W. Goethe - Universität Frankfurt: Meeresbiologische Exkursion Wilhelmshaven und Helgoland 1 Sommer 2006 (PDF; 2,3 MB), S. 17.
  2. IBL UmweltPlanung / Stadt Wilhelmshaven: Potenziale zur Kühlwassernutzung am Kraftwerksstandort Wilhelmshaven. Gewässerökologisches Gutachten. 2007, S. 62.
  3. WSA Wilhelmshaven: Peilwesen
  4. Gezeitentabelle für Wilhelmshaven, Neuer Vorhafen
  5. Gezeitentabelle für Bremerhaven
  6. Gezeitentabelle für Antwerpen
  7. Gezeitentabelle für Rotterdam
  8. Hansjörg Streif: Die geologische Entwicklung des Wesertals und der Weser (PDF; 137 kB). 1999, S. 9.
  9. Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung: Salztorfabbau als mögliche Ursache für die Entstehung des Jadebusens
  10. a b c Karl-Ernst Behre: Geschichte der Landschaft um den Jadebusen, Wilhelmshaven 2012, ISBN 978-3-941929-02-9.
  11. Frank Ahnert: Einführung in die Geomorphologie, 4. Auflage. 2009, ISBN 978-3-8252-8103-8, S. 204.
  12. H. Goens: Die Bauernhöfe der Vormarsch und des Wüstenlandes. In: Oldenburger Jahrbuch. des Vereins für Altertumskunde Bd. 33 (1929) (PDF)
  13. Internetseite der „Zugvogeltage“
  14. Varel-Christiansburg 2007, abgerufen am 29. März 2012.
  15. Louise von Krohn: Vierzig Jahre in einem deutschen Kriegshafen. 2. Auflage. Wilhelmshaven 1981, ISBN 3-920602-07-2.
  16. Peter Stange: Kutter kann wegen Eisgangs nicht in den Hafen. Nordwestzeitung. 10. Dezember 2010.
  17. Dangast hat wieder einen Krabbenkutter. Nordwestzeitung. 5. April 2011.
  18. Nordseestadt Wilhelmshaven: Weltnaturerbe Wattenmeer
  19. Klaus Taux: Die oldenburgischen Naturschutzgebiete. Oldenburg. Heinz Holzberg Verlag. 1986, S. 289–298.
  20. Bundesamt für Naturschutz: Landschaftssteckbrief: „Watten im Elbe-Weser-Dreieck Jadebusen“