Jadebusen

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Jadebusen
Jadebusen (mit Innenjade)

Jadebusen (mit Innenjade)

Gewässer Nordsee
Landmasse Norddeutsche Tiefebene, Niedersachsen, Deutschland
Geographische Lage 53° 29′ N, 8° 12′ O53.4780358.207376Koordinaten: 53° 29′ N, 8° 12′ O
Jadebusen (Niedersachsen)
Jadebusen
Breite ca. 16 km
Tiefe ca. 18,5 m
Fläche 190 km²dep1
Inseln keine
Zuflüsse Maade, Jade

Der Jadebusen ist eine etwa 190 km² große Meeresbucht zwischen der Unterweser und der Ostfriesischen Halbinsel. Er endet am südlichen Ende des Engpasses zwischen Wilhelmshaven und Butjadingen. Nördlich dieser Linie liegen die Innenjade und die Außenjade, zusammenfassend auch als Jade bezeichnet. Die wichtigsten Städte am Ufer des Jadebusens sind Wilhelmshaven im Nordwesten und Varel im Südwesten. Im Jadebusen steht der Leuchtturm Arngast als Leuchtfeuer für das Wilhelmshavener Jadefahrwasser.

Inhaltsverzeichnis

Jadebusen, Jade, Jadegebiet und Jadefahrwasser [Bearbeiten]

Blick von Minsener Oog in Richtung Süden über die Außenjade und die Innenjade bis zum Südufer des Jadebusens

Der Jadebusen stellt nicht eine Fortsetzung des Flusses Jade dar (obwohl dieser in den Jadebusen mündet), sondern ist, wie auch die Innen- und die Außenjade, ein Teil der Deutschen Bucht und damit der Nordsee. Dass der gesamte Jadebusen einen Teil der Nordsee darstellt, erkennt man daran, dass sein Salzgehalt selbst in der Nähe der Mündung des Flusses Jade 3,0 Prozent, also nur 0,5 Prozentpunkte weniger als der Salzgehalt der offenen Nordsee beträgt[1], eine Brackwasserzone fehlt also, anders als etwa im Fall der benachbarten Wesermündung. Das liegt vor allem am sehr kleinen Einzugsgebiet der Jade, die anders als zu der Zeit, als es noch ein Weserdelta gab, kaum noch Wasserspenden aus der Weser erhält.

Zusammenfassend werden Außen-, Innenjade und Jadebusen als „Jadegebiet“ bezeichnet. Dieser Begriff kann leicht mit der gleich lautenden Bezeichnung für die angrenzende ehemalige preußische Enklave im Land Oldenburg verwechselt werden.

Anders als bei der Innen- und der Außenjade, in deren Zentrum sich das Jadefahrwasser befindet, nimmt das Jadefahrwasser, offiziell Bundeswasserstraße Jade genannt, nur einen kleinen Teil des Jadebusens ein. Die Bundeswasserstraße beginnt in Höhe der ehemaligen I. Einfahrt zu den Wilhelmshavener Häfen und geht bereits bei km 2 in die Innenjade über.[2] Die kleineren Priele im Jadebusen sind nicht Teil der Bundeswasserstraße Jade. Als Nebenfahrwasser im Jadebusen gelten das Vareler Fahrwasser, die Ahne und die Kaisebalje. Auch sie werden, wenn auch weniger intensiv als die Bundeswasserstraße Jade, vom Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven betreut.[3]

Geschichte der Meeresbucht [Bearbeiten]

Entstehung [Bearbeiten]

Einen „Ur-Jadebusen“ gab es bereits vor 5.000 Jahren.[4] Die von einigen als Mündungsarme eines Weserdeltas gedeuteten Rinnen sind Ausläufer eines Prielsystems, das sich vom Ur-Jadebusen ein Stück weit in die Wesermarsch erstreckt hat und dort im Gebiet von Seefeld, Schwei bzw. Rönnelmoor ausgelaufen ist. Das Buchtenwatt des Ur-Jadebusens ist ab 3100 v. Chr. weitgehend verlandet, wobei sich zunächst Niedermoore ausgebreitet haben und um 1900 v. Chr. ein rascher und weitflächiger Umschlag von Niedermoor- zu Hochmoorvegetation erfolgt ist.

Entstehung des Jadebusens (animiert)
Der Leuchtturm Arngast bei Niedrigwasser

Die heutige Bucht ist, ähnlich wie der Dollart, das Ergebnis von Meereseinbrüchen bei Sturmfluten im Mittelalter, begünstigt außer durch den Anstieg des Meeresspiegels auch durch das Abtragen der ursprünglichen Moore von Menschenhand zur Nutzung des Torfs als Brennstoff, als Lieferant von Salz und zur Kultivierung.[5] Die ursprüngliche Moorlandschaft hatte bis zu vier Meter über dem Marschniveau gelegen und war daher auch ohne Eindeichung einigermaßen hochwassersicher gewesen. Zum Meer und zur Weser war diese Moorlandschaft zudem von breiten Uferwällen begrenzt, die sie für lange Zeit ebenfalls vor Überflutung schützten. Lediglich im Norden gab es eine Öffnung, durch die das Binnenwasser abfloss. An dieser Stelle drangen ab dem 13. Jahrhundert die großen Sturmfluten ein und zerstörten die schützenden Uferwälle. Die Entwicklung des Jadebusens setzte vermutlich mit der Ersten Marcellusflut vom 16. Januar 1219 ein. Weitere tiefe Einbrüche erfolgten während der Luciaflut (13. und 14. Dezember 1287) sowie in der Clemensflut (23. November 1334). Dabei räumten die Fluten die weichen Torfböden im Gebiet der heutigen Bucht aus, so dass sich der Jadebusen nach allen Seiten ausdehnte. Der Prozess der Ausräumung der Moorböden dauert bis heute im Bereich des Sehesteder Außendeichsmoores an, von dem nur noch kleine Reste erhalten sind.[6]

Äußerst verheerende Folgen hatte die Zweite Marcellusflut (erste „Grote Mandränke“) vom 16. Januar 1362: Durch sie wurde mit dem Lockfleet im Osten eine Verbindung zur Weser ausgewaschen, durch die Butjadingen und das Stadland zu Inseln wurden. Im Westen entstand dagegen der tiefe Einbruch des Schwarzen Bracks, der die nördlich gelegene, ältere Maadebucht von ihren Wasserzuflüssen aus dem Binnenland abschnitt, so dass diese langsam verlandete.[6]

Das Kirchspiel Arngast im Jadebusen ging in der Clemensflut vom 23. November 1334 unter, der Marktort Aldessen (Haroldsheim) im Jadebusen wurde um 1428 zuletzt erwähnt. Die größte Ausdehnung erreichte der Jadebusen durch drei kurz aufeinander folgende Sturmfluten, die Zweite Cosmas- und Damianflut am 26. September 1509, eine unbenannte Sturmflut am 9. September 1510 und die Antoniflut am 16./17. Januar 1511. Danach erstreckte sich sein westlicher Ausläufer, das Schwarze Brack, weit ins Landesinnere. Die Benennung erfolgte wegen der dunklen Wasserfärbung, die auf dem moorigen Untergrund beruhte.

Das zu Ostfriesland gehörende Dorf Horsten bekam Zugang zum Meer. Priele reichten in dieser Zeit bis zum Flüsschen Maade, das im Stadtteil Rüstersiel des heutigen Wilhelmshaven in den Jadebusen mündet. Das spätere Gründungsgebiet der Stadt Wilhelmshaven lag damals auf einer Insel.

Eindeichung und Gestaltung durch den Menschen [Bearbeiten]

An der Westseite ging man ab 1525 allmählich daran, zunächst den Meereseinbruch des von Prielen durchzogenen Wattengebiets des „Schwarzen Bracks“ in Land umzuwandeln. 1575 kam die nördlich des „Schwarzen Bracks“ gelegene Herrschaft Jever zur Grafschaft Oldenburg. Eine Verkehrsverbindung bestand nur westlich über ostfriesisches Gebiet. Daher bemühte sich der Oldenburger Regent Graf Anton Günther, eine sichere Landverbindung zu seinem nördlichen Landesteil herzustellen. Nach langen Streitigkeiten mit der Grafschaft Ostfriesland entstand zwischen 1596 und 1615 der noch heute vorhandene Ellenser Damm. Das tief gelegene Gebiet des „Schwarzen Bracks“ konnte erst dadurch mit dem Bau von Entwässerungssystemen und Sielen trockengelegt und urbar gemacht werden. Weitere Eindeichungen des Jadebusens folgten bis ins 19. Jahrhundert.

An der Ostseite des Jadebusens gestaltete sich die Eindeichung noch langwieriger als im Westen. Der Durchbruch erstreckte sich von der Jade nach Südosten bis zur Weser und verlief quer durch das Marschland bei Schweiburg Richtung Rodenkirchen und Ovelgönne bei Brake. Es erwies sich als schwierig, Deiche auf Moorboden zu gründen. Obwohl man bereits im 15. Jahrhundert begonnen hatte, einzelne Durchbrüche zu verschließen, gab es bis ins 18. Jahrhundert immer wieder schwere Deichbrüche, zuletzt bei der Weihnachtsflut 1717. Erst zwischen 1721 und 1725 gelang unter der Leitung des oldenburgischen Landdrosten Sehestedt die endgültige Eindeichung des Landes zwischen Jadebusen und Weser.

Im Reichskriegshafengesetz von 1883 wurde festgelegt, dass Maßnahmen, die die Strömung im Jadefahrwasser beeinträchtigten, der Genehmigung der Marine bedurften. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die mit den Gezeiten in den Jadebusen ein- und ausströmende Wassermenge ausreichte, um das Jadefahrwasser nicht versanden zu lassen. In der Praxis führte das zum Ende aller Landgewinnungsmaßnahmen im Jadebusen und zum Schutz seiner heutigen Form. Gleichwohl hat es auch später noch Veränderungen gegeben, insbesondere den Untergang der Insel Arngast (1904) und der so genannten Oberahneschen Felder vor der Küste Butjadingens (1940).

Nutzung des Jadebusens [Bearbeiten]

Schifffahrt [Bearbeiten]

Das Fahrwasser vor der Schleuse Varel bei Niedrigwasser

Der Jadebusen ist scheinbar als großer Naturhafen gut geeignet, da sieben Achtel seiner Fläche von Land umgeben sind. Trotzdem wurde er über Jahrhunderte nicht als solcher angenommen.

Der Bau dauerhafter Häfen wurde im Wesentlichen dadurch erschwert, dass sich nach Sturmfluten häufig die Grenze zwischen Land und Meer veränderte. Der Einbruch des Meeres ins Schwarze Brack ermöglichte beispielsweise die Errichtung des Sielorts Neustadtgödens. Der Bau des Ellenserdamms schnitt den vormaligen Sielort wieder vom direkten Zugang zum Meer ab.

Es gab bereits früh Versuche, das Jadegebiet als Kriegshafen zu nutzen. Als Vorläufer kann hier die Sibetsburg gelten, die an einem Nebenarm auf dem Gebiet des heutigen Wilhelmshaven lag und den Seeräubern der Vitalienbrüder zeitweise einen sicheren Hafen bot.

König Christian V. von Dänemark befahl 1681 als Herrscher über Oldenburg die Aufnahme von Bauarbeiten des Hafens „Christiansburg“ bei Varel, aber das Fahrwasser dorthin konnte mit den damaligen Mitteln nicht offen gehalten werden und verlandete immer wieder. Deshalb wurde das Vorhaben 1693 aufgegeben.[8]

Außer den Schwierigkeiten zur Fahrwasserunterhaltung waren es vor allem die Lebensumstände in den Küstenregionen, die den Bau eines Hafens verhinderten. Letztlich konnte erst Preußen diese Idee in die Tat umsetzen, nachdem es 1853 dem Großherzogtum Oldenburg das sogenannte Jadegebiet abgekauft hatte und dort das heutige Wilhelmshaven gründete. In den Anfangsjahren der Hafengründung litten die Bewohner und Hafenbauarbeiter an Trinkwassermangel und fiebrigen Erkrankungen, die sie sich in den Sümpfen entlang der Jade zuzogen. Zeitweise waren 40 Prozent der Arbeiter erkrankt, einige infizierten sich sogar mit Malaria.[9]

Die Hafenplätze südlich des heutigen Wilhelmshaven hatten immer nur regionale Bedeutung und konnten mit den großen Häfen an Elbe, Weser und Ems nicht konkurrieren.

Fischerei [Bearbeiten]

1973 war Varel noch Heimathafen von elf vollgewerblichen Fischkuttern. 2010 ist davon noch ein Kutter übrig geblieben.[10] Seit 2011 werden allerdings in Dangast von einem weiteren Kutter aus Krabben angelandet.[11]

Übergang der Salzwiesen bei Augustgroden ins Watt

Naturschutzgebiet [Bearbeiten]

Salzwiese vor dem Seedeich von Cäciliengroden
Salzwiese bei Flut

Der Jadebusen gehört fast vollständig zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Eine Besonderheit des Jadebusens besteht darin, dass es hier (außer dem künstlich angelegten „Dünenspielgarten“ am Banter See in Wilhelmshaven) keine Dünen gibt.[12]

Bis 1986 gehörte der größte Teil des Jadebusens zum „Vogelschutzgebiet Jadebusen“, einem 1962 unter Schutz gestellten Naturschutzgebiet.[13] Der Jadebusen ist als Nahrungs-, Rast-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für Wat- und Wasservögel von überragender Bedeutung. Für Vögel ist der Jadebusen deshalb attraktiv, weil sie dort weitgehend ungestört sind. Es gibt dort keine Bodenraubtiere, und seit 1973 gilt im Jadebusen ein ganzjähriges Jagdverbot. Durch die Ausweisung als Naturschutzgebiet sollen Brutvögel in den Außengroden sowie Watvögel, Schwäne, Enten, Gänse, Möwen und Seeschwalben geschützt werden, welche das außergewöhnlich große Nahrungspotenzial der Wattgebiete nutzen, das aus Muscheln, Schnecken, Würmern und Krebsen besteht.

Der Jadebusen ist Teil einer Landschaft mit dem Namen „Watten im Elbe-Weser-Dreieck Jadebusen“, die das Bundesamt für Naturschutz ausweist.[14]

Schwimmendes Moor [Bearbeiten]

Das Gebiet des Jadebusens war bis zum Einbruch des Meeres im Mittelalter eine Moorlandschaft, die vom Meer überspült wurde. Der letzte Rest dieses Moores ist das „Schwimmende Moor“ in Sehestedt an der Ostseite des Jadebusens. Es befindet sich zwischen Außendeich und Meer und ist Europas einziges Salzwasserhochmoor. Bei Sturmflut schwimmt das Moor auf.

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Karl-Ernst Behre: Das Moor von Sehestedt − Landschaftsgeschichte am östlichen Jadebusen. Band 21 der Reihe Oldenburger Forschungen
  • Karl-Ernst Behre: Die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen, Brune-Mettcker, Wilhelmshaven 2012, ISBN 978-3-941929-02-9
  • David Blackbourn: Die Eroberung der Natur - Eine Geschichte der deutschen Landschaft. Aus dem Englischen von Udo Rennert, 1. Auflage, München, Deutsche Verlags-Anstalt, 2006, ISBN 978-3-421-05958-1
  • Hans Egidius: Das Schwarze Brack: Eine Region behauptet sich gegen Naturgewalten. CCV Concept Center Verlag, Varel 2000, ISBN 3934606008
  • Hans Egidius: Der Jadebusen: Entstehung + Geschichte. KOMREGIS Verlag, Oldenburg 2011, ISBN 978-3-938501-33-7
  • A. Hops: Die Entwicklung des Jadefahrwassers zum Großschiffahrtsweg in HANSA Jahrgang 1966 Nr. 11 Seite 926-928
  • Eilert Schimmelpenning: Der Jadebusen und das Schwarze Brack. Schortens 2004, ISBN 3-936691-21-5

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Jadebusen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Jadebusen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Fachbereich Biowissenschaften der J. W. Goethe - Universität Frankfurt: Meeresbiologische Exkursion Wilhelmshaven und Helgoland 1 Sommer 2006 (PDF; 2,3 MB), S. 17
  2. IBL UmweltPlanung / Stadt Wilhelmshaven: Potenziale zur Kühlwassernutzung am Kraftwerksstandort Wilhelmshaven. Gewässerökologisches Gutachten. 2007, S. 62
  3. WSA Wilhelmshaven: Peilwesen
  4. Hansjörg Streif: Die geologische Entwicklung des Wesertals und der Weser (PDF; 137 kB). 1999, S. 9
  5. Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung: Salztorfabbau als mögliche Ursache für die Entstehung des Jadebusens
  6. a b Karl-Ernst Behre: Landschaftsgeschichte Norddeutschlands. Umwelt und Siedlung von der Steinzeit bis zur Gegenwart, Neumünster 2008. ISBN 978-3-529-02499-3. S. 99
  7. Internetseite der "Zugvogeltage"
  8. Varel-Christiansburg 2007, abgerufen am 29. März 2012
  9. Louise von Krohn, Vierzig Jahre in einem deutschen Kriegshafen, 2. Aufl. Wilhelmshaven 1981, ISBN 3-920602-07-2
  10. Peter Stange: Kutter kann wegen Eisgangs nicht in den Hafen. Nordwestzeitung. 10. Dezember 2010
  11. Dangast hat wieder einen Krabbenkutter. Nordwestzeitung. 5. April 2011
  12. Nordseestadt Wilhelmshaven: Weltnaturerbe Wattenmeer
  13. Klaus Taux: Die oldenburgischen Naturschutzgebiete. Oldenburg. Heinz Holzberg Verlag. 1986, S. 289–298
  14. Bundesamt für Naturschutz: Landschaftssteckbrief: „Watten im Elbe-Weser-Dreieck Jadebusen“