Taktisches Luftwaffengeschwader 74

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Taktisches Luftwaffengeschwader 74
— TaktLwG 74 —

III
JG 74.svg
Internes Verbandsabzeichen (Wappen)
Aufstellung 5. Mai 1961
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Luftwaffe with lettering.svg Luftwaffe
Typ Jagdgeschwader
Stärke ca. 935 Soldaten
Unterstellung Wappen des LwFüKdo KdoEinsVbdeLw
Standort Wilhelm-Frankl-Kaserne
Fliegerhorst Neuburg
Fliegerhorst Lechfeld
Führung
Kommodore Oberstleutnant Oberstleutnant Frank Gräfe [1]
Luftfahrzeuge
Kampfflugzeug/
-hubschrauber
Eurofighter

Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 (TaktLwG 74), bis 30. September 2013 Jagdgeschwader 74 (JG 74), ist eines der drei Eurofighter-Geschwader der deutschen Luftwaffe. Es ist das zweite Geschwader der Bundeswehr, das die Mehrzweckkampfflugzeuge vom Typ Eurofighter Typhoon als neues Flugzeugmuster erhielt. Das Geschwader ist auf dem Fliegerhorst Neuburg in Neuburg an der Donau stationiert und stellt die Alarmrotte für den süddeutschen Raum. Als Ausweichplatz untersteht der Fliegerhorst Lechfeld dem Geschwader.

Geschichte[Bearbeiten]

Taktisches Luftwaffengeschwader 74 (Deutschland)
Fliegerhorst Lechfeld
Fliegerhorst Lechfeld
Fliegerhorst Neuburg
Fliegerhorst Neuburg

Das Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau ging aus dem Jagdgeschwader 75 hervor. Das JG 75 war das letzte neu aufgestellte Jagdgeschwader der Luftwaffe. Es wurde am 1. Oktober 1960 in Oldenburg aktiviert. Ausgestattet war es zunächst mit dem allwetter- und nachtkampftauglichen Flugzeugmuster F-86K „Sabre“. Bereits im Jahr 1960 verlegte man es zunächst nach Leipheim, 1961 dann endgültig auf den neugebauten Flugplatz bei Neuburg an der Donau. Dort erhielt das Geschwader die Bezeichnung Jagdgeschwader 74. Seit 1962 ist es der NATO assigniert. Der erste Flugzeugmusterwechsel erfolgte schon ab 12. Mai 1964. Das JG 74 stellte bis Anfang 1966 um auf die Lockheed F-104G „Starfighter“.

Der Beinamen „Mölders“ – nach einem Luftwaffenoffizier des Zweiten Weltkrieges und vormaligen Angehörigen der Legion Condor – wurde dem Verband am 32. Todestag von Werner Mölders, dem 22. November 1973, verliehen. Damit war das Jagdgeschwader eines der Traditionsgeschwader der Luftwaffe. Zeitgleich wurde die Kaserne nach dem Jagdflieger des Ersten Weltkrieges Wilhelm Frankl benannt.

Nach einem Beschluss des deutschen Parlamentes, Mitglieder der Legion Condor[2] nicht länger als Leitbilder für deutsche Soldaten zu empfehlen, wurde dieser Beiname vom Bundesminister für Verteidigung im Jahr 2005 wieder gestrichen (siehe auch Werner Mölders).

Im Jahr 1974 wurde das Flugzeugmuster des Verbandes wiederum gewechselt. Die Ära der legendären F-4F „Phantom“ II in der Luftwaffe begann. Gleichzeitig mit der Einführung der Phantom erhielt das Geschwader den zusätzlichen Auftrag als Jagdbombergeschwader, dieser wurde jedoch nach dem Ende des Kalten Krieges aufgehoben. Die Phantom wurde bis 2008 eingesetzt.

Seit 2006 erfolgte jedoch bereits schrittweise die Umrüstung auf den Eurofighter. Die ersten Piloten erhielten in diesem Jahr beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage ihre Umschulung auf das neue Einsatzmuster. Die Vorbereitung auf die neuen Aufgabenfelder der Mechaniker geschah hierzu parallel durch die Technische Schule der Luftwaffe 1. Die ersten vier Eurofighter landeten am 25. Juli 2006 beim JG 74 in Neuburg an der Donau und wurden somit offiziell in Dienst gestellt. Am 12. Juni 2008 endete schließlich formal nach 34 Jahren der Flugbetrieb mit der Phantom. Das JG 74 war somit das erste Eurofighter-Einsatzgeschwader der Bundeswehr. Die letzte Landung einer Phantom, es handelte sich um die 38+10, erfolgte jedoch erst fünf Jahre später, am 4. Juli 2013, wenige Tage nach Ausserdienststellung der letzten F-4F der Luftwaffe.

Am 3. Juni 2008 wurde der NATO erstmals die Übernahme der Alarmrotte der Luftverteidigungssofortbereitschaft (Quick Reaction Alert, kurz QRA) durch das Waffensystem Eurofighter gemeldet.[3]

Im Frühsommer 2012 verlegte das JG 74 erstmals nach der Umrüstung mit acht Luftfahrzeugen in die USA genauer nach Alaska, wo es an den Manövern 'Distant Frontier' zu Vergleichszwecken mit USAF F-22 und zur Vorbereitung des unmittelbar anschließenden Manövers Red Flag Alaska teilnahm. Die acht überführten Luftfahrzeuge wurden hierzu auf den neuesten Ausrüstungsstandard (R2P Radar-Software-Upgrade, HAVE QUICK Radios und Multi Function Information Distribution System) gebracht.

Mit Auflösung des Jagdbombergeschwaders 32 (JaboG 32) wurde der Fliegerhorst Lechfeld zweiter Flugplatz des Geschwaders. Das JG 74 übernahm von der 1. Staffel des JaboG 32 auch deren Zugehörigkeit zu den „NATO-Tigers“. Die „Bavarian Tigers United“ werden von beiden fliegenden Staffeln gebildet und nahmen im Juni 2013 erstmals am NATO Tiger Meet teil.

Am 14. Juli des gleichen Jahres nahm die Luftwaffe erstmals an der Militärparade am französischen Nationalfeiertag teil. Neben einer Transall als Teilnehmer der Opération Serval waren anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Élysée-Vertrags drei Kampfflugzeuge des JG 74 am "Flypass" der französischen Luftstreitkräfte beteiligt.

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde zum 1. Oktober 2013 das Jagdgeschwader 74 (JG 74) in Taktisches Luftwaffengeschwader 74 (TaktLwG 74) umbenannt.

Organisation[Bearbeiten]

Eurofighter des JG 74
Drei F-4F Phantom des JG 74 „M“ im Jahr 1998
Vier F-104G Starfighter des JG 74 „M“ im Formationsflug
F-86K Sabre des JG 74

Das TaktLwG 74 ist dem Kommando Einsatzverbände Luftwaffe unterstellt. Geführt wird der Verband durch einen Kommodore im Dienstgrad eines Oberstleutnant oder Oberst.

Gegliedert ist das Geschwader in die Fliegende und die Technische Gruppe. Die Fliegende Gruppe umfasst die beiden Jagdstaffeln und die Flugbetriebsstaffel, die Technische Gruppe setzt sich aus der Instandsetzungs- und Elektronikstaffel, der Wartungs- und Waffenstaffel und der Nachschub- und Transportstaffel zusammen.[4]

Seit Ende März 2013 obliegt dem Geschwader zusätzlich der Betrieb des Militärflugplatzes auf dem Lechfeld. Sie unterhält an diesem Zweitstandort hierzu die Flugplatzstaffel Lechfeld des TaktLwG 74.[5]

Kommodore[Bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung
1 Oberst Fritz Wegner 5. Mai 1961 26. September 1968
2 Oberst Gerhard Mohrdieck 26. September 1968 25. September 1972
3 Oberst Rudolf Erlemann 25. September 1972 26. März 1975
4 Oberst Walter Schmitz 26. März 1975 18. Juli 1977
5 Oberst Michael Estendorfer 18. Juli 1977 12. März 1980
6 Oberst Hans Heinrich Block 12. März 1980 1. April 1984
7 Oberst Gunter Lange 1. April 1984 26. März 1986
8 Oberst Helmut Ruppert 26. März 1986 25. September 1991
9 Oberst Kurt Wolfgang Fredemann 25. September 1991 30. September 1993
10 Oberst Claus Volk 30. September 1993 26. Juni 1995
11 Oberst Gerhard Ballhausen 26. Juni 1995 31. März 1998
12 Oberst Ludwig Frank 31. März 1998 28. September 2000
13 Oberst Karl Müllner 28. September 2000 27. September 2002
14 Oberst Thomas Tillich 27. September 2002 26. September 2005
15 Oberst Uwe Klein 26. September 2005 1. April 2008
16 Oberst Andreas Pfeiffer 1. April 2008 20. März 2013
17 Oberst Frank Gräfe 20. März 2013 heute

Genutzte Flugzeugmuster[Bearbeiten]

Vorkommnisse[Bearbeiten]

  • Am 30. Oktober 1963 stürzte eine F-86K „Sabre“ des JG 74 auf ein Haus im Dorf Straß, etwa zehn Kilometer westlich von Neuburg an der Donau. Es gab vier Tote und elf Verletzte. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten.
  • Am 22. Oktober 1967 entwendete der Architekt Manfred Ramminger aus dem Fliegerhorst Neuburg eine gefechtsbereite AIM-9 Sidewinder Luft-Luft-Rakete, schickte sie per Luftfracht nach Moskau und übergab den Zünder persönlich dem KGB.
  • Am 11. April 1972 stürzt eine F-104G "Starfighter" bei Volkenschwand, Niederbayern ab. Der Pilot kommt dabei ums Leben.
  • Am 21. August 1981 stürzt eine F-4F Phantom II außerhalb von Sardinien ins Mittelmeer. Der Pilot konnte sich retten während der Waffenoffizier getötet wurde.
  • Am 11. April 1985 stürzt eine F-4F Phantom II ab. Beide Insassen werden dabei getötet.
  • Am 16. Juli 1985 stürzt eine F-4F Phantom II ab. Beide Insassen werden dabei getötet.[6]
  • Am 13. September 1995 stürzte zwischen Kirchheim in Schwaben und Haselbach ein F-4F Phantom II-Jagdflugzeug ab und rammte sich in ein Feld. Der Pilot und der Waffensystem-Offizier kamen dabei ums Leben.[7]
  • 20. August 2011: Der Funkkontakt zu einem Airbus A321 der türkischen Airline Onur Air auf dem Flug von Manchester in die Türkei brach um ca. 16.00 Uhr über Oberbayern plötzlich ab (vermutlich technischer Defekt). Die Alarmrotte des JG 74 stieg sofort auf, nach ca. fünf Minuten Flug war der Sichtkontakt hergestellt. Alle Versuche, Funkkontakt mit dem türkischen Piloten aufzunehmen, schlugen fehl. Der A321 wurde von der Rotte bis zur österreichischen Grenze begleitet und dort den Luftstreitkräften Österreichs übergeben.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jagdgeschwader 74 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auf Oberst Andreas Pfeiffer folgt Frank Gräfe
  2. Information auf Y-Punkt.de zur Legion Condor
  3. Artikel auf Luftwaffe.de
  4. „Take-off an der Donau“ auf der Website von „Y - Das Magazin“; eingesehen am 4. Januar 2011
  5. Augsburger Allgemeine, 28. März 2013, Eurofighter begrüßen ihren neuen Fliegerhorst
  6. ejection history Jagdgeschwader 74
  7. Augsburger Allgemeine 2010: Todesflug vor 15 Jahren
  8. Eurofighter jagen Urlaubsflieger, Münchner Merkur online vom 22. August 2011; Zugriff am 23. August 2011