Jagdhaus Hubertusstock

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Jagdhaus am Hubertusstock
Das Jagdschloss im Jahr 2008

Das Jagdschloss im Jahr 2008

Daten
Ort Joachimsthal
Bauherr Friedrich Wilhelm IV.
Baujahr 1847–1849
Koordinaten 52° 55′ 13″ N, 13° 39′ 57″ O52.92037913.665898Koordinaten: 52° 55′ 13″ N, 13° 39′ 57″ O

Das Jagdhaus am Hubertusstock (Haus Hubertusstock) war die offizielle Jagdresidenz des deutschen Staatsoberhauptes in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik. Wegen seiner repräsentativen Aufgaben bürgerte sich der Begriff Jagdschloss Hubertusstock ein. In der DDR zu Zeiten Erich Honeckers hatte es (vgl. Volksjagd) eine vergleichbare Funktion.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Jagdhaus, das sich am Werbellinsee in der Schorfheide, einer Landschaft im Land Brandenburg, befindet, wurde von 1847 bis 1849 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. im bayerischen oder auch im Schweizer[2] Landhausstil zu Ehren seiner Frau, einer Tochter des Königs Maximilian I. von Bayern, erbaut. Der schlichte Bau diente der Unterkunft der Hof-Jagdgesellschaften. Während der Abwesenheit der Bewohner wurde das Anwesen von Hofbeamten, Dienern und Handwerkern bewirtschaftet. Interessierte Besucher konnten den Bau für ein Eintrittsgeld von 25 Pfennig besichtigen.[2]

Ab dem Jahr 1869 wurden repräsentative herrschaftliche Jagden veranstaltet und dazu hochrangige Gäste eingeladen.[3]

Im Jahr 1898 erhielt das Jagdschloss auf kaiserliche Order eine Anbindung an die Eisenbahn: man errichtete den Kaiserbahnhof Joachimsthal.

Das Jagdschloss anno 1913

Zusammen mit dem Wirtschaftsgebäude und den umliegenden Wäldern gehörte das Jagdhaus zu den Preußischen Staatsforsten. Bis zum Sturz der Monarchie in der Novemberrevolution 1918 befand sich das Jagdhaus im Besitz der preußischen Herrscherfamilie der Hohenzollern. Mit der Revolution wurde Hubertusstock zunächst für kurze Zeit Nationaleigentum. Danach fiel das Jagdhaus an die Krongutverwaltung des ehemals regierenden Königshauses. 1926 wurde Hubertusstock dem Staat Preußen übertragen. In der Zeit der Weimarer Republik nutzten die Reichspräsidenten Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg das Gebäude als Quartier während ihrer Jagdausflüge in die Schorfheide. Zu den bejagten Tieren zählten vor allem Rehwild und Rotwild. Nach Hindenburgs Tod stellte Adolf Hitler das Jagdhaus dem Leiter der Reichskanzlei, Hans Heinrich Lammers, als Wochenendhaus zur Verfügung und schenkte es ihm schließlich 1944.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Jagdhaus mit Gründung der DDR in Volkseigentum über und wurde vom Land Brandenburg als Landsitz des Ministerpräsidenten genutzt. Die Wartung und Pflege erledigte zu dieser Zeit der zuständige Oberförster der Försterei Grimnitz. Nach der Auflösung der Länder in der DDR übernahm 1952 das Ministerium des Inneren den Gebäudekomplex und nutzte ihn bis 1971 als Erholungsheim für höhere Dienstränge.

Der 1973 abgeschlossene Nachbau auf den alten Grundmauern diente bis zum Ende der DDR als Gästehaus der Regierung. Das alte gesonderte Wirtschaftsgebäude wurde ebenfalls abgerissen. An seiner Stelle entstanden vier zweigeschossige Gäste-Bungalows mit Flachdach sowie ein Mehrzweckgebäude mit Schwimmbad, Sauna, Sporträumen und Schießstand.

Die nachrichtentechnische (fernmeldetechnische) Sicherstellung des Jagdhauses Hubertusstock (außer bei Protokollveranstaltungen) lag in der Verantwortung des Leiters der Hauptnachrichtenzentrale des Ministeriums für Nationale Verteidigung. Die Bewachung des Objekts Hubertusstock oblag dem Ministerium für Staatssicherheit.[4]

In den folgenden Jahren fanden in Hubertusstock zahlreiche Treffen mit ausländischen Politikern statt. Unter anderem trafen sich hier im Dezember 1981 Erich Honecker, Staatsratsvorsitzender der DDR, und der damalige bundesdeutsche Kanzler Helmut Schmidt.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde Hubertusstock nicht mehr vom Staat genutzt und stand einige Jahre zum Verkauf. Nach der Privatisierung wurde es bis 2009 umgebaut und dient nun als Hotel mit Gaststättenbetrieb. Die Bungalows sind saniert und modern ausgestattet worden, sie bieten nunmehr 18 Gästezimmer.[5]

Architektur des Hauses und die Umgebung[Bearbeiten]

Kaminzimmer im Jahr 1981

Das Gebäude wurde zweigeschossig mit umlaufender geschnitzter Galerie und Satteldach errichtet. Die Grundfläche wird aus zwei senkrecht zueinander angeordneten Rechtecken gebildet. Als Fassadenschmuck dienten zahlreiche Hirschgeweihe. Das Parterre beherbergte Gästezimmer und den Speiseraum mit Kamin (siehe Bild). In der Beletage befanden sich vier Zimmer, eine Kleinküche und ein Plumpsklo, jedoch kein Bad. Weder der Zustand des Hauses noch seine Ausstattung waren nach über 100-jähriger Nutzung noch zeitgemäß. So erfolgte auf Beschluss der DDR-Regierung 1971 ein Abriss mit anschließendem Wiederaufbau bis 1973 in Anlehnung an den ursprünglichen Gebäudestil und auf den historischen Grundmauern. Der höfische Zierrat wurde dabei jedoch nicht wieder verwendet.

An den Namen des Schlosses erinnerte ein „Bildstöckl“ für St. Hubertus, das inzwischen nicht mehr vorhanden ist. Ein Bronzestandbild eines röhrenden Hirsches und der „Siegfriedsbrunnen“ gehörten zum Schmuck in der Umgebung. Südwestlich der Zufahrtsstraße liegt ein Granitblock, dessen Inschrift anlässlich der Jahrhundertfeier 1900 von Kaiser Wilhelm II. veranlasst wurde: „Weidmannsdank der Jägerei“.[2] Ein weiterer Findling in der Umgebung wurde dem Schorfheider Forstmeister Balduin von Hövel gewidmet; die Stelle wird nunmehr Hövelseck genannt.[6]

Außerdem gibt es einen weiteren Granitblock an der Stelle, an der der Kaiser sein Jagdfrühstück einzunehmen pflegte: die „Königslinden“, bereits 1820 gepflanzt.[7] Das Forstamt Eberswalde hat einen Rund-Wanderweg Hubertusstock mit ca. 4,5 km Länge angelegt, der die oben genannten Natursteine berührt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anna Plothow: Hubertusstock. In: Märkische Skizzen. Berlin: Schall & Rentel o.J., S. 141–149
  • Hans-Otto Meissner: Junge Jahre im Reichspräsidentenpalais, München 1988, S. 123 ff
  • Klaus Bossig: DDR-Führung auf Reisen; EK-Verlag GmbH Freiburg Sept. 2010, ISBN 978-388255-734-3
  • Joachim Bandau: Gedenksteine und Forstorte in der Schorfheide, steinerne Zeugen der Geschichte; eine Dokumentation, 2009, Verlag Joachimstal

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meike Haselmann: Die Jagd in der DDR: zwischen Feudalismus und Sozialismus, 2005. zitiert nach Zusammenfassung bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
  2. a b c Straubes Märkisches Wanderbuch. Reiseführer durch die Mark Brandenburg, bearbeitet von Otto Grosch; Teil II; Geographisches Institut und Landkarten-Verlag Jul. Straube, Berlin, 1920; Seiten 31–39
  3. Kurzinfo zur Geschichte von Hubertusstock mit einigen Fotos, abgerufen am 22. Januar 2012
  4. Website Hauptnachrichtenzentrale des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR
  5. Homepage des Hotels Hubertusstock
  6. Website zum Ausflugsziel Hubertusstock auf Joachimsthal-Schorfheide.de
  7. Gedenkstein für den Kaiser in der Schorfheide; Auszug des Buches Wandern in der Schorfheide. Touren durch eine ungewöhnliche Landschaft; Trescher Verlag, 2005; ISBN 3-89794-083-3