Jagdschein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Redewendung als synonym für die Unzurechnungsfähigkeit siehe Jagdschein (Redewendung).
Jagdschein der Bundesrepublik Deutschland

Der Jagdschein ist in Deutschland die Urkunde, mit der sein Inhaber die Zulassung zur Jagdausübung erhält. Der Jagdschein gilt in allen Bundesländern. In Österreich heißt dieses Dokument Jagdkarte, in der Schweiz Jagdpatent.

Deutschland[Bearbeiten]

Ausstellung[Bearbeiten]

Jagdscheininhaber im Jagdjahr 2011/2012
Bundesland Jagdscheininhaber
Baden-Württemberg 38.751
Bayern ca. 48.001
Berlin 2.754
Brandenburg 12.500
Bremen 807
Hamburg ca. 2.400
Hessen 23.435
Mecklenburg-Vorpommern 11.702
Niedersachsen ca. 60.000
Nordrhein-Westfalen 80.716
Rheinland-Pfalz 18.258
Saarland 3.793
Sachsen 10.359
Sachsen-Anhalt 11.900
Schleswig-Holstein 20.569
Thüringen 10.919
Bundesrepublik 357.114

Der Jagdschein wird von der Unteren Jagdbehörde ausgestellt, wenn der Antragsteller folgende Bedingungen erfüllt:

  • Bestandene Jägerprüfung. Diese erfordert die Teilnahme an einem umfangreichen Lehrgang (mindestens 60 Stunden Theorie sowie 60 Stunden Praxis), der mit einer komplexen, dreiteiligen, staatlichen Prüfung abgeschlossen wird.
  • Nachweis einer Jagdhaftpflichtversicherung (mindestens 50.000 € für Sachschäden und mindestens 500.000 € für Personenschäden)
  • persönliche Zuverlässigkeit nach dem Waffengesetz (WaffG), die unter anderem ein einwandfreies Führungszeugnis voraussetzt
  • Mindestalter 18 Jahre, mit frühestens 16 Jahren kann der mit Einschränkungen verbundene Jugendjagdschein erstmals erteilt werden.

Mit der Ausstellung des Jagdscheines wird eine Gebühr und in vielen Landkreisen eine Jagdabgabe fällig.

Gültigkeitsdauer[Bearbeiten]

Der Jagdschein kann entweder als Tages- (14 Tage), Jahres- (ein, zwei oder drei Jahre), Erwachsenen-, Jugend-, Falkner-, oder Ausländerjagdschein erteilt (jägersprachlich: gelöst) werden. Nach Ablauf werden vor Neuausstellung die oben genannten Bedingungen erneut kontrolliert.

Zweck[Bearbeiten]

Der Jagdschein nach § 15 BJagdG soll in Deutschland sicherstellen, dass nur ausreichend ausgebildete Jäger die Jagd ausüben. Durch eine qualitativ hochwertige Ausbildung in Kreisjägerschaften sowie bei privaten Jagdschulen und durch staatliche Prüfungen wird eine Mindestanforderung an Jagdscheininhaber definiert. Die Durchfallquote lag 2012 im Bundesschnitt bei 15 Prozent.[1]

Der Jagdschein alleine berechtigt noch nicht dazu, die Jagd auch tatsächlich auszuüben. Das Jagdrecht steht in Deutschland den Grundeigentümern zu, die es (bei genügend großem Grundeigentum und als Inhaber eines gültigen Jagdscheines) auf ihrem eigenen Land ausüben dürfen oder sich örtlichen Jagdgenossenschaften der Grundeigentümer anschließen müssen, welche das Jagdausübungsrecht dann in der Regel an Jäger verpachten.

Der Jagdschein berechtigt seinen Inhaber:

  • jagdlich tätig zu sein;
  • zum Führen von Jagdwaffen auf der Jagd und im Zusammenhang damit;
  • zum Erwerb, Leihen und Besitz von Langwaffen und Munition;
  • zum Erwerb und Besitz von zwei Kurzwaffen und Munition (nach Voreintrag in die Waffenbesitzkarte);
  • als Sachkundigem das Fleisch von erlegtem Wild zu untersuchen und für den Handel freizugeben, sofern es keine verdächtigen Merkmale zeigt. Bei allesfressendem Wild (Wildschweine, Dachse) ist eine amtliche Trichinenschau obligatorisch.
  • zur Entnahme von Trichinenproben am erlegten Wild für die amtliche Trichinenuntersuchung [2], sofern er eine Schulung beim Veterinäramt bestanden hat und von der Behörde beauftragt wurde; [3]
  • Bei Revieren, die in Naturschutzgebieten liegen, ist der Jäger auch Naturschutzwart mit hoheitlichen Aufgaben, sofern er eine forstliche oder eine Berufsjäger-Ausbildung hat. [4]
  • zur Wahrnehmung des Jagdschutzes im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben
  • ein Jagdrevier zu pachten (ab den vierten Jagdjahr)

Jugendjagdschein[Bearbeiten]

Jugendliche zwischen dem 16. und 18. Geburtstag erhalten nach bestandener Jägerprüfung den Jugendjagdschein. Das ist ein im Prinzip vollwertiger Jagdschein, der in der Praxis gewissen Einschränkungen unterliegt. So darf der Jugendliche nicht alleine jagen, sondern nur in Begleitung eines jagdlich erfahrenen Erziehungsberechtigten oder einer vom Erziehungsberechtigten schriftlich beauftragten volljährigen und jagdlich erfahrenen Begleitperson. Jagdlich erfahren heißt, die Begleitperson benötigt zwar keinen gültigen Jagdschein, muss aber einen Jagdschein besessen haben. Der Jugendjagdschein berechtigt nicht zur Teilnahme an Gesellschaftsjagden als Schütze. Auch darf der jugendliche Jäger keine Waffen und Munition selbst besitzen. Er darf sich diese aber zur Jagd oder zum Übungsschießen leihen und im Zusammenhang mit der Jagd auch führen. Nach dem 18. Geburtstag des Inhabers kann die Behörde den Jugendjagdschein zu einem vollwertigen Jagdschein erklären.

Voraussetzung für die Jägerprüfung ist die Vollendung des 15. Lebensjahres. Allerdings kann der jugendliche Jäger schon vor seinem 15. Geburtstag die Ausbildung beginnen. Hat er die Prüfung mit 15 bestanden, muss er warten: Ausgehändigt wird der Jugendjagdschein frühestens am 16. Geburtstag.

Österreich[Bearbeiten]

Die Jagd ist in Österreich verfassungsrechtlich gesehen Landessache, daher gibt es neun verschiedene Regelungen (Jagdgesetze samt Verordnungen); im Ergebnis sind die Vorschriften aber ähnlich. In Österreich gilt die Bezeichnung Jagdkarte, die (abhängig vom jeweiligen Bundesland) von der Bezirkshauptmannschaft bzw. Magistrat oder von der jeweiligen Jägerschaft ausgestellt wird.

Zur Ausstellung benötigt man:

  • Nachweis über erfolgreich abgelegte Jagdprüfung
  • Meldezettel
  • Leumundszeugnis
  • Passfoto

Es sind Gebühren in der Höhe von 36 € bei der Ausstellung zu entrichten.

Gültigkeitsdauer[Bearbeiten]

Die Jagdkarte hat eine befristete Gültigkeit (z.B. von 13 Monaten mit 1. Januar – 31. Jänner des Folgejahres, in Oberösterreich beträgt die Gültigkeit ein Jagdjahr, also 1.4 -31.3.), die mit der Einzahlung eines Beitrages jedes Jahr erneuert werden muss. Der Einzahlungsabschnitt des Erlagscheines gilt hierbei als Nachweis der Gültigkeit und muss stets mit der Jagdkarte mitgeführt werden. Wird die Jagdkarte in drei aufeinanderfolgenden Jahren nicht gelöst, verliert sie in manchen Bundesländern ihre Gültigkeit.

Jagdgäste[Bearbeiten]

Jagdgäste benötigen eine Jagdgastkarte, die eine Gültigkeit von 3, 9, 14 Tagen, einem Monat oder einem Jahr haben kann. Sie wird bei der Bezirkshauptmannschaft bzw. Jägerschaft unter Nachweis des ausländischen Pendants zur Jagdkarte gelöst.

Versicherung[Bearbeiten]

In Österreich ist die Jagdhaftpflichtversicherung eine Pflichtversicherung, die automatisch durch das Lösen der Jagdkarte abgeschlossen wird.

Schweiz[Bearbeiten]

Berechtigung[Bearbeiten]

Der Jagdbetrieb ist in der Schweiz Sache der Kantone. Wer jagen will, braucht also eine kantonale Jagdfähigkeit und eine kantonale Jagdberechtigung. Jagdfähigkeit wird durch das Bestehen einer Jagdprüfung erlangt. Jagdberechtigung wird wie folgt erlangt:

  • durch das Lösen eines Jagdpatents in den Patentkantonen
  • durch die Aufnahme in einer Jagdgesellschaft in den Revierkantonen
  • in der Regel wird von den Kantonen jährlich der Nachweis eines durchgeführten Schiesstrainings verlangt (Nachweis der Schiessfertigkeit).

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung zur Jägerin bzw. zum Jäger und die entsprechenden Prüfungen werden von den Kantonen organisiert (siehe dazu auch Das Schweizer Portal). Um sich zur Ausbildung anzumelden, muss das Alter von 18 Jahren erreicht sein. In einigen Kantonen ist diese Altersgrenze höher. Die Ausbildung zur Jägerin oder zum Jäger ist in zwei Teile unterteilt:

  • Der theoretische Teil vermittelt Kenntnisse über das Wild und die Natur, die Hege und Jagdhunde, das Gesetzeswesen sowie die Jagdausübung und Waffenkunde.
  • Der praktische Teil besteht aus einer Schiessprüfung und der Waffenhandhabung.

Praxiserfahrung in der Natur erlangen die Jungjäger dadurch, dass sie während der Ausbildung Hegearbeit leisten und erfahrene Jägerinnen und Jäger begleiten.

Anerkennung anderer Jagdscheine[Bearbeiten]

Jagdscheine der Kantone untereinander werden oft anerkannt. Jagdscheine aus Deutschland, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein werden von einzelnen Kantonen anerkannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: "Knaurs Großes Jagdlexikon", Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5, S.431

Quellen[Bearbeiten]

  1. Daten und Fakten des Deutschen Jagdverbandes http://www.jagdverband.de/datenundfakten
  2. Tierische Lebensmittel-Überwachungsverordnung, § 6 Abs. 2
  3. Merkblatt des Landratsamts Rhein-Sieg-Kreis stellvertretend http://www.hegering-windeck.de/downloads/merkblatt_probenentnahme.pdf
  4. u. a. Bayerisches Jagdgesetz, § 42 Abs. 3

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Jagdschein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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