Jakob Altmaier

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Jakob Altmaier (* 23. November 1889 in Flörsheim am Main[1]; † 8. Februar 1963 in Bonn) war ein deutscher Widerstandskämpfer und Politiker der SPD.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Am Ersten Weltkrieg nahm Altmaier als Kriegsfreiwilliger teil. Er beteiligte sich 1918 an der Revolution in Frankfurt am Main, wo er von 1917–1919 Redakteur der Volksstimme war.

Auch in der Weimarer Republik arbeitete er als Journalist, u. a. für die Weltbühne, und als Korrespondent für den Manchester Guardian. Für den „Sozialdemokratischen Pressedienst“ und den Vorwärts berichtete er aus Belgrad, Paris und London. Als Jude und Sozialdemokrat floh er 1933 aus dem Reich. Er lebte zunächst in Paris (nach Kriegsbeginn als Häftling im Lager Audierne), später auf dem Balkan, in Spanien und in Afrika. Seine Sprachkenntnisse, seine gesellschaftliche Gewandtheit, seine europaweiten politischen Kontakte, die SPD-Erfahrungen in der Propaganda und seine journalistischen Fähigkeiten, sowie die eigenen revolutionären Erlebnisse von 1918 brachten ihn dazu, schon früh von einer künftigen Niederlage des NS auszugehen und sich auf die späteren Alliierten zu stützen.

Er trat in Jugoslawien in Kontakt mit dem britischen Geheimdienst sowie mit serbischer antifaschistischer Opposition. Im Auftrag der britischen „D Section“ produzierte er seit Herbst 1939 zusammen mit dem Agrarwissenschaftler Alfred Becker eine Zeitschrift „Alarm“ in kroatischer Sprache, ferner Aufrufe an die deutschsprachigen Donauschwaben und weitere Flugblätter, sowohl gegen die Nazis als auch gegen die Kommunisten. Die beiden stellten eine Zeitschrift Deutsche Mitteilungen her, mit einem serbischsprachigen Gegenstück. Zunehmend fabrizierten sie SPD-orientierte sowie katholisch ausgerichtete Druckschriften, die nach Österreich geschmuggelt wurden (durch Slowenien und Ungarn hindurch), was zu Altmaiers Verhaftung führte. Er kam auf britischen Druck frei.

Altmaier war einer der wenigen Flüchtlinge aus Deutschland, die bereit waren, dieses Land militant zu bekämpfen. Sie maßen ihrer Arbeit vor allem den moralischen Wert bei, angesichts der deutschen Anfangserfolge im Krieg nicht zu verzweifeln; den strategischen Wert schätzten sie zurecht gering ein. Nach Zerschlagung ihrer Organisation in Jugoslawien arbeiteten Altmaier und Becker seit Juli 1940 in Churchills SOE, Altmaier in Griechenland, später von Kairo aus. Als SOE-Agenten (Becker wirkte in Istanbul) verkörperten sie in dieser NS-Erfolgsphase einen ungebrochenen Widerstandswillen und vermittelten damit auch vielen anderen Flüchtlingen eine Zukunftshoffnung.[2]

1949 kehrte Altmaier nach Deutschland zurück. Er war bis 1948 Korrespondent für die sozialdemokratischen Zeitungen Telegraf und Neuer Vorwärts gewesen.

Partei[Bearbeiten]

Altmaier trat 1913 in die SPD ein.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Altmaier gehörte dem Deutschen Bundestag seit dessen erster Legislatur ab 1949[1] bis zu seinem Tod für den Wahlkreis Hanau an. Er gilt als Initiator des deutsch-israelischen Wiedergutmachungsabkommens von 1952 (Luxemburger Abkommen).

Ehrungen[Bearbeiten]

Nach Altmaier sind die Jakob-Altmaier-Straße in Hanau sowie die Altmaierstraße in Flörsheim am Main benannt. Die Stadt Flörsheim hat ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willy Albrecht: Ein Wegbereiter: Jakob Altmaier und das Luxemburger Abkommen, in: Ludolf Herbst, Wiedergutmachung in der Bundesrepublik Deutschland, München 1989, ISBN 3-486-54721-6, S. 205–213
  • Christoph Moß: Jakob Altmaier. Ein jüdischer Sozialdemokrat in Deutschland (1889–1963). Böhlau, Köln 2003 ISBN 3-412-02103-2 (zugl. Diss. phil. Mannheim 2002)
  • Werner Schiele: An der Front der Freiheit. Jakob Altmaiers Leben für die Demokratie, Magistrat der Stadt Flörsheim, 1991
  • Peter Pirker: Militantes Exil. Antideutscher Widerstand in Jugoslawien 1939–1940. in Zwischenwelt. Zs. der Theodor Kramer Gesellschaft, Jg. 27, #4, Febr. 2011 ISSN 1606-4321 S. 41–44
    • dsb.: Gegen das Dritte Reich! Sabotage und transnationaler Widerstand in Slowenien und Österreich 1938–1940. Kitab, Klagenfurt 2010 ISBN 3-902585-65-X
  • Jay Howard Geller: Jews in Post-Holocaust Germany 1945–1953. Cambridge UP 2004 ISBN 978-0-521-54126-8 ISBN 978-0-521-83353-0 In engl. Sprache (A. passim)

Weblinks[Bearbeiten]

Notizen[Bearbeiten]

  1. a b Friauf, Annette: Als jüdischer Abgeordneter im ersten Bundestag. [1] aufgerufen 31. Juli 2013
  2. Becker: geb. 1898 in Pommern.- Referenz: Pirker 2011, passim