Jakob Arjouni

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Jakob Arjouni, 2006

Jakob Arjouni, mit bürgerlichem Namen Jakob Bothe (* 8. Oktober 1964 in Frankfurt am Main; † 17. Januar 2013 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Jakob Arjouni, geboren 1964 als Sohn des Dramatikers Hans Günter Michelsen[1], übernahm später von der Musikmanagerin Kadisha Arjouni, mit der er einige Jahre verheiratet war, den marokkanischen Familiennamen. Nach abgebrochenem Studium veröffentlichte er mit 22 Jahren seinen ersten Roman Happy Birthday, Türke! Später folgte sein erstes Theaterstück Die Garagen. Bekannt geworden ist er als Autor der Kayankaya-Kriminalromane, die mittlerweile in über zehn weiteren Sprachen erschienen sind. 1987 wurde ihm der Baden-Württembergische Autorenpreis für das deutschsprachige Jugendtheater für sein Theaterstück Nazim schiebt ab verliehen. 1992 erhielt er den Deutschen Krimi-Preis für Ein Mann ein Mord.

Jakob Arjouni wohnte während seines Studiums mehrere Jahre in Berlin, hielt sich zwischenzeitlich in Ginestas im Département Aude (Frankreich) auf und lebte zuletzt wieder in Berlin, wo er in der Nacht zum 17. Januar 2013 einer Krebserkrankung erlag.[2]

Arjouni über Arjouni[Bearbeiten]

„1964 in Frankfurt am Main geboren, aufgewachsen in Frankfurt und Oberroden. Mit zehn auf ein Internat im Odenwald. Mit zwölf zum ersten Mal ‚Rote Ernte‘ von Hammett gelesen – nicht alles verstanden, aber begeistert. Von vierzehn bis achtzehn regelmäßige Fahrten ins Frankfurter Bahnhofsviertel zum Pool-Billard. Sergio-Leone-Filme gesehen. Nach dem Abitur nach Montpellier, Südfrankreich. Abgebrochenes Studium. Zweieinhalb Jahre Arbeit als Kellner, Badeanzug- und Erdnussverkäufer. Ersten Roman geschrieben, ‚Happy Birthday, Türke!‘, und erstes Theaterstück, ‚Die Garagen‘. Mit zweiundzwanzig nach Berlin auf eine Schauspielschule. Schnell abgebrochen. Studium an der Freien Universität. Noch schneller. Hugo, Faulkner und Irmgard Keun gelesen. Roman ‚Mehr Bier‘ geschrieben, Theaterstück ‚Nazim schiebt ab‘, Roman ‚Ein Mann, ein Mord‘. Beruf gefunden. Umzug nach Paris. Theaterstück, ‚Edelmanns Tochter‘. Zurück nach Berlin. Roman, ‚Magic Hoffmann‘.“[3]

Themen seiner Werke[Bearbeiten]

Arjounis Werke haben meist zeitgenössische Probleme zum Thema und spielen in Umgebungen, die dem Autor bekannt waren. Der Protagonist seiner Krimis, der Detektiv Kemal Kayankaya, lebt in Arjounis Heimatstadt Frankfurt am Main. Kayankaya, obwohl als Adoptivkind in einer deutschen Familie aufgewachsen, wurde aufgrund seines türkischen Aussehens oft mit Rassismus konfrontiert, den er mit viel Wortwitz und Sarkasmus bloßstellte. Kismet, ebenfalls ein Kayankaya-Krimi, hat den jugoslawischen Bürgerkrieg zum Thema. In Magic Hoffmann, Hausaufgaben und Edelsmanns Tochter werden zunehmender Nationalismus, Geschichtsverdrängung und Antisemitismus im wiedervereinigten Deutschland thematisiert.

Sein Buch Chez Max spielt im Paris des Jahres 2064. Arjouni entwickelte in diesem Roman die Vision einer Gesellschaft, in der infolge der Terroranschläge am 11. September 2001 jeder vorsorglich überwacht wird, damit Sicherheit garantiert sei. Damit erinnert das Szenario von Chez Max an das von George Orwell in seiner Dystopie 1984.

In dem 2009 erschienenen Roman Der heilige Eddy, Arjounis neuntem Buch, löste sich der Autor von der Schwere seiner Themen und schrieb einen Schelmenroman. Es handele sich um „246 schwebend leicht inszenierte Seiten deutscher Screwball-Prosa“, befand der Rezensent Peter Henning von der Wochenzeitung Die Zeit.[4]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Veröffentlichung von Happy Birthday, Türke! erfolgte unter dem Nachnamen seiner damaligen Ehefrau. Lange Zeit hielt sich das Gerücht, dass Arjouni wie sein Held Kayankaya „1964 als Sohn türkischer Gastarbeiter in Frankfurt geboren“ sei.[5]

Der Roman Der heilige Eddy wurde von Deutschlandradio Kultur 2010 unter der Regie von Judith Lorentz als Hörspiel produziert. Die Ursendung der 56 Minuten dauernden Krimi-Hörfassung war am 9. August 2010.[6]

Werke[Bearbeiten]

Kayankaya-Krimis[Bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Die Garagen. Uraufführung 1988.
  • Nazim schiebt ab. Uraufführung 1990.
  • Edelmanns Tochter. Diogenes, Zürich 1996, ISBN 3-257-06091-2.

Romane[Bearbeiten]

Kurzgeschichten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jakob Arjouni. 26. Februar 2004, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  2. Sandra Kegel: Zum Tod Jakob Arjounis. Eine Frage der Moral. FAZ, 17. Januar 2013, abgerufen am 17. Januar 2013.
  3. Selbstbeschreibung bei Diogenes
  4. Peter Henning: Liebesgeschichte, Räuberpistole, Berlinroman: Jakob Arjounis hinreißendes Gaunerbuch „Der heilige Eddy“. Die Zeit online vom 13. Februar 2009.
  5. So steht es beispielsweise im CD-Booklet zum Hörspiel Happy Birthday, Türke! vom Hörverlag
  6. Der heilige Eddy (Ursendung) Deutschlandradio Kultur vom 9. August 2010.