Jakob Eduard Polak

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Jakob Eduard Polak

Jakob Eduard Polak, auch: Jakob Eduard Pollak,[1] auch: Jakob Eduard Polack[Anm. 1] (* 12. November 1818 in Groß Morschin, Böhmen; † 8. Oktober 1891 in Wien) war ein österreichischer Arzt und Ethnograph, der sich besonders um den Aufbau einer modernen Medizin in Persien sowie um die Beziehung zwischen Österreich-Ungarn und diesem Land verdient gemacht hat.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Jakob Eduard Polak wurde in der Nähe von Prag als Sohn einer armen jüdischen Familie geboren. Er studierte Medizin an den Universitäten in Wien und Prag und wurde in Wien zum Dr. med. et. chir. promoviert; auch eine Ausbildung als Gynäkologe hatte er abgeschlossen. Er arbeitete ein Jahr im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, bevor er als Fabriksarzt nach Klobouk ging. Nach zwei Jahren kehrte er aber nach Wien zurück und befasste sich neben seinem ärztlichen Beruf auch mit wissenschaftliche Studien.

1851 verließ Polak Österreich, möglicherweise, da er sich an der Revolution von 1848 beteiligt hatte. Auf Einladung der persischen Regierung ging er nach Teheran, um dort vorerst an der Militärschule zu unterrichten. Nachdem Polak die persische Sprache erlernt hatte und ein physiologisches Lehrbuch sowie ein medizinisches Wörterbuch in persischer, arabischer und lateinischer Sprache verfasst hatte, wirkte er an der Gründung einer neuen, modernen Hochschule namens Dar-ol Fonun, eine Art Polytechnikum, mit, führte dort ein westlich orientiertes Curriculum ein und lehrte Anatomie und Chirurgie. Überdies gründete er eine Poliklinik, ein Militärspital und führte seine eigene ärztliche Praxis.[Anm. 2]

Polak gilt somit als Begründer der modernen Medizin im heutigen Iran. 1855 wurde er Leibarzt des Schahs Naser al-Din Schâh Qajar, den er auf seinen Reisen begleitete.[Anm. 3] Nebenbei betrieb er auch soziokulturelle und naturwissenschaftliche Forschungen – er „‚war ein auf Persien spezialisierter Humboldtist im höchsten Sinne‘, vor der Trennung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften“, so ein auf Polak spezialisierter Forscher.[2]

Zusammen mit Gāstager Khan stellte er Kontakte zu Industriellen und Wirtschaftstreibenden aus der Heimat her und beriet in Teheran lebende Österreicher. Als Forschungsreisender besuchte er selbst die entlegensten Gebiete Persiens und war auch an den Gräbern der biblischen Gestalten Mordechai und Esther in Hamadan.

1860 kehrte er nach Wien zurück, wo er wiederum im Allgemeinen Krankenhaus arbeitete. Daneben war Polak auch auf den Gebieten der Wissenschaft, Administration, Diplomatie, Ökonomie und Kultur tätig und wurde ein international gefragter Fachmann für Persien. Als Ratgeber unterstützte er österreichische Behörden und wohl auch die ab 1879 wirkende Österreichisch-ungarische Militärmission in Persien mit seinem Wissen und trat in vielen Bereichen als Vermittler zwischen Österreich-Ungarn und Persien auf.

Als Mitglied der Geographischen Gesellschaft veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze und Beschreibungen über Persien und die benachbarten Länder. 1865 verfasste er ein umfassendes ethnographisches Werk über den Iran, das auch heute noch als Standardwerk Bedeutung hat.[Anm. 3] In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Naturhistorischen Museum in Wien organisierte er naturwissenschaftliche Expeditionen nach Persien, das er 1882 selbst noch einmal besuchte.[Anm. 3]

Auf der Wiener Weltausstellung 1873 traf er als Vertreter der persischen Regierung und Mitglied der Ausstellungs-Kommission die Auswahl der Objekte, die aus Persien zur Ausstellung nach Wien geschafft werden sollte. Bei dieser Gelegenheit erwarb das Museum für angewandte Kunst unter anderem 60 Folios der einzigartigen Mogulhandschrift Hamzanama.[3]

An der Wiener Universität unterrichtete Polak als Lektor bis zu seinem Tode die neupersische Sprache. Er war dem Land und der Sprache so verbunden, dass er auch für seinen Grabstein am Wiener Zentralfriedhof (Tor 1, Gruppe 19, Reihe 57, Nr. 45)[1] einen Vers des persischen Dichters Saadi auswählte:

„DER EWIGE [GÜTIGE][4] SCHLIESST KEIN THOR,
ER ÖFFNET DENN EIN ANDERES ZUVOR.“

Der durch Kriegseinwirkungen beschädigte Grabstein wurde jedoch 2007 entfernt und befindet sich nun am Institut für Iranistik der Universität Wien; heute befindet sich am Friedhof ein neuer Stein.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hedwig Abraham: Jakob Eduard Pollak. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 11. Jänner 2013.
  2. Gudrun Harrer: Ein auf Persien spezialisierter Humboldist. (Siehe Weblinks)
  3. Abenteuer mit Hamza. Das Hamzanama. Forschung und Restaurierung. 3. Juni 2009 – 27. September 2009 im Museum für angewandte Kunst (abgerufen am 26. Juni 2009)
  4. a b c d Kleine Chronik. (…) † Dr. Jacob Eduard Polak. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 9741/1891, 9. Oktober 1891, S. 5, unten links (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Das Geburtsjahr und die Schreibweise des Namens werden in Literatur und Wissenschaft unterschiedlich angegeben:
    1818:
    Nachruf von Prof. Dr. Drasche in der Neuen Freie Presse Abendblatt. (Siehe Weblinks)
    Jakob Eduard Polak: The Jewish Encyclopedia. Vol. X. Funk and Wagnalls, New York/London 1916.
    Jakob Eduard Polak: Jüdisches Lexikon. Band IV/1. Jüdischer Verlag, Berlin 1930.
    Jakob Eduard Polak: JewishEncyclopedia.com (Siehe Weblinks)
    Jacob Eduard Polak: Österreichische Akademie der Wissenschaften. (Siehe Weblinks)
    1819:
    Jakob Eduard Polak: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. A.a.O.
    1820:
    Jakob Eduard Polack: Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. A.a.O.
    Jakob Eduard Polack: Julius Leopold Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. (Siehe Weblinks)
    Jacob Eduard Polak: Encyclopaedia Judaica. Vol. 13. Keter, Jerusalem 1971
  2. Wegen eines nach einer Behandlung eingetreten Todesfalles musste sich Polak einmal längere Zeit in Teheran verstecken, um der Rache der Verwandten des Verstorbenen zu entgehen.
  3. a b c Forschungsprojekt an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (siehe Weblinks)

Weblinks[Bearbeiten]