Jakob Finci

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Jakob Finci 1999

Jakob Finci (* 1. Oktober 1943[1]) ist ein bosnischer Jurist. Er ist Präsident der Jüdischen Gemeinschaft von Bosnien und Herzegowina und Botschafter von Bosnien und Herzegowina in der Schweiz.

Leben[Bearbeiten]

Finci überlebte die Bedrohung durch den Holocaust. Er studierte Rechtswissenschaften in Jugoslawien an der Universität Sarajevo und arbeitet seither als auf das internationale Handelsrecht spezialisierter Jurist. In Sarajevo war er zwischen 1983 und 1990 Direktor der für die Olympischen Winterspiele 1984 erstellten Bobbahn auf dem Trebević. Auch ließ er sich zum internationalen Wettkampfrichter für den Bobsport ausbilden.

Während des Bosnienkriegs und der Belagerung von Sarajevo versuchte er mit der von ihm 1991 gegründeten philanthropischen, jüdischen Organisation La Benevolencija Aufgaben des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes zu übernehmen und erreichte es, dass während der kriegerischen Auseinandersetzungen monatlich zwei Lastwagen von der kroatischen Küstenstadt Split ins belagerte Sarajevo – je einer mit Lebensmitteln und Medikamenten – durchgelassen wurden und dass 2.500 Menschen aller Volksgruppen die belagerte Stadt verlassen konnten.

1995 wurde er Vorsitzender der Juden in Bosnien. Im Jahr 2008 wurde er als Botschafter Bosnien und Herzegowinas in der Schweiz akkreditiert. Finci erhielt in Deutschland 1995 stellvertretend für La Benevolencija die Carl-von-Ossietzky-Medaille.

Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte[Bearbeiten]

Gemeinsam mit dem Romavertreter Dervo Sejdić legte Finci beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage gegen die bosnische Verfassung ein, da diese gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoße, weil sie Roma und Juden sowie Kinder aus „Mischehen“ vom passiven Wahlrecht für die Zweite Kammer des bosnischen Parlaments (Dom naroda Bosne i Hercegovine) und für das kollektive Präsidentenamt ausschließe, da hierfür nur ethnische Bosnier, Serben und Kroaten zugelassen seien. Im September 2009 wurde der Klage stattgegeben,[2] seither sind das Abgeordnetenhaus von Bosnien und Herzegowina und die anderen bosnischen Verfassungsorgane in der Pflicht, die Bestimmungen diskriminierungsfrei zu gestalten.

Schriften[Bearbeiten]

  • The Sarajevo Haggadah. Sarajevo, 1999 [1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jakob Finci, Geburtsdatum bei Bnf
  2. Bosnia Jew seeks to reverse ban on running for president, in: Haaretz, 5. Juni 2009; http://www.hrw.org/news/2011/11/02/bosnia-move-end-discrimination ; http://www.minorityrights.org/9773/briefing-papers/discrimination-and-political-participation-in-bosnia-and-herzegovina.html ; http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1672883 ; http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=7916300