Jakob Gujer

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Kleinjogg Jakob Gujer, 1775

Jakob Gujer, genannt Kleinjogg (* 9. August 1716 in Wermatswil; † 2. Oktober 1785 auf dem Landgut Katzenrüti in der Gemeinde Rümlang) war ein Bauer und Reformer der Landwirtschaft.

Leben[Bearbeiten]

Jakob Gujer stammte aus einer bäuerlichen Grossfamilie. Sein Vater starb, als Jakob acht Jahre alt war. Gujer fiel durch seine klugen und innovativen Bewirtschaftungsmethoden auf. 1761 veröffentlichte der Arzt (Johann) Hans Caspar Hirzel (1725–1803) die berühmte Schrift Die Wirthschaft eines philosophischen Bauers und machte ihn damit weit über die Grenzen der Eidgenossenschaft hinaus bekannt.

1769 überliess ihm die Stadt Zürich den vernachlässigten Lehnshof Katzenrüti in Rümlang zur Bewirtschaftung. Dort richtete er einen Musterlandwirtschaftsbetrieb ein. Insbesondere trat er für eine Rationalisierung der bäuerlichen Arbeit und damit verbunden eine Intensivierung der Produktion ein. Er erreichte dies durch eine verbesserte Düngung, indem er dem Hofmist Torfasche und Kompost zugab. Ferner verbesserte er den Anbau von Futterpflanzen. Er baute Klee an, mit dem sich mehr Kühe füttern liessen, womit mehr Mist und Jauche für die Düngung abfiel. Ferner erkannte Gujer die Bedeutung der Kartoffel als Volksnahrungsmittel. Fruchtwechsel und Drainage waren weitere Themen, mit denen sich der initiative Bauer befasste.

Jakob Gujer gilt als Wegbereiter der modernen Landwirtschaft. Durch die von ihm initiierten Bauerngespräche zwischen Städtern und Bauern kam er mit zahlreichen berühmten Persönlichkeiten in Kontakt. Johann Wolfgang von Goethe besuchte ihn zweimal, zuerst 1775 und ein zweites Mal 1779 zusammen mit Herzog Carl August (Sachsen-Weimar-Eisenach).

Neben der Landwirtschaft beschäftigte sich Gujer auch mit der Erziehung der Kinder und der Einrichtung des Hauswesens. Heinrich Pestalozzi nahm zum Beispiel oft auf Gujer Bezug.

Eine Gedenktafel am Hof Katzenrüti erinnert an den Schweizer Vorreiter der modernen Landwirtschaft. In Wermatswil findet man den vom Künstler Walter Anton Hürlimann im Jahr 1941 kreierten Kleinjogg-Brunnen. Die Plastik aus Bronze zeigt Gujer als Sämann.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Hauser: War Kleinjogg ein Musterbauer? In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, Jg. 9, 1961, S. 211–217.
  • Oskar Howald: Guyer, Jakob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 358 f. (Digitalisat).
  • Otto Sigg: «Lob der Tüchtigkeit». Kleinjogg und die Zürcher Landwirtschaft am Vorabend des Industriezeitalters. Zum zweihundertsten Todesjahr Kleinjogg Gujers (1716–1785). Mit Texten von Otto Sigg, Hans-Ulrich Pfister, Thomas Schärli, Bildern von Werner Reich. Staatsarchiv des Kantons Zürich, Zürich 1985.
  • Hans Caspar Hirzel: Die Wirthschaft eines philosophischen Bauers. Neue, vermehrte Auflage. Orell, Geßner, Füeßlin, Zürich 1774. (Neudruck, mit einem Nachwort von Holger Böning. Verlag Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1998, ISBN 978-3-7728-1403-7)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jakob Gujer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien