Jakob von Vitry

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Siegel Jakobs als Bischof von Akkon

Jakob von Vitry (lat. Iacobus Vitriacensis, frz. Jacques de Vitry, * um 1160/1170 in Reims; † 1. Mai 1240[1] in Rom) war ein mittelalterlicher Kardinal.

Leben[Bearbeiten]

Jakob war zunächst Seelsorger in Brabant und betreute hier als Augustinerchorherr die Frauen um Maria von Oignies. 1213 ernannte ihn Papst Innozenz III. zum Kreuzzugsprediger gegen die Albigenser. Wegen seines Erfolges wurde er zum Bischof von Akkon gewählt. Auf dem Weg in das Heilige Land bewirkte er 1216, dass die Beginen vom Papst anerkannt wurden. Darauf zog er als Kreuzfahrer im Fünften Kreuzzug nach Palästina, wo er mehrere Jahre verbrachte. In seinen Briefen aus dieser Zeit kritisierte er seine Mitchristen scharf, die ihre eigentliche Mission den eigenen persönlichen Interessen und Streitigkeiten unterordneten. 1229[2] wurde Jakob zum Kardinalbischof von Tusculum ernannt und elf Jahre später zum Patriarchen von Jerusalem gewählt. Papst Gregor IX. bestätigte diese Wahl jedoch nicht. Die Gründe hierfür sind unklar. Jakob von Vitry verbrachte den Rest seines Lebens in Rom. Er starb als Kardinaldekan am 1. Mai 1240.

Jakobs historische Abhandlungen sind eine der wesentlichen Quellen für die Geschichte des heiligen Landes sowie für den Fünften Kreuzzug. Sein einflussreicher hagiographischer Bericht „De Vita beatae Mariae Oigniacensis“ über die Begine Maria von Oignies blieb für lange Zeit ein Nachahmungsmodell in der weiblichen Hagiographie des späten Mittelalters.

Werke[Bearbeiten]

  • Sermones de Tempore, Antwerpen 1575.
  • Orientalis et occidentalis Historia, Douai 1597.
  • Historia Hierosolimitana, bearb. von Jacques Bongars, in: Gesta Dei per Francos I, Hanau 1611.
  • History of Jerusalem, hrsg. von Andrew Stewart, London 1895/1896 (Palestine Pilgrim's Text Society Library, Bd. 11) [englische Übersetzung].
  • Vita b. Mariae Oignies, AASS Iun IV, 1707, 636-666.
  • The Historia occidentalis of Jacques de Vitry. A Critical Edition", hrsg. von J. F. Hinnebusch, Fribourg-CH 1972 (Spicilegium Friburgense, Bd. 17).
  • Sermones vulgares, bearb. von I. B. Pitra, in: Annovissima Spicilegii Solesmensis, 1888 (nur Auszüge).
  • The Exempla or Illustrative Stories from the Sermones Vulgares og J. de V., hrsg. von Frederick Crane, 1890.
  • Briefe (unvollständig), hrsg. von Reinhold Röhricht, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 14 (1894), S. 97-118; Zeitschrift für Kirchengeschichte 15 (1895), S. 568-587; Zeitschrift für Kirchengeschichte 16 (1896), S. 72-114.
  • Goswin Frenken: Die Exempla des Jacob von Vitry. Ein Beitrag zur Geschichte der Erzählungsliteratur des Mittelalters, (Quellen und Untersuchungen zur lateinischen Philologie des Mittelalters 5,1), München 1914.
  • Joseph Greven: Die Exempla aus den Sermones feriales et communes des Jakob von Vitry, in: Sammlungen mittelalterlicher Texte 9, 1914.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pascale Bourgain: Jakob von Vitry. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 5, Artemis & Winkler, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 294–295.
  • Philipp Funk: Jakob von Vitry, Leben und Werke (Diss. Heidelberg), Leipzig 1909 (Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance, Bd. 3) (Neudruck Hildesheim 1973).
  • Agostino Paravicini Bagliani: Cardinali di curia e "familiae" cardinalizie dal 1227 al 1254, Padova 1972, S. 98-112.
  • Ilse Schöndorfer: Orient und Okzident nach den Hauptwerken des Jakob von Vitry, (Europäische Hochschulschriften 3, 743), Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1997, ISBN 3-631-31662-3.
  • Michael Hanst: Jakob von Vitry. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1493–1495.
  • Vera von der Osten-Sacken: Jakob von Vitrys Vita Mariae Oigniacensis. Zu Herkunft und Eigenart der ersten Beginen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 (VIEG 223).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

 Commons: Jacques de Vitry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Todesdatum nach Paravicini Bagliani, S. 108; am 14. Mai 1240 Papst Gregor IX. bezeichnet ihn als bone memorie.
  2. Zum Datum seiner Ernennung zum Kardinalbischof vgl. Paravicini Bagliani, S. 98.

Weblinks[Bearbeiten]