Jakowlew Jak-38

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Jakowlew Jak-38
RIAN archive 477421 Yak-38P fighter aircraft.jpg
Jak-38 des Flugdeckkreuzers Noworossijsk der sowjetischen Pazifikflotte (1984)
Typ: VTOL-Kampfflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: OKB Jakowlew
Erstflug: 1971
Indienststellung: 1977
Produktionszeit: Ab 1975 in Serienproduktion
Stückzahl: 231 [1]

Die Jakowlew Jak-38 (russisch Яковлев Як-38, NATO-Codename Forger) war das erste VTOL-Kampfflugzeug der Sowjetunion. Eine weitere Bezeichnung lautete Jak-36MP (Як-36МП). Die Jak-38 ist ein Senkrechtstarter in Hub- und Hub-/Schubtriebwerksanordnung. Die vertikalen Hubgebläse werden nur für vertikalen Flug verwendet und im horizontalen Flug abgestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Jak-36

Das Flugzeug basiert auf dem Technologiedemonstrator Jak-36. Nach dessen erfolgreicher Vorstellung wurde vom Bau weiterer Hubschrauberträger der Moskwa-Klasse abgesehen und stattdessen die Kiew-Klasse favorisiert.

Das Projekt startete 1967 unter der Leitung von Stanislaw G. Mordowin und Projektingenieur O. A. Sidorow, zu denen im Herbst 1967 noch Wiktor N. Pawlow kam, mit der Bezeichnung Jak-36M. Der offizielle Entwicklungsauftrag wurde vom Ministerrat am 27. Dezember 1967 erteilt. Alexander Jakowlew erteilte sein Einverständnis für die Entwürfe im August 1968 und im Januar 1969 wurde das Anforderungsdokument mit der sowjetischen Luftwaffe unterzeichnet. Darin wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 1400 km/h und eine Reichweite von 700 km mit 1000 kg Nutzlast gefordert. Im gleichen Zeitraum begann auch der Bau des ersten Prototyps und des ersten Mockups. Im April 1970 wurde das Mockup und auch der erste Prototyp fertiggestellt. Nach der Auslieferung des Prototyps begannen in Schukowski erste Tests des Hubantriebes an einem speziellen Testaufbau, der das Flugzeug mit Seilen über dem Boden festhielt. Der Prototyp der Jak-38 hob am 22. September 1970 mit Walentin Grigorjewitsch Muchin (russisch Валентин Григорьевич Мухин) an Bord zum ersten Mal frei vom Boden ab. Die ersten Tests zeigten eine Aufschaukelneigung durch eine zu geringe Steuerwirkung, vor allem um die Rollachse. Daraufhin modifizierten die Ingenieure die Düsen an den Tragflächenenden so, dass deren Luftstrom nach unten und oben gerichtet werden konnte. Im Oktober 1970 wurde dann der zweite Prototyp leicht modifiziert (längere Nase) fertiggestellt und Ende November 1970 bzw. Anfang Dezember erfolgte dann der erste, sehr kurze bzw. längere Flug mit konventioneller Start- und Landung einer Jak-36M. Am 13. Juli 1971 waren die Versuche beim Hersteller abgeschlossen und die inzwischen drei Prototypen zu staatlichen Abnahmetests eingesetzt. Diese wurden bis Oktober 1973 fortgesetzt, wobei 1972 auch Versuchsflüge auf einem nachgebauten Flugdeck stattfanden. Die erste Maschine der Trainerversion Jak-38U wurde im November 1974 fertiggestellt. Im Dezember 1974 wurden dann die Jak-36M offiziell abgenommen und die Produktionsfreigabe erteilt. Versuche an Bord von VTOL-Flugzeugträgern wurden ab 1975 beobachtet.[2]

Die Serienproduktion startete im Mai 1974, wobei eine der ersten Maschinen am 4. April 1975 wegen eines Triebwerksfehlers abstürzte. Am 11. August 1976 wurde die ehemalige Jak-36M dann offiziell als Jak-38 in Dienst gestellt. Es wurden ungefähr 75 Jak-38, einschließlich einer kleinen Anzahl zweisitziger Schulflugzeuge Jak-38U produziert. Andere Quellen sprechen von 231 produzierten Flugzeugen. Diese wurden auf den vier VTOL-Flugdeckkreuzern der Kiew-Klasse stationiert. Der Einsatz in Afghanistan zeigte die Schwächen der Konstruktion in Form unakzeptabler Hot and High-Fähigkeiten sowie einer zu geringen Nutzlast. So wurde im August 1981 eine Weiterentwicklung beschlossen, deren Fähigkeiten im Oktober 1982 festgeschrieben wurden. Bereits im November 1982 fanden die ersten Flugversuche des Prototyps statt. Mitte 1983 wurden die Herstellertests abgeschlossen und die Produktionsfreigabe erteilt. Die Serienfertigung startete 1984 und damit wurde die mit einem stärkeren Haupttriebwerk und optionalen Zusatztanks versehene Jak-38M in Dienst gestellt. Nach 50 Maschinen wurde die Produktion 1988 eingestellt und Mitte der 1990er Jahre wurden auch die Flugzeugträger mit ihren Jak-38 außer Dienst gestellt.

Technik[Bearbeiten]

Triebwerksanordnung
Jak-38 im Flug
Jak-38 auf dem Deck der Noworossijsk

Die Jak-38 ist eine Ganzmetallkonstruktion aus Aluminium- und Aluminium-Lithium-Legierungen, wobei auch hochfeste Stahl- und Titanlegierungen für bestimmte Komponenten und Glasfasern für das Radom verwendet wurden. Der Rumpf in Halbschalenbauweise war eine normale Konstruktion mit Spanten und Stringern. In der Sektion hinter der Nase war ein Teil der Avionik und im unteren Teil eine der Düsen zur Kontrolle des Schwebeflugs untergebracht. Danach folgt das Cockpit mit dem darunter untergebrachten Bugfahrwerk und danach der zweite Teil der Avionik und die an der Rumpfseite angebrachten Lufteinlässe. Es folgt die Sektion für die Hubtriebwerke, deren verstärkte und isolierte hintere Wände als Wärmeschutz für den anschließenden vorderen Rumpftank dienten. Die Flugzeuge waren mit dem Schleudersitz K-36WM ausgestattet, der sowohl durch den Piloten als auch durch eine anormale Flugzustände erkennende Automatik ausgelöst werden konnte.

Bewertung und Nachfolge[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer geringen Geschwindigkeit und Reichweite wurde sie von der NATO zunächst als sehr schwach eingestuft. Man ging davon aus, dass sie bei einem Luftkampf den meisten westlichen Trägerflugzeugen unterlegen gewesen wäre. Erfahrungen im Falklandkrieg zeigten aber, dass die dort eingesetzten britischen Hawker Siddeley Harrier-Kampfflugzeuge der Royal Navy sich gegen die weitaus leistungsstärkeren argentinischen Dassault Mirage III-Kampfflugzeuge ausgezeichnet behaupten konnten, was auf die modernen Luft-Luft-Raketen zurückzuführen war. Dies zeigt, dass auch ein relativ leistungsschwaches Flugzeug wie die Jak-38 mit modernen Luft-Luft-Raketen ein gefährlicher Gegner sein kann.

Das OKB Jakowlew entwickelte mit der Jakowlew Jak-141 einen Nachfolger, der nicht in Dienst gestellt wurde.

Technische Daten[Bearbeiten]

Daten der Jak-38 "Forger-A"[3]

Dreiseitenriss der Jak-38
Kenngröße Daten
Länge 16 m
Flügelspannweite 7,32 m
Flügelfläche 18,50 m²
Flügelstreckung 2,9
Höhe 4,37 m
Leermasse 7.390 kg
Startmasse
  • VTO max. 11.700 kg
  • STO max. 13.000 kg
Höchstgeschwindigkeit:
  • 1050 km/h (in 10.972 m Höhe)
  • 978 km/h (auf Meereshöhe)
Dienstgipfelhöhe 12.000 m
Reichweite:
  • 740 km
  • 370 km (mit max. Waffenlast)
Besatzung 1
Triebwerke:
  • ein Ljulka AL-21F mit 80,22 kN Schub
  • zwei Hubgebläse RD-36-35FWR mit je 31,9 kN Schub / Jak-38M: 2 × RD-36-38

Bewaffnung[Bearbeiten]

Waffenzuladung von 2.000 kg an vier Unterflügelstationen
Luft-Luft-Lenkflugkörper
Luft-Boden-Lenkflugkörper
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen
  • 2 × UB-32A-73-Raketen-Rohrstartbehälter mit je 32 × ungelenkten S-5-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 57 mm
  • 2 × UB-16-57UMD-73-Raketen-Rohrstartbehälter mit je 16 × ungelenkten S-5-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 57 mm
  • 2 × Wympel B-8W20A1-Raketen-Rohrstartbehälter für je 20 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen S-8 im Kaliber 80 mm
  • 4 × APU-68UM3-Startschienen mit je 1 × ungelenkter Luft-Boden-Rakete S-24B; Kaliber 240 mm (235 kg)
Ungelenkte Freifallbomben
  • 2 × Basalt FAB-500-M62 (500-kg-Freifallbombe)
  • 2 × ZB-500RT (450-kg-Napalmbombe)
  • 2 × Basalt FAB-250-M54 (250-kg-Freifallbombe)
  • 2 × BetAB-250 (250-kg-Anti-Pisten-Bombe)
  • 2 × Mehrfachbombenträger MBD mit je 5 × FAB-100 (100-kg-Freifallbombe)
  • 1 × RN-28 (taktische 1-kt-Freifall-Nuklearbombe)
  • 1 × RN-40 (taktische 30-kt-Freifall-Nuklearbombe)
  • 1 × RN-41 (taktische Freifall-Nuklearbombe)
Externe Behälter

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jakowlew Jak-38 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angaben des Jakowlew-Konstruktionsbüros yak.ru
  2.  Yefim Gordon: Yakovlev Yak-36, Yak-38 & Yak-41. The Soviet Jump Jets. In: Red Star. Midland Publishing, 24. April 2008 (Originaltitel: Yakovlev Yak-36, Yak-38 & Yak-41), ISBN 978-1857802870, S. 144.
  3.  Riccardo Niccoli: Flugzeuge: Die wichtigsten Flugzeugtypen der Welt. Kaiser, ISBN 3-7043-2188-5, S. 215.