James Brady

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter James Brady (Begriffsklärung) aufgeführt.
James Brady im Jahr 2006
Tumult beim Attentat auf Reagan am 30. März 1981. Brady liegt verwundet am Boden.

James Scott „Jim“ Brady (* 29. August 1940 in Centralia, Illinois) ist ein US-amerikanischer Aktivist.[1] Zusammen mit seiner Frau setzt er sich für die bessere Kontrolle von Handfeuerwaffen in den USA ein. Er wurde 1981 als Pressesprecher für Präsident Ronald Reagan bei einem Attentat auf diesen schwer verletzt wurde und erlitt dauerhafte Schäden. Später begannen seine Frau und er ihr Engagement für eine Verschärfung des amerikanischen Waffenrechts, was unter vielen anderen Erfolgen im Jahr 1993 in dem nach ihm benannten Brady Handgun Violence Prevention Act, auch bekannt als Brady Bill, resultierte. Für seine Arbeit wurden ihm und seiner Frau zahlreiche Ehrungen zuteil.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Brady besuchte die University of Illinois at Urbana-Champaign und schloss dort im Jahr 1962 mit einem Bachelor of Science in Politikwissenschaft ab. Er wurde Mitarbeiter von Everett Dirksen, damals Senator in Illinois, machte ein Praktikum bei der Kartellabteilung des Justizministeriums und arbeitete in verschiedenen Positionen bei PR-Firmen.[2]

1973 heiratete er Sarah Jane Kemp. Aus dieser Ehe stammt der 1978 geborene James Scott Brady jr. Brady hat noch eine Tochter aus einer vorigen Ehe.[2]

Tätigkeit in Washington[Bearbeiten]

1973 zog er in die Hauptstadt Washington und arbeitete bei verschiedenen Ministerien sowie im Stab von Senator William V. Roth. Er war als Pressevertreter von John Connally tätig, der bei der Präsidentschaftswahl 1980 die Nominierung der Republikanischen Partei zu erringen versuchte, sich aber Ronald Reagan geschlagen geben musste.[2]

Nach dem Nominierungsparteitag der Republiker, der Ronald Reagan als Präsidentschaftskandidaten und George H. W. Bush als Vizepräsidentschaftskandidaten nominierte, arbeitete er für das Komitee von Reagan und Bush.[3] Er wurde nach dem Wahlsieg Sprecher des designierten Präsidenten. Anfang 1981 ernannte Reagan ihn zum Pressesprecher seiner Regierung.[2]

Attentat auf Reagan[Bearbeiten]

Am 30. März 1981, nur gut zwei Monate nach Amtsantritt von Reagan, verübte der psychisch kranke John Hinckley, Jr. ein Attentat auf Ronald Reagan, bei dem Reagan und drei weitere Personen, darunter auch Brady, verletzt wurden. Brady wurde vom ersten Schuss am Kopf getroffen. Aufgrund der Verletzungen war er zunächst linksseitig weitgehend gelähmt, hatte Gedächtnislücken und konnte seine Emotionen beim Sprechen nur schlecht kontrollieren. Er konnte jedoch Sprachdefizite und motorischen Einschränkungen teilweise überwinden. Laut seinem behandelnden Arzt kann er mittlerweile auch wieder gehen.[4] Er sitzt üblicherweise im Rollstuhl und hat leichte Schwierigkeiten beim Sprechen.[3]

Offiziell war Brady während der gesamten Amtszeit Reagans dessen Pressesprecher. In der Praxis war er jedoch nie mehr als solcher tätig.[2]

Engagement für stärkere Waffenkontrolle[Bearbeiten]

Nach der Darstellung Sarah Bradys war die schwere Verletzung James Bradys nicht der Auslöser für ihr Engagement für eine verbesserte Kontrolle von Handfeuerwaffen. Im Sommer 1985 bekam ihr damals 6-jähriger Sohn, James Brady jr., im Auto einer befreundeten Familie eine Pistole in die Hände, die der Junge wie auch sie für ein Spielzeug hielten. Erst als sie die Pistole in die Hand nahm, bemerkte sie, dass es sich um eine echte Waffe handelte. Der Vorfall beschäftigte sie, und sie entschloss sich, politisch aktiv zu werden, um die Allgegenwärtigkeit von Waffen in den USA einzuschränken.[2]

Das Ehepaar Brady engagierte sich ab 1985 bei der Organisation Handgun Control, Inc. (HCI), die Lobbyarbeit für die Verschärfung des Waffenrechts betreibt. Sie wurde 1974 von einem Schusswaffenopfer gegründet und trug seit 1980 diesen Namen. Nach 1985 konnten einige große Erfolge erzielt werden. Sarah Brady gelang es, die Mitgliederzahlen von HCI mehr als zu verdoppeln. James Brady, der Reagan bis heute bewundert[3] und dem er formell während dessen gesamter Präsidentschaft unterstellt war, sprach sich erst nach dem Amtsantritt des Nachfolgers George H. W. Bush öffentlich gegen die Waffenlobby-Organisation NRA aus, was viel beachtet wurde und HCI Zulauf verschaffte.[5] Mittlerweile hat sich das Ehepaar auch von der Republikanischen Partei abgewendet.[3]

Es konnten zahlreiche Gesetzesverschärfungen in verschiedenen Bundesstaaten bewirkt werden. Auf nationaler Ebene konnte durch ein nach Jim Brady benanntes Gesetz, die so genannte Brady Bill, ein großer Erfolg erzielt werden.[6]

Brady Bill[Bearbeiten]

Bill Clinton unterzeichnet die Brady Bill in Anwesenheit von James Brady

Das Waffenrecht in den Vereinigten Staaten erlaubt leichten Zugang zu Handfeuerwaffen, da der Waffenbesitz dort ein Grundrecht gemäß dem 2. Verfassungszusatz ist. Der Attentäter, der u.a. Brady niederschoss, war zwar zuvor auffällig geworden, als er drei Handfeuerwaffen an Bord eines Flugzeugs bringen wollte, und hatte auch Anzeichen psychischer Probleme gezeigt, konnte aber die Waffe erwerben, mit der er den Attentatsversuch unternahm.[7]

Der vom Ehepaar Brady initiierte Gesetzesvorschlag wurde in seiner ursprünglichen Form am 4. Februar 1987 eingereicht. Diese sah eine zwingende Wartezeit beim Waffenerwerb vor. Die Vorlage scheiterte am 15. September 1988. Eine veränderte Fassung wurde in der folgenden Legislaturperiode eingebracht. Diese sah, vor, die Wartezeiten nur beizubehalten, bis die Einrichtung einer nationalen Datenbank von Vorstrafen und anderen relevanten Informationen erfolgt ist, was in ähnlicher Form im endgültig verabschiedeten Gesetz auch umgesetzt wurde.[6]

Sowohl die ursprüngliche Vorlage als auch die veränderte Fassung wurden wiederholt von den beiden Kammern des US-Kongresses beraten und teilweise auch beschlossen, aber erst 1993 gelang es, das Gesetzesverfahren für eine endgültige Fassung erfolgreich abzuschließen. Es wurde am 30. November 1993 von Präsident Clinton unterzeichnet.[6]

Das nach James Brady benannte Gesetz Brady Handgun Violence Prevention Act (auch bekannt als: Brady Bill), für das sowohl er als auch seine Frau im Lauf von 7 Jahren viel Überzeugungsarbeit bei vielen Abgeordneten betrieben, um es letztendlich zu verabschieden, schreibt vor, dass sich Käufer von Handfeuerwaffen in lizenzierten Waffengeschäften einer Überprüfung durch eine Datenbank des FBI auf Vorstrafen unterziehen müssen. Für Käufer außerhalb von Waffengeschäften wurde eine Wartezeit von fünf Tagen vorgeschrieben. Für Langwaffen gelten geringere Anforderungen.

Die Brady Bill ist eine wichtige Maßnahme zur Regulierung von Waffenverkäufen. Beim Inkrafttreten 1994 führte das Gesetz in 32 Bundesstaaten eine Überprüfung auf die Vorgeschichte des Käufers ein, die zuvor eine solche Vorschrift nicht gehabt hatten. 1998 lief die verpflichtende Wartezeit mit der Einführung eines nationalen Registers für Vorstrafen aus.[6]

Nach Angaben der Brady Campaign sind durch das Gesetz schätzungsweise zwei Millionen Menschen vor einem Tod durch Schusswaffen bewahrt worden.[2]

Brady Campaign[Bearbeiten]

Neben der Arbeit zum Zustandekommen der Brady Bill wirkten Jim und Sarah Brady auch in anderen Teilen der Arbeit von HCI mit. Als sich der langjährige HCI-Vorsitzende Pete Shields 1989 zur Ruhe setzte, wurde Sarah Brady zur Vorsitzenden gewählt. 1991 wurde sie auch Vorsitzende des Center to Prevent Handgun Violence (Zentrum zur Vermeidung von Gewalt durch Handschusswaffen; CPHV), das 1983 als Schwesterorganisation von HCI gegründet worden war.[6] James Brady ist in den Vorständen beider Organisationen ein Ehrenmitglied.[2]

Im Jahr 2001, 20 Jahre nach dem Attentat, wurden HCI und CPHV in Anerkennung der Verdienste des Ehepaars Brady umbenannt in Brady Campaign to Prevent Gun Violence (kurz Brady Campaign) und Brady Center to Prevent Gun Violence.[6]

Bis heute sind James und Sarah Brady vielbeachtete Stimmen für die Kontrolle von Handfeuerwaffen, die sich bei tragischen Ereignissen in die öffentliche Debatte einbringen. Zum 30. Jahrestag des Attentats wurden ihm und seinen Anliegen ebenso große mediale Aufmerksamkeit zuteil. [8][3]

Im Jahr 2013, als die bei einem Attentat im Januar 2011 schwer verletzte Gabrielle Giffords zusammen mit ihrem Mann Mark Kelly eine eigene Organisation zur Verbesserung der Waffenkontrolle gründete[9], maß er Giffords wichtige Qualitäten für den Fortschritt in den Fragen der Waffenkontrolle zu.[10] Es wurde auch spekuliert, Giffords könne ein Nachfolger von Brady werden.[11]

Ehrungen[Bearbeiten]

Neben der Benennung der Brady Bill und der Brady Campaign wurden James Brady zahlreiche weitere Ehrungen zuteil:

  • Im Jahr 1991 Preisträger des Maurice N. Eisendrath Bearer of Light Award der Union of American Hebrew Congregations, einer Organisation reformierter jüdischer Gemeinden in den USA (gemeinsam mit seiner Frau)
  • Im Jahr 1992 Preisträger des C. Everett Koop Health Advocate Award des amerikanischen Krankenhausverbandes (gemeinsam mit seiner Frau)
  • Im Jahr 1994 Preisträger des Lenore and George W. Romney Citizen Volunteer Award (gemeinsam mit seiner Frau)
  • Im Jahr 1994 Preisträger des Jefferson Awards (gemeinsam mit seiner Frau) [12]
  • Im Jahr 1996 Preisträger des Margaret Chase Smith Award, vergeben von der National Association of Secretaries of State, eines Verbandes von Ministern auf Ebene der US-Bundesstaaten (gemeinsam mit seiner Frau)
  • Am 9. September 1996 erhielt er von Präsident Bill Clinton die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der USA[2]
  • Am 11. Februar 2000 wurde der Saal für Pressekonferenzen im Weißen Haus in James S. Brady Briefing Room umbenannt.
  • Er ist Träger der Distinguished Eagle Scout Award der Pfadfinderorganisation Boy Scouts of America.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. People Magazine, „The Undefeated“, 1. April 2002
  2. a b c d e f g h i Biographie auf der Webseite der Brady Campaign (englisch)
  3. a b c d e Interview des Senders NPR mit Jim und Sarah Brady anlässlich des 30. Jahrestags des Attentats (englisch)
  4. Artikel im Wissenschaftsjournal Nature, 11. Januar 2011
  5. DER SPIEGEL: Leibhaftiger Alptraum, 18. Juni 1990
  6. a b c d e f Geschichte der Brady Campaign auf deren Webseite (englisch)
  7. Eugene Register-Guard „Dallas Recalls Hinckley“, 31. März 1981 (englisch)
  8. Reuters, „After 30 years, Jim Brady continues to push for gun control“, 30. März 2011
  9. Spiegel online: Giffords startet Kampagne gegen US-Waffenlobby, 8. Januar 2013
  10. The 2013 TIME 100, Eintrag zu Giffords (englisch)
  11. National Journal, „Is Gabby Giffords the New Jim Brady?“, 8. Januar 2013 (englisch)
  12. Liste der Preisträger des Jefferson Awards