James Earl Ray

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fahndungsfoto des FBI

James Earl Ray (* 10. März 1928 in Alton, Illinois; † 23. April 1998 in Nashville, Tennessee) war ein US-Amerikaner, der als Attentäter und Mörder von Martin Luther King in die Geschichte einging.

Tat, Festnahme und Verurteilung[Bearbeiten]

Ray schoss laut Gerichtsurteil – in einem nicht endgültig geklärten Zusammenhang mit dem Attentat auf Martin Luther King am 4. April 1968 in Memphis – aus einem Toilettenfenster eines Motels, als King auf dem Balkon des gegenüberliegenden Motels stand. Ray floh, ließ jedoch sein Gewehr, das er nicht von seinen Fingerabdrücken gereinigt hatte, am Tatort zurück. So wurde er zwei Monate später, am 8. Juni 1968, in London gefasst, als er auf dem Weg nach Rhodesien (damals noch Apartheidsstaat) war. Zurück in den USA, wurde ihm von einem seiner Anwälte geraten, die Tat zu gestehen, um der Todesstrafe zu entgehen. Am 10. März 1969 – seinem Geburtstag – legte Ray ein Geständnis ab und wurde zu 99 Jahren Haft verurteilt. Drei Tage später bestritt er aber, der Mörder von King zu sein.

Flucht 1977[Bearbeiten]

Am 10. Juni 1977 gelang ihm und weiteren fünf Insassen die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Petros (Tennessee).[1] Mit Hilfe eines Spürhunds konnte er am 13. Juni etwa 8,5 Meilen (ca. 13,6 km) vom Gefängnis entfernt gefunden und verhaftet werden. Wegen dieser Flucht wurde seine Strafe auf 100 Jahre erhöht.

Zweifel an Rays Täterschaft, Tod[Bearbeiten]

Ray versuchte vergeblich, die Wiederaufnahme seines Verfahrens zu erreichen. In den folgenden Jahren behauptete er wiederholt, das Opfer einer Verschwörung zu sein, verwickelte sich aber teilweise in Widersprüche. So behauptete er immer wieder, dass ein Mann namens Raoul, den er Monate vor der Tat traf, ihm die Anweisung gegeben habe, King zu erschießen. Diese Behauptung variierte er im Laufe der Jahre. Sein größter Erfolg bei den Bemühungen, seine Unschuld zu beweisen, war der Besuch von Dexter King, dem Sohn von Martin Luther King, im Jahre 1997 bei ihm im Gefängnis. Dexter schenkte den Behauptungen Rays Glauben und beschuldigte öffentlich die damalige Regierung, seinen Vater ermordet zu haben. Die King-Familie unterstützte Rays Forderung nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens, was 1998 auch zu einem Erfolg führte. Loyd Jowers, Besitzer eines Restaurants nahe dem Tatort, wurde vor einem Zivilgericht angeklagt, Teil einer Verschwörung zur Ermordung Martin Luther Kings gewesen zu sein. Das Verfahren endete mit seiner Schuldigsprechung. Aus der King-Familie gab und gibt es wiederholt Forderungen nach einer umfassenden Untersuchung der Ereignisse. Im Jahr 2000 kam eine Kommission zu dem Schluss, dass es keine Beweise für eine Verschwörung gebe.

James Earl Ray starb am 23. April 1998 im Gefängnis an den Folgen eines Nierenversagens, welches wahrscheinlich durch Hepatitis C verursacht wurde. Der Autopsiebericht enthielt darüber hinaus Hinweise auf eine Leberzirrhose. Im Buch von William F. Pepper (Freund von Martin Luther King und später Anwalt von James Earl Ray) wird darauf hingewiesen, dass im Gefängnis bereits zwei Jahre vor seinem Tod bei ihm eine Hepatitis C diagnostiziert, dies jedoch weder Ray noch seinen Angehörigen mitgeteilt wurde. Vom Autor wird hier in Betracht gezogen, dass die Regierung auf Rays Tod hoffte. Weiterhin beleuchtet werden im Buch Geheimdienstaktivitäten der Army in Bezug auf Kings Tod und damit Rays Unschuld sowie das Hinhalten Rays auf einen Prozess seitens der Staatsanwaltschaft. Zur Inhaftierung von James Earl Ray habe kein Gerichtsverfahren geführt, so Pepper, da er sich schuldig bekannt habe. Sein Widerruf sei über 25 Jahre von der Justiz ignoriert worden.

Kurz vor Rays Tod hatte der deutsche Autor, Regisseur und Produzent Thomas Giefer Gelegenheit, mit ihm im Gefängnis zu sprechen. Rays Stellungnahme – er bestritt weiterhin die Beteiligung an dem Mord – wurde Teil einer von Giefer gedrehten Fernsehdokumentation.[2] In dieser Dokumentation kommen auch zahlreiche weitere Personen zu Wort, die darlegen, dass nicht Ray der Mörder gewesen sei, sondern es sich um ein Komplott gehandelt habe, dessen Drahtzieher in der Mafia, in Kreisen des Militärs und des FBI zu suchen seien. In diesem Sinne äußern sich in der Dokumentation unter anderem Anwälte, Detektive, der King-Biograph David Garrow und der frühere UNO-Botschafter der USA, Andrew Young.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Archiv der FBI Außenstelle in Knoxville (Version vom 24. April 2008 im Internet Archive)
  2. Tod in Memphis – Der rätselhafte Tod des Martin Luther King (im Rahmen der WDR-Reihe Politische Morde), zuletzt ausgestrahlt am 10. Juni 2008 um 00:15 Uhr vom WDR

Weblinks[Bearbeiten]